Alexandra Tamme (links) beim Job-Speed-Dating
Foto: Martina Groh-Schad

Erfolg für die Inklusion: Mehr als 800 Besucher bei der 1. Inklusiven Jobmesse

Mehr als 800 Gäste kamen Anfang Juni zur 1.Inklusive Jobmesse ins Regensburger Jahnstadion. Für den Arbeitskreis „Inklusiver Arbeitsmarkt“ ist das ein großer Erfolg.

Bereits um 9 Uhr, als die 1. Inklusive Jobmesse ihre Pforten öffnete, drängten sich die Besucher durch die Gänge im Regensburger Jahnstadion. Fast 50 Industrie-, Handels- und Dienstleistungs-Unternehmen aus Ostbayern stellten sich und ihre Jobperspektiven an Ständen vor. Menschen mit Beeinträchtigungen und Arbeitgeber hatten die Möglichkeit, persönlich miteinander ins Gespräch zu kommen. Viele Bewerbungsunterlagen wurden übergeben und Visitenkarten gezückt. „Wir freuen uns über das große Interesse“, sagte der Werkstattleiter der Lebenshilfe e.V. Rolf-Dieter Frey als Sprecher des Arbeitskreises „Inklusiver Arbeitsmarkt“ bei der Eröffnung. Der Arbeitskreis, der aus dem Bündnis „Regensburg inklusiv“ hervorging, hat sich der Förderung der Inklusion im Berufsleben verschrieben.

„Die Pandemie hat die Berufschancen von Menschen mit Behinderung verschlechtert“, erklärte Frey. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Handicap sei gestiegen. „Mit der Jobmesse wollen wir einen Beitrag leisten, das Thema Inklusion wieder stärker in den Köpfen der Menschen zu verankern.“ Arbeit sei ein großer Teil des Lebens und gebe Menschen mit Behinderung Selbstbewusstsein. Die große Zahl an teilnehmenden Unternehmen zeige, dass sie offen für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung seien. „Wir müssen nun mit Arbeitgebern verstärkt ins Gespräch kommen.“

Unterstützer der Messe war auch der Fußball-Verein SSV Jahn Regensburg. Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer kündigte an, dass der Verein im Nachgang zur Messe die „Regensburger Erklärung“ unterzeichnen wolle. Dabei handelt es sich um eine Absichtserklärung per Unterschrift von Unternehmen, die berufliche Inklusion in ihrem Betrieb zu fördern. Bereits 38 Unternehmen sind hier gelistet, zuletzt konnte der Halbleiter-Hersteller Infineon dafür gewonnen werden.

Erstmals fand bei der 1.Inklusiven Jobmesse auch das 1.Job-Speed-Dating speziell für Menschen mit Behinderung in Bayern statt. Unterstützt durch den Werkhof gGmbH und dem Verein Phönix e.V. führte die Interessensvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) aus Berlin das Kennenlernen von Menschen mit Beeinträchtigungen und Arbeitgebern im Schnellverfahren durch. Jeweils sieben Minuten hatten die Gesprächspartner Zeit, um herauszufinden, ob die Chemie zueinander stimmt. Dann unterbrach ein lauter Gong die Unterhaltung und die Bewerber mussten weiterrücken. „Noch am Messetag bekamen wir positive Rückmeldungen zu Arbeitsverhältnissen, die geschlossen werden sollen“, freut sich Angelika Krüger, Geschäftsführerin des Werkhofs gGmbH als Mitorganisatorin.  

Abgerundet wurde das Messeangebot durch mehrere Workshops, bei denen Interessenten Informationen rund um den Bewerbungsprozess und zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung erhielten. In einer Berater-Lounge stellten der Integrationsfachdienst Oberpfalz, der Bezirk Oberpfalz, die Agentur für Arbeit, die Jobcenter, das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS,) die deutsche Rentenversicherung und die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) ihr Angebot vor und gaben Hilfestellungen bei allen Fragen. Das Netzwerk Autismus und Phönix e.V.  gaben mit einem Wahrnehmungsparcours Einblicke in ihre Arbeit. Zudem hatten die Besucher die Möglichkeit, sich durch das Stadion führen zu lassen und an einem Torwand-Schießen teilzunehmen.

Bayerns Behindertenbeauftragter Holger Kiesel zeigte sich begeistert vom Angebot auf dem Messegelände. Allein in Bayern gebe es 7000 Firmen, in denen keine Menschen mit Behinderung beschäftigt seien. „Das muss sich ändern“, sagte Kiesel und wünscht sich künftig mehr inklusive Jobmessen in Bayern. „Inklusion muss wieder stärker in den Köpfen verankert werden“, betonte auch er. Ministerialdirigent Karl-Heinz Arians vom bayerischen Sozialministerium wies darauf hin, dass sich die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung positiv auf das Betriebsklima auswirke. „Inklusion hält die Gesellschaft zusammen.“

Hauptorganisatoren der ersten inklusiven Messe waren die Lebenshilfe e.V., der Werkhof gGmbH, die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, das ZBFS-Inklusionsamt und die Stadt Regensburg. Als Kooperationspartner konnten die Jobcenter der Stadt und des Landkreises Regensburg sowie die Agentur für Arbeit und der Verein SSV Jahn Regensburg gewonnen werden. Die Schirmpatenschaft übernahmen die Regensburger Oberbürgermeisterin Getrud Maltz-Schwarzfischer, die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger vertreten durch den stellvertretenden Landrat Willi Hogger sowie der Kelheimer Landrat Martin Neumeyer.

Weitere Informationen unter www.regensburg-inklusiv.de.

 
 

 

 

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