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Zum KSFH-Pflegefachtag wurde die Forderung nach einer bayerischen Pflegekammer laut „Der Pflege eine eigene Stimme geben“

25.06.2013 | Altenhilfe | Nachrichten

Unter dem Motto Der Pflege eine eigene Stimme geben fand am Donnerstag, 13. Juni 2013 ein Pflegefachtag an der Katholischen Stiftungsfachhochschule mit politischer Themenausrichtung statt, zu dem Alumni der Hochschule, Studierende und auch zahlreiche Gäste aus der Praxis eingeladen waren. Vor dem Hintergrund der derzeit durchgeführten Befragung in Bayern (Infratest) zur Errichtung einer Pflegekammer in Bayern stellte Frank Vilsmeier, 1. Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Pflegerates, in seiner Keynote den nach seiner Auffassung unabdingbaren Weg einer Berufsordnung zur Kammer für die Pflege in Deutschland – auch als mögliches Modell für Bayern – dar.

Mit dem Appell an Politik und Gesellschaft, eine Pflegekammer in Bayern zu institutionalisieren, veranstaltete der Fachbereich Pflege der Katholischen Stiftungsfachhochschule München (KSFH) den Pflegefachtag Der Pflege eine eigene Stimme geben, zu dem ein prominenter Interessenvertreter aus Schleswig-Holstein gewonnen werden konnte: Im Anschluss an die Begrüßung durch Prof. Dr. Egon Endres, Präsident der KSFH, sprach Frank Vilsmeier, 1. Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Pflegerates darüber, wie es Verbänden und anderen Befürwortern in dem norddeutschen Bundesland gelang, den Vorschlag für eine Pflegekammer in den Landtag einzubringen und somit den rechtlichen Weg für eine Errichtung zu ebnen. Dabei hob er hervor, welchen wichtigen Stellenwert eine Berufsordnung für Pflegefachberufe einnimmt, durch die Berufspflichten festgelegt, gleichermaßen aber auch die Qualität der beruflichen Tätigkeit langfristig abgesichert und das Ansehen des Pflege-Berufsstandes gesteigert wird. „Die Einführung einer Berufsordnung ist der erste Schritt zur Selbstverwaltung und somit zur Einrichtung einer Pflegekammer, die unserer Gesellschaft einen langfristigen Kompetenzerhalt, Transparenz in den pflegerischen Leistungen, professionelle Pflege und Beraterleistungen gewährleistet, auf die wir in Zukunft nicht verzichten können. Wieso sollten Pflegende, als größte Berufsgruppe innerhalb des Gesundheitswesens, nicht selbst am besten dafür geeignet sein, die Pflege und deren Anforderungen landes- und bundesweit zu definieren?“ Im Anschluss an den Vortrag, wurde in drei Dialogforen jeweils der Frage nachgegangen, was eine Hochschule (A), was Einrichtungen, Träger, Verbände und politisch Verantwortliche (B) und Pflegende selbst (C3) dazu beitragen können, dass die Pflege eine eigene Stimme erhält. Die folgenden Ergebnisse haben die Intention einer Resolution zur Errichtung einer Pflegekammer in Bayern: Hochschulen haben die Aufgabe und Funktion:
  • den Gegenstand der Pflege zu bestimmen
  •  das demokratische Bewusstsein zu stärken
  • die notwendigen Kompetenzen der Studierenden herauszubilden, um der Pflege eine Stimme zu geben
  • qualifiziert „streiten zu lernen“
  • Anwalt für die Betroffenen zu sein
Einrichtungen/Träger/politisch Verantwortliche haben die Aufgabe und Funktion:
  • sich deutlich stärker zu informieren über das, was Pflege macht, was sie qualifiziert und wo ihre Kompetenzen liegen
  • nachhaltiger als bisher den Dialog zu fördern
  • das berufliche Selbstverständnis zu stärken
  • dafür zu sorgen, dass Pflegende und für die Pflege verantwortlich Tätige in der Entscheider-Riege miteinander und nicht gegeneinander agieren
  • mehr Vernetzung und gegenseitige Unterstützung herzustellen
Pflegende haben die Aufgabe und Funktion:
  • deutlicher auf Missstände aufmerksam zu machen (Fachkräftemangel, Pflegenotstand)
  • zur Partizipation an (berufs-)politischen Entscheidungen
  • für mehr Austausch, mehr Gespräche mit politisch Verantwortlichen zu sorgen
  • die Theorie und Praxis stärker zu verflechten
  • im Notfall auch für einen Streik bereit zu sein
Umrahmt war die Fachveranstaltung durch ein zum Teil selbstkomponiertes, musikalisches Programm: Den musikalischen Auftakt machte das Stück Wechselwirkungen, das von jungen Profimusikern dargeboten und vom Komponisten selbst, dem Dekan der Fakultät Prof. Dr. Johannes Kemser, dirigiert wurde. Dieser Programmteil wurde mit einem weiteren musikalischen Beitrag – einer viktorianischen, zeitgemäß arrangierten Hymne an Florence Nightingale; gesungen von Melanie Kemser, begleitet von Judith Krins und Felicia Graf (Violinen), Matthias Lichtenfeld (Viola) und Tobias Hoffmann (Cello) – abgerundet. Am Ende der Veranstaltung verabschiedete sich der langjährige Dekan Johannes Kemser persönlich von „seinen“ Alumni. Zur Situation der Pflege heute sagte er: „Die Pflege ist ein akademischer Heilberuf. Sie wird beforscht. So wie die Medizin trägt die Pflege zur Versorgung und Gesundheitsförderung der Bevölkerung bei. Anders als in der Medizin sind die wirtschaftlichen Ressourcen der Pflege ungleich schmaler bis unbedeutend. Anders als in der Medizin besitzt die Pflege keine eigene Stimme. Anders als in der Medizin besitzt die Pflege als die größte Berufsgruppe des Gesundheitswesens keine eigene Berufskammer. Das muss sich in naher Zukunft ändern.“

Quelle: Pressemitteilung der Katholischen Stiftungsfachhochschule München vom 18.06.2013

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