Forensiktagung: Neue Ansätze zur schulischen und beruflichen Qualifikation vorgestellt

In der LVR-Klinik Bedburg-Hau hat die dreitägige 24. Forensische Fachtagung „Sex & Drugs & Rock'n'Roll" mit dem Thema „Let's work together – Der Spagat zwischen Coolness und Bindung" stattgefunden. Die renommierte Fachtagung gehört zu den größten forensischen Veranstaltungen in Deutschland und Europa. 37 interdisziplinäre und internationale Forensik-Expertinnen und               -Experten präsentierten neue Forschungs- und Behandlungserkenntnisse. In Vorträgen und 23 Arbeitsgruppen ging es darum, wie forensische Patientinnen und Patienten erfolgreich behandelt und geheilt werden können.

„Sind wir wirklich so gut, wie wir denken?" lautet der provozierende Titel des Eröffnungsvortrages von Prof. Dr. Manuela Dudeck vom Universitätsklinikum Ulm. Er zeigt auf, inwieweit Stationsklima, therapeutische Beziehung und die Einstellung der Therapeuten zu den Maßregelpatienten den Behandlungsverlauf prägen.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit stand im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Udo Rauchfleisch von der Universität Basel. Harald Kolbe von der LWL-Akademie für Forensische Psychiatrie in Münster hob die Bedeutung der Pflege im Maßregelvollzug im Konzert mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervor in seinem Vortrag „Wir haben doch alle den gleichen Auftrag, erfüllen ihn nur anders."

Früher Ergotherapeutin, heute Jobcoach? Ein aktueller Schwerpunkt der forensischen LVR-Klinik Bedburg-Hau ist die Neuausrichtung der schulischen und beruflichen Bildung im Maßregelvollzug. Dr. Jack Kreutz, Fachbereichsleiter Maßregelvollzug der LVR-Klinik Bedburg-Hau, stellte auf der Fachtagung Projekte vor, mit denen die schulischen und beruflichen Qualifikationen der Patientinnen und Patienten im Maßregelvollzug verbessert werden können – von denen viele aufgrund ihrer langjährigen Erkrankungen weder über Schulabschluss noch eine Ausbildung verfügen.

Positive Effekte: Frühes Aufzeigen von Perspektiven für Forensik-Patientinnen und -Patienten 

„Es hat sich gezeigt, dass die frühzeitige Beschäftigung mit späteren beruflichen Möglichkeiten und Perspektiven die Behandlungsmotivation der Maßregelvollzugspatienten und –patientinnen deutlich erhöht. Die Überleitung auf den Arbeitsmarkt kann aber meist nur gelingen, wenn die schulischen und beruflichen Defizite während der Unterbringung in Maßregelvollzug reduziert werden können", so Dr. Jack Kreutz.
Die erhöhten Bildungsanstrengungen in der LVR-Klinik Bedburg-Hau sind auch eine Folge der durch eine Gesetzesnovellierung angestrebten Verkürzung der Unterbringungsdauer von psychisch kranken Patientinnen und Patienten. Dr. Kreutz präsentierte auf der Fachtagung, wie vor diesem Hintergrund das Konzept der pädagogischen Förderung, der Ergo- und Arbeitstherapie in den forensischen Abteilungen der LVR-Klinik Bedburg-Hau neu ausgerichtet wurde und wird.

Hintergrund

Der Landschaftsverband Rheinland verfügt über ein Netzwerk von Spezialeinrichtungen für den Maßregelvollzug. An sechs Standorten mit unterschiedlichen Behandlungsschwerpunkten werden psychisch kranke Straftäterinnen und Straftäter therapiert. Die forensischen Abteilungen der LVR-Klinik Bedburg-Hau, in denen rund 400 Patientinnen und Patientinnen stationär behandelt werden, sind von überregionaler Bedeutung.


Quelle: Presseinformation des Landschaftsverbandes Rheinland vom 15. Mai 2018