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Caritas fordert Qualitätsstandards für 'Live-in-Carework'

In Westeuropa leben Schätzungen zu Folge mehr als eine Million Pflegekräfte in Haushalten von pflegebedürftigen Menschen, sogenannte 'Live-in-Careworkers'. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Systems, doch die Arbeitsbedingungen sind häufig schlecht. Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist daher für die Einführung einheitlicher Qualitätsstandards: 'Fair Care Migration'.

In einer Stellungnahme fordert der Deutsche Caritasverband von der Politik ein Konzept zur „Fair Care Migration” und die Definition von Mindeststandards, unter anderem Qualitätsstandards für Agenturen, die Live-In-Careworkers vermitteln. Wie diese Arbeitskräfte angeworben werden, welche Rechte ihnen zustehen und wie ihre Beschäftigung in ihrer späteren beruflichen Laufbahn anerkannt werden kann, wird nämlich im politischen Diskurs vernachlässigt. Viele von ihnen haben unklare Arbeitszeiten und eine unzureichende soziale Absicherung.

„Wer betreut die Älteren in unserer Gesellschaft und unter welchen Bedingungen? Diese Frage stellt sich akut nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, aber die Beschäftigung von Live-In- Careworkers, auf die viele Familien zurückgreifen, liegt bis jetzt in einer gesetzlichen Grauzone“, so Eva Welskop-Deffaa, Vorstand Sozialpolitik des Deutschen Caritasverbandes. „Wir erwarten von der neuen EU-Kommission, dass sie im für Sommer 2020 angekündigten Grünbuch zur Demographie der Care Migration, insbesondere der Pendelmigration der Live-In-Careworkers, vorrangig Aufmerksamkeit schenkt.“ Live-In-Careworkers müssten die gleichen Arbeitsrechte haben wie andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Zielland: „Sie brauchen den Schutz der Sozialversicherungen und sie müssen vor Ort verlässlich begleitet werden. Ihre Arbeit bringt besondere Belastungen mit sich, mit denen sie nicht allein gelassen werden dürfen", so Welskop-Deffaa weiter.

„Fair Care Migration” heißt auch, dass die Perspektive der Herkunftsländer einbezogen wird. „Wir haben vor Ort Strukturen aufgebaut, um den Pflegebedürftigen eine menschenwürdige Versorgung zu gewährleisten, aber wir können diese Strukturen nicht aufrecht erhalten, wenn die Mitarbeiterinnen scharenweise weggehen“, so András Márton, Caritas-Direktor in der rumänischen Erzdiözese Alba Iulia anlässlich eines Seminars der Caritas zu diesem Thema in Berlin. „Wir brauchen dringend europäische Lösungen“.

Caritas-Organisationen in Ziel- und Herkunftsländern arbeiten seit 2012 zusammen, um geeignete Modelle der Vermittlung, Unterstützung und Qualifizierung von migrierenden Live-In-Careworkers erfolgreich zu erproben, zum Beispiel in Form von Ost-West-Partnerschaften zwischen Caritas-Organisationen. Die gemeinsame Abschlusserklärung des internationalen Workshops finden Sie hier.


Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Caritasverbands vom 29.11.2019

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