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DAK stellt Konzept zu grundlegender Pflegereform vor

Wirklich niemand ist mit der aktuellen Systematik der Pflegeversicherung zufrieden, insbesondere die hohen Eigenanteile bereiten vielen Menschen große Sorgen. Die Versicherung steht schon lange in der Kritik, doch verändert wurde kaum etwas. Die DAK hat nun eine grundlegende Reformidee vorgestellt, die für mehr Gerechtigkeit und Planungssicherheit sorgen soll.

„Aktuell verfehlt die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, die Menschen im Pflegefall vor einem Armutsrisiko zu bewahren und die Kosten der Pflege fair  zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen zu verteilen”, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Ordnungspolitisch brauchen wir für die kommenden 25 Jahre eine völlig neue Finanzstatik in der Pflege.” Erforderlich sei eine grundlegende Reform mit einer Mischfinanzierung aus Beitragseinnahmen und Steuerzuschüssen. „Wie das Kindergeld ist auch das Pflegegeld eine Sozialleistung mit gesamtgesellschaftlichem Charakter, der eine Steuerfinanzierung rechtfertigt”, betont Storm.

Deckelung der Eigenanteile als "Herzstück"

Im Reformkonzept der DAK-Gesundheit ist ein sogenannter Sockel-Spitze-Tausch Herzstück einer neuen Pflegeversicherung. Anders als bisher erhielten  Pflegebedürftige mehr finanzielle Sicherheit, indem ihre Eigenanteile gedeckelt würden. Hierfür hat der Bremer Professor für Gesundheitsökonomie Heinz Rothgang für die Krankenkasse erstmals konkrete Modellrechnungen bis zum Jahr 2045 erstellt. Hierbei wird mit einem Sockelbetrag der Eigenbeteiligung von im bundesweiten Durchschnitt 450 Euro im Monat gestartet. Die Eigenanteile würden dann entsprechend der Lohnentwicklung dynamisch steigen. „Im Vergleich zu anderen Szenarien würden die finanziellen Belastungen der Pflegebedürftigen in absoluter Höhe geringer ausfallen“, sagt Rothgang.

Bis 2045 sollen 25% der Kosten über Steuern finanziert werden

„Das Modell mit einem durchschnittlichen Sockelbetrag von 450 Euro ist daher eher geeignet, Sozialhilfeabhängigkeit zu vermeiden.“ Ohne Reformen gäbe es nach Rothgangs Berechnungen für die Pflegebedürftigen doppelt bis dreifach so hohe Eigenanteile wie heute. DAK-Vorstandschef Storm betont: „Durch unser Modell explodieren weder Eigenanteile noch Beitragssätze.” Der Durchschnittsbetrag kommt zu Stande, weil die Kosten für die stationäre Unterbringung von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich hoch sind. Bis 2045 soll dann ein bundesweit einheitlicher Satz gelten. 

Laut DAK-Pflegereport rechnet fast die Hälfte der Befragten in Zukunft mit deutlich steigenden Pflegebeiträgen. Allerdings wären nur 24 Prozent von ihnen bereit, künftig selbst höhere Beiträge für die Pflegeversicherung zu zahlen. Dreiviertel der Befragten sprechen sich für Reformmodelle aus, bei denen die Eigenanteile für die Pflege im Heim begrenzt werden. 58 Prozent sind der Meinung, dass die Mehrkosten für die Pflegeversicherung aus Steuermitteln finanziert werden sollten. Fast jeder Zweite kann sich auch eine Vollversicherung vorstellen.

Rund 3,7 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Etwa ein Viertel davon wird stationär im Pflegeheim betreut. Die Ausgaben der Pflegeversicherung sind zwischen 2015 und 2018 von 29 auf 41 Milliarden Euro gestiegen.


Quelle: Pressemitteilung der DAK vom 16.10.2019

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Jana Simon: Unter Druck. S. Fischer Verlag (Frankfurt am Main) 2019. 335 Seiten. ISBN 978-3-10-397389-1.
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