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Vielfalt auf dem Campus: zwischen Wertschätzung und Diskriminierung

18.09.2017 | Studium, Forschung

Alle Menschen sind rechtlich gleich – aber sie unterscheiden sich auch voneinander, sei es Alter, Geschlecht oder Herkunftsland. „Vielfalt wird nicht immer wertgeschätzt, sie kann auch Ursache von Diskriminierung sein", sagt Prof. Dr. Barbara Thiessen. Sie hat an der Hochschule Landshut untersucht, wie Studierende den Umgang mit Vielfalt am Campus erleben.

Es gibt nicht den einen typischen Studenten, der hier geboren ist und gerade frisch von der Schule kommt. Jeder fünfte Studierende der Hochschule Landshut kümmert sich um eigene Kinder oder einen pflegebedürftigen Angehörigen. Sechs Prozent kommen nicht aus Deutschland, mehr als die Hälfte arbeitet nebenbei. „Eine Hochschule muss der Vielfalt ihrer Studierenden und Mitarbeitenden gerecht werden", sagt Prof. Dr. Clemens Dannenbeck, an der Hochschule unter anderem Beauftragter für Diversität. „Es gibt Gleichstellungsbeauftragte oder Beratungsstellen, etwa für die Belange von Studierenden mit Behinderung und eine unabhängige psychologische Beratung sowie Sozialberatung. Auch die Infrastruktur ändert sich, zum Beispiel werden mehr barrierefreie Zugänge für Menschen im Rollstuhl gebaut oder öffentliche Vorträge in Gebärdensprache übersetzt", fasst er zusammen. Aber das reicht noch nicht. Deswegen beteiligt sich die Hochschule am Diversity-Audit „Vielfalt gestalten" des Stifterverbands der Deutschen Wissenschaft. Es unterstützt Hochschulen dabei, eine Diversitätsstrategie zu entwickeln.

Status quo der Vielfalt analysieren

Wo und wie genau wird Vielfalt zwischen Wertschätzung und Diskriminierung erlebt? Damit setzt sich Prof. Dr. Barbara Thiessen in ihrer Forschung intensiv auseinander. Gemeinsam mit einer Forschungswerkstatt hat sie untersucht, wie Studierende Vielfalt und Diskriminierung auf dem Campus erleben. Die Ergebnisse sollen Anregungen für neue Maßnahmen geben, um Diskriminierung besser zu vermeiden. „Wir haben Studierende online zu ihren Erfahrungen befragt und im Anschluss acht Gruppendiskussionen geführt", so die Wissenschaftlerin. Dabei zeigte sich: Es ist schwierig, überhaupt über Diskriminierung zu sprechen. „Natürlich gibt es Menschen, die auf dem Campus schlechte Erfahrungen gemacht haben. Das stellen wir oft aber erst auf Nachfrage fest." Denn Menschen, die wegen ihres Glaubens, wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Behinderung benachteiligt wurden, verdrängen solche negative Erfahrungen oft, so Thiessen. Das sei eine Strategie, mit Diskriminierung umzugehen.

Verschiedene Definitionen von Vielfalt

„Interessant ist auch, dass manche Definitionen von Vielfalt eher auf Verständnis stoßen als andere. Eine sichtbare körperliche Beeinträchtigung wird beispielsweise eher akzeptiert als eine psychische", fasst Thiessen zusammen. „Das heißt, Bodenfräsungen oder sprechende Aufzüge für sehbehinderte Menschen oder Toiletten für Menschen im Rollstuhl sind für die meisten selbstverständlich." Andere Maßnahmen stoßen dagegen eher auf Unverständnis. So gaben manche Studenten in der Umfrage teilweise an, dass sie Förderangebote für Frauen wie das BayernMentoring als unfair empfinden.

Für Dannenbeck sind diese Ergebnisse wichtig. „Die Studierendengruppe an der Hochschule Landshut ist noch relativ homogen", sagt er. Doch das verändert sich: „Dieser Prozess ist spürbar, wenn auch deutlich langsamer als beispielsweise in Großstädten." Dafür sollen auch Lehrende sensibilisiert werden – beispielsweise, dass sie bei Gruppenarbeiten stärker darauf achten, unterschiedliche Menschen zusammenzubringen.


Quelle: Presseinformation der Hochschule Landshut vom 13. September 2017

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Klaus-Peter Hufer: Argumentations­training gegen Stammtischparolen. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2016. 10. Auflage. 117 Seiten. ISBN 978-3-87920-054-2.
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