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Für die "Überwindung separierender Strukturen"

Theresia Degener, Professorin für Recht und Verwaltung an der Evangelischen Hochschule Bochum und langjährige Vorsitzende des UN-Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, sieht die erzielten Fortschritte in Sachen Inklusion skeptisch. Sie fordert einen Systemwechsel.

Im Interview mit dem Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben (KSL) Arnsberg äußerte sich Degener zum Stand der Inklusion in Deutschland. Nach einer euphorischen Anfangszeit kurz nach der Ratifizierung der UN-BRK sei die Dynamik nun ins Stocken geraten. Es bestehe nach wie vor in wesentlichen Bereichen des Alltags akuter Handlungsbedarf, vor allem mit Blick auf die Situation auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie im Bildungsbereich. Mit Nachdruck verweist sie auf die zuletzt erschienene Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte, in der vielen Bundesländern ein bescheidenes Zeugnis ausgestellt wurde.

Enttäuscht ist Degener zudem von der Entwicklung, dass menschenrechtlich fundierte Begriffe wie Inklusion und Selbstbestimmung als "Etiketten" für Konzepte benutzt würden, die in keiner Weise den Ansprüchen genügten. Auch missfällt der Bochumer Professorin der Rückfall in eine "Sonderpädagogisierung der Inklusion", was letztlich neuerliche Segregation und Separation zur Folge habe. Das Argument, Menschen mit Behinderungen seien generell besser in Sondereinrichtungen aufgehoben, komme von "Vertretern des Mainstreams", die schon immer der Auffassung waren, dass in der Mitte der Gesellschaft kein Platz für Menschen mit Behinderung sei. Im Sinne eines echten Systemwechsels sei "die Überwindung separiererender Strukturen" notwendig.

Degeners Wunsch sei neben einer Überwindung der Separation, dass ein wirklich gleichberechtigtes Leben für Menschen mit Behinderung möglich wird. 

Hier finden Sie das komplette Interview mit Prof. Theresia Degener.

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