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Zusammenhalt in Regionen wird von Gerechtigkeitsfrage bestimmt, nicht von der Migrationsfrage

Generell ist es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland gut bestellt. Auch das Wachsen der kulturellen Vielfalt steht dem Gemeinsinn nicht entgegen. Das zeigt das „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt", die von Wissenschaftlern der Jacobs University Bremen unter Leitung von Prof. Klaus Boehnke im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde. Allerdings zeigen sich im Radar auch mögliche Gefährdungen: Dazu zählen die in der Bevölkerung wahrgenommene Gerechtigkeitslücke und die deutliche Spaltung, die sich in Bezug auf das soziale Miteinander zwischen Ost und West sowie zwischen strukturschwachen und prosperierenden Regionen auftut.

Der Zusammenhalt in den ostdeutschen Bundesländern sei durchgängig schwächer als in den alten Bundesländern, betont die Bertelsmann Stiftung. Das läge vor allem an der geringeren wirtschaftlichen Prosperität und höheren Raten an Arbeitslosigkeit und Armut. Die höchsten Zusammenhaltswerte wiesen im Radar das Saarland, Baden-Württemberg und Bayern auf.

Die Studie untersuchte den Zusammenhalt in Deutschland in neun Teildimensionen und fasste ihn in einem Gesamtindex zusammen. Auf der Skala von 0 bis 100 Punkten erreichen laut Bertelsmann Stiftung alle deutschen Bundesländer zwischen 57 und 63 Punkte. Abweichend von diesem Ergebnis geben drei Viertel der Befragten in Deutschland aber auch an, den Eindruck zu haben, der gesellschaftliche Zusammenhalt sei zumindest teilweise gefährdet. Gleichzeitig schätzen bundesweit 68 Prozent der Befragten den Zusammenhalt in ihrem eigenen Umfeld als gut ein, nur knapp sieben Prozent halten ihn für schlecht. „Die konkreten Alltagserfahrungen der Menschen sind besser als das, was sie für das gesamte Land vermuten – oder was ihnen öffentliche Debatten dazu spiegeln", sagt Stephan Vopel, Programmleiter bei der Bertelsmann Stiftung.

In Teildimensionen differenziertes Bild

Bundesweit akzeptieren die Menschen gesellschaftliche Vielfalt in einem hohen Maß. Der Indexwert liegt hier bei 79 Punkten, das ist laut Bertelsmann Stiftung in absoluten Zahlen der höchste Wert aller Teildimensionen. Deutlich schlechtere Werte ermittelt die Studie demnach in der Dimension Gerechtigkeitsempfinden: Nur ein sehr kleiner Teil der Befragten sei der Meinung, dass es bei der Verteilung wirtschaftlicher Güter gerecht zugeht.

Diese gefühlte Ungerechtigkeit korrespondiere mit empirischen Daten, die auf eine tatsächliche Ungleichheit und fehlende Teilhabechancen in der Bevölkerung verweisen, erläutert die Bertelsmann Stiftung. So sei der gesellschaftliche Zusammenhalt dort geringer, wo viele Arbeitslose und arme oder von Armut gefährdete Menschen leben – das werde in den Regionen noch deutlicher als auf der Ebene der Bundesländer. Vor allem eine hohe Jugendarbeitslosigkeit stehe in negativer Beziehung zum Zusammenhalt. Ähnlich verhälte es sich mit einem hohen Anteil von Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss und einer überalterten Bevölkerung. Demgegenüber sei der Zusammenhalt dort höher, wo das durchschnittliche Wohlstandsniveau hoch ist und wo mehr Menschen gegenüber der Globalisierung positiv eingestellt sind. Die Studie belegt auch, dass es für den Zusammenhalt keine Rolle spielt, wie viele Ausländer und Migranten in einer Region oder einem Bundesland leben.

„Um den Zusammenhalt zu stärken, kommt es darauf an, soziale Ungleichheit zu verringern und Armut zu verhindern sowie insbesondere die ökonomische Situation in den neuen Bundesländern weiter zu verbessern", sagt Kai Unzicker, Experte für gesellschaftlichen Zusammenhalt bei der Bertelsmann Stiftung

Hintergrund

Der Studie liegt eine repräsentative Befragung von 5.041 Menschen durch das Sozialforschungsinstitut infas aus dem Frühjahr 2017 zugrunde. Die Studie ermöglicht einen Vergleich der 16 Bundesländer und von 79 Regionen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird als mehrdimensionales Phänomen verstanden, das sich aus neun unterschiedlichen Dimensionen in drei Bereichen zusammensetzt: Soziale Beziehungen (soziale Netze, Vertrauen in Mitmenschen und Akzeptanz von Diversität), emotionale Verbundenheit (Identifikation, Institutionenvertrauen und Gerechtigkeitsempfinden) sowie Gemeinwohlorientierung (Solidarität und Hilfsbereitschaft, Anerkennung sozialer Regeln und gesellschaftliche Teilhabe).

Die Arbeit erscheint im Rahmen des Reinhard Mohn Preises 2018 „Vielfalt leben – Gesellschaft gestalten", der sich mit den Chancen und Herausforderungen des Zusammenlebens in kulturell vielfältigen Gesellschaften beschäftigt. 


Quelle: Presseinformation der Bertelsmann Stiftung vom 11. Dezember 2017

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Heidrun Kiessl: Systemische Ansätze in der Heilpädagogik. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. 170 Seiten. ISBN 978-3-17-033064-1.
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