Akten-Ordner
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Viel zu tun

Im Januar hatte ich richtig viel zu tun. Gut, dass ich mich im Dezember reichlich ausruhen konnte. Eine Kollegin ist krank, und ich habe mit den Kolleg*innen die Vertretungen organisiert. Gleichzeitig kamen drei neue Anfragen, die ich nicht bedienen konnte. Da ich nicht weiß, wann die Kollegin wieder da ist, habe ich den Jugendamtskolleginnen gesagt, dass wir frühestens ab Mitte Februar wieder freie Kapazitäten haben.

Ein Arbeitskonzept und einen Zwischenbericht und einen Abschlussbericht habe ich gegengelesen und mit den Fachkräften besprochen. Ich bin ja so genau mit den Formulierungen und lege Wert auf klare und wohlwollend formulierte Berichte. Wir schreiben über Menschen, die sowieso schon mit Schuld- und Schamgedanken leben, da ist es hilfreich wenn wir uns freundlich und ressourcenorientiert ausdrücken. Das heißt nicht, dass wir Probleme oder Kinderschutzrelevantes unter den Teppich kehren. Ich habe mir also Zeit genommen und mit den Kolleg*innen die Texte besprochen, wir haben manches umformuliert, Wiederholungen entfernt und einige Begriffe immer wieder auf die Wortwaage gelegt, so lange bis wir beide zufrieden waren.

Bei den Briefköpfen habe ich meinen Namen mit der Bezeichnung Koordination hinzugefügt. Die Struktur für unsere Berichte habe ich etwas verändert und der bisherigen Koordinatorin, die jetzt Bereichsleitung ist, vorgestellt. Sie fand meine Muster gut und ich dachte, dass sie die alten Vorlagen, die sie erarbeitet hatte, aus dem Ordner entfernt oder zumindest mich damit beauftragt. Das geschah aber nicht. Die Onlineakte wurde immer unübersichtlicher und schien fast überzuquellen. Also habe ich nachgefragt, ob ich ihre Formulare entfernen und durch meine ersetzen darf. „Ja, das darfst du nicht nur, das ist sogar ausdrücklich erwünscht“, hat sie gesagt. Ich war einerseits erleichtert und dachte gleichzeitig, dass ich ja nicht Gedankenlesen kann, ich würde es jedenfalls nicht wollen, dass jemand meine Unterlagen entfernt, das würde ich lieber selber tun.

Die erste Teamsitzung habe ich dann doch, anders als im Dezember vorgesehen, ohne die bisherige Leitung moderiert. Das passte auch gut so zum Jahresanfang. Ich kann mich ausprobieren, und sie bleibt im Hintergrund ansprechbar.

Mit einem Kollegen, der allein in einer SPFH arbeitet, hatte ich eine Fallberatung. Er machte sich Sorgen um den Vater, der sich zunehmend zurückzieht. Die Mutter hatte berichtet, dass er morgens oft gar nicht aus dem Bett kommt und er habe schon mal gesagt: „ohne mich würde es euch besser gehen, ich bin ja nur noch eine Last für euch“. Da konnte ich gleich auf die Unterlagen vom FAMH- Kurs zugreifen. Da ging es nämlich ausführlich um die erste Hilfe bei Menschen mit Suizidgedanken.

Zur Erziehungsbeistandschaft mit Anna gab es eine Hilfekonferenz. Der Bewilligungszeitraum endet, wir haben nicht alle Fachleistungsstunden aus dem Kontingent verbraucht und eine Laufzeitverlängerung unter Verwendung der Reststunden vereinbart. Der Sozialarbeiter im Jugendamt hatte die Idee, dass wir noch eine ambulante Gruppe als Anschluss an die aktuelle Hilfe suchen. Ich finde das gut, und wir haben schon recherchiert. Eine tanztherapeutisches Angebot haben wir gefunden, das ist aber recht teuer. Wir suchen also weiter.

Ihre Katja Änderlich*


*Pseudonym der Autorin