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Geflüchtete Frauen zu ihrer Lebenssituation in Deutschland

Wie gestaltet sich die psychosoziale Gesamtsituation von geflüchteten Frauen in Aufnahmeeinrichtungen? Das wollte eine Multicenter-Studie unter Federführung der Berliner Charité wissen. Beispielhaft wurden dazu in fünf städtischen und ländlichen Regionen in verschiedenen Bundesländern repräsentative Daten erfasst. Nun liegt der Abschlussbericht vor.

In einem Vorwort würdigt die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz, dass erstmals in dieser Studie dargestellt wird, wie geflüchtete Frauen ihre psychosoziale Situation sehen und welche Verbesserungsmöglichkeiten sie als hilfreich für ihre Integration in Deutschland erachten.

Die Ergebnisse der von ihr gefröderten Arbeit zeigten, dass viele der geflüchteten Frauen traumatisierende Erfahrungen zu bewältigen haben, viele auch  sexualisierte Gewalt im Heimatland oder auf der Flucht. Sexuelle Gewalt, die Angst vor Ehrenmord oder auch Zwangsverheiratung kommen bei Frauen und Mädchen zu den allgemeinen Fluchtgründen hinzu und stehen so auch an fünfter, sechster bzw. siebter Stelle der Fluchtgründe, so Özoğuz.

In Deutschland wünschten sich die geflüchteten Frauen insbesondere Stabilität und Sicherheit. Sie sind bestrebt, sich sprachlich und beruflich zu integrieren. Aber sie benötigen gerade bei der psychosozialen Betreuung eine umfassendere Unterstützung. Viele der traumatisierten Frauen konnten bislang keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und sind noch nicht in der Lage, ohne Sprachmittlung behandelt zu werden, resümmierte Özoğuz.

Klare Handlungsempfehlungen

In seinem Abschlussbericht empfiehlt das Forschungsteam dringend Lösungen für die sprachliche Verständigung in medizinischen,psychosozialen und rechtlichen Fragen. Es empfiehlt auch, das Recht auf umfassende Gesundheitsversorgung, insbesondere im Hinblick auf psychosoziale, psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung für Geflüchtete standardmäßig zu etablieren.

Unerlässlich finden die Forscher ausreichend geschultes Personal, Dolmetscherinnen und Dolmetscher und ihre Finanzierung zum Erkennen von besonderer Schutzbedürftigkeit von Frauen. Initiative und Projekte, die frauenspezifische Themen wie weibliche Genitalbeschneidung und häusliche Gewalt adressieren, empfiehlt es sich ihrer Ansicht nach stärker zu fördern. Es empfiehlt sich auch, allein reisende Frauen separat unterzubringen, hilfreich seien Kontingente im kommunalen oder städtischen Wohnbau einen leichteren Zugang zu Wohnberechtigungsscheinen und Maßnahmen der Wohnungslosenhilfe oder auch integrative Arbeitsmarktmaßnahmen und Alphabetisierungskurse. Es werden kultursensible Gewaltschutzkonzepte als notwendig erachtet. Unterstützend wirke eine schnellere Familienzusammenführung. Angeregt werden unabhängige Ombuds- und Beschwerdestellen, an die sich die geflüchteten Frauen ohne Angst und Sorgen bei Überfällen, Diskriminierungserfahrungen, aber auch Fehlbehandlungen wenden können.

Insgesamt wird die Bedeutung betont, Stressfaktoren und Belastungen nach der Ankunft in Deutschland zu beseitigen. Das trage maßgeblich dazu bei, die Prävalenz von stressinduzierten Folgestörungen zu reduzieren und die Lebensqualität und die Zufriedenheit der geflüchteten Frauen zu verbessern, heißt es im Abschlussbericht.

Beteiligt waren an dem Projekt die Charité – Universitätsmedizin Berlin und Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus (Berlin), die Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Institut für Psychologie, J. W.Goethe-Universität (Hessen) in Franfurt/Main, das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg Universität Mainz (Rheinland-Pfalz) die  Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen, Privatuniversität, Nürnberg (Bayern) und das Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsmedizin Rostock (Mecklenburg-Vorpommern). Mehr Informationen und Download des Abschlussberichtes unter https://female-refugee-study.charite.de/

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Jana Simon: Unter Druck. S. Fischer Verlag (Frankfurt am Main) 2019. 335 Seiten. ISBN 978-3-10-397389-1.
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