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Uni Siegen digitalisiert deutsche Gebärdensprache

In einem von der EU geförderten Forschungsprojekt entwickelt ein internationales Wissenschaftsteam einen Übersetzer, der in Echtzeit Gebärdensprache in Schrift und Schrift in Gebärdensprache umwandelt. Eins der Ziele ist es, eine App zu programmieren, mit der sich hörende und gehörlose Menschen in spontanen Situationen ohne Dolmetscher verständigen können.

Die internationale Forschergruppe aus sechs Ländern arbeitet dafür an der Digitalisierung von Gebärden, die sich von Land zu Land unterscheiden. Alleine in Europa gibt es etwa 50 verschiedene anerkannte Gebärdensprachen. Die Uni Siegen ist im EU-Projekt verantwortlich für die deutsche Gebärdensprache. Die Forscher nutzen zur Digitalisierung Handschuhe voller Sensoren. Wenn die Forscher im Labor die Handschuhe tragen und Gebärden mit den Händen formen, erkennen eine spezielle Kamera und eine Software die Bewegungen, die Stellungen der Hände und den Abstand der Hände zum Körper. Eine virtuelle Figur, ein sogenannter Avatar, auf einem Computer registriert die Bewegungen und stellt die Gebärden auf dem Bildschirm dar.

„Schriftsprache ist für Gehörlose wie eine Fremdsprache"

In einem ersten Schritt werden Gebärdenzeichen mit dem Avatar digitalisiert und in einer Datenbank gespeichert, zunächst 500 Wörter in der deutschen Gebärdensprache. Der Übersetzer soll ein Hilfsmittel sein, das die Kommunikation für gehörlose Menschen im Alltag und im Studium erleichtert. Um zu erfahren, in welchen Alltagssituationen sich Gehörlose Unterstützung wünschen, finden in jedem der sechs Projekt-Länder Diskussionsrunden mit Betroffenen statt. 

Gehörlose wünschen sich mehr Unterstützung im Alltag und im Studium

Das Ergebnis der Diskussionsrunde an der Universität Siegen sei eindeutig, teilt das Wissenschaftsteam mit. Gehörlose wünschen sich mehr Unterstützung im Alltag, wie bei Arztbesuchen, ärztlichen Untersuchungen und Krankenhausaufenthalten. Auch bei Behördengängen, an Bahnhöfen und an Flughäfen wäre der Avatar zur Kommunikation nützlich. 

Gebärdensprachdolmetscher können durch einen Avatar nicht ersetzt werden, so die Forscher. Fließende Diskussionen seien durch keinen Avatar der Welt in Echtzeit darzustellen. "Dafür ist die Gebärdensprache zu komplex", erklärt der Siegener Projektleiter Prof. Hubert Roth.

„Allerdings sind solche Inhalte mit dem Avatar leicht abzubilden, in denen Text schon vorhanden ist." Schon jetzt ist es möglich, zum Beispiel Mails oder Powerpoint-Präsentationen durch Avatare zu ergänzen, um Gehörlosen das Verständnis zu erleichtern, indem sie nicht die Schriftsprache lesen müssen. „Viele Gehörlose sind im Bildungsbereich eingeschränkt, weil eine umfassende Kommunikation fehlt. Das verringert die beruflichen Aufstiegschancen. Ein Avatar könnte gerade hier gut helfen", sagt Roth.

Gefördert wird das Projekt „International Assisted Communication for Education" (Internationales Projekt für unterstützende Kommunikation in der Bildung) durch die Europäische Union im Rahmen des Erasmus+ Programms. Internationale Partner sind neben der Universität Siegen (Deutschland), die Universität York (England), das Technological Educational Institute in Kreta (Griechenland), das Instituto Politecnico do Porto (Portugal), das Camara Municipal do Porto (Portugal), die Universität Maribor (Slowenien) und die European Association of Career Guidance (Zypern).

Ansprechpartner: Prof. Dr.-Ing. Hubert Roth, hubert.roth@uni-siegen.de


Quelle: Pressemitteilung der Universität Siegen

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Klaus-Peter Hufer: Argumentations­training gegen Stammtischparolen. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2016. 10. Auflage. 117 Seiten. ISBN 978-3-87920-054-2.
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