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Studie zur Zukunft des Mindeslohns

Der Mindestlohn nützt nicht nur Geringverdienern, sondern auch der Gesamtwirtschaft: Er stärkt den Konsum und sorgt so für stabiles Wachstum, von dem auch die Staatskasse profitiert. Das wird in Zukunft so bleiben, vor allem, wenn der Staat die zusätzlichen Einnahmen auch zeitnah wieder ausgibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.*

Die Erfahrungen mit der gesetzlichen Lohnuntergrenze sind nach rund dreieinhalb Jahren gut, betont die gewerkscahftsnahe Sitftung. Löhne im Niedriglohnsektor seien deutlich gestiegen, vor der Einführung verbreitete Warnungen, der Mindestlohn werde massenhaft Beschäftigung kosten, hätten sich nicht bewahrheitet.

Aussichten für die Zukunft untersucht ein Report, den Dr. Alexander Herzog-Stein, Patrick Nüß, Dr. Ulrike Stein und Dr. Rudolf Zwiener vom IMK gemeinsam mit Prof. Dr. Camille Logeay von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Technik erstellt haben. Er basiert auf einer breiter angelegten Studie, die das IMK und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung im Auftrag der Mindestlohnkommission erstellt haben. Die Ökonomen haben für einen Zeitraum von zehn Jahren Szenarien mit und ohne Mindestlohn durchgerechnet und verglichen. So lässt sich noch genauer abschätzen, was der Mindestlohn bislang bewirkt hat - und welche weiteren langfristigen gesamtwirtschaftlichen Effekte zu erwarten sind.

Der Analyse zufolge ist die Lohnuntergrenze ein Wachstumsverstärker. Die Wachstumseffekte würden auch deshalb so positiv ausfallen, weil die Beschäftigung weitestgehend stabil bleibt. Der Studie zufolge dürften zwar Minijobs weggefallen sein. Sie wurden aber zu einem erheblichen Teil umgewandelt in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, sodass sich am Arbeitsvolumen insgesamt nichts änderte. Leichte Änderungen gibt es dagegen beim Preisniveau, das anfänglich 0,2 Prozent, nach zehn Jahren 0,5 Prozent höher liegt. Angesichts der immer noch bestehenden Unterschreitung der Zielinflationsrate der EZB sei dieser Effekt aber zu begrüßen, so die Forscher. Auch der Fiskus profitiert, wird eingeschätzt:  Die steigenden Steuereinnahmen lassen die Defizitquote sinken.

In einem weiteren Szenario haben die Wissenschaftler zusätzlich untersucht, was passiert, wenn der Staat die entstehenden Mehreinnahmen für höhere Ausgaben nutzt, wie es in der Realität seit 2015 der Fall war. Wächst der Staatsverbrauch so um ein Prozent zusätzlich, fällt der Wachstumseffekt sogar doppelt so hoch aus. Auch die Beschäftigung liegt dann merklich über dem Szenario ohne Mindestlohn.

*Alexander Herzog-Stein u.a.: Positive gesamtwirtschaftliche Effekte des gesetzlichen Mindestlohns - eine ökonometrische Untersuchung, IMK-Report Nr. 141, Juli 2018. Download unter www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_141_2018.pdf

Video-Interview mit Studienautor Dr. Alexander Herzog-Stein: https://youtu.be/bvTOfnhuLQw


Quelle: Presseinformation der Hans-Böckler-Stiftung vom 3, Juli 2018

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