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Ampelsystem für Mitarbeiterbefragung zur Abeitszufriedenheit in Werkstätten

Mitarbeiterbefragungen gehören heute auch in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen zum Standard. Herkömmliche Befragungstools ergeben jedoch oft zu wenig aussagekräftige Resultate und Handlungsempfehlungen. Deshalb hat die Hochschule Luzern gemeinsam mit acht Institutionen ein neues Befragungsinstrument entwickelt, das schweizweit eingesetzt werden soll.

Die meisten Institutionen sind heute gesetzlich oder durch Qualitätsvorgaben der Schweizerischen Kantone verpflichtet, Mitarbeiterbefragungen durchzuführen. Wie sie die Arbeitszufriedenheit aber erfassen, wird den Institutionen überlassen. «Viele der Institutionen waren mit den gängigen Befragungsinstrumenten nicht zufrieden», sagt Projektleiter René Stalder von der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Die Daten waren wenig aussagekräftig, Handlungsempfehlungen liessen sich daraus nur schwer ableiten.

Herausforderung sei, dass Menschen mit einer Behinderung ihre Arbeitszufriedenheit teilweise nicht gleich ausdrücken oder anders verständlich machen, als Menschen ohne Behinderung. Auch stehen für sie womöglich andere Themen im Vordergrund. 

Ein Ampelsystem weist den Weg

In enger Zusammenarbeit mit Fachpersonen und Betroffenen aus den drei Institutionen Stiftung Brändi, Triva Luzern und Zuwebe Baar entstand zur bessseren Abbildung der besonderen Bedürfnisse ein breit abgestützter Kriterienkatalog mit 22 Themen. Dazu gehören unter anderem physische und psychische Anforderungen, Lohn, Verhalten von Vorgesetzten oder Arbeitszeit. Abgebildet werden Ergebnisse in einem Ampelsystem: "Das System mit Markierungen in rot, orange und grün zeigt auf einen Blick, wo man individuell ansetzen oder innerhalb der Institution eine Veränderung herbeiführen muss», sagt Stalder. Der Fragebogen richtet sich an Menschen mit leichter bis mittlerer Beeinträchtigung, und es gibt ihn in zwei Ausführungen: Für Personen, die ihn selbständig ausfüllen können und für Betreuerinnen und Betreuer, welche Mitarbeitende von Werkstätten befragen. Beide Varianten wurden durch ein auf «leichte Sprache» spezialisiertes Büro bearbeitet. Das Befragungsinstrument soll künftig schweizweit Anwendung finden.

Überraschende Befunde

Die bisherigen Testbefragungen zeigten, dass die Mitarbeitenden in Werkstätten grundsätzlich sehr zufrieden sind. Als besonders wichtig erachten sie das Verhalten der Vorgesetzten, Wertschätzung und Unterstützung, aber auch die Möglichkeit, mitzureden und sich stark im Arbeitsprozess einzugeben. Es gab auch überraschende Befunde: "Im Unterschied zu vielen Menschen ohne Behinderung ist etwa Job rotation, also viel Abwechslung, weniger gefragt», sagt Stalder. Auch der Lohn ist widererwarten ein grosses Thema für die Mitarbeitenden: "Das Thema Lohn wurde erst in den Befragungen oft gar nicht in Erwägung gezogen, da dieser grundsätzlich gesetzlich vorgegeben ist und nicht existenzsichernd, sondern als Zustupf gedacht ist", so Stalder.

Die Befragung zeige, dass neue Ansätze, wie beispielsweise gewisse Handlungsspielräume in der Entlohnung für die Mitarbeitenden, durchaus zu prüfen sind.

Weitere Fragebogen und Online-Tool geplant

In einem nächsten Schritt will die Hochschule Luzern gemeinsam mit interessierten Institutionen auch ein Instrument für Menschen entwickeln, die schwer beeinträchtigt sind und sich schlecht artikulieren können. Zudem ist ein Online-Tool in Planung, um Erfassung und Auswertung der Fragebogen zu automatisieren.


Quelle: Presseinformation der Hochschule Luzern am 6. März 2018

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