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Deutsche Stiftungsstudie: Besonders die Kleinen geraten vermehrt in Bedrängnis

19.12.2016 | Sozialmanagement | Umfragen

Jede sechste deutsche Stiftung bürgerlichen Rechts kann ihrem Zweck weniger gut nachkommen. Hauptgrund hierfür sind mangelnde finanzielle Ressourcen infolge der Niedrigzinspolitik der EZB. Dies ist eines der Ergebnisse der jährlichen Stiftungsstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach, wie die  Auftraggeberin BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mitteilt. Insbesondere kleinere Stiftungen mit einem Stiftungskapital von unter 250.000 Euro ständen aufgrund mangelnder finanzieller Ressourcen vor Problemen. Hier seien sogar knapp 30 Prozent weniger gut oder gar nicht mehr in der Lage ihre Kernaufgaben zu erfüllen.

„Ursache für die finanziellen Probleme vieler Stiftungen sind derzeit vor allem die anhaltend niedrigen Zinsen“, so Professor Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. „Die Lage der Stiftungen in Deutschland ist insgesamt aber sehr heterogen.

83 Prozent der Stiftungen gelingt es nach wie vor gut oder sehr gut ihre Stiftungszwecke zu erfüllen. Von den finanziell besser gestellten Stiftungen mit einem Kapital von über einer Million Euro beurteilen nur sieben Prozent ihre eigene Lage überwiegend negativ.“ so Professor Köcher weiter.

„Gerade für die kleineren, finanziell weniger gut ausgestatteten Stiftungen ist die Niedrigzinsphase eine existenzielle Bedrohung“, so BDO-Stiftungsexperte Dr. Reinhard Berndt.

„Sie sind daher ganz besonders gefordert, neue Wege zu gehen, um ihre Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. Dabei ist es auffällig, dass nur der kleinere Teil von ihnen aktiv ihre Möglichkeiten nutzt und sich beispielsweise über Sponsoring neue Finanzierungsmöglichkeiten oder mithilfe von Kooperationen größere Handlungsoptionen erschließt.“

Insgesamt sieht fast die Hälfte der befragten Stiftungen schwierigere Zeiten auf sich zukommen, während nur fünf Prozent mit einer Verbesserung der eigenen Situation rechnen.

„Stiftungen werden ihre Finanzen zunehmend ganzheitlicher verstehen. Die aktuelle Situation bietet die Möglichkeit nicht nur die Wirkung des Ertrages, sondern auch die des Kapitals und Engagements in den Blick zu nehmen. Stiftungen, die dies tun und auch ihre Finanzaktivitäten am Zweck ausrichten, sind seit Jahrhunderten erfolgreich und überstehen so auch schwierige Zeiten.“ ergänzt Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen „Die breite Zustimmung der Stiftungen für eine Reform des Stiftungsrechts zeigt: Viele Stiftungen sind bereit für mehr Transparenz, und der Gesetzgeber sollte dringend bessere rechtliche Rahmenbedingungen angehen.“

So sprechen sich nach BDO-Angaben mehr als drei Viertel für eine zumindest größenabhängige Bilanzierungspflicht aus. Außerdem sei nur eine Minderheit der Stiftungen gegen eine generelle Offenlegungspflicht. Besonders großen Zuspruch fände zudem eine Reform, die es erlauben würde, den Stiftungszweck nachträglich zu verändern: 75 Prozent der befragten Stiftungen befürworten eine solche Änderung des Stiftungsrechts.

Die vollständigen Studienergebnisse stehen kostenfrei zum Download zur Verfügung: www.bdo.de/Stiftungsstudie2016


Quelle: Presseinformation der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vom 15. Dezember 2016

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