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Und bist du nicht willig, dann brauch’ ich Gewalt?

Dr. Jos Schnurer

16.02.2016

Collage, zusammengestellt von Dr. Jos Schnurer
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Gewalt ist ein janusköpfiges Phänomen im menschlichen Zusammenleben, sowohl in lokalen, regionalen und nationalen gesellschaftlichen, als auch in internationalen und globalen Zusammenhängen. Während in der aristotelischen Definition das Gewaltsame als widernatürlich betrachtet wird, ordnet der britische Staatsphilosoph Thomas Hobbes den Menschen als  homo homini lupus seine Gewaltnatur zu. Im gesellschaftlichen Diskurs wird dabei von legitimer Gewalt gesprochen, wenn es um rechtliche und gesetzliche Regelungen für ein friedliches, kollektives Zusammenleben der Menschen geht. Dadurch erhält „Gewalt“ die Legitimität, die notwendig ist, um Missbrauch und illegitime Gewaltanwendung zu vermeiden. Es ist die Balance, die sich, individuell, kollektiv und in demokratischer Abstimmung bei Gewaltanwendungen ergeben muss. Der Umgang mit der Unsicherheit in der Moderne hat das Schlagwort von der „Risikogesellschaft“ (Ulrich Beck, 1986) geprägt und in den Zeiten der sich immer interdependenter und entgrenzender entwickelnden Welt die Ausweitung hin zur „Weltrisikogesellschaft“ erfahren [1]. Es wird zum Ausdruck gebracht, dass die Menschheit in einer „Weltgefahrengemeinschaft“ lebt und empfohlen, dieses Risiko gemeinsam auf der Grundlage der Menschenrechte und –würde zu bestehen. In der „Erklärung von Sevilla“, die anlässlich des Internationalen Jahres des Friedens (1986) von 20 internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verfasst und von der UNESCO als Bestandteil ihrer Friedensbemühungen in der Welt übernommen wurde, heißt es u.a.: „Gewalt ist kein Naturgesetz … Biologisch gesehen ist die Menschheit nicht zum Krieg verdammt…“ [2]. Der aus Korea stammende, an der Karlsruher Staatlichen Hochschule für Gestaltung lehrende Philosoph und Medientheoretiker Byung-Chul Han stellt fest: „Die Gewalt ist proteisch“, also unzuverlässig und wandelbar in den Erscheinungsformen. Die martialische Gewalt zeigt sich und wirkt „vom Sichtbaren ins Unsichtbare, vom Frontalen ins Virale, vom Brachialen ins Mediale, vom Realen ins Virtuelle, vom Physischen ins Psychische, vom Negativen ins Positive“. Dabei erkennt er das Problem, dass „die martialische Gewalt ( ) derzeit einer anonymisierten, entsubjektivierten, systemischen Gewalt (weicht), die sich als solche verbirgt, weil sie mit der Gesellschaft in eins fällt“, also, wie mittlerweile in vielfältigen Zusammenhängen artikuliert wird, dass Gewaltbereitschaft und –ausübung nicht von den Rändern, sondern aus der Mitte der Gesellschaft ausgeht [3].

In der Ruhe liegt die Kraft – Unruhig ist mein Herz…

Ruhe und Unruhe sind Gegensätze. Sie stellen sich im menschlichen Dasein als Bewegungslosigkeit und Bewegung dar, physisch und psychisch. Bereits in der antiken griechischen Philosophie kommt der stasis, der Ruhe, als akinêsia, Bewegungslosigkeit, erêmia“, als solitude, Einsamkeit, Sammlung, Meditation, im Gegenteil zu akinêsia, Bewegung, metabolê, Veränderung, eine existentielle Bedeutung zu. Im aktuellen philosophischen Diskurs wird der Eigenschaft, Ruhe zu bewahren, in sich gehen, Gleichmut, Ausgeglichenheit, Gefasstheit, Selbstkontrolle, Zurückhaltung, Gelassenheit… eine besondere Form der Lebensführung und Lebenskraft zugeschrieben: „Wenn Wissen und Gelassenheit sich ergänzen, bilden sich Harmonie und Ordnung“ [4]. Freilich stehen der Wunschvorstellung, gelassen zu sein und zu leben, oft genug Wirklichkeiten und Zwänge entgegen, die Unruhe, Hektik, Stress, Getriebensein und Überforderung bewirken. Der Rat – „Du musst dein Leben ändern“ (Peter Sloterdijk) – kommt dann meist als Aufforderung daher, die im alltäglichen Dasein kaum einzulösen ist. Und doch gilt es, einen Perspektivenwechsel anzustreben, wie ihn im großen Maßstab die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ 1995 zum Ausdruck gebracht hat: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“; und wie dies die Nobelpreisträgerin für Wirtschaftswissenschaften, Elinor Ostrom, mit dem ökonomischen und ethischen Konzept vom „Teilen“ zum Ausdruck bringt [5]. Diesen anthropologischen und scheinbar logischen Bewertungskriterien stehen allerdings, bei näherem Nachdenken, Eigenschaften gegenüber, die „Unruhe (als) ein Daseinsgefühl, eine Welt voller Phantasien, voller Verheißungen und Pläne(n)“ identifizieren. Damit wird auf eine menschliche Fähigkeit verwiesen, die eben nicht Stillstand und Beharren auf Bestehendem meint, sondern die Wandlungs- und Veränderungskompetenz des Menschen in den Vordergrund rückt: Der Einstellung – „Das haben wir schon immer so gemacht“ – , als passive und konservative Lebenseinstellung, wird die Neugier des Neuen, Unbekannten und zu Erreichenden im menschlichen Denken und Tun entgegen gestellt: „Die Unruhe ist ein hoffnungsvolles Taumeln, ein massenhaftes Sehnen und Drängen, das die Unterscheidung zwischen Treiben und Getriebensein nicht kennt“. Das Plädoyer für eine Genealogie und Kultivierung der Unruhe befördert eine ganze Reihe von Querverweisen, Parallelen und Imponderabilien zum (scheinbaren) Gegensatz, der Ruhe, zu Tage [6].

Selbstachtung ist die Kunst des aufrechten Gangs

Zur Selbstachtung gehören immer zwei: Du und Ich! Damit ist schon ausgedrückt, dass die Eigenschaft, die eigene Menschenwürde zu erkennen, zu haben und in Anspruch zu nehmen, immer verbunden sein muss mit der Haltung, die andere Individuen und Gesellschaften mir entgegen bringen und ermöglichen. Alle Philosophen haben zu allen Zeiten das „Selbst“ als einen Wert an sich definiert. Seit der Frage Platons, was etwas in Wahrheit und Wirklichkeit ist (tí poté estín), wird die Suche nach der eigenen Identität und dem Sosein des Menschen in immer neuen Variationen und Denkkonstrukten bedacht und benannt. Selbstachtung hat also etwas zu tun mit dem individuellen Selbst- und Lebenswert und den kulturellen Identitäten der Menschen insgesamt, und dem Selbstbewusstsein, das stetig und mühsam entwickelt, erarbeitet und verteidigt werden muss. Im philosophischen und wissenschaftlichen Denken hat Selbstachtung selbst referentielle und selbst steuernde Bedeutung, die die Selbst- und Fremdbeobachtung bedingt. Ein Anker und Markierer ist dabei die Menschenwürde, wie sie als „globale Ethik“ in der allgemeingültigen und nicht relativierbaren Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen definiert wird. Es ist hilfreich, will man sich des eigenen Selbstwertgefühls versichern, der biologischen, anthropologischen und gesellschaftlichen wie persönlichen Voraussetzungen für Selbstachtung bewusst zu werden. Denn falsch verstandene, ideologisch gesetzte und historisch entstandene Formen von (so genannter) Selbstachtung können leicht (und sogar selbstverständlich und nicht problematisiert) zu negativen Ausprägungen, wie Egoismus, Überheblichkeit, Selbstüberschätzung und Höherwertigkeitsvorstellungen gerinnen. Da ist es gut, sich der philosophischen Bedeutung des Menschenwerts „Achtung“ bewusst zu werden und zu fragen, wie Selbstachtung von verwandten Begriffen unterschieden werden kann, wie sich die Eigenschaft in der menschlichen Natur ausprägt und sich rechtlich und moralisch darstellt, und welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn sich die Fähigkeit zur Selbstachtung durch negative Entwicklungen entweder nicht entfalten kann, oder ge- und zerstört wird. Am besten beginnt man dabei mit den individuellen, alltäglichen Erfahrungen, und greift aus auf die lokalen und globalen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen in der Welt. Weil der grundsätzlich selbstverständlich erscheinende kategorische Imperativ – dass, wie es im Volksmund heißt, was du nicht willst, dass man dir tu´, das füg´ auch keinen andern zu – nicht selbstverständlich ist, sondern in der Familie, Schule, Beruf und Alltagsleben erworben werden muss, bedarf es der Bildung zur Selbstachtung. Der an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch-Gmünd lehrende Philosoph und Ethiker Franz Josef Wetz, geht mit seinem Buch „Rebellion der Selbstachtung“ die Thematik praktisch-pädagogisch und didaktisch an. In einer Zeitanalyse nimmt er sich vier aktuelle Krisensituationen als „Leiden der Gegenwart“ vor: Den islamistischen Terror, die globalen Aufstände gegen Entmündigung und Staatswillkür, den überreizten und ausgreifenden Individualismus in den westlichen Kulturen, und die Gleichgewichtsstörungen im Work-Life-Balance. Das Bild vom aufrechten Gang [7] ist ein passendes Zeichen für die Bedeutung, die Selbstachtung im individuellen und kollektiven Leben der Menschen hat [8].

Einrenkungsversuche an gedankliche Verrenkungen

„Unabhängigkeit des Denkens“, die Wunschvorstellung des zôon politikon, wird im historischen, philosophischen und aktuell gesellschaftspolitischen Diskurs, lokal und global, eher als Ausnahme denn als Regel verstanden. Wie menschliches Denken, als Erkenntnis(gewinn) sich vollzieht und gewertet wird, ist ohne Zweifel einer Nachfrage wert. Über Denken lässt sich trefflich streiten, vor allem deshalb, weil in der philosophischen und psychologischen Diktion Denken nur dann Bedeutung gewinnt, wenn es Grundlage des individuellen Bewusstseins ist, sich sowohl als kontinuierlicher wie auch wandelbarer Prozess darstellt und als unabhängiges Denken zeigt (Karl Heinz Bohrer). So stellen sich Denkversuche und -anlässe nicht selten entweder als Selbstverständlichkeiten oder als Zumutungen dar. Der Baden-Württembergische Philosoph und Kulturwissenschaftler Hans-Willi Weis ist ein (Quer-)Denker, dem es gelingt, mit selbstverständlichen wie provokanten Thesen Leserinnen und Leser zum Selbst- und Nachdenken zu bringen. Mit einer Tour d´Horizon greift er in die intellektuellen Zeitgeistdiskurse ein, indem er Verbindungen herstellt zu einem Yogi, einem Denker also, der sich durch transzendentale Meditation bemüht, zum eigenen Bewusstsein zu gelangen. Und was soll herauskommen? Natürlich das, was die anthropologischen Philosophen „eu zên“ nennen, gut leben, die Fähigkeit, das Gute und Humane in sich selbst zu erleben, um es auch in anderen Menschen zu erkennen, und vor allem Eindeutigkeit und Aufmerksamkeit zu finden und weiter zu geben. Bei dieser Suche nach sich selbst (in sich und im anderen) liegen Stoppstraßen, Stolpersteine und Fallgruben auf dem Weg, die es gilt zu erkennen und zu umgehen. Eine dieser Hindernisse sieht Weis im digitalen Zeitalter, in dem mit den allseits verfügbaren Werkzeugen der Ablenkung und permanenten Verfügbarkeit der Mensch aus sich selbst heraus tritt - und neben sich steht, so als ob er nicht er selbst wäre. In 95 Reflexionen und realistischen, tatsächlich existierenden Szenendarstellungen vermittelt er keine Rezepte und Handlungsanweisungen, sondern (lediglich) Denkanstöße, die vielleicht – und nur aus eigener Kraft – einen eigenen Perspektivenwechsel bewirken können. Es sind kurze Denkstücke, die gewissermaßen entlang unseres alltäglichen Denkens und Tuns verlaufen, absichtlich wie unabsichtlich gedacht und getan werden, und manchmal beim Nachdenken über sich selbst und dem, wie wir geworden sind, was wir sind, als Philosophie daher kommen; wie etwa die Vorstellung von Gott und seiner oder keiner Existenz in uns, das Erstaunen in uns, intellektuell zu sein und zu denken, sich daran zu messen, was Herr Keuner (Bertolt Brecht) damit meint, wenn er sagt: „Weise am Weisen ist die Haltung“, beim Umgang mit der „Phrasendreschmaschine“ [9].

Zur Mystifizierung von Gewalt und Aggression

Ist der Mensch ein Lebewesen, das Macht, Kampf und Gewalt in sich trägt und die Herrschaft über andere Menschen anstrebt, gewissermaßen also ausgestattet mit dem „Gewalt“- Gen? Und geboren mit dem (göttlichen) Auftrag: „Mache dir die Erde und alles was um dich herum und mit dir ist, untertan“? Ist der Mensch eine „Bestie“ oder ein „Gott“? Ein „Mutter-Teresa“-Typ oder ein Tyrann? Ist „Gewalttätigkeit“ ein Überlebensmerkmal? Oder ist der Gegensatz davon, die „Friedfertigkeit“, eine hoffnungslos veraltete und nostalgische Illusion? Angesichts der zunehmenden physischen, psychischen und machtorientierten, politischen und gesellschaftlichen Gewalt auf der Erde? Ist die „Gewaltenteilung“, die in der Demokratie zu den konstitutiven und unverzichtbaren Merkmalen gehört, eine überholte Einrichtung, angesichts der ökonomischen und politischen Zwänge, die in der globalisierten Welt herrschen? Die Frage, ob evolutionäre oder revolutionäre Einflüsse den Menschen zu einem Konfliktwesen gemacht haben, einem Aggressivo, einem Teufel; oder ob das Bild vom Angelus, dem friedfertigen, duldsamen und empathischen Engel, nur eine Märchenerzählung ist - diese Kontroversen ziehen sich durch die ganze Menschheitsgeschichte, genau so wie die Frage, was das „so genannte Böse“ (Konrad Lorenz) macht. Der Freiburger Neurobiologe Joachim Bauer widerspricht der Auffassung, dass es einen in den Genen liegenden Aggressionstrieb gäbe, der den Menschen dazu verdamme oder auch leite, Gewalt als Überlebensstrategie auszuüben. Er ist zwar davon überzeugt, dass es nicht möglich sei, der „Logik der Aggression“ zu entkommen; ein Blick auf die neueren, neurowissenschaftlichen Forschungen jedoch zeige, dass es darauf ankommt, wie aggressives Verhalten kommuniziert oder gesetzt wird, ob und wie die Signale zu verstehen sind, die von Aggressionen ausgehen. Es komme darauf an, in der lokalen und globalen Kommunikation eine „Schmerzgrenze“ zu definieren und festzulegen, bis zu welchem Grad und bei welchen Gelegenheiten die Gesellschaften Gewalt akzeptieren, ausüben, ächten undd präventiv dagegen vorgehen, welchen Stellenwert also gesellschaftliche Gleichheit, Gerechtigkeit und soziale Fairness haben [10].

Macht ist überall

Diese nicht allzu überraschende Feststellung ist erst einmal eine Tatsache und dem Menschen zugehörig, also „normal“. Gleichzeitig aber ist Macht auch Herrschaftsausübung und unterliegt damit der Gefahr, zu Gewalt und Unrecht zu werden. Wenn aber Macht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht – so lautet eine ethische und politische Aufforderung an den Menschen, resistent zu werden gegen die Zumutungen, Verführungen und Wirkungen von Herrschaftsausübung, vor allem wenn es sich um abweichendes, ethisch, moralisch, gesellschaftlich und politisch verwerfliches Verhalten handelt. Der französische Philosoph, Michel Foucault (1926 – 1984) hat sich mit seiner Diskursanalyse auch mit der Frage auseinandergesetzt, inwieweit Macht auch Widerstand hervorruft, gewissermaßen Formen der Resistenz erzeugt, die sich in vielfältiger Weise ausdrücken und zu Tage treten - „mögliche, notwendige, unwahrscheinliche, spontane, wilde, einsame, abgestimmte, kriecherische, gewalttätige, unversöhnliche, kompromissbereite, interessierte oder opferbereite Widerstände“. Foucaults vielfältiges Bemühen, politisches Denken und Handeln der Menschen in der Geschichte und Gegenwart aufzuspüren und zu analysieren, lässt sich im „plebejischen Moment“ erkennen, als „Wunsch, das Spezifische, das Gefährliche des gegenwärtigen Augenblicks in den herrschenden Machtbeziehungen, in der Normalität aufzufinden“ [11]. Es sind die immer wieder erhofften versöhnlichen wie befürchteten unversöhnlichen Zusammenhänge von Macht und Moral, die den intellektuellen, wissenschaftlichen Diskurs bestimmen.Wie kann es möglich werden, dass, wie Kant dies in seiner Gemeinschaftsphilosophie vom commercium formuliert, „das Böse ... zum Guten zwingt“?. Der Kieler Philosoph und Historiker Wolfgang Kersting greift diese Imponderabilien auf und gibt für eine praktisch-philosophische Auseinandersetzung Anregungen [12].

Tun und Unterlassen sind normative und moralische Kategorien

Es ist die Spannweite, die sich bei dem kontroversen Paar „Tun und Unterlassen“ für den menschlichen Diskurs ergibt, die Philosophen, Anthropologen und Gesellschaftswissenschaftler immer wieder zum Nachdenken bringen und nach Lösungsmöglichkeiten Ausschau halten lassen. Um die Fallstricke, Sackgassen, Wegegabelungen, aber auch die Richtungen bei dieser philosophischen Nachschau nach den Bedeutungen und Wirkungen dieses Begriffspaares zu erkennen, genügt schon erst einmal, dem Volk aufs Maul zu schauen. In den Sprichwörtern nämlich zeigen sich die Imponderabilien: „Achte nicht auf das, was andere tun, sondern darauf, was sie unterlassen!“ – „Alles Tun zu seiner Zeit!“ – „Jedermann recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!“. Dabei kommt eine Entdeckung zutage, die beinahe wie ein Aha-Erlebnis wirkt, nämlich „dass der Grund für die moralische Differenzierung zwischen ansonsten vergleichbaren Handlungen und Unterlassungen nicht in dem bloßen Umstand liegen kann, dass in dem einen Fall ein Handeln, im anderen ein Unterlassen vorliegt“; vielmehr komme es darauf an, die „durchgängige( ) Gültigkeit der normativen Handlungs-Unterlassungs-Differenzierung“ kritisch zu hinterfragen. Der Philosoph und Ethiker von der Universität Düsseldorf, Dieter Birnbacher, setzt sich mit diesem Phänomen auseinander. Mit der Definition: „Eine Unterlassung setzt … voraus, dass eine Norm gilt, die ein bestimmtes Handeln fordert und der Unterlassene diese Handlung nicht ausführt“, begibt er sich auf die Suche nach den Bedeutungen von vertrauten, alltäglichen und norm-, kulturellen und gesellschaftlichen Verhaltensweisen und zeigt dabei die auftretenden und wirkenden Tendenzen auf, Tun und Unterlassen, Handeln und Geschehenlassen, aktives Eingreifen und passives Untätigbleiben moralisch  verschieden zu werten. Er belegt das mit der irritierenden Erfahrung: „Wer einen anderen vorsätzlich belügt oder betrügt, indem er ihm Märchen auftischt, wird gemeinhin strenger moralisch verurteilt als wer einen anderen durch das Verschweigen wichtiger Tatsachen wissentlich im Irrtum lässt“ [13].

Das Spannungsfeld von „Crisis and Collapse“, oder: „Das Verlangen nach Sicherheit bringt Trägheit hervor“

In den Zeiten der sich immer interdependenter, entgrenzender und (scheinbar) unsicherer entwickelnden (Einen?) Welt werden die Unsicherheiten größer. Mit der Frage „Was müssen Menschen wissen, um sich in dieser Welt der Umbrüche orientieren zu können?“, wird auf das Dilemma hingewiesen, wie in den Zeiten der Konflikte, Krisen und Risiken die Individuen und die Menschheit eine humane Entwicklung ermöglichen können. Dass die Menschen kein absolut sicheres Dasein auf der Erde erwarten können, und dass das Leben in allen seinen Facetten und Situationen Risiko ist, gehört mittlerweile zum existenzphilosophischen und soziologischen Erkenntnisstand. Die Ansprüche und Erwartungshaltungen der Menschen, in den Zeiten der Unsicherheiten ein sicheres, soziales Leben führen zu können, wachsen. In dieser Kontroverse zeigen sich eine Reihe von Imponderabilien und Widersprüche, die im gesellschaftlichen Diskurs zu Wort kommen; etwa durch die Diskrepanz, dass der Sicherheitsanspruch möglicherweise Freiheitserwartungen tangieren kann [14]. Hans Hoch vom Fachbereich Geschichte und Soziologie der Universität Konstanz und Vorstand des Freiburger Instituts für angewandte Sozialwissenschaft und Peter Zoche vom Karlsruher Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung geben den Sammelband „Sicherheiten und Unsicherheiten“ heraus. Sie und die weiteren Autorinnen und Autoren widmen die soziologischen Beiträge dem langjährigen Leiter des Freiburger Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (FIFAS), den em. Sozialwissenschaftler Baldo Blinkert (73). Die Laudatio umgreift Blinkerts bisher 40jähriges wissenschaftliches, forschendes und lehrendes Schaffen, das bestimmt ist von der Überzeugung und dem tätigen Wirken, „dass die Welt noch zu retten ist“. Auf diesem „Prinzip Hoffnung“ bauende theoretische und praktische soziologische Forschung gründet, so die Herausgeber, auf dem Bewusstsein „eine(r) konstruktive(n) Wertigkeit von Sinn“. Sein Wirken sei vergleichbar mit dem scheinbar unmöglichen, aber doch realisierbaren, weil kritisch-beständigen Wirken, das „Runde ins Eckige zu bringen“, und damit ein Exempel für eine gelingende, praktische, interdisziplinäre  Soziologie vorzulegen [15]

Krise und Widerstand

Was ist dran an der These, dass Mensch die Kräfte des Zentrums am wenigsten vom Zentrum aus wahr nähme? Oder falsch einschätze und mit ungeeigneten Mitteln dagegen angehe? Als der Philosoph, Theologe und Pädagoge Georg Picht 1964 seine Analyse über „die deutsche Bildungskatastrophe“ veröffentlichte und dabei feststellte, dass das traditionelle Bildungssystem in der Bundesrepublik längst nicht mehr die Aufgaben erfülle, für die es gegründet wurde, da richtete sich sein Blick in erster Linie auf den Bildungsnotstand, der einen wirtschaftlichen (materiellen) Notstand bedinge. Der Deutsche Bildungsrat hat in seinen „Gutachten und Studien der Bildungskommission“ von 1966 an versucht, etwa im Band 4 „Begabung und Lernen“ mit der Frage „Wie ist in der Lernentwicklung des jungen Menschen das Verhältnis von naturgegebener Anlage und menschlicher Einwirkung durch Umwelteinflüsse und veranstaltete Lehr- und Lernvorgänge zu sehen?“. Die Kritik an den schichtenorientierten Lehrplänen, Lernmethoden, Sortierungsmaschinerien und gespaltenen Bildungsstrukturen [16] haben zwar die Diskussion um den Anspruch nach gerechter Bildung für alle befördert und die Forderungen nach Bildungsgerechtigkeit verstärkt [17], wie auch Alternativen ermöglicht und gangbare, demokratische Wege aufgezeigt [18], aber einen grundlegenden Perspektivenwechsel hin zu einer „Schule für alle“ bisher nicht herbeigeführt. Der britische Kultursoziologie und Anthropologe Paul Willis hat 1977 eine Studie vorgelegt, in der er sich mit der Frage auseinandersetzt, „was Arbeiterkinder veranlasst, ihr schulisches Scheitern nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern dieses selbst aktiv durch die Zurückweisung des schulischen Leistungsindividualismus und durch ihr schuloppositionelles Handeln zu bewerkstelligen“. Mit seiner Young-Lad-Studie „„Learning to Labour: how working class kids get working class jobs“ hat er den Diskurs um soziale Gerechtigkeit beeinflusst. Die in den angelsächsischen Ländern entstandene „New Sociology of Education“ übt Kritik an der positivistischen und funktionalistischen Bildungssoziologie, indem sie für die Einbeziehung qualitativer Forschungsmethoden im Sinne des Marxismus und der Kritischen Theorie plädiert. Wenn der an Pädagogischen Hochschule in Freiburg/Br. lehrende und forschende Soziologe Albert Scherr und die Vorsitzende des "Berliner Instituts für kritische Theorie", Frigga Haug, empfehlen, die vor fast 40 Jahren erschienene Studie, die 1979 unter dem irgendwie irritierenden Titel „Spaß am Widerstand – Learning to Labour“ auf Deutsch vorgelegt wurde, auch heute zu beachten, wollen sie damit ja zum Ausdruck bringen, dass sich Schule, Schulpolitik und Bildungsverständnis in der Gesellschaft bisher grundlegend nicht geändert haben und der „Hau-Ruck“ weiterhin ausbleibt. Die Feststellung Willis von 1977, „wir befinden uns gegenwärtig in einer Erziehungs-Krise“, gilt auch heute noch, und in der sich immer interdependenter, entgrenzender und kapitalistischer entwickelnden Welt in besonderem Maße [19].

Von der ‚Erkenntnisverweigerung‘ bis zur ‚kritischen Politikbegleitung‘

Als sich 1993/94 sechzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den verschiedenen Fachgebieten mit dem „Manifest der 60 – Deutschland und die Einwanderung“ zu Wort meldeten, da tobten die parteipolitischen und gesellschaftlichen Kontroversen darüber, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei oder nicht, heftig im Land. Ideologien und Argumentationen trieben einen Spaltkeil in den gesellschaftlichen Diskurs, der mit populistischen und  rassistischen Treibmitteln gefettet wurde. Zwar wird heute die Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, nur noch von den Unverbesserlichen geleugnet; doch die zahlreichen, rechtsextremistischen, ausländerfeindlichen und ethnozentrierten Aktivitäten und Straftaten gegen eine „Überflutung“ des Landes mit Ausländern nehmen zu; und zwar sowohl vom „Biertisch“ und den „Wohnzimmern“ aus, wie mit geplanten und gesteuerten Ideologien. Die Empfehlungen im „Manifest der 60“, dass „Deutschlands Zukunft ( ) auch von einer Migrations- und Integrationspolitik mit Vernunft und Augenmaß ab(hängt)“, scheinen heute noch überlagert zu werden von Schwarz-Weiß-Rezepten und populistischen Behauptungen, wie sie von Sarrazin und anderen (bis hin zu der aktuellen, unsäglichen CSU-Debatte um „Sozialschmarotzer“ und „Sozialflüchtlinge“) geführt werden. Denn wie ist es zu erklären, dass Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ eine Auflage von fast 1,5 Millionen Exemplaren erreicht hat und scheinbar weiterhin nachgefragt wird? Ist gesellschaftliche und politische Aufklärung in Deutschland weiterhin ein Stiefkind, chancenlos und ohnmächtig gegenüber Ideologien und platten Frontstellungen? Immerhin: Zahlreiche Stimmen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismen haben sich zu Wort gemeldet: Etwa mit dem „Manifest der Vielen: Deutschland erfindet sich neu“ [20]. Wenn es gelingt, dem lauten, aggressiven und rassistischen Geschrei nachweisbare und konkrete Wirklichkeiten entgegen zu setzen, sollte es möglich sein, einen sachlichen und humanen Diskurs über Migration und Integration zu führen. Dafür könnte einer stehen, der über die Jahrzehnte hinweg als Zeithistoriker und Gesellschaftswissenschaftler die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mitbestimmt und -gestaltet hat: Klaus J. Bade, Historiker von der Universität Osnabrück und Gründungsvorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Mit seinem Engagement stellt er einen Gegenpart zu den dubiosen und undifferenziert daherkommenden Gruppierungen von Zivilisationskritikern, Kulturpessimisten und Kulturrassisten dar, denen die Wandlungs- und Veränderungsprozesse in der Gesellschaft ein Gräuel sind. Er verweist insbesondere auf eine gesellschaftlich „gefährliche Ersatzdebatte… um die neue Identität in der Einwanderungsgesellschaft“, die sich als „negative Integration“ darstellt, als „Integration durch partielle Segregation“. Das Plazet von Klaus Bade für sozialen und kulturellen Frieden in der deutschen Gesellschaft orientiert sich nicht von ungefähr und zufällig an der Frage, wie Integrations- und Solidaritätspolitik in der Einwanderungsgesellschaft verstanden und verwirklicht wird. Dabei zeigt sich anhand der zahlreichen zitierten und diskutierten Quellenmaterialien und Zeitzeugnissen über die Jahrzehnte hinweg, dass die Bildung und Entwicklung einer Einwanderungsgesellschaft keine ad hoc Entscheidung ist, „sondern ein vielgestaltiger und komplexer Kultur- und Sozialprozess, der sich stets weiter ausdifferenziert [21].

Soziale Ausschließung als Akt gesellschaftlicher Gewalt

Der Begriff „soziale Ausschließung“ zielt auf Herrschafts- und Gesellschaftskritik und wird verstanden „als verweigerte( r ) Zugang zu gesellschaftlich erzeugten Ressourcen und einer zumindest erschwerten Teilnahme an Gesellschaft sowie die Betrachtung von sozialen Ausschließungen als ‚graduelle Prozesse‘“. Dabei werden die Begründungszusammenhänge, Arbeitsformen und Zielvorstellungen von „strafenden“ und „helfenden“ Institutionen in den Blick genommen. Mit der Marxschen Diktion, „dass Menschen zwar ihre eigene Geschichte machen, aber nur unter den von ihnen vorgefundenen Umständen“, ist es notwendig, analytisch, systemtheoretisch und gesellschaftspolitisch die Wirkmächtigkeiten bei individuellen und gesellschaftlichen Benachteiligungsprozessen im institutionellen Rahmen der Sozialgesetzgebung zu untersuchen und offen zu legen. Herrschaftskritik ist, wenn sie nicht nihilistisch daher kommt, notwendig, um Macht von Menschen über Menschen zu legitimieren, aber auch zu verhindern. Legitimierte, institutionalisierte Herrschaft, zum Beispiel in den Feldern der Sozialen Arbeit, bedarf der „Auseinandersetzung mit der institutionellen Verfasstheit von Wohlfahrtsstaatlichkeit mit einer Perspektive ‚von unten‘“; und zwar mit den Mitteln der Reflexivität und Kritik in Theorie und Praxis. Der als Festschrift zu Ehren des 65. Geburtstages der Frankfurter Sozialwissenschaftlerin Helga Cremer-Schäfer von Schülerinnen, Schülern, Kolleginnen und Kollegen verfasste Sammelband „Episoden sozialer Ausschließung“ ist mehr als eine Ehrengabe für eine verdiente Wissenschaftlerin; sie stellt sich als eine Bestandsaufnahme dar, wie Formen, individuelle und gesellschaftliche Folgen von Exklusion und Ausschließung in der institutionalisierten Sozialen Arbeit wirksam werden [22].

Gehorsamkeit ist die Unterwerfung des eigenen Willens unter den eines anderen

Die Wortbedeutung „Gehorsam“ unterliegt gesellschaftlichen, kulturellen und ideologischen Bedingungen, wie sich dies in Sprichwörtern, Volksliedern, politischen Programmen, in Theaterstücken und in der Literatur ausdrückt. Da wird „militärischer Gehorsam“ vom Soldaten gefordert; das Kind soll den Eltern gehorchen; die Gläubigen von Religionsgemeinschaften sollen die religiösen Gebote befolgen;; von „Gehorsamspflicht“ wird gesprochen, wenn es darum geht, die Gesetze einzuhalten, die für ein Gemeinschaftsleben notwendig sind; und „Kadavergehorsam“ wird bezeichnet, wenn jemand seinen eigenen Verstand und seine Kritikfähigkeit an Regeln abgibt, die andere Autoritäten aufstellen und einfordern. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff und die Einstellung muss also differenziert geführt werden: Eine „solidarische Gehorsamkeit“, bei der eigene, egoistische Erwartungshaltungen zugunsten von gesellschaftsförderlichen und demokratischen Zielsetzungen und Perspektiven zurückgestellt werden, ist ohne Zweifel anders zu bewerten, als eine an die herrschende Macht und Ideologie abgegebene Anpassung. Unser Verständnis von Demokratie, Selbstbestimmung und freiheitlichem Denken und Handeln ist ja eingemeißelt in die „globale Ethik“, wie die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte postulierte humane Menschheitsdefinition bezeichnet wird: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“. Da ist keine Rede davon, dass ein Mensch dem anderen untertan sein soll, dass einer bestimmen und der andere gehorchen soll, dass ein Mensch sich vor einem anderen bücken soll; dass es Herrenmenschen und Knechte geben sollte… Vielmehr lebt Demokratie von kritischen, gleichberechtigten Bürgerinnen und Bürgern. Der 1923 in Berlin geborene, 1936 in die USA emigrierte, von 1979 bis zu seinem Tod am 20. 10. 2015 in der Schweiz lebende, lehrende und praktizierende Psychoanalytiker Arno Gruen, hat sich mit zahlreichen Büchern  zu Wort gemeldet. In den richtigen, falschen, verordneten, verdrehten und bequemen Auffassungen von Gehorsamkeit sah er eines der Grundprobleme unserer Zivilisation. Mit dem Konzept von der „Kultur der inneren Autonomie“ wollte er Formen der von gelingenden und misslingenden Identitäts- und Integrationsprozessen aufzeigen und gesellschaftliche Entfremdungsentwicklungen verdeutlichen. Es sind eher kurzgefasste Gedankensplitter und Denkanregungen, mit denen Arno Gruen argumentiert. Sie fordern die eigene Denkanstrengung und die intellektuelle, differenzierte Auseinandersetzung mit der Bewertung heraus, dass Gehorsam destruktiv ist: „Gehorsam grenzt das Denken ein und verneint die Realität“. Individuelle und lokal- und globalgesellschaftliche Lösungsansätze können nicht auf Rezepten verordnet werden; vielmehr bedarf es des Entdeckens und Erfahrens, dass humanes Denken sich in unterschiedlichen Kategorien und Denksystemen zeigt, als intuitives und bewusstes Denken. Gelingt es, die Entwicklung von Verhaltensweisen und Festlegungen im menschlichen Miteinander als ganzheitliche Entwicklungen zu begreifen, lässt sich Positives erkennen: „Eine bessere Welt wird sichtbar, wenn der verblendete Gehorsam aufgebrochen wird und sich in echte zwischenmenschliche Empathie verwandelt“ [23].

Krieg ist der Antipode des Friedens

Bürger-, Stellvertreterkriege, Terroranschläge... verunsichern die Welt. Das 2011 in London gegründete „European Leadership Network“ (ELN), in dem sich prominente Sicherheitspolitiker zusammengefunden haben, warnte kürzlich davor, dass sich die „zunehmende russische Aggressivität“, die sich durch die gewaltsamen Grenzveränderungen in der Ukraine zeige, zu kriegerischen Konflikten zwischen der NATO und Russland auswachsen könnten, und das Bündnis empfiehlt, sicherheitspolitische Initiativen zu ergreifen, bei denen nicht die gewaltsame Auseinandersetzung Pate stünde, sondern der Dialog und eine friedenspolitische Kosten-Nutzen-Analyse federführend sein müssten. Die Suche nach dem „ewigen Frieden“ scheint illusionärer denn je zu sein. Die in der Präambel der Verfassung der UNESCO, der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen, zum Ausdruck gebrachte Überzeugung, „da Kriege im Geist der Menschen entstehen, müssen auch die Bollwerke des Friedens im Geist der Menschen errichtet werden“, erscheint angesichts des zunehmenden Ethnozentrismus, Egoismus und Nationalismus nicht mehr als eine Schönschrift zu sein. Der internationale Kongress der UNESCO „Frieden im Denken der Menschen“, vom 26. Juni bis 1. Juli 1989 in Yamoussoukro in der westafrikanischen Elfenbeinküste, hat eine neue Friedensdefinition formuliert:

Frieden heißt Ehrfurcht vor dem Leben.
Frieden ist das kostbarste Gut der Menschheit.
Frieden ist mehr als das Ende bewaffneter Konflikte.
Frieden ist eine ganz menschliche Verhaltensweise.
Frieden verkörpert eine tiefverwurzelte Bindung an die Prinzipien der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Solidarität zwischen allen Menschen.
Frieden bedeutet auch eine harmonische Partnerschaft von Mensch und Umwelt.

In der Friedenspolitik und Friedensforschung haben sich eine Reihe von Aktivitäten entwickelt, die Argumente, Lösungsansätze und Visionen für eine friedfertige (Eine) Welt vorlegen [24]. Die Diktion, dass kein Krieg gerecht oder gar „heilig“ sein kann, wird im wissenschaftlichen Diskurs politisch, historisch und weltanschaulich breit thematisiert [25]. Die Initiative Antikriegskonferenz (AKK) ist ein freies und unabhängiges, politisches Forum, zu dem sich Menschen aus Wissenschaft und Publizistik zusammengefunden haben, um die öffentliche Meinungsbildung gegen jede Form von Krieg, Waffengewalt, Rüstung und Militäreinsätzen im In- und Ausland zu fördern. Vom 3. bis 5. Oktober 2014 fand die erste, bundesweite Antikriegskonferenz in Berlin statt. Die TeilnehmerInnen setzten sich dabei zum Ziel, „sich der gegenwärtigen (Welt-)Kriegsgefahr zu widersetzen, insbesondere aufmerksam zu machen auf die neuen Entwicklungen und die zumeist weitgehend unbekannten und unbemerkten Erscheinungsformen der kriegerischen Propaganda, der Kriegsvorbereitung durch Militarisierung und der Kriegsführung“. Es sind die „schleichenden, kaum wahrnehmbaren gesamtgesellschaftlichen Prozess(e)“, auf die die Antikriegskonferenz 2014 aufmerksam machen will, nämlich den zunehmenden, militärischen Denkweisen und Machtkalkülen ein pazifistisches Bewusstsein entgegen zu setzen. Es sind die neuen, lokalen und globalen Herausforderungen, die (nur) durch die Friedensbewegung angegangen und bewältigt werden können; niemals durch militärische Macht- und Kraftmeierei! Die Antikriegskonferenz Berlin 2014 hat dafür vielfältige Vorschläge und Perspektiven aufgezeigt. „Die Initiative will beitragen, das antimilitaristisch-kritische Bewusstsein zu schärfen und die außerparlamentarische Antikriegsbewegung zu stärken“ [26].

Fatale Grenzüberschreitungen im Namen der Ideologie des „pädagogischen Eros“

Die skandalträchtigen Enthüllungen über pädosexuelles Verhalten von Erzieherinnen, Erziehern, Pädagoginnen und Pädagogen an der bis dahin hochgelobten und vorbildhaft beschriebenen, reformpädagogischen Odenwaldschule haben eine neue öffentliche Aufmerksamkeit auf die Irrungen und Wirrungen im pädagogischem, erziehlichem Verhältnis zwischen Educandor und Educandus bewirkt. Der „pädagogische Eros“, als institutionalisierte wie initiierte Form von ideologisierten und irregeleiteten Auffassungen zum pädagogischen Verhältnis hat eine lange Geschichte, die sowohl unter dem Teppich von gängiger sexueller Gewalt von Erwachsenen an Kindern und Jugendlichen gekehrt, als auch im Zeichen der Aufklärung und Emanzipation ans Tageslicht gebracht wurde [27]. Es sind die mittlerweile zahlreich vorliegenden Offenlegungen von sexueller Gewalt – und zwar nicht nur in reformpädagogischen und kirchlichen pädagogischen Einrichtungen – die nicht zuletzt durch die Medien in das öffentliche, gesellschaftliche Bewusstsein gelangt sind und Zusammenhänge zwischen Reformpädagogik und Pädophilie verdeutlichen, bis hin zu medialen Skandalisierungen und (unangemessenen) Pauschalisierungen. Für eine objektive, analytische Betrachtung der pädosexuellen Situationen in Schulen und außerschulischen (Freizeit-)Einrichtungen  sind historische Fallanalysen hilfreich, wie sie der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Peter Dudek als bildungshistorische, distanzierte Forschungsarbeiten bereits vorgelegt hat, etwa zu Herman Nohl, zum Psychoanalytiker und Pädagogen Siegfried Bernfeld, u.a. Denn Verwerfungen, Abwege und Fehlentwicklungen beim Rollenverständnis und Verhältnis von Lehrenden und Lernenden in familienähnlichen Systemen und Verständnis, wie sie sich über Jahrzehnte hinweg an einigen Landerziehungsheimen, Internaten und Reformschulen gewissermaßen unangefochten und unhinterfragt, gleichsam jeder kritischen Betrachtung und „Augenkontrolle“ entzogen, gebildet haben, wurden im Verständnis und in der Rezeption der reformpädagogischen Bestrebungen und Programme kaum hinterfragt. Peter Dudek setzt sich mit seiner Studie mit dem „Fall Lützow“ in der Weimarer Republik auseinander: Dr. Kurt Lüder Freiherr von Lützow (1883 – 1944) wurde am 22. Februar 1926 vor dem Erweiterten Schöffengericht in Berlin-Moabit angeklagt, in seinem privat geführten Internat „zahlreiche Schüler … körperlich sadistisch misshandelt und sich ihnen übergriffig in sexueller Absicht genähert“ zu haben. Die Anklage lautete: Gefährliche Körperverletzung und Vornahme unzüchtiger Handlungen an Kindern unter 14 Jahren in dem von ihm geleiteten Landerziehungsheim. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe und rechtfertigte sein umfassendes körperliches Strafsystem „als pädagogisch notwendig und angemessen“. Aufgrund der damaligen Rechtslage und der strafrechtlichen Auffassungen über Homosexualität und sexueller Gewalt bei und unter Erwachsenen war es äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich, sexuelle Gewalt von Erwachsenen gegenüber Kindern nachzuweisen, weil die Beweislast ausschließlich bei den Opfern lag. Der Angeklagte konnte sich bei den Klagefällen zudem darauf berufen, dass das körperliche Züchtigungsrecht der Lehrer üblich und anerkannt war. Diese stringenten Auffassungen und Wertevorstellungen waren auch in den anderen reformpädagogischen Einrichtungen zu finden. Der Autor zeigt dies an den Schulreformern und ihren Einrichtungen – Andreas Dippold, Gustav Wynken und von Lützow – auf und diskutiert die Problematik anhand der kontroversen Auffassungen über Recht und Unrecht der Prügelstrafe. Die strafprozessualen Umstände und die öffentliche Aufmerksamkeit, die der Prozess gegen von Lützow verursachte, die Finten und Querverbindungen, die Ankläger, Verteidiger und Gutachter ausübten, zeigen ein Gesellschaftsbild auf, das den Autor zu dem Ergebnis bringt: Nicht die Reformpädagogik steht vor Gericht, sondern einzelne, irregeleitete und ideologisierte Täter [28].

Gewalt in der Schule

Im Erziehungs- und Bildungskontext wird postuliert, „dass in der Schule eine neue Qualität von Aggression und Gewalt Einzug hält“. Die Zusammenhänge zur gestiegenen gesellschaftlichen Gewaltbereitschaft, zu Egoismus und Egozentrismus, werden dabei hergestellt: „Was an realer und medialer Gewalt außerhalb der Schule passiert, wird häufiger als früher von einem harten Kern gewaltbereiter Schüler schulintern reinszeniert“. Gesellschaftsanalysen und Schuluntersuchungen tendieren einheitlich zu der Aussage, dass sich das Sozialverhalten der jungen Menschen in den westlichen, industrialisierten Gesellschaften im Vergleich zu früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten rapide verändert habe; die Bewertung jedoch, ob dies positiv oder negativ für die Gesellschaft sei, wird äußerst kontrovers diskutiert. Die Schule ist herausgefordert, wirksame Gewaltpräventionskonzepte zu entwickeln und zu praktizieren. Der Baden-Württembergische Diplom-Pädagoge, Lehrer, Lehrerfortbildner, Schulleiter und Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Roland Bertet und der Schulpsychologe und Lerntrainer Gustav Keller, legen,. für die Implementierung eines Gewaltpräventionskonzepts in der Schule, ein Büchlein vor, in dem sie ausgewählte theoretische Fragestellungen einbringen und aus ihren jahrzehntelangen Schul- und Beratungserfahrungen praktische Anregungen dazu geben. Dabei wird deutlich, dass die Förderung von prosozialen Verhaltensweisen beim schulischen Lernen und der schulischen Erziehung als unverzichtbare Aufgaben für die Institution Schule verstanden und praktiziert werden muss: „Prosoziales Lernen bedeutet wertorieniertes Lernen in Beziehungen“ [29].

Ungleichheit als strukturelle Gewalt

Deutschland hält im (westlichen) Vergleich gleich zwei Spitzenpositionen: Zum einen ist die „Ungleichheit bei der Einkommensverteilung unter deutschen Arbeitnehmern stärker gewachsen als in den meisten anderen OECD-Ländern“, was in der Skala, die das gesellschaftliche Auseinanderdriften von Arm und Reich zeigt, zur ersten Spitzenposition führt; und zum anderen ergibt sich durch die Auslesemechanismen, die das dreigegliederte Schulsystem produziert, dass „das deutsche Schulsystem Weltmeister in der sozialen Auslese und Spitzenreiter in der Produktion von Schulscheitern ist“. Die individuellen und gesellschaftlichen Folgen sind enorm, werden aber bildungs- und gesellschaftspolitisch kaum in Angriff genommen; vielmehr scheint die Mehrheit der deutschen Bevölkerung es stoisch hinzunehmen, wie die gravierende Entwicklung, „dass sich die Menschen höherer Status- und Einkommensgruppen aus der Solidargemeinschaft zurückziehen, um ihre Privilegien zu sichern“, sich schleichend und kaum Aufregung verursachend vollzieht. In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien wird eindeutig nachgewiesen, „dass es zwischen der Ungleichheit in der Gesellschaft und der Ungleichheit im Schul- und Bildungssystem einen Zusammenhang gilt“. Der Diskurs darüber vollzieht sich gesellschaftspolitisch eher abgebremst, um so deutlicher und herausfordernder jedoch mit wissenschaftlichen Analysen, Prognosen und Aktivitäten, wie z. B. der Ringvorlesung „Ungleichheit in der Gesellschaft und Ungleichheit in der Schule“, die im Wintersemester 2010/11 an der Universität Bielefeld durchgeführt wurde. In dieser öffentlichen Veranstaltung meldeten sich Sachverständige aus mehreren wissenschaftlichen Fachdisziplinen, aus Kultur, Wirtschaft, Bildungs- und Schulpraxis zu Wort, um „vor dem Hintergrund von Desintegration, Aussonderung und Benachteiligung einerseits und Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Humanität andererseits… Fragen nach der Entstehung, Entwicklung und Veränderung bzw. Überwindung sozialer Ungleichheiten“ zu stellen und nach gemeinsamen Wegen aus dem Dilemma zu suchen. Dass dabei das historische Gewordensein der gesellschaftlichen Wirklichkeiten zur Sprache kam, Analysen und Ergebnisse zur Ungleichheitsforschung aus interdisziplinärer Sicht vorgetragen und diskutiert wurden, macht die Veröffentlichung der Referate zu einer bemerkenswerten und herausfordernden Bestandsaufnahme der Bildungs- und Schulsituation in unserer Gesellschaft. „Wir leugnen, weil wir Angst haben, dass sich alles ändern wird“, diese Feststellung aus dem Buch von Naomi Klein, Die Entscheidung (2015) könnte auch als Reaktion auf unser Unvermögen verstanden werden, die Ungleichheiten in der Gesellschaft und Schule grundlegend zu ändern. Wir wissen mittlerweile viel darüber, wie Inklusions- und Exklusionsprozesse individuell und kollektiv verlaufen; und es gibt realistische Konzepte, wie soziale Ungerechtigkeiten überwunden werden können. Doch die Schritte vom Wünschen zum Tun sind vielfach allzu sehr eingewurzelt und gefangen in den Fallen von Traditionen, Gewohnheiten und Egoismen. Es ist deshalb immer wieder notwendig, die vom traditionellen Schulsystem ausgehenden und produzierten Bildungsbenachteiligungen, Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen und Ausschlüssen zu thematisieren, in das gesellschaftliche Bewusstsein zu bringen und gemeinsam und interdisziplinär nach Lösungswegen aus der Einbahnstraße von Bevorzugungen und Benachteiligungen zu suchen [30].

Schulstube oder Kampfzone?

Im engagierten und kontroversen Diskurs über die Frage der pädagogischen Fragen, was die Institution Schule mit all ihren Schulformen und -systemen leisten soll und kann, vollziehen sich die Auseinandersetzungen in der Pendelbewegung von Kuschel- bis Konfliktpädagogik. Die Kontroversen reichen von der Forderung nach mehr Disziplin [31], bis hin zu Hoffnungen zur Selbstverwirklichung [32] und befreiender Individualpädagogik [33]. Es sind Aufforderungen zum Lernen in Beziehungen [34], als Wegebeschreibungen zu Lernfreude und Schulglück [35], bis hin zur provokativen und gleichzeitig optimistischen Utopievorstellung: „Stell dir vor es ist Schule und alle wollen hin“ [36]. Immer liegt den Konzepten und dem Engagement für pädagogische Theorie und Praxis das jeweilige Menschenbild zugrunde und das Einlassen auf die humane Wandelbarkeit des Menschen im individuellen und gesellschaftlichen Leben. Damit sind die Fragen nach der schulischen Bildung und dem Lernauftrag der Schule immer auch politisch. Weil aber der Mensch ein zôon politikon, ein politisches Lebewesen ist, wie dies bereits Aristoteles formuliert hat, steht die Schulentwicklung Hier und Heute vor der Herausforderung, sich der immens pädagogischen Frage danach zu stellen, ob und wie Werte, die für ein friedliches, gerechtes und humanes Zusammenleben der Menschen lokal und global definiert und wichtig sind, (auch) in der Schule gelehrt und gelernt werden können. Als Schulentwicklung wird der systematische, zielgerichtete, selbstreflexive und für die Bildungsprozesse der Schüler funktionale Entwicklungsprozess hin zu einer Professionalisierung der schulischen Prozesse bezeichnet. Eine so definierte Schulentwicklung dient der Verbesserung der Qualität der Schule als Institution und des Unterrichts. Die Erziehungswissenschaft entwickelt die prägenden Strukturen schulischen Lernens und die institutionellen Grundlagen für die Schule, die sich mit der Gesellschaft verändert und positioniert. Das wissenschaftliche Instrument der Schulentwicklung gewinnt an zunehmender Bedeutung, als Traditionen und vermeintliche Gewissheiten des pädagogischen Handelns in Frage gestellt und neue Formen von Bildung und Erziehung notwendig werden. Der gesellschaftliche Wandel, sowohl durch die demographische Entwicklung, als auch die globalen Veränderungsprozesse, weist der schulischen Bildung und Erziehung neue Aufgaben zu. Eine der Herausforderungen für schulisches Lernen sind die Erwartungshaltungen, die sich an die Schülerinnen und Schüler bezüglich ihrer zu erwerbenden Qualifikationen für die globalisierte Daseinsbewältigung ergeben; eine andere, welches Sozialverhalten und Wertebewusstsein einen demokratischen, freiheitlich gefestigten und sozial engagierten Bürger in der globalisierten Welt notwendig macht. Es sind nicht zuletzt die internationalen Schulvergleichsuntersuchungen und nationalen Studien, die den deutschen Schülerinnen und Schülern mangelndes Politikverständnis und Verantwortungsbewusstsein bestätigen und ein ambivalentes Verhältnis zu Aggression und Gewalt attestieren und Lehrerinnen, Lehrer, Eltern und die Gesellschaft insgesamt ermahnen, beim Lernen nicht nur auf Wissensvermittlung zu achten, sondern das soziale, emotionale und kooperative Lernen im Unterricht nicht zu vernachlässigen. Konfliktbearbeitende Kommunikation, empathisches Engagement und Kooperation auf Augenhöhe sind die Bausteine, die Schulkultur schaffen und Grundlage für eine auf der Schulentwicklung basierenden Gewaltprävention sein können [37]

Elternautorität ein Gewaltakt?

Wenn es in der „Ethnographie der Familienhilfe“ um die Frage geht, wie in der „Sozialwelt“ (nach Bourdieu) die verschiedenen, individuellen und kollektiven, familialen und gesellschaftlichen Rollen, die Menschen darin spielen, konstruiert werden, also gewissermaßen historisch, kulturell und lebensweltlich „gemacht“ werden, nicht vom Himmel gefallen oder in die Gene gelegt sind, hat die wissenschaftliche Beobachtung und Analyse von Rollenverhalten in diesem Prozess eine Bedeutung. In den Bildungs- und Erziehungswissenschaften wird immer wieder betont, dass Einstellungen und Verhaltensweisen von Erziehungsberechtigten bei der Erziehung von Kindern, gelernt und erworben werden müssen; weil nämlich der Mensch ein erziehungsbedürftiges Lebewesen ist. Die Auseinandersetzungen darüber freilich, wie Erziehung aussehen solle, sind von Kontroversen bestimmt, als „Führen oder Wachsen lassen“ (Theodor Litt, 1927 / 13. Auflage 1967), als Anpassung oder Widerstand („zôon politikon“, nach Aristoteles). In dieser historischen, erziehungswissenschaftlichen und nicht zuletzt ideologischen Spannweite bewegen, manifestieren und verirren sich die jeweiligen Positionen. Hilfreich ist dabei eine Definition, wie sie von der UNESCO, der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen vorgeschlagen wird: „Erziehung umfasst den Gesamtprozess des sozialen Lebens, innerhalb dessen Einzelpersonen und gesellschaftliche Gruppen es lernen, in ihrer eigenen Gesellschaft und im Rahmen der gesamten Weltgemeinschaft ihre persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen, ihr Können und ihr Wissen bewusst und bestmöglich zu entfalten“ (Deutsche UNESCO-Kommission, Empfehlung zur „internationalen Erziehung“, 2., veränd. Auflage, Bonn 1990, S. 16). Damit sind wir dann schon bei der Festlegung, dass Erziehung nicht nur eine individuelle, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe darstellt, und damit die Forderung nach „Erziehungsbildung“ bei Erziehungsberechtigten gerechtfertigt ist. Immer schon zeigten und zeigen sich die Unterschiede zwischen „Auctoritas“ und „Potestas“ (Klaus Schaller, u.a., 1968) in den jeweiligen Erziehungsauffassungen und –wirklichkeiten. Die Trierer Diplom-Pädagogin Diemut König legt ihren Forschungsbericht zu Fragen der Elternautorität zu einem Zeitpunkt vor, an dem die Kontroverse über die „richtige“ Form der Erziehung populistisch (Bueb),wie auch emanzipatorisch [38]  geführt wird. Sie greift zudem die Herausforderung auf, die sich in der Erziehungswissenschaft ergibt, nämlich interdisziplinäre Denk- und Forschungsmethoden in die Fachdisziplin hineinzunehmen. Eine davon ist die Ethnographie als Möglichkeit, auf lebensweltliche Veränderungsprozesse anders als mit den fachspezifischen Mustern (und zusätzlich!) reagieren zu können [39].

Gewalt ist ein Produkt von zwischenmenschlicher Aktion

Der gesellschaftliche Diskurs über Jugendgewalt chargiert zwischen den Forderungen nach einem stärkeren sozialen und pädagogischen Engagement und einem härteren Durchgreifen. Jugendliche Gewalttäter und deren delinquentes Verhalten erhält in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit erfahrungsgemäß eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Nicht immer freilich setzt dabei eine objektive Betrachtung und Ursachenforschung ein; und: berücksichtigt man die Tatsache, dass Gewalttaten von Jugendlichen in hohem Maße im schulischen Umfeld stattfinden, zeigen sich erhebliche Aufmerksamkeitsdefizite und nicht angemessene Reaktionsformen. Matthias Wolter legt mit dem Buch „Gewalt vermeiden“ seine an der Berliner Humboldt-Universität, Institut für Sportwissenschaften, eingereichte Dissertationsschrift vor. Jugendgewalt gerät immer wieder und in vermehrtem Maße in den Fokus gesellschaftlicher Diskussion; und Konflikte und Gewalttaten von Jugendlichen haben ihre Ursachen und Entstehungssituationen oftmals im schulischen Umfeld. Nicht selten herrschen dabei Ohnmächte, Nichtbeachtung, Gering- oder Überschätzung bei Erwachsenen vor. Anstelle von professionellen Handlungsmustern und präventiven Maßnahmen werden allzu oft spontane Reaktionen eingesetzt, die oft genug die Gewaltsituation verschlimmern, anstatt sie zu bereinigen. Der Autor legt mit seiner empirischen Arbeit die Ergebnisse von Trainings vor, die er mit Schülerinnen und Schülern in mehreren Hauptschulen durchgeführt hat. Es handelt sich um Formen und Methoden von Sozialem Kompetenztraining, die er mit verbal und körperlich aggressiven männlichen Jugendlichen erprobte. Er wählte dazu vier unterschiedliche Trainingsansätze aus und untersuchte damit Effektivität und Wirksamkeit hinsichtlich kognitiver und behavioraler Veränderungsprozesse bei den Jugendlichen: Da ist zum einen das kognitive Training auf Gesprächsbasis; zum zweiten das kognitive Kompetenztraining mit Verhaltensfeedback; zum dritten das Kompetenztraining mit Stresssimulation; und schließlich das Kompetenztraining mit Stresssimulation und Verhaltensfeedback. Alle vier Trainingsmethoden haben zum Ziel, den gewaltbereiten und für verbale und physische Gewalt empfänglichen Jugendlichen kognitive Informationen und alternative Lösungsstrategien zum Gewaltverhalten anzubieten. „Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, dass sowohl mit rein kognitiven Kompetenztrainings als auch mit verhaltensorientierten sozialen Trainingsmaßnahmen bedeutsame Veränderungen in den Denk- und Bewertungsmustern als auch im Konfliktverhalten erzielt werden können“ [40].

Das Leben ist (k)ein Traum(a)

Die 1929 geborene New Yorker Psychoanalytikerin, Lehranalytikerin und Supervisorin, Vorstandsmitglied der New York Freudian Society, Mitglied der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV), Marion M. Oliner, ist Überlebende von Holocaust-Opfern. Sie, wie auch ihre Mutter und deren Vorfahren, wurden in Andernach am Rhein, ihr Vater in Merxheim bei Bad Kreuznach geboren. Sie und ihre Eltern reisten 1939 nach Belgien aus, mit dem Ziel, ein Visum für die Einreise in die USA zu bekommen. Doch nach der Annexion des Landes durch die Deutschen, 1940, war dies nicht mehr möglich. Ihr Vater wurde verhaftet und in ein Lager nach Südfrankreich gebracht. Die Restfamilie blieb in Brüssel, bis es ihrer Mutter gelang, mit Hilfe von Schleusern nach Südfrankreich zu kommen, um den Ehemann dort zu treffen. Ihre Bemühungen, über jüdische Organisationen die Auswanderung in die USA zu erreichen, führten dazu, dass die Tochter Marion Gelegenheit erhielt, mit einem der Kindertransporte in die Schweiz gebracht zu werden und von dort in die USA zu gelangen. Sie wurde amerikanische Staatsbürgerin, studierte, heiratete und bekam zwei Kinder. Ihre Eltern wurden 1942 in das Konzentrationslager in Auschwitz gebracht und dort ermordet. Es ist die Suche nach den Realitäten, die mehr sein sollten als eine Anpassung an sich real anfühlende Wirklichkeiten, die bei Opfern und ihren Nachkommen die Fragen laut werden lassen, wie die Shoa möglich sein konnte und wie man mit dem Land, in dem dies geschah und den Menschen, die den Holocaust zuließen, umgehen solle [41]. Marion Oliner analysiert die Zusammenhänge von Realitätsbezug, -überzeichnung und –verleugnung bis hin zu übersteigenden und verleugnenden Objektbetonungen in der psychoanalytischen Behandlung. Der Tenor der Ich-Erzählungen, Ich- und Fremd-Analysen beruhen auf der an Freud und Lacan orientierten Flexibilität bei der Auseinandersetzung mit Traumata. An zahlreichen, speziell auf die Traumas von Holocaust-Überlebenden und deren Nachkommen ausgerichteten Fallbeispielen gelingt es ihr, ihre selbstreflexiven und professionellen, praktischen Erfahrungen zusammen zu bringen [42].
prozessorientierte Konfliktbearbeitung und zeigen auf, dass „ohne eine Einbettung in lokale Strukturen und Prozesse externe Maßnahmen kontraproduktiv wirken können“.

Mobilisierung der Zivilgesellschaften für Frieden und menschliche Sicherheit

Konflikte sind menschlich. Sie existieren im Paradies genauso wie im Alltag. Und zwar individuell und kollektiv, lokal und global. Es wäre illusorisch und vermessen, sich ein Zusammenleben der Menschen ohne Konflikte vorzustellen. Was aber notwendig ist, die Menschen konfliktfähig zu machen [43], etwa, um aus einer gelingenden Ich-Identität heraus interpersonale und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben. Es geht um zivile Konfliktbearbeitung, die im lokalen wie im globalen Rahmen eine immer größere Bedeutung gewinnt.Das 1996 gebildete Forum Ziviler Friedensdienst, bei dem mehrere Institutionen und Einrichtungen zusammen arbeiten, vermittelt in der Kölner Akademie für Konflikttransformation im Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) praxisnahes Handlungswissen für zivile Konfliktbearbeitung und den Zivilen Friedensdienst, bietet lebens- und berufserfahrenen Menschen Qualifizierungskurse zur Friedensfachkraft und Trainings zu Themen der zivilen Konfliktbearbeitung an, informiert über Fragen der zivilen Konfliktbearbeitung, forscht zur Transformation von Gewaltkonflikten und berät politische Entscheidungsträger. In einer Bestandsaufnahme, einem Erfahrungsaustausch und einer Perspektivensuche werden die Herausforderung von Friedensdiensten und –aktivitäten dargestellt und die wesentlichen Elemente und Bedingungen für Friedensarbeit diskutiert. Dabei ist die Erfahrung wichtig: Konflikte können weder per ordre mufti, noch mit militärische oder materiellen Mitteln und Effektivitätsansprüchen allein aus der Welt geschafft werden! [44].

Vom Skandalon des kapitalistischen Reichtums und der prekären Armut in der Welt

Wenn Argumente und Prognosen über den Zustand der Welt sich verdichten und die negativen, kapitalistischen Entwicklungen des homo oeconomicus immer deutlicher werden, melden sich mittlerweile nicht nur System- und Gesellschaftskritiker zu Wort, sondern auch kritische Geister, die bisher eher marktkonforme und neoliberale Positionen vertraten. Es ist sicherlich nicht diskriminierend festzustellen, dass der Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und 2014 verstorbene Frank Schirrmacher, nicht gerade zu den herausragenden Kapitalismuskritikern gehörte. Wenn er in seinem letzten Buch „Ego. Das Spiel des Lebens“ die populären und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über den notwendigen lokalen und globalen Perspektiven- und Systemwechsel, weg vom kapitalistischen, neoliberalen und hin zu einem ethisch-fundierten nachhaltigen Denken und Handeln, zusammenfasst und die auf 35 Seiten aufgelisteten rund 500 Publikationen zum Pro und Contra globalökonomischen Tuns zu eigenen Argumenten verarbeitet, wird man sagen können: Die vorliegenden Analysen, Bestandsaufnahmen und Visionen, die deutlich machen, dass es möglich ist, eine andere, gerechtere (Eine?) Welt zu schaffen, überzeugen und machen aus Mitläufern Gegenläufer! Frank Schirrmacher stellte seiner Warnung, dass im ökonomischen Spiel der Finanz- und Kapitalmacht ein egoistisches, von Misstrauen getragenes und aus Verzweiflung und Angst gesteuertes Monster heranwächst, das alle ethischen und moralischen Prämissen des sozialen Menschseins außer Kraft setzt, den Rat des französischen Philosophen und Soziologen Michel Foucault voran: „Wir sollten nicht zu entdecken versuchen, wer wir sind, sondern was wir uns weigern zu sein“. Damit legte er den Fokus seiner Analyse über den Zustand der Welt darauf, dass es nicht zu spät sei, den Paradigmenwechsel zu vollziehen – und vor allem, dass nicht die Ohnmacht der Individuen dies verhindert, sondern die Macht jedes Einzelnen es ermöglichen kann. Dabei identifiziert er die globalen Veränderungsprozesse als „Informationskapitalismus“, der „zusammenhängende Lebensläufe und Identitäten von einzelnen Menschen infrage (stellt), … die Realwirtschaft für seine Zwecke einspannt und … im Begriff (ist), konstitutionelle und völkerrechtliche Ordnungen umzuschreiben“, eine wahrhaft monströse, imperiale Bedrohung [45].

Für ein kooperatives Mensch-Natur-Verhältnis

Als 1972 sieben junge Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) die vom Club of Rome in Auftrag gegebene Studie über die zukünftige Entwicklung der Welt veröffentlichten und warnten, „wenn die Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen anhält, werden die Wachstumsgrenzen im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht“, da schien sich ein Umdenken anzudeuten, das dem „Throughput-growth“(Durchfluss-Wachstums) - Denken und Handeln ein Bewusstsein von „Sustaible development“, tragfähige Entwicklung entgegen setzen könnte. Doch die individuellen und nationalen Egoismen haben diesen Perspektivenwechsel bisher kaum ermöglicht. Die aktuellen, globalen Situationen auf allen Gebieten menschlichen Daseins zeigen eindeutig, dass es mehr bedarf als nur kosmetischer Korrekturen bei der Frage, wie wir Menschen auf der Erde mit den natürlichen Ressourcen umgehen, wie wir einen katastrophalen Klimawandel wenigstens abmildern, wie wir die Ungerechtigkeiten in Welt beseitigen können, und wie wir unser Verhältnis zum Haben und Sein (Erich Fromm), also zu uns selbst und allen Mitgliedern der menschlichen Familie definieren, wie wir also Wirtschaftswachstum und Naturverbrauch entkoppeln können. Peter M. Senge, Direktor des Center for Organizational Learning an der MIT Sloan School of Management in Cambridge / Massachusetts, der Autor und Unternehmensberater Bryan Smith, Joe Laur und Sara Schley von der internationalen Organisationsberatungsfirma Seed Systems und Nina Kruschwitz, Herausgeberin des SoL-Journals Reflections, rufen zu einem kollektiven Erwachen der Menschheit auf. Die Metapher, dass die Welt ein Dorf sei, in dem Empathie und Gerechtigkeitsbewusstsein vorherrsche, und mit dem Bewusstsein, dass wir Menschen mit unserem „ökologischen Fußabdruck“ die Wegemarke zur Vermessung  des notwendigen Lebensraumes für eingerechtes, lebenswertes Dasein der Menschen in unserer EINEN WELT setzen, bestimmen dabei die Perspektiven, die getragen sind von dem Optimismus: Eine bessere, gerechtere und friedlichere Eine Welt ist möglich! [46].

Homo faber: Der Mensch erschafft sich durch denkendes Tun

Der 1943 in Chicago geborene, in einer ethnisch-gemischten Enklave interkulturell aufgewachsene, spätere Soziologe und Kulturphilosoph Richard Sennett gilt in den USA und weit darüber hinaus als ein Sezierer der Zeitläufte und des gesellschaftlichen Zusammen- (und Gegeneinander-)lebens der Menschen in den verschiedenen Lebensumständen und –räumen. Viele seiner Werke sind in deutscher Sprache erschienen, sind Bestseller geworden (wie etwa „Der flexible Mensch <The Corrosion of Character>, 1998) und wurden vielfach beachtet und gelobt ob der Fähigkeit, den Finger in die Wunden der Menschheit zu legen [47]. Wissenschaftliche Theoriebildungen und philosophisches Reflektieren sind das eine intellektuelle Standbein von Richard Sennet, das andere, gleichwertige, ist das Nachdenken darüber, was wir Menschen mit den materiellen Dingen tun, die uns umgeben, die wir haben wollen, meinen, haben zu müssen und benutzen: „Ich habe das Gefühl, dass wir angesichts der mit physischen Gegenständen vollgestopften Welt nicht recht wissen, wie wir von materiellen Objekten und Maschinen guten Gebrauch machen können“. In diesem Unbehagen steckt auch etwas, was wir mittlerweile als Gesellschafts-, Kultur- und Lebenskritik formulieren: Soll der Mensch alles machen (dürfen), was er kann (oder zu können glaubt)? Dieses Nachdenken subsummiert er in einem Denk- und Schreibvorhaben, das er das „Homo-Faber-Projekt“ bezeichnet. Es „kreist um die ethische Frage, in welchem Maße wir Herren unserer selbst werden können“, und dbegreifen müssen, dass „der Mensch sein Leben und sich selbst durch konkretes praktisches Handeln erschafft“. Der Mensch ist ein auf Gemeinschaft angewiesenes Lebewesen, er vermag zwar auf einer einsamen Insel als Robinson überleben, aber nicht leben. Diese Grundlage menschlichen Daseins muss immer wieder in das Bewusstsein der Menschheit gerückt werden. Daraus leitet sich ab, dass eine gelingende Zusammenarbeit ohne individuelles und gesellschaftliches Engagement und Partizipation nicht zu haben ist. „Kooperation ist Austausch, von dem alle Beteiligten profitieren“. Auf der Grundlage dieser positiven und optimistischen Überzeugung begründet Richard Sennet seine Reflexionen zur „Zusammenarbeit“. Indem er den Werkzeugkasten bereit stellt und die Werkstatt ausgestattet hat, um mit den intellektuellen und profanen Denk- und Handlungswerkzeugen selbst zu denken, zeigt er die Chance auf, dass Kooperationen win-win-Erfahrungen ermöglichen und damit das individuelle und lokal- und globalgesellschaftliche Leben der Menschen humaner und reicher machen [48].

Fazit

Gewalt, wenn sie als illegitime, inhumane, individuelle und kollektive Herrschaftsausübung daher kommt, ist immer Missbrauch. Dagegen mit dialogischen und rechtlichen Mitteln ein Bewusstsein zu schaffen, erfordert eine machtvolle Identität und die Entwicklung der demokratischen Grundtugend: Zivilcourage [49]. Weil die Wahrnehmung des Anderen, ob Nahen oder Fernen, immer auch mit Kennen lernen, Begegnen und Verständigung zu tun hat, kommt es darauf an, eigene Gewaltwahrnehmungen und -erfahrungen im Dialog auf Augenhöhe zu erleben. Nur so lassen sich begehbare Brücken hin zum Anderen bauen, Mauern und Folterkammern einreißen [50]. Autor
Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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[1] Ulrich Beck, Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit, 2007, zur Rezension

[2] Die Erklärung von Sevilla, in: Deutsche UNESCO-Kommission, Internationale Verständigung, Menschenrechte und Frieden als Bildungsziel. Drei Texte der UNESCO, 2. Aufl., Bonn 1992, S. 44ff, vgl. auch: Peter Schlotter, Simone Wisotzki, Hrsg., Friedens- und Konfliktforschung, 2011, zur Rezension

[3] Byung-Chul Han, Topologie der Gewalt, 2011, zur Rezension

[4] Thomas Strässle, Gelassenheit. Über eine andere Haltung zur Welt, 2013, zur Rezension

[5] Elinor Ostrom, Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter, 2011, zur Rezension

[6] Ralf Konersmann, Die Unruhe der Welt, 2015, zur Rezension

[7] Kurt Bayertz, Der aufrechte Gang. Eine Geschichte des anthropologischen Denkens, 2013, zur Rezension

[8] Franz Josef Wetz, Rebellion der Selbstachtung. Gegen Demütigung, 2014, zur Rezension

[9] Hans-Willi Weis, Der Intellektuelle als Yogi. Für eine neue Kunst der Aufmerksamkeit im digitalen Zeitalter, 2015, zur Rezension

[10] Joachim Bauer, Schmerzgrenze. Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt, 2011, zur Rezension

[11] Daniel Hechler / Alex Philipps, Hg., Widerstand denken. Michel Foucault und die Grenzen der Macht, 2008, zur Rezension

[12] Wolfgang Kersting, Macht und Moral. Studien zur praktischen Philosophie der Neuzeit, 2010, zur Rezension

[13] Dieter Birnbacher:, Tun und Unterlassen, 2014, zur Rezension

[14] Herfried Münkler / Matthias Bohlender / Sabine Meurer, Hrsg., Sicherheit und Risiko. Über den Umgang mit Gefahr im 21. Jahrhundert, 2009, zur Rezension

[15] Hans Hoch, Hrsg., Sicherheiten und Unsicherheiten, 2014, zur Rezension

[16] Jörg Dräger, Dichter, Denker, Schulversager. Gute Schulen sind machbar – Wege aus der Bildungskrise, 2011, zur Rezension

[17] Dorothea Krüger, Hrsg. Genderkompetenz und Schulwelten. Alte Ungleichheiten – neue Hemmnisse, 2011, zur Rezension

[18] Utta Isop / Viktorija Ratkovič, Differenzen leben. Kulturwissenschaftliche und geschlechterkritische Perspektiven auf Inklusion und Exklusion, 2011, zur Rezension

[19] Paul Willis, Spaß am Widerstand. Learning to Labour, 2011, zur Rezension

[20] Hilal Sezgin, Hrsg., 2011, zur Rezension, sowie: Zafer Senocak, Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift, zur Rezension

[21] Klaus J. Bade, Kritik und Gewalt. Sarrazin-Debatte, "Islamkritik" und Terror in der Einwanderungsgesellschaft, 2013, zur Rezension

[22] Ellen Bareis / Christian Kolbe / Marion Ott / Kerstin Rathgeb / Christian Schütte-Bäumner, Hrsg., Episoden sozialer Ausschließung. Definitionskämpfe und widerständige Praxen, 2013, zur Rezension

[23] Arno Gruen, Wider den Gehorsam, 2014, zur Rezension; siehe auch: Rainer Lehmann, Aufforderung zum Ungehorsam. Ein Pamphlet, 2013, zur Rezension

[24] Matthias Lutz-Bachmann / Andreas Niederberger, Hrsg., Krieg und Frieden im Prozess der Globalisierung, 2009, zur Rezension

[25] Guido Knopp / Stefan Brauburger / Peter Arens, Der Heilige Krieg. Mohammed, die Kreuzritter und der 11. September, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/14134.php; sowie: Kai Hafez, Heiliger Krieg und Demokratie. Radikalität und politischer Wandel im islamisch-westlichen Vergleich, 2009, zur Rezension

[26] Rudolph Bauer, Hrsg., Kriege im 21. Jahrhundert. Neue Herausforderungen der Friedensbewegung, 2015, zur Rezension; sowie: Peter Schlotter / Simone Wisotzki ,Hrsg. Friedens- und Konfliktforschung, 2011, zur Rezension

[27] vgl. dazu z. B.: Thijs Maasen, u.a., Pädagogischer Eros: Gustav Wynekens pädagogische Freundschaften in der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, 1995; Jürgen Oelkers, Eros und Herrschaft. Die dunklen Seiten der Reformpädagogik, 2011; Magdalena Klinger, Pädagogischer Eros. Erotik in Lehr-/Lernbeziehungen aus kontextanalytischer und ideengeschichtlicher Perspektive, 2011

[28] Peter Dudek, "Liebevolle Züchtigung". Ein Missbrauch der Autorität im Namen der Reformpädagogik, 2012, zur Rezension

[29] Roland Bertet / Gust Keller, Gewaltprävention in der Schule. Wege zu prosozialem Verhalten, 2011,http://www.socialnet.de/rezensionen/12533.php, siehe auch: Ahmet Toprak, „Wer sein Kind nicht schlägt, hat später das Nachsehen“. Elterliche Gewaltanwendung in türkischen Migrantenfamilien und Konsequenzen für die Elternarbeit, 2004, zur Rezension

[30] Eiko Jürgens / Susanne Miller, Hrsg., Ungleichheit in der Gesellschaft und Ungleichheit in der Schule. Eine interdisziplinäre Sicht auf Inklusions- und Exklusionsprozesse, 2013, zur Rezension

[31] Bernhard Bueb: Lob der Disziplin. Eine Streitschrift, 2006, in: socialnet Rezensionen, zur Rezension

[32] Bernhard Rathmayr, Selbstzwang und Selbstverwirklichung, 2011, zur Rezension

[33] Gerhard H. Klein, Befreiende Individualpädagogik, 2011, zur Rezension

[34] Tobias Künkler, Lernen in Beziehung, 2011, zur Rezension

[35] Olaf-Axel Burow, Positive Pädagogik, 2011, zur Rezension

[36] Margret Rasfeld, 2011, zur Rezension

[37] Wolfgang Melzer / Wilfried Schubarth / Frank Ehninger, Gewaltprävention und Schulentwicklung, 2011, zur Rezension

[38] Alex Aßmann, Erziehung als Zumutung und Emanzipationsvorhaben, 2008, zur Rezension

[39] Diemut König, Die pädagogische Konstruktion von Elternautorität. Eine Ethnographie der Familienhilfe, 2014, zur Rezension

[40] Matthias Wolter, Gewalt vermeiden. Vom Wissen zum Können! Wie soziale Kompetenztrainings effektiv wirken, 2014, zur Rezension

[41] Andrea Treuenfeld, Zurück in das Land, das uns töten wollte. Jüdische Remigrantinnen erzählen ihr Leben, 2015, www.socialnet.de/rezensionen/17994.php; sowie: Ursula Mahlendorf, Führers begeisterte Töchter. Wie Mädchen die Hitlerzeit erlebt und später verharmlost haben. Eine amerikanische Intellektuelle über (ihre) NS-Kindheit, 2014, zur Rezension

[42] Marion Oliner Psychische Realität im Kontext. Reflexionen über Trauma, psychoanalyse und die persönliche Geschichte, 2014, zur Rezension

[43] vgl. dazu z. B. den Klassiker: B.: Heinz Dedering, Hg., Konflikt als paedagogicum, Frankfurt/M. 1983, 346 S.

[44] Andreas Heinemann-Grüder / Isabella Bauer, Hrsg., Zivile Konfliktbearbeitung. Vom Anspruch zur Wirklichkeit, 2013, zur Rezension

[45] Frank Schirrmacher, Ego. Das Spiel des Lebens, 2013, zur Rezension

[46] Peter M. Senge, u.a., Die notwendige Revolution. Wie Individuen und Organisationen zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Welt zu schaffen, 2011, zur Rezension

[47] Richard Sennet, Respekt im Zeitalter der Ungleichheit, 2004, zur Rezension

[48] Richard Sennet, Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält, 2012, zur Rezension

[49] Ulrich Beer,Zivilcourage, 2011, zur Rezension

[50] Richard Heinzmann / Peter Antes / Martin Thurner /Mualla Selcuk / Halis Albayrak, Hrsg., Lexikon des Dialogs. Grundbegriffe aus Christentum und Islam, 2013, zur Rezension

Aktuelle Rezension

Buchcover

Heidrun Kiessl: Systemische Ansätze in der Heilpädagogik. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. 170 Seiten. ISBN 978-3-17-033064-1.
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