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Kenianische Mädchen in einer Schule
Kenianische Mädchen werden beraten. © Ruby Cup

Tabuthema Menstruation - Hygienische Missstände in Kenia beseitigen helfen

Menstruation ist in Entwicklungsländern ein Tabuthema mit schwerwiegenden Folgen. Der Grund: Hygieneartikel sind nicht vorhanden oder schlichtweg zu teuer. Deshalb müssen junge Mädchen alte Zeitungen, Socken oder Lehm benutzen, um das Blut aufzufangen – oder sie beschaffen sich Geld auf andere Weise.

Wenn Mädchen in Kenia ihre Periode bekommen, werden sie mit vielfältigen Problemen konfrontiert. Sie sind nicht nur persönlich betroffen, es ist vielmehr ein globales Thema. Die Hälfte der Mädchen kann nicht mit der Familie über die Periode sprechen. Viele wissen nicht, was in ihrem Körper vorgeht und fühlen sich damit allein gelassen. Während der Menstruation gelten Mädchen und Frauen als unrein und unterliegen bestimmten Restriktionen. Oft wird ihnen gesagt, dass sie sich währenddessen von Jungen fernhalten müssen, da sie sonst sofort schwanger werden.

Ein Viertel der Mädchen wiederum ist sich nicht bewusst, dass die Periode unweigerlich mit einer möglichen Schwangerschaft verbunden ist. Die vorherrschenden Mythen über die Regelblutung sind umso ausgeprägter, je geringer die Schulbildung ist. Kein Geld für Tampons Hygieneartikel sind selten vor Ort verfügbar und oft sehr teuer. 65 Prozent der Mädchen und Frauen können sich weder Binden noch Tampons leisten. Einige greifen auf alte Socken oder Zeitungen zurück, andere prostituieren sich, um das notwendige Geld zu beschaffen. Dies endet bei einem Viertel der Mädchen in einer frühzeitigen Ehe, damit ihre Grundbedürfnisse abgesichert sind.

Menstruation und Bildung

Aktuell bleiben etwa eine Million Kinder in Kenia der Schule fern. Dafür sind verschiedene Gründe verantwortlich, für Mädchen ist die Menstruation aber eine besonders große Hürde. Die meisten Schulen bieten keine ausreichende sanitäre Infrastruktur und damit auch keinen Rückzugsort für die Mädchen während ihrer Periode. Aus Scham gehen viele während dieser Zeit nicht zur Schule. So verpassen sie den Schulstoff und verlieren früher oder später den Anschluss. In der Folge brechen viele die Schule völlig ab und verlieren ihre Chance auf Gleichstellung nur, weil sie einige Tage im Monat bluten.

Hygieneartikel als Hilfsgüter

Um diesen hygienischen Missständen zu begegnen, sind langfristige Lösungen gefragt, vor allem auf politischer Ebene. An vielen Schulen werden inzwischen kostenlos Binden verteilt, finanziert vom Staat oder von Hilfsorganisationen. Direkte Hilfe leistet beispielsweise auch das soziale Unternehmen Ruby Cup, das Menstruationstassen herstellt. Der kleine Becher aus Silikon wird wie ein Tampon eingeführt und fängt das Blut auf. Nach maximal 12 Stunden muss der Becher ausgeleert werden. Der große Vorteil ist, dass eine solche Menstruationstasse bis zu zehn Jahre verwendet werden kann. So können die kenianischen Mädchen mit einem Becher problemlos die gesamte Schulzeit auskommen. Das Unternehmen spendet für jede regulär verkaufte Menstruationstasse eine weitere an ein Mädchen in Afrika oder Asien. Vor Ort klären Trainerinnen die Mädchen über die Vorgänge in ihrem Körper und die Funktionsweise des Bechers auf. Bis heute konnte Ruby Cup auf diese Weise, zum Teil mit der Unterstützung von NGOs, schon 24.000 Mädchen helfen.


Quelle: Ruby Cup, August 2017

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Heidrun Kiessl: Systemische Ansätze in der Heilpädagogik. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. 170 Seiten. ISBN 978-3-17-033064-1.
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