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Gewalt in Krisenzeiten: AWO fordert verlässliche Hilfestrukturen für Frauen

Gewalt gegen Frauen hat im Zuge der Corona-Pandemie dramatisch zugenommen. Angesichts drohender (regionaler) Lockdowns weist der AWO Bundesverband auf die Notwendigkeit verlässlicher Hilfestrukturen hin. In einem Forderungspapier fasst der Wohlfahrtsverband die aus seiner Sicht wichtigsten Maßnahmen zusammen, damit betroffenen Frauen schnell und effektiv geholfen werden kann.

Es ist ein Schreckensszenario: Zuhause herrscht Gewalt und es gibt keinen Ort, an dem man Sicherheit und Schutz erfährt. Angesichts der deutlichen Zunahme von häuslicher Gewalt in der Corona-Krise - allein die Berliner Gewaltschutzambulanz der Charité behandelte bereits im Juni dieses Jahres 30 Prozent mehr Fälle als im Jahr zuvor - ist zu befürchten, dass nicht alle Betroffenen die Hilfe in Anspruch nehmen werden können, die notwendig ist.

Aus diesem Grund hat der Arbeitskreis Frauen und Gleichstellung der Geschäftsführendenkonferenz der Arbeiterwohlfahrt sowie der 'Koordinierungskreis Häusliche Gewalt' der AWO ein Forderungspapier entwickelt, das die Politik in die Pflicht nimmt. Es dürfe nicht passieren, dass von Gewalt betroffene Frauen und Kinder vor verschlossenen Türen stehen, wenn sie Schutz suchen. Neben der bekannten Forderung nach besserer personeller und finanzieller Ausstattung sind den Unterzeichnenden auch weitere Apsekte wichtig. So fordert die AWO z.B., dass Ämter und Behörden auch in Pandemiezeiten erreichbar sind. Wichtige Termine und Beratungen müssten auch in Pandemiezeiten durchgeführt werden. Hilfe zur Selbsthilfe könne nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn gewaltbetroffene Frauen kurzfristig ihren Lebensunterhalt beantragen und absichern könnten und sich somit auch aus abhängigen Strukturen vom Täter befreien können.

Auch sei ein überregionales System notwendig, das einen Überblick über freie Kapazitäten in Frauenhäusern an anderen Standorten ermöglicht. Auf diese Weise könnten Frauen zügig weitervermittelt werden. Fehlende Kapazitäten bzw. Komplikationen bei der Suche nach einem Platz können Frauen bekanntlich davon abbringen, den schwierigen Weg hin zur dauerhaften Trennung vom gewalttäigen Partner durchzuhalten.

Generell sei eine nachhaltige Absicherung der Hilfestrukturen notwendig. Denn noch ist völlig unklar, wie lange sich die Pandemie negativ auf die 'Fallzahl' häuslicher Gewalt auswirken wird. Das vollständige Forderungspapier des AWO Bundesverbands finden Sie hier.

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Buchcover

Regina-Maria Dackweiler, Alexandra Rau, Reinhild Schäfer (Hrsg.): Frauen und Armut - feministische Perspektiven. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. 474 Seiten. ISBN 978-3-8474-2203-7.
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