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1. LVR-Fachtag "Gute psychiatrische Pflege" nimmt Konflikte und Gewalt in den Fokus


Die Liste der belastenden Faktoren auf psychiatrischen Stationen ist beachtlich. Entlastung für Patientinnen und Patienten wie auch die Mitarbeitenden tut not. Einer konfliktärmeren Behandlung widmeten sich deshalb hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller zehn Kliniken  des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) sowie der LVR-Akademie für seelische Gesundheit auf dem ersten  LVR-Fachtag „Gute psychiatrische Pflege".

Sie beschäftigten sich mit Konflikte wir Aggressionen, Selbstverletzung, Suizidversuche und Suizide, Entweichungen und daraus resultierende Eindämmungsmaßnahmen wie Zwangsmedikation, Isolierung, Fixierung, 1:1-Betreuung. Dabei stand die Frage „Wie kann Gewalt und Konflikte in der Psychiatrie reduziert werden" im Mittelpunkt.

Den thematischen Impuls für das neue Format des Fachtages hatte im vergangenen Jahr eine LVR-Pflege-Fachkonferenz im LVR-Klinikum Essen gegeben. Dort suchten die Expertinnen und Experten aus den psychiatrischen Kliniken des LVR nach Inhalten und Anregungen im Hinblick auf die Frage: „Was ist gute psychiatrische Pflege?" und wie kann die psychiatrisch pflegerische Arbeit im LVR-Klinikverbund zukunftsorientiert weiterentwickelt werden. Die Ergebnisse dieser ersten Fachkonferenz führten zu den inhaltlichen Schwerpunkten des neu initiierten LVR-Fachtages.

Auf dem LVR-Fachtag wurde besonders das „Safewards-Modell" (Safe wards sind im Englischen sichere Stationen) vorgestellt und diskutiert. Die Teilnehmenden stellten erste Erfahrungen bei der Implementierung im In- und Ausland vor und tauschten sich über diese Ansätze aus.

Das Safewards-Modell beschäftigt sich mit dem Auftreten von Konflikten und Ursprungsfaktoren. Sie gelten als potenzielle Krisenherde für das Entstehen von Aggression und Gewalt in der psychiatrischen Arbeit. Darüber hinaus beschreibt das Modell wirksame Einflussmöglichkeiten und spezifische Interventionen für Pflegende und das gesamte Behandlungsteam, mit denen die Entstehung und Häufigkeit von Konflikten reduziert werden können.

So zum Beispiel:

  • die Klärung gegenseitiger Erwartungen
  • eine positive, verständnisvolle und unterstützende Kommunikation
  • Methoden zur Beruhigung als Alternative zur Medikamenteneinnahme

Diese Interventionen erfolgen mit dem Ziel, im Rahmen der Behandlung für ein unterstützendes und reizarmes Umfeld zu sorgen. Dies soll für eine schnellere Genesung förderlich sein. In diesem Zusammenhang ist das Modell für den Einsatz in allen psychiatrischen Fachbereichen von großem Interesse.

 


Quelle: Aktuelle Medlung des Landschaftsverbandes Rheinland vom 5. April 2017

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Jana Simon: Unter Druck. S. Fischer Verlag (Frankfurt am Main) 2019. 335 Seiten. ISBN 978-3-10-397389-1.
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