Charlotte Zach

Inklusion - jetzt aber zachig!

Die Kolumne über das Leben mit Behinderung von Charlotte Zach


Mein Name ist Charlotte Zach, ich bin 27 Jahre alt, Psychologin und Rollstuhlfahrerin. Ich möchte in dieser Kolumne zukünftig gerne die Schnittstellen zwischen verschiedenen großen und kleinen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens mit dem Thema Inklusion beleuchten:

In welchen Bereichen des menschlichen Miteinanders erfahre ich als junge Frau mit Behinderung Diskriminierung und wie können wir diese gemeinsam reduzieren? Was erzählt uns der Stand der Inklusion in unserer Gesellschaft über unser Zusammenleben insgesamt, über unser Wertesystem, über unser Selbstverständnis, über die Funktionalität unseres politischen Diskurses? Was können wir alle über uns und die Gesellschaft lernen, wenn wir uns mit Inklusion beschäftigen?

Ich möchte Sie mitnehmen, von alltäglichen Beispielen aus meinem Alltag, über das Aufzeigen von strukturellen Problemen hinleiten zu großen sozialen Fragen, Herausforderungen und Möglichkeiten.

15.07.2022 Was die Welt von uns lernen kann

Charlotte Zach Im Alter von 18 bis 20 Jahren hatte ich eine Angststörung. Entzündet hatte sich meine Angst in dem Gedanken, ich könnte eine schlimme Krankheit haben, die mich noch abhängiger machen oder gar töten könnte. Die Angst wanderte dann aber auch hin zu den Gedanken, dass meine Eltern sterben könnten und wieder zurück. Auslöser meiner Angst war, dass ich mich in dem Alter mit meiner Behinderung und der damit… weiterlesen

15.06.2022 Hilfebedarf ist nicht schwarz und weiß!

Charlotte Zach Stell dir vor, du bist Bergsteiger. Aber eigentlich nur als Hobby. Immer wenn du dich danach fühlst, nimmst du deine Kletterschuhe, dein Sicherheitsgurt und etwas zu trinken mit und gehst in die Berge um zu klettern. (Ja ich weiß in meiner Beschreibung merkt man, dass ich noch nie klettern war. Was für eine Überraschung!) An manchen Tagen hast du aber keine Kraft, um zu klettern. An manchen Tagen weißt… weiterlesen

15.05.2022 Inklusion ist Emanzipation

Charlotte Zach Einer jungen Frau wird in ihrem Orientierungsjahr im Berufsbildungswerk verboten, zu einer Beratung in die EUTB zu kommen, weil ihr dort ja nur „unrealistische Flausen ins Ohr gesetzt“ würden bezüglich ihrer beruflichen Perspektiven. Es sei doch viel besser, sie würde in der Einrichtung des Werkes direkt eine Ausbildung zur Bürokauffrau machen. Das sei doch realistisch. Ein junger Mann mit Querschnitt… weiterlesen

16.04.2022 Internalisierter Ableismus

Charlotte Zach  Ich habe diese Geschichte schon einmal erzählt: Als ich klein war, wohnte im Nachbarhaus ein Junge. Er war ein ganzes Stück älter, als ich und er fuhr mit einem großen Dreirad durch die Spielstraße, in die wir gezogen waren. Am Anfang nach dem Umzug beobachtete ich ihn oft, wie er über den Nachbarhof schlenderte, pfiff oder Seifenblasen machte. Sein Gang fiel mir auf, seine Körperhaltung, während… weiterlesen

15.03.2022 Ein selbstbestimmtes Leben führen zu wollen, ist nicht unangemessen und keine Extrawurst

Charlotte Zach Es passiert mir in meinem Beratungsalltag immer wieder: Junge Menschen mit Körperbehinderung sitzen vor mir sind ratlos,  entmutigt und verzweifelt. Sie haben das Gefühl, festzustecken, als endete ihr Leben nun in einer Sackgasse, nach all den Bemühungen der Inklusion und Integration und der Versuche von Teilhabe und Normalität. Denn sie wollen von zu Hause ausziehen, weg aus ihrem Elternhaus, unabhängig… weiterlesen

15.02.2022 Die große Freiheit! – Coming of Age mit Behinderung

Charlotte Zach Die große Freiheit. Das ist, was die meisten jungen Menschen suchen. Die Konfettijahre. Ich hatte sie. Und sie waren so wichtig für mich und meine Entwicklung. Wichtig, weil sie für jeden jungen Menschen wichtig sind. Aber auch wichtig für mich als Teenager mit Behinderung. Sie waren wichtig für mein Selbstbild und für mein Selbstvertrauen. Durch sie wurde ich konfrontiert mit dem Dilemma der Selbstständigkeit,… weiterlesen

15.01.2022 Warum brauchen wir „selbstbestimmte Therapie“?

Charlotte Zach Ich habe im Alter von 0 bis 6 Jahren eine Therapie erhalten, die sich Vojta nennt. Sie besteht daraus, dass der/ die Patient:in in bestimmte Positionen gelegt wird und dort über längere Zeit gehalten. Es werden Punkte am Körper gedrückt, die bestimmte Muskeln anregen, sodass automatisierte Prozesse ausgelöst werden. Das Ganze ist enorm anstrengend, häufig unangenehm, insbesondere je länger es dauert… weiterlesen

15.12.2021 Das Uhrwerk des Ableismus

Charlotte Zach Ich verstehe Ableismus heute wie ein Uhrwerk, das immer weiter tickt, weil seine einzelnen Zahnräder so nahtlos ineinander greifen. Ich möchte in diesem Text erklären, worin ich diese Zahnräder sehe, damit wir in folgenden Kolumnen darüber nachdenken können, an welchen Stellen wir das Uhrwerk zum Stocken bringen können. Als ich 4 Jahre alt war, sind wir in ein anderes Haus gezogen. In einem Neubaugebiet… weiterlesen

15.11.2021 „Nichts über uns - ohne uns“

Charlotte Zach In welchen Bereichen des menschlichen Miteinanders erfahre ich als junge Frau mit Behinderung Diskriminierung und wie können wir diese gemeinsam reduzieren? Was erzählt uns der Stand der Inklusion in unserer Gesellschaft über unser Zusammenleben insgesamt, über unser Wertesystem, über unser Selbstverständnis, über die Funktionalität unseres politischen Diskurses? Was können wir alle über uns und die… weiterlesen

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