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Mut und Übermut

Dr. Jos Schnurer

30.03.2016

Collage, zusammengestellt von Dr. Jos Schnurer
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„Ziehe mutig in den Kampf“ (Liedanfang) –  „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“ (Demokrit) - „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen (Kant) Bereits an diesen Zitaten wird die Spannweite erkennbar, die sich mit den Begriffen „Mut“ und „Übermut“ verbindet. Mit der etymologischen Ausdifferenzierung wird eine mutige Haltung oder Handlung sowohl als Herausforderung verstanden, mit „Wagemut“ sich auf etwas einzulassen, das sowohl Gefahren, als auch Erfolg bringen kann, und als Charaktereigenschaft jemandem anzuraten und zu ermutigen, oder vor dem „Übermut“ zu warnen ist. Betrachten wir die Frage anthropologisch, pädagogisch und gesellschaftspolitisch, lassen sich zumindest zwei unterschiedliche Imponderabilien erkennen: Da ist zum einen die Fähigkeit, sich etwas zuzutrauen, wovor eventuell das eigene Gefühl und das eigene Empfinden warnen, Ängste zu überwinden und selbstbewusst sich neuen Herausforderungen zu stellen; zum anderen wird als Übermut bezeichnet, dass eine leichtsinnige, tollkühne Haltung oder Einstellung dazu führen kann, dass mögliche Gefahren und Gefährdungen eintreten können oder bei denen Verstand, Vernunft und Klugheit ausgeschaltet werden: „Hochmut und Stolz wachsen auf einem Holz“. In  philosophischen, psychologischen, psychoanalytischen, soziologischen, religiösen, ästhetischen und pädagogischen Auseinandersetzungen wird nach der Bedeutung der Einstellungen und Eigenschaften für das individuelle Dasein und das kollektive Zusammenleben der Menschen gefragt und gerungen; etwa auch beim künstlerischen Schaffen eines Paul Klee, der mit seiner „schöpferischen Konfession“ im Übermut gleichsam das Gleichgewicht als Spiel der Gegensätze und Harmonie sah und mit seinem Werk der Kunst eine neue Richtung wies: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar.“. Wir erkennen dabei die Janusgesichtigkeit der Eigenschaft, Mut zu haben, zu zeigen und zu leben, gleichzeitig aber durch Übermut möglicherweise mutiges Denken und Handeln zu konterkarieren. Ein Blick auf ausgewählte Literatur, die der Autor im Internetdienst von Socialnet rezensiert und veröffentlicht hat, soll auf diese Differenziertheit der Begrifflichkeit verweisen.

Ist die Frage nach dem Sinn des Lebens eine sinnlose Frage?

Während für die einen diese Frage als bedeutsam, unverzichtbar und existentiell herausfordernd verstanden und mit dem anthropologischen Bewusstsein beantwortet wird, dass der Mensch als anthrôpos und zôon politikon kraft seines Verstandes und seines Strebens nach einem guten Leben dazu verpflichtet ist, Mut zum Leben zu haben, betrachten andere eher diese Frage als eine Zumutung, weil sie ganz selbstverständlich, überliefert und in den Traditionen des Lebens begründet ist, also der Mensch ist, wie er ist. Die Frage nach dem Sinn des Lebens bündelt sich also in Fragen über Fragen; und mögliche Antworten finden wir dann eben nicht, oder wir finden sie in esoterischen, spiritistischen, eventischen, materialistischen und konsumistischen Verlockungen. Das klingt wie Kulturkritik – und ist es auch! Der Literaturwissenschaftler von der Universität of Manchester, Terry Eagleton, hat sich auf die Suche nach der (unsinnigen?) Frage nach dem Sinn des Lebens, philosophisch und intellektuell gemacht. Er konfrontiert uns mit Gegenfragen: Woher kommt es, dass Menschen gerade "in Zeiten, in denen bislang als gesichert geltende Rollen, Überzeugungen und Konventionen in eine Krise geraten", die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen? Weil wir "Gewissheiten" verloren haben, oder "Glauben", "Autoritäten"…? Weil uns die Werte abhanden gekommen sind? Die überraschende Wende seiner Frage leitet er mit Hilfe des Philosophen Ludwig Wittgenstein ein, wenn er feststellt: "Was, wenn der Sinn des Lebens etwas wäre, das wir um keinen Preis entdecken sollten?". Wenn wir trotzdem nach Antworten und Lösungsansätzen suchen, wäre ja vielleicht eine, scheinbar selbstverständliche möglich: Das, was wir aus unserem Leben machen! Freilich unter der humanen Prämisse! [1].

Der Mensch hat Anteil am unvergänglichen, göttlichen Geist

Die Sinnfrage ist, individuell und kollektiv, immer auch verbunden mit der Frage, ob es einen Gott oder göttliche Wesen gibt oder nicht. Das Sprichwort „Der Mensch denkt, und Gott lenkt“ will ja zum Ausdruck bringen, dass es eine Macht gibt, die über dem Menschlichen steht, und gewissermaßen zur Konsequenz hat, dass der Mensch den Willen von etwas Übermenschlichen ausgesetzt ist – ob er will oder nicht! Der dem Menschen gegebene freie Wille hingegen bringt zum Ausdruck, dass das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte postuliert wird, grundlegend für die Erkundung ist: „Wer bin ich?“. Ob der Mensch sich als religiöses oder atheistisches Lebewesen versteht, ist eine unbedingte, individuelle Entscheidung; und weder eine Weltanschauung, noch ein Staat darf sich anmaßen, diese zu oktroyieren oder zu manipulieren. Der Berliner Philosoph Volker Gerhardt gehört einer 1989 gebildeten Vereinigung an, die sich zum Ziel gesetzt hat, interdisziplinär tragfähige Zugänge zu den Grundlagen des politischen Denkens und Handelns zu suchen und Antworten auf aktuelle politische Fragen zu geben: Die „Deutsche Gesellschaft zur Erforschung des politischen Denkens“. Wenn er nach dem „Sinn des Sinns“ fragt, unternimmt er den Versuch, nach dem Göttlichen zu fragen, und er stellt fest: „Ein verantwortlicher, ein dem Selbstverständnis des Menschen einzig angemessener Umgang mit der sich an den Grenzen von Wissenschaft und Technik zunehmend auftuenden Ratlosigkeit ist nur im Glauben möglich“. Er betont dabei, dass „Glauben kein fester Besitz“ ist, sondern die Anstrengung erfordert, „die uns das Leben nicht erst am Ende abverlangt, sondern tagtäglich von uns fordern kann, solange es uns um etwas geht“. Dabei positioniert er sich nicht an scheinbar Unabänderlichem: Soll man auf etwas verzichten, das unverzichtbar ist?, noch stellt er die Frage der Zweifler:  Wie kann ein Gott all die menschengemachten Grausamkeiten, Gräueltaten und Unmenschlichkeiten zulassen, die seit Jahrtausenden in der Welt sind? Mit dem Agnostiker Charles Darwin verweist er darauf, dass es möglich und notwendig ist, dem Menschen (trotz auch seiner Boshaftigkeit, seines Egoismus, seines Machtmissbrauchs...)  das Gute zuzutrauen. Es brauche keine Weltflucht und keine Verneinung des Göttlichen, wenn der Mensch als Person seine Sinnsuche auf das Göttliche in ihm ausrichtet, weil es zutiefst human ist! [2].

Existenzweisen

Der am Institut d´Études Politiques de Paris (IEP) lehrende Soziologe und Philosoph Bruno Latour  will mit der  „Akteur-Netzwerk-Theorie“ (ANT) Prozessen, die die Welt bewegen, auf die Spur kommen. Er geht davon aus, dass es gelingen kann, den „Widerspruch zwischen den Erfahrungen der Welt und den Berichten, in denen darüber … Rechenschaft gegeben wird“ aufzulösen, zumindest aber habhafter zu werden. Es geht also darum, mit dem Geist und den Werkzeugen der Wissenschaft „Assoziationen nachzuzeichnen“; ja vielleicht sogar eine „Assoziologie“ daraus zu machen. Dabei stellt „sozial“ einen „Verknüpfungstyp zwischen Dingen (dar), die selbst nicht sozial sind“. Latours Bestandsaufnahme klingt dabei eher pessimistisch: „Das Soziale scheint sich überallhin verflüchtigt zu haben  Der Versuch, dieses einmal anders als auf den geebneten Straßen und abgegrenzten Kanälen zu be(er)fahren, macht die Besonderheit und Interessantheit von Latours dezidiertem und nicht selten schmerzhaftem Fragens aus, aus dem – beinahe naiv und doch so tiefgründig – ein Erstaunen deutlich wird, dass „in der Wissenschaft nicht alles wissenschaftlich, im Recht nicht alles juristisch, in der Ökonomie nicht alles ökonomisch…“ ist; und man ist versucht, diese Litanei weiterzuführen, dass auch im philosophischen Denken nicht alles anthropologisch ist [3]. Bruno Latour lässt in seiner Erzählung über neue anthropologische Existenzweisen des Menschseins eine fiktive Anthropologin und Analytikerin agieren, die durch Feststellungen, Neugier und Fragen als Leitfigur bei der Darstellung einer „Anthropologie der Modernen“ dient. Ihr konfrontatives, neugieriges bis naives Nachfragen trägt dazu bei, den teilweisen, nicht leicht verständlichen und formelhaften Ausführungen des Autors folgen zu können. Methodisch ist es hilfreich, dass den einzelnen Kapiteln jeweils markierte Einschübe vorangestellt werden, die gewissermaßen auf die folgenden Argumentationen verweisen. Der Autor verweist darauf, dass er die Hoffnung hat, ob die Darstellung und „Erfahrung der Modi mit anderen teilbar ist“. Sein Plazet, das sich durch die Darstellung seiner Modi und Formeln zieht – „Jeder Modus nimmt alle anderen unter seine Obhut“ – könnte den Kreis schließen, der als Symbol für Seinsweisen dienen könnte [4].

Zôon politikon

Wie kann man erklären, dass der zôon politikon (Aristoteles), das politische Lebewesen Mensch, in der abendländischen Philosophie einerseits als sprach- und vernunftbegabtes, am Göttlichen Anteil habendes und zu einem guten Leben befähigtes Geschöpf so hoch gelobt, und auf der anderen Seite das Politische im Leben der Menschen so missachtet wird? Dieser verflixten Frage sind Philosophen, Politiker, Pädagogen…nachgegangen, seit Menschen denken können, und sie gehen ihr weiterhin nach; etwa mit der Forderung nach lebenslanger politischer Bildung. „Ist es Charakter, Wissen, Lernen, Erfahrung, Gewissen, was den Ausschlag für eine existentielle politische Entscheidung gibt?“. Mit dieser Frage wird gleichzeitig ein Missverständnis deutlich: Das politische Agieren eines Menschen zeigt sich nicht erst darin, dass er eine Haltung zeigt, die ihn in seiner physischen Existenz herausfordert, sondern in seiner Identität überhaupt. Politisches Denken und Handeln umfasst also sowohl Alltägliches wie Existentielles; denn: „Das Politische ist Grundzug der Persönlichkeitsbildung“. Der Hannöversche Soziologe und Philosoph Oskar Negt ist einer, der mit unerschütterlichem Glauben das Humane, Gute und Demokratische beim Menschen hochhält und gleichzeitig den Finger in die Wunden des Unvollständigen, Egoistischen und Bösen im Menschen legt. Die Voraussetzungen und Schlüssel dafür sind: Orientieren, Wissen, Lernen und , Erfahren; die in der politischen Bildung zum Tragen kommen. Der engagierte Gewerkschafter und Sozialist, der politische Mensch Oskar Negt ist sicher, dass Kritik an den verzerrten Maßverhältnisse des kapitalistischen und konsumtiven Systems lokal und global notwendig ist, um einen Sozialismus mit menschlichem Gesicht zu schaffen, der die Menschenrechte ernst nimmt und umzusetzen vermag, Arbeit und Demokratie human verwirklicht, den „Kältestrom“ des Kapitalismus und Neoliberalismus abschaltet und die Moral der Menschlichkeit etabliert [5]

Mir geht ein Licht auf

Der Geist weht, wo er will! Dieses aus dem Neuen Testament abgeleitete Sprichwort drückt ja (auch) aus, dass der menschliche Verstand und die menschliche Denkfähigkeit sich überall zeigen und äußern kann, nicht selten sogar unerwartet und ungezielt. Dann sprechen wir von „Geistesblitzen“, die bei allen möglichen Lebenssituationen auftreten und Menschen ein „Aha-Erlebnis“ bescheren können. Das Feuer und der Blitz sind naturwissenschaftliche und kosmologische Phänomene, die Menschen beim Denken und Nachdenken immer schon als Mysterium und Ereignis gedeutet haben. Wenn eine Feier, eine Veranstaltung oder ein Event mit einem Feuerwerk beendet wird, soll zum Ausdruck gebracht werden: Es ist gelungen! Mit den Fragen, was sind philosophische „Geistesblitze“ und wie sind sie abzugrenzen von „Erkenntnisblitzen“, Einfällen und Lösungsmöglichkeiten, wie sie sich etwa im wissenschaftlichen Arbeiten darstellen und mit der bekannten archimedischen Erkenntnis „Heureka“ – Ich hab‘s gefunden darstellen; aber auch von religiösen „Erleuchtungen“, bei denen meist der Verstand wenig Bedeutung hat, setzt sich der Hamburger Philosoph Manfred Geier auseinander. Er definiert philosophisch orientierte Geistesblitze als „die Einheit von theoretischer Weltdeutung und praktischer Lebensorientierung“. Er erkennt einen Dreischritt: Es muss eine Krisen- (Frage-) Erfahrung vorhanden sein – Es bedarf der Erkenntnis und des Willens, vorhandene, irritierende (und scheinbar selbstverständliche) Antworten kritisch zu betrachten – Es entsteht dabei eine neue Einsicht und Perspektive, die zu einer Denk- und Werkidee weiter gedacht wird. Er ist davon überzeugt, dass die Fragen, was Geistesblitze sind, wie sie zustande kommen und welche Auswirkungen sie haben, nur mit der Nachschau bei ganz konkreten Personen und ihren individuellen Lebensgeschichten beantwortet werden können. Deshalb wählt Manfred Geier sieben Beispiele aus, mit denen er einerseits die großen Themen in der europäischen Philosophiegeschichte verdeutlichen will: Das SEIN bei Parmenides, das ICH bei René Descartes, die NATUR bei Jean-Jacques Rousseau, die MORAL bei Immanuel Kant, die SPRACHE bei Johann Georg Hamann, das LEBEN bei Friedrich Nietzsche, und das WISSEN bei Karl Popper; andererseits lässt sich mit dieser historischen Aneinanderreihung auch aufzeigen, dass sich in der Philosophiegeschichte die Erkenntnisprozesse nicht wie an einem Bindfaden aufreihen, sondern von sachlichen und persönlichen Bezügen und Beziehungen durchzogen sind [6].

Gipfelerlebnisse

Der aufregende, anthropologische und psychologische Perspektivenwechsel, dass Mystiker nicht einzigartige Menschen sind, sondern jeder Mensch ein einzigartiger Mystiker ist, scheint Perspektiven zu öffnen, die Menschen, seit sie sich ihres Verstandes und ihrer Humanität bewusst geworden sind, zu Hoffnungen bewegt zu haben. Der US-amerikanische Psychologe Abraham H. Maslow (1908 – 1970), gilt als Mitbegründer der Humanistischen Psychologie. In der deutschsprachigen, psychologischen, psychotherapeutischen, soziologischen und entwicklungspolitischen Diskussion ist er vor allem durch seine „Bedürfnispyramide“ bekannt geworden, mit der er die individuellen Grundbedürfnisse der Menschen aufzeigt. Als Maslow bei seiner Suche nach Menschlichkeit die bis dahin in der Psychologie und Psychotherapie gewohnte Fragestellung „Was macht Menschen psychisch krank?“ einfach umdrehte und mit der Frage „Was zeichnet psychisch besonders gesunde Menschen aus?“ positiv nachschaute, da stieß er auf eine bemerkenswerte Erkenntnis: „Psychisch besonders gesunde Menschen tendieren zu ‚mystischen Erfahrungen“.  Dieser erstaunliche, und dem traditionellen Mainstream der Psychologie und Psychotherapie entgegenstehende Befund hat auch den in Österreich geborenen, einem kontemplativen Zweig des Benediktinerordens in den USA angehörenden Psychologen und Theologen David Steindl-Rast veranlasst, nach Brücken zwischen dem abendländischen, christlichen Denken und dem Zen-Buddhismus zu suchen. In der Einführung spricht er von den Inspirationen, die er dabei durch das Maslowsche Denken erfuhr.  „Gipfelerlebnisse“ befinden sich in der Welt; nicht im Himmel! Diese wahrhaft mundane Erkenntnis rüttelt an den festgefügten, religiösen wie natur- und geisteswissenschaftlichen Mauern der „Gewissheiten“. Sie verlangt nach „Ganzheit“ und der Zusammenfügung von „Sein“ und „Sollen“. Die Herausgabe von ausgewählten Schriften von Abraham H. Maslow in deutscher Sprache zum Bereich Religionen, Werte und Gipfelerlebnisse ist überfällig. „Dialogische Gestalttherapie“ als eine Form der „seelischen Ganzwerdung“ ist kein Nischenprodukt. Vielmehr zeigen die zahlreichen lokalen und globalen Entwicklungen, dass individuelle und gesellschaftliche Unsicherheiten, Wertverlusten und Gemütskälte eine „humanistische Psychologie“ nötiger haben denn je. Die beiden Maslowschen Schriften können dabei Aufmerksamkeit für positives „Dankbarkeits“-Denken und -Handeln erzeugen [7]

Wie klärt man die Menschen so auf, dass sie aufgeklärt sein wollen?

Diese aufklärerische Frage ist nicht nur einfach ein verlockender, sprachlich oder medienwirksam verzwickter Slogan, oder ein intellektuell gut gemachtes Paradigma, sondern rührt an den Wurzeln dessen, was Aufklärung heißt und bewirkt. Die vom Königsberger Philosophen Immanuel Kant formulierte Aufforderung, dass sich der Mensch aus seiner selbst verschuldeten Unfreiheit befreien müsse, fand in seiner Zeit nicht nur Zustimmung; sie widerspräche den „gesunden Menschenverstand“, stellte die renommierte Göttingen Zeitschrift „Anzeigen von gelehrten Sachen“ fest; und man brauche sie nicht! Dass, warum und wie sich die Kantischen Argumentationen dann trotzdem durchgesetzt haben, trotz vieler Widerstände, intellektueller Scharmützel und miss- und unverständlicher Rezeptionen, ist eine Frage, die historisch und anthropologisch zu beantworten ist. Der Literaturwissenschaftler von der Humboldt-Universität in Berlin, Steffen Martus, unternimmt diesen Versuch, indem er den Zuständen und Entwicklungen im (deutschen) 18. Jahrhundert nachgeht und daraus eine „Geschichte der Aufklärung in Deutschland“ schreibt. Mit seiner chronologischen Bestandsaufnahme analysiert er mit den Jahren 1680 – 1726 die „Anfänge der Aufklärung“; mit den Jahren 1721 – 1740 die Zeit der „Aufklärung ohne Grenzen“; mit der Zeit von 1740 – 1763 die „Aufklärung im Widerstreit“; und mit den Zeitspanne von 1763 – 1784 Fragen  nach den Wirkungen, Erfolgen und Defiziten. Die deutsche (wie die europäische) Aufklärung ist weder vom Himmel gefallen, noch gnädig und uneigennützig von den herrschenden Mächten (herab-)gegeben worden; vielmehr hat sich der Kantische Gedanke vom Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit erst in vielen Jahrzehnten, kriegerischen Konflikten, Intrigen, Illusionen, aber auch phantasievollen, stetigen Bemühungen durchgesetzt. Steffen Martus vermittelt mit seinem Epochenbild des 18. Jahrhunderts gerade die Imponderabilien, die sich nicht als Ordre Mufti oder als obrigkeits-gesetzgeberische Akte zur Durchsetzung von aufgeklärtem Gedankengut ereigneten, sondern als mehr oder weniger alltägliches, selbstverständliches wie sensationelles, gesellschaftliches und politisches Denken und Handeln daher kamen. Dabei hat er nicht nur die Geschichte im Blick, sondern auch den Spiegel in der Hand: „Wir sehen tagtäglich, dass Argumente, die uns triftig erscheinen, anderen Menschen gar nicht einleuchten. Wir stellen fest, dass unser Lebens- und Denkstil, unsere Lebens- und Denkhaltung nicht per Anweisung, Belehrung oder Gesetz übertragen werden können. Wir verstehen, dass wir für unsere grundlegenden Einstellungen werben müssen und dass wir dafür viel Zeit und Geduld und nicht allein gute, sondern auch attraktive und interessante Ideen benötigen“. Mit dieser Spiegelung vom 18. Jahrhundert auf Heute wird klar, dass die Aufklärung sich als zwiegesichtige Epoche“ darstellt, von der wir lernen können, wie wir geworden sind, was wir sind, auch und gerade in unsicheren Zeiten! [8]

Sinnlichkeit, Spiritualität und Alltäglichkeit

Die Sinnlichkeit benötigt das Transzendente, das Schöne und Sublime, um sich von der Animalität und Perversität lösen zu können. Die Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin der Argentinischen Psychoanalytischen Vereinigung und der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, Alcira Mariam Alizade (1943 – 2013), Vizepräsidentin des 1998 gegründeten Komitees für Frauen und Psychoanalyse (COMMITTEE ON WOMEN AND PSYCHOANALYSIS, COWAP) hat 1992 in spanischer Sprache das Buch La sensualidad femenina vorgelegt. Die Frankfurter Psychologin und Psychotherapeutin Sibylle Drews gibt nun, gefördert durch die Sigmund-Freud-Stiftung, in der Reihe des Frankfurter Verlags für Psychoanalyse erstmals die Studie in deutscher Sprache heraus. Dabei geht es nicht darum, etwa dem Vorurteil nachzureden, dass Männer die weibliche Sinnlichkeit gar nicht verstehen könnten und deshalb die Thematik Frauen unter sich ausmachen sollten, sondern zur Sprache und in das individuelle und kollektive Bewusstsein zu bringen, dass Frauen damit begonnen haben, „im Rahmen des Sagbaren etwas über die Veränderungen in ihrer Sinnlichkeit zu berichten, die von der Kultur unterdrückt und religiösen Verboten belegt worden war“. Das Buch lässt sich, für Männer und Frauen, lesen als eine Aufklärung über Sinnlichkeit, speziell der weiblichen, die ohne eine adäquate, entwicklungsbedürftige männliche Sinnlichkeit nicht zu haben und zu verstehen ist [9].

Takt ist eine gute, menschliche Eigenschaft

Der Ruf nach Ordnungen und Gewissheiten in der sich immer interdependenter, entgrenzender und unsicher werdenden (Einen?) Welt wird lauter. Das Bedürfnis nach Klassifizierung, das Einsicht, Draufsicht und Perspektive im individuellen und gesellschaftlichen Dasein schafft, ebenfalls. Takt, so heißt es, wird besonders dann eingefordert, wenn Taktlosigkeit vorherrscht. In der Magna Charta der internationalen Kulturpolitik (Übereinkommen über Schutz und Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, 2005) hat der „gute Ton“, im wörtlichen und übertragenem Sinne, eine große Bedeutung für individuelles und kollektives Verhalten der Menschen. Die sich 2008 gebildete interdisziplinäre Diskussionsrunde „Psychoanalyse und Lebenskunst“ reflektiert zur Thematik „Takt und Taktlosigkeit“ philosophische, anthropologische, psychologische und pädagogische Überlegungen. Die Herausgeber, der Psychotherapeut und Leiter des Schwerpunkts Tiefenpsychologie an der Berliner Akademie für Psychotherapie, Günter Gödde, und der Erziehungswissenschaftler an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Vorsitzender der Gesellschaft für Historische Anthropologie, Jörg Zirfas, legen Ergebnisse der Gesprächsrunde vor. Takt – und der Gegenpart: Taktlosigkeit – sind Eigenschaften und Verhaltensweisen im menschlichen Umgang und in der Kommunikation, die sich mentalitäts- und zeitgemäß zwar geändert und gewandelt haben, die sich aber mit den sozialpsychologischen Aspekten der Diskretion, der Rücksichtnahme und der heute mehr denn je geforderten Perspektivenübernahme des Daseins der Menschen in (Einer) Welt auch heute als wichtige Paradigmen und Herausforderungen erweisen. Die Autorinnen und Autoren haben mit ihrem jeweils spezifischem Blick die historische und kulturelle Variabilität des „Fingerspitzengefühls“ aufgezeigt und in den Zeiten des permanenten Wandels ins Heute gestellt: „Takt und Taktlosigkeit sind nicht vorab subjektiv gegeben, sondern werden in der Situation als solcher von den Beteiligten wahrgenommen“. So zeigt sich taktvolles Verhalten als „Maß des Menschlichen“, das es anzustreben gilt! [10]

Vertrauen ist gut – ist Kontrolle besser?

Es ist ein Zauberwort, das eingesetzt wird, wenn scheinbar Gespräche, Situationen und Verhaltensweisen aus dem Ruder zu laufen drohen, wenn Konflikte Kommunikationen erschweren oder gar unmöglich machen. „Vertrauen haben“, als ethische und moralische Charaktereigenschaft hat deshalb im philosophischen, gesellschaftlichen und individuell-alltäglichen Denken und Handeln einen hohen Stellenwert. Der Mensch, so eine biologische Interpretation, entwickelt von sich aus ein Grundvertrauen, insbesondere wenn es um Beziehungen zu anderen Menschen, um Kontakte und Kommunikation geht. Damit Vertrauen aber mehr sein kann als die Abwesenheit von Misstrauen, bedarf es eines Sozialverhaltens, das auf den Grundlagen des Logos wie des Pathos (Aristoteles) beruht. Niklas Luhmann etwa geht davon aus, dass Vertrauen ein elementarer Tatbestand des sozialen Lebens ist. „Vertrauen ist ein Phänomen, das… Komplexität reduzieren kann und Kooperation erleichtert oder überhaupt erst möglich macht“ – diese Lesart steckt in den Gewissheiten, mit denen wir eine vertrauensvolle Einstellung verbinden und einfordern für alle individuellen, lokalen und globalen Lebensbedingungen der Menschen auf der Erde. Dass diese Erwartungen sich nur schwer realisieren lassen, ist eine Binsenweisheit, die die Menschheitsgeschichte durchzieht. Es geht um die „Praxis des Vertrauens“, das sich entwickelt in intakten und guten Vertrauenspraktiken und aufgehoben ist in einem rationalem Bewusstsein, dass der Vertrauenserwerb ein aktives, soziales Verhalten bedingt, das sich in „dichten Interaktionsprozessen häufig in einem praktischen Rahmen vollzieht, der als solcher einen Teil der Gründe generiert, die das Vertrauen, das die Subjekte zueinander haben“. Betrachtet man die vielfach benutzten Synonyme zum Vertrauensbegriff – Freundschaft, Nähe, Sympathie, Anerkennung, Würde, Gleichheit, Selbständigkeit, Urteilskraft, Unabhängigkeit, Wechselseitigkeit… – so wird deutlich, dass diese „weichen“ Begrifflichkeiten und Eigenschaften zwar im individuellen Bereich tragfähig sein können, etwa, wenn Aristoteles in seiner Ethik davon spricht, dass es unter Freunden nicht der Gerechtigkeit bedürfe, weil wahre Freunde einander kein Unrecht täten, jedoch die Ankerfähigkeit verlieren können bei der Frage, wie Vertrauen mit dem Fremden, den Andersartigen, erworben werden kann: „Praktiken bedürfen, um stabil zu bleiben, übereinstimmender Urteile, die sich auf das Selbstverständnis der an der Praxis beteiligten Akteure beziehen“ [11].

Gehorsamkeit reloaded

Gehorsamkeit ist die Unterwerfung des eigenen Willens unter den eines anderen. Die Wortbedeutung „Gehorsam“ unterliegt gesellschaftlichen, kulturellen und ideologischen Bedingungen, wie sich dies in Sprichwörtern, Volksliedern, politischen Programmen, in Theaterstücken und in der Literatur ausdrückt. Da wird „militärischer Gehorsam“ vom Soldaten gefordert; das Kind soll den Eltern gehorchen; die Gläubigen von Religionsgemeinschaften sollen die religiösen Gebote befolgen;; von „Gehorsamspflicht“ wird gesprochen, wenn es darum geht, die Gesetze einzuhalten, die für ein Gemeinschaftsleben notwendig sind; und „Kadavergehorsam“ wird bezeichnet, wenn jemand seinen eigenen Verstand und seine Kritikfähigkeit an Regeln abgibt, die andere Autoritäten aufstellen und einfordern. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff und die Einstellung muss also differenziert geführt werden: Eine „solidarische Gehorsamkeit“, bei der eigene, egoistische Erwartungshaltungen zugunsten von gesellschaftsförderlichen und demokratischen Zielsetzungen und Perspektiven zurückgestellt werden, ist ohne Zweifel anders zu bewerten, als eine an die herrschende Macht und Ideologie abgegebene Anpassung. Unser Verständnis von Demokratie, Selbstbestimmung und freiheitlichem Denken und Handeln ist ja eingemeißelt in die „globale Ethik“, wie die in der Menschenrechtsdeklaration zum Ausdruck kommt. Da ist keine Rede davon, dass ein Mensch dem anderen untertan sein soll, dass einer bestimmen und der andere gehorchen soll, dass ein Mensch sich vor einem anderen bücken soll; dass es Herrenmenschen und Knechte geben sollte… Vielmehr lebt Demokratie von kritischen, gleichberechtigten Bürgerinnen und Bürgern. Dabei wird nicht Anarchie das Wort geredet, sondern dem kritiklosen, blinden Gehorsam, der den Menschen zum Werkzeug für Machtausübung degradiert und dadurch zu einer leeren Hülle des Gehorchens macht, widersprochen.. Der 1923 in Berlin geborene, 1936 in die USA emigrierte und seit 1979 in der Schweiz lebende, lehrende und praktizierende Psychoanalytiker Arno Gruen, ist auf dem deutschen Fachbüchermarkt kein Unbekannter. Seine Bücher mit den bezeichnenden Titeln – „Dem Leben entfremdet“, „Der Fremde in uns“, u. a. – verdeutlichen, worum es ihm geht, nämlich aufzuzeigen, dass „das Bedürfnis nach Gehorsam ( ) ein grundlegender Aspekt unserer Kultur (ist)“, und es notwendig ist, uns bewusst zu machen: „Wir leugnen sogar, moderne Sklaven und Knechte des Gehorsams geworden zu sein“. Damit schlägt er den Boden von der etymologischen und philosophisch-existentiellen Auseinandersetzung um den Begriff „Gehorsam“ hin zur aktuellen, lokalen und globalen, lebensweltlichen Bedeutung. Er knüpft damit an sein Konzept von der „Kultur der inneren Autonomie“ an, das er in seinem Buch „Der Kampf um die Demokratie“ (2002) dargelegt hat und als Prozess der Selbstfindung verstanden werden kann [12].

Krisen sind überall – sind Krisen normal?

Große Krisen, kleine Krisen, Finanz- und Wirtschaftskrisen, institutionelle Krisen, persönliche Krisen …, wohin man schaut, liest und hört, überall ist die Rede von den Krisen. Das Elend ist überall! Die vielfältigen, seit Jahrhunderten immer wieder artikulierten Aufforderungen, dass der Mensch sein Leben und damit sein Denken und Handeln, lokal und global, ändern müsse (vgl. dazu z. B. die Welt-Prognosen, wie sie vom Club of Rome und anderen Alarm-Einrichtungen an die Menschen gerichtet werden), scheinen das Menschheitsgewissen nur mäßig und wenig erfolgreich zu tangieren. Die beiden wissenschaftlichen Einrichtungen in Erfurt, Universität und Fachhochschule, haben im Sommer 2009 in einer Vortrags- und Diskussionsreihe zum Thema „Krisen“ die Thematik unter interdisziplinären Fragestellungen behandelt. Wir leben in einer „Weltrisikogesellschaft“ (Ulrich Beck), die davon gekennzeichnet ist, dass Furcht eine eigene Wirklichkeit schafft (Markus Holzinger, u.a.) Die Reaktionen darauf sind, je nach gesellschaftlicher Verfasstheit, politischer Reife oder ideologischer Verengung, unterschiedlich, rational oder irrational. Wann, wie und in welchem Maße sich Krisen zeigen, „wir können sie nur kompetent bewältigen, wenn wir sie mit all ihren Abgründen und Schrecken und auch Chancen ohne Schuldzuweisungen und Sündenböcke annehmen“ (Wolf Wagner). Was also bleibt in den Zeiten der Krisen und der globalisierten Unbestimmtheiten ? Die Fähigkeit zu einem menschengerechten, nachhaltigen und gelingenden Perspektivenwechsel, bei dem Krisen weder als Gottesurteil noch als unabwendbares Schicksal definiert werden, sondern als Herausforderung zu verstehen sind, sich dem gesellschaftlichen, ökonomischen, individuellen, kulturellen und mentalen Wandel aktiv und kreativ zu stellen [13].

Narzissten sind unter uns – sind wir es selbst?

Narzissmus als krankhafte Form gibt es in vielen Variationen, und die Merkmale von narzisstischem Verhalten reichen von der Freudschen Definition als eine psychische Kraft, die auf das eigene Ich gerichtet ist, anstatt auf das Objekt, über die Zuschreibung, die der Psychoanalytiker Heinz Kohut trifft, dass Narzissten sowohl ein labiles Selbstwertgefühl haben, als auch ein perverses, süchtiges und delinquentes Verhalten zeigen, bis hin zu der Kennzeichnung, die der amerikanische Psychoanalytiker Otto F. Kernberg trifft, dass Narzissmus sich in der intensiven Beschäftigung mit sich selbst, durch übertriebenem Ehrgeiz und in Allmachtsgefühlen darstelle. Die verschiedenen Stadien können dabei von einem durchaus gesundem bis zu krankhaftem Narzissmus reichen. Der aus einem griechischen, antiken Mythos hergeleitete Begriff bezieht sich auf den Jüngling Nárkissos, der sich, indem er an einer Quelle sein eigenes Bild auf der Wasseroberfläche sieht, in dieses Spiegelbild, also in sich selbst verliebte und verzweifelte, weil er es nicht habhaft werden konnte. Caravaggio hat die Situation in seinem Bild eindrucksvoll vermittelt. Im späten 19. Jahrhundert wurde der Begriff, vor allem durch Sigmund Freud, C. G. Jung und ihren Schülern, in die psychoanalytischen Forschungen und Praxis eingebracht.Der Coach und Managementtrainer Werner Berschneider schreibt keine wissenschaftliche Abhandlung über den Narzissmus. Bei seinen Veranstaltungen und Beratungen wird er immer damit konfrontiert, dass sich narzisstisches Verhalten von Menschen sowohl als alltägliche Erscheinung, ja sogar anerkennens- und liebenswerte Haltung darstellen, als auch als störende und verletzende Formen auftreten. Mit einem Blick in die historische und aktuelle gesellschaftliche Wirklichkeit stellt er fest, dass einerseits Narzissten berühmte Kunstwerke, ökonomische, technische und politische Leistungen hervorgebracht haben und erbringen, als auch zu ausbeuterischen, zerstörenden, gemeinschaftsschädigenden, größenwahnsinnigen und egoistischen Taten fähig sind. Wir genießen im Freundes- und Bekanntenkreis diese Selbstverliebtheit manchmal sogar, genau so wie sie uns als monologisierende und prahlerische Selbstdarstellung auf die Nerven geht. Narzissmus ist also um uns – und in uns? Wo ist narzisstisches Denken und Verhalten sinnvoll und nützlich, wo schadet es? Wie lässt sich Narzissmus erkennen? Und: Was kann man dagegen tun, wenn ein Mensch seine narzisstischen Eigenschaften so stark lebt, dass er sich und andere damit schadet? Es sind Auseinandersetzungen, die weder selbstverständlich noch leicht zu beantworten sind; nicht zuletzt deshalb, weil sie zur Frage nötigen: Wieviel Narzissmus ist in mir? [14]

Angst ist ein Gefühl auf schwankendem Boden

In Befragungen wird deutlich, dass wir im „Zeitalter der Angst“ leben. In Untersuchungen über die Angstmotive der Deutschen hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid festgestellt, dass die Ängste von Jahr zu Jahr zunehmen. Die Forscher unterscheiden dabei zwischen realen Ängsten und der so genannten „Signalangst“. Zur „Realangst“ etwa gehören Ängste vor Krankheiten, vor Unfällen, vor dem Tod, vor Umweltbelastungen, Kriegen, usw., während die rote Ampel vor einem unbeschrankten Bahnübergang, an einer verkehrsreichen Straßenkreuzung uns ein Signal gibt, stehen zu bleiben, um nicht in Gefahr zu geraten. Gehen wir soziologisch und gesellschaftspolitisch an die Frage heran, bedarf es der Kompetenz, „den Leuten aufs Maul zu schauen“ und ihre Gefühle, Mentalitäten, Hoffnungen und Befürchtungen lesen zu können. Die Begriffe zeigen auf, mit welchen komplexen Zusammenhängen wir es zu tun haben, wenn wir von „Angst“ sprechen: Der Soziologe Heinz Bude stellt fest: „Angst zeigt uns, was mit uns los ist“. Dazu macht er sich daran, „Angst“ aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht zu analysieren. „In Begriffen der Angst fühlt sich die Gesellschaft selbst den Puls“. Angst kennt weder nationale noch soziale Grenzen; diese Einschätzung ist Bestandteil der Systemtheorie von Niklas Luhmann, die Heinz Bude als eine der Referenzen heranzieht, um das Phänomen soziologisch und erfahrungswissenschaftlich zu analysieren. Demnach ist eine Gesellschaft ein „umfassendes soziales System, das alle anderen sozialen Systeme in sich einschließt“, also gewissermaßen ganzheitlich und nicht teilbar ist. Unabdingbar dafür ist, das haben die Systemtheoretiker immer wieder hervorgehoben, „Freiheit ohne Furcht“ (Bertrand Russel). In dieser Gemengelage eines Bewusstseins, dass lokal und global das Individuum nicht als Ego, sondern nur als Societas leben und überleben kann, nistet „die Sehnsucht nach einer unkündbaren Beziehung“. Diese Chance wie gleichzeitig das Dilemma diskutiert der Autor anhand der Bindungswünsche und -ängste in familiären und Partnerschaftsbeziehungen: „Bindung macht Angst, weil die Freiheit des Ichs von der Freiheit des Anderen abhängig ist“. Wenn also Angst nicht als psychische Störung auftritt, sondern sich als gesellschaftliches Phänomen zeigt, ist es hilfreich, die Ursachen von Ängsten zu erkunden und die gesellschaftlichen Zusammenhänge, Wirkungen und Wirklichkeiten von Angst zu deuten. [15]

Rechtspopulismus als Menschenfeindlichkeit

Mit dem Begriff „Wutbürger“ kommt zum Ausdruck, dass es in der demokratischen Gesellschaft eine (zunehmende) Tendenz gibt, dass extremistisch, ethnozentristisch und demokratiefeindlich denkende Menschen ihr Unbehagen über bestehende, gesellschaftspolitische Verhältnisse nicht nur in Worten und Argumenten (was ihr gutes Recht ist), sondern in aggressiven, gewalttätigen und menschenfeindlichen Taten zum Ausdruck bringen. Wer einmal mit einem „Wutbürger“ Kontakt hatte mit dem Ziel, im Dialog Argumente und Gegenargumente auszutauschen, merkt schnell: Mit dieser Kategorie von extremen Einstellungen, die eine kritische, dialogische Auseinandersetzung gar nicht zulässt, ist eine Entwicklung in die Gesellschaft gekommen, die jedem Verständnis von Menschenwürde Hohn spricht. Hier geht es nur darum, möglichst einfache Antworten auf durchaus komplizierte, vielschichtige und vielfältige individuelle und gesellschaftliche Situationen zuzulassen. Diese verheerende Entwicklung zeigt sich nicht nur in der deutschen Gesellschaft, sondern breitet sich auch in anderen Ländern aus und ist scheinbar salonfähig, wo Menschenwürde keine Bedeutung mehr hat. Besonders beunruhigend ist dabei, dass solche Einstellungen nicht mehr nur an den Rändern der Gesellschaft vorhanden sind, sondern sich in deren Mitte ausbreiten. Die Friedrich-Ebert-Stiftung legt seit 2006 alle zwei Jahre eine „Mitte- Studie“ zur Situation des Rechtspopulismus in der deutschen Gesellschaft vor. Darin werden zwei gravierende, negative Entwicklungen deutlich: Zum einen die rapide zunehmenden, organisierten Gewalttaten gegen Fremde, sowohl in der Form von Sachbeschädigungen, als auch von verbalen und tätlichen Angriffen auf Personen, wie der Tendenz, dass „die Gewaltbereitschaft sogar in dem Teil der deutschen Bevölkerung angestiegen ist, der nicht rechtsextrem orientiert ist“. Diese Entwicklungen müssen Demokraten und human denkende Menschen auf den Plan rufen! Es ist die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft in diejenigen, die sich bewusst sind, dass die unteilbare und unantastbare Würde eines jeden Menschen die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet, wie dies in der Präambel der globalen Ethik der Menschenrechtsdeklaration proklamiert wird, und in jene, die sich in rechtsradikalen, ethnozentrischen, nationalistischen und fremdenfeindlichen Organisationen wie Pegida, AfD und anderen rechtspopulistischen und -rassistischen Zusammenschlüssen sammeln und sich an der Hetze, an Straftaten und den aggressiven Demonstrationen beteiligen, bedarf eines aktiven, politischen Handelns [16]

Willensschwäche, Antriebslosigkeit, Perspektivlosigkeit

Der Berliner Psychotherapeut Frank Henning ist bei seinen Behandlungen bei Patienten mit Angst- und traumatischen Störungen auf die literarischen Schilderungen im Roman „Oblomow“ aufmerksam geworden. Dabei stellte er fest, dass zwar die Literaturrezeption in vielfacher Weise die romanhafte Thematik aufgenommen und diskutiert, jedoch in der psychotherapeutischen und -analytischen Theorie und Praxis bisher wenig Aufmerksamkeit findet, obwohl der Begriff „Oblomowerei“ sich als Fachbezeichnung für Störungen und Krankheitszuständen etwa von Lebensangst, Resignation, Menschenscheu und Infantilität durchgesetzt hat. Mit Blick auf diese Krankheitsbilder formuliert Henning seine These: „Es geht Gontscharow in seinem Roman nicht nur um Ilja Oblomow, es geht im vor allem um die Reifung und Verwandlung des Andrej Stolz, um die Entwicklung seiner Liebesfähigkeit und seines Tiefgangs“. Damit weitet er den Blick von der bisher eher auf die geschichtlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen eines (russischen) untergehenden Adels und einer Herr-und-Knecht-Mentalität fokussierten, literarischen Betrachtung hin zu einer emanzipatorischen, psychoanalytischen, zeitgeschichtlichen wie aktuellen Analyse: „Oblomowerei ist heute so präsent wie damals, und für viele Menschen relevanter als sie wahrhaben wollen“. Die eigenwillige, durchaus nachvollziehbare Interpretation des Romans „Romanow“ von Iwan A. Gontscharow durch Frank Henning öffnet den Blick von der literarischen Erzählung hin zur psychoanalytischen Therapie. Neben den fachspezifischen Auslegungen und modellhaften Zuordnungen für die therapeutische Praxis dürfte vor allem der politische Ausblick des Autors eine Kontroverse eröffnen: „Der Roman ‚Oblomow‘ braucht Leser“, so schreibt er, „die … europäisch zu denken vermögen…“. Er stellt dabei in Aussicht, dass, gelänge dies, „eine Versöhnung, ein Wandel von Feindschaft, Sich-Fremdsein, Vorurteilen und Gleichgültigkeit – in eine Freundschaft von Herzen, ein tiefes Sich-Wiedererkennen“ möglich wäre. [17]

Der Terrorismus als Weltrisiko

Im „Kampf gegen Terrorismus“ halten sich Zumutungen, Aufgeregtheiten, Beschwichtigungsversuche, Untergangs- und Auferstehungsszenarien die Waage. Je nach dem Stand der (politischen) Aufklärung und Wachheit gehen dabei die Auffassungen Verbindungen ein zu vernunftgemäßem Verhalten bis hin zu emotionalisierten und rassistischen Stammtischparolen. In zahlreichen Analysen, Prognosen und Forschungsergebnissen werden die Störungspotentiale des Terrorismus unter politischen, soziologischen, psychologischen und anthropologischen Fragestellungen diskutiert. Spätestens seit dem 11. September 2001, als der Terror eines seiner hässlichen Gesichter plakativ und weltweit zeigte, hat die Diskussion um den globalen Terrorismus einen festen Platz in unserem kollektiven Gedächtnis. Bedrohung, Angst und Unsicherheit bestimmen dabei sowohl die individuellen, als auch die lokal- und globalkollektiven Gefühle und Einstellungen der Menschen. Der Terrorist, als Feind der Menschlichkeit, hat Auffassungen ausgelöst, die scheinbar bei der friedliebenden Mehrheit der Menschheitsbevölkerung als verschwunden, zumindest als kontrollierbar galten: Xenophobie, Rassenhass, Diskriminierung des Fremden. Der Feind in der Gestalt der Terrororganisation Al-Qaida wurde in einer kollektiven Ablehnung der Muslime gefunden. An der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, Institut für Kommunikationswissenschaft / Abteilung Kommunikationspsychologie, wird ein Forschungsprojekt durchgeführt, das als „Jenaer Terrorismus Studie“ bekannt geworden ist und mittlerweile zahlreiche Analysen und Ergebnisse zur Thematik vorgelegt hat. Vom Juli 2007 bis November 2009 hat sich eine Gruppe des o. a. Instituts mit der Frage auseinander gesetzt, ob und welche Wirkungen die mediale Berichterstattung auf die Einstellungen der (deutschen) Bevölkerung zum Terrorismus haben. Dabei haben die Autorinnen und Autoren über einen Zeitraum von 551 Tagen die Hauptnachrichten der öffentlich-rechtlichen und der privaten Fernsehanstalten aufgezeichnet und analysiert, in welchem Maße dabei Informationen über Terroranschläge, Terrorismus und Anti-Terror-Maßnahmen gesendet wurden. Wie Wolfgang Frindte, Nicole Haußecker und Jens Jirschitzka in der Zusammenfassung der vielfältigen Forschungsergebnisse deutlich machen, ist die Frage nach der Inszenierung von Terrorismusdarstellungen, als „gezielte Herstellung von sozialen Formen, in denen mögliche Ereignisse und Prozesse als wirkliche (also wirkende) interpretiert werden können“, abhängig von der Qualität der Berichterstattung und einem „komplexen Wirkungsnetz, in dem nur selten Ursachen und Wirkungen eindeutig zu differenzieren sind“. Diese eigendynamischen Prozesse zwischen medialer Konstruktion und individuellen Interpretationen jedoch gilt es, Aufmerksamkeit zu widmen [18].

Wir Menschen wollen alles wissen – und schauen doch nicht richtig hin!

Die Diskussion über die Frage der Fragen, wie es gelingen könne, dass die Menschheit menschlich überleben kann, ohne Schaden an der Humanität zu erleiden, wird in der Menschheitsgeschichte immer wieder gestellt. Es sind metaphysische, materielle, spirituelle, religiöse, atheistische, wissenschaftliche und populäre Argumente, die sich in den mächtigen und übermächtigen Auffassungen vom Menschsein spiegeln, kontrastieren, sich ergänzen oder aufheben. Die Grundfrage fokussiert in dem kontroversen, historischen und aktuellen Diskurs, ob der Mensch sich die Erde untertan machen solle oder in Eintracht mit der Natur leben könne. Seitdem der Mensch über den Horizont seines theistischen Wissens hinauszuschauen wagte und mit der Entdeckung der Naturgesetze meinte, über die Entstehung des Lebens und des Universums auch den Schlüssel für das den Sinn des Lebens der Menschen auf der Erde gefunden zu haben, überschlagen sich die wissenschaftlichen Entdeckungen, Hypothesen und Theorien über kosmologische, astronomische, astrophysikalische und ökologische Phänomene in einem Wirrwarr von winzigen Teilchenwissen. Die Unfähigkeit, das scheinbare Chaos zusammen zu denken, lässt nicht wenige Physiker „anfangen (darüber) nachzudenken, wie man aufhören kann“. Wir müssen anfangen, darüber nachzudenken, wie wir von einer „Umwelt in engerem Sinne“ hin zu einer „Umwelt in weiterem Sinne“ gelangen können. Der niederländische Autor J. A. Goedhart unternimmt den Versuch, über „das ganz Große“, welches das menschliche Dasein bestimmt und beeinflusst, das Universum, wie über „ das ganz Kleine“, die Grundbausteine der Materie nachzudenken. Es sind die Anstrengungen auf allen Gebieten der Forschungen und Entdeckungen, die den Autor fragen lassen, ob dieses Streben nach Wissen noch mit den Grundfragen der lokalen und globalen menschlichen Existenz vereinbar sei: „Eine Entdeckung machen (ist) nicht notwendigerweise das gleiche wie die Entdeckung begreifen“. Die ungehemmten und expandierenden finanziellen Mittel und Ressourcen, die dabei eingesetzt werden, stünden in keinerlei verantwortbaren Maßstab zu den Notwendigkeiten, humane und gerechte Lebensbedingungen für die Menschen auf der Erde zu ermöglichen. Es ist die Herausforderung, dass wir Menschen bei der Entwicklung und Bewältigung unseres Lebens einen neuen Blick auf unsere Umwelt richten müssen, als Lebensraum „in weiterem Sinne“, der nicht nur die Umweltmedien Luft, Wasser und Boden berücksichtigt, sondern „das Wohlbefinden der Menschheit ohne Armut, Hunger, Krieg und Krankheiten“ umfasst. Dazu sind, so der Autor, politische und wissenschaftliche Utopien notwendig [19].

Aufrecht gehen – physisch und anthropologisch

Was ist der Mensch? Diese Frage wird philosophisch, anthropologisch, ethisch, moralisch, biologisch, psychologisch… über die Jahrtausende menschlichen (Nach-)Denkens hinweg immer wieder kongruent und konfrontativ diskutiert und analysiert, und in der neueren Zeit in verstärktem Maße auch neurologisch erforscht. Als ein Merkmal des anthrôpos, des Menschen, auf dem Weg hin zum homo sapiens gilt der aufrechte Gang, als physiologische Entwicklung und philosophische Menschwerdung. Der an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Praktische Philosophie lehrende Kurt Bayertz stellt fest, dass im Denken der Menschen zwar die Bedeutung des aufrechten Gangs in vielfachen Formen präsent ist; dass aber eine „Geschichte des aufrechten Gangs“ aus anthropologischer und philosophischer Sicht bisher nicht vorliegt. Dies will er mit seinem Buch ändern. Er will damit aufzeigen, welche verschiedenen Interpretationen die Tatsache des menschlichen aufrechten Gangs über die Jahrhunderte hinweg vorgenommen wurden, danach Ausschau halten, wie diese Deutungen in den jeweiligen historischen und kulturellen Zusammenhang gestellt wurden und dadurch die Hauptentwicklungslinien des anthropologischen Denkens aufzeigen. Die Geschichte vom aufrechten Gang (des Menschen) aus anthropologischer Sicht wird zur Geschichte des anthropologischen Denkens. Kurt Bayertz legt eine spannende, interdisziplinäre, alltagsfähige und intellektuell anspruchsvolle Betrachtung über die Tatsache vor, dass der Mensch mit seinem aufrechten Gang mehr ist als ein anderes Tier auf zwei Beinen. Dabei begibt er sich zum Glück nicht auf die gefährlichen, ideologischen und fundamentalistischen Gleise eines „allmächtigen“ Menschseins, sondern bleibt auf der Straße des „Natürlichen“. Damit zeigt er Perspektiven auf, die die Fähigkeit des aufrecht Gehens des Menschen nicht nur als physische, körperliche Fähigkeit notiert, sondern insbesondere als evolutions- und geistesgeschichtliche Entwicklung – und damit auch als Herausforderung – präsentiert! [20]

Tugenden sind erstrebenswerte Charaktereigenschaften

Die Frage nach den Tugenden, die Menschen haben, zumindest anstreben sollten, wird im philosophischen Denken immer wieder gestellt. Der griechische Philosoph Platon weist vier Kardinaltugenden aus: Besonnenheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Weisheit. Aristoteles unterscheidet dianoetische und ethische Tugenden, die sich jeweils entweder aus dem gemeinschaftlichen Dasein der Menschen ergeben, oder durch ein gutes Handeln bestimmt sind. Nach der Nikomachischen Ethik ist die ethische Tugend eine Haltung, „die von Entscheidung getragen ist und in einer Mitte für uns besteht, die durch die Vernunft bestimmt wird“ (Otfried Höffe, Aristoteles-Lexikon, Kröner-Verlag, Stuttgart 2005, S. 79). Der römische Kirchenlehrer Hieronymus sieht die Laster benachbart zu den Tugenden. In Sprichwörtern und Aphorismen werden die Tugenden gelobt und die Laster verurteilt, und es wird kritisiert und sich lustig gemacht über die oftmals vergeblichen Bemühungen, ein „tugendhafter Mensch“ zu sein, ahnend, dass sich das unvollkommene Lebewesen Mensch zwischen den gegensätzlichen Polen von Gut und Böse, Altruismus und Egoismus, Ordnung und Unordnung hin- und her bewegt. Anzustrebende Tugenden als Haltungen und Charakteristika eines Individuums sind immer auch Rufe nach Ordnungen und Gewissheiten in der sich immer interdependenter, entgrenzender und unsicher werdenden (Einen?) Welt. Das Bedürfnis nach Klassifizierung, insbesondere in politischen, gesellschaftlichen und beruflichen Zusammenhängen wird lauter. Zu wissen, wer man selbst ist und der andere, ob in der Nähe oder in der globalen Ferne, fokussiert in deutlichem Maße die Frage nach dem Leben Hier und Heute. Es ist die Frage nach dem humanen Umgang der Menschen miteinander, empathisch und friedlich, oder abweisend und aggressiv. Ist der Mensch des Menschen Freund oder Feind? Ist er anthrôpos oder lupos? Ist es die Gewalt, oder die Liebe, die das Zusammenleben der Menschen bestimmt? Über deutsche Tugenden gibt es Vermutungen und Gewissheiten, Spekulationen und Illusionen, Ideen und Ideologien. Sie werden als Spiegelbilder veranschaulicht und als Zerrbilder dargestellt, sie entwickeln sich als Typen und Stereotypen. Die legitime und notwendige Frage: „Wer bin ich?“ wird nicht selten zum Irrlicht bei dem Unterfangen, Eigenschaften von Bevölkerungsgruppen und Völkern als Tugenden und Untugenden herauszufiltern. So ist es durchaus sinnvoll, die Frage nach den „deutschen Tugenden“ zu stellen, wie sie in der eigenen Wahrnehmung und durch Menschen aus anderen Kulturen gesehen werden. Der promovierte Historiker, Unternehmensberater und Ethnologe Asfa-Wossen Asserate gilt als einer, dem es gelingt, seine Beobachtungen als Äthiopier zu verbinden mit denen eines seit mehr als vierzig Jahren in Deutschland Lebenden. Sein interkultureller Blick auf die deutschen Befindlichkeiten ist deshalb nicht nur ein oberflächlicher und vorübergehender, sondern ein gefestigter und intimer. Mit gutem Recht kann er sagen: „Ich gehöre zu euch, auch als deutscher Staatsangehöriger, und deshalb erlaubt mir, dass ich euch und uns beobachte, anschaue und frage: Was sind deutsche Tugenden?“ [21].

Mut braucht Gefühle

Nicht nur aus der Sicht der Anthropologie, der Wissenschaft vom Menschen also, ist es erstaunlich, dass eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über die Gefühle des Menschen, wie etwa dem Lachen und Weinen, als gefühlsbetonte Lebensäußerungen, bisher eher peripher erfolgt ist. Zwar liefern Psychologie, Philosophie, Sprachwissenschaft und Ethnologie eine Reihe von Hinweisen auf die Bedeutung von Gefühlen für das menschliche Leben – etwa im aristotelischen pathos als etwas, „was einem widerfährt... was man erleidet“ – doch das, was sich bei den Gefühlsäußerungen „Lachen“ und „Weinen“ beim Menschen vollzieht, wird aus „ganzheitlicher“, also anthropologischer Sicht, bisher wenig diskutiert. Im Stuttgarter Historischen Institut, dem Institut für Soziologie der Universität Salzburg und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, waren Wissenschaftler neugierig. In einem Kongress zum Thema “Weinen – Lachen“ machten sie sich daran, um herauszufinden, wie sich Gefühlsäußerungen bei Kulturen und Gesellschaften zeigen und voneinander unterscheiden. Sie arbeiten Strategien heraus, wie Lachen und Weinen als emotionale, kalkulierte und empathische Ausdrucksformen verstanden, benutzt, für ein friedliches Zusammenleben der Menschen in unserer Einen Welt eingesetzt und die Menschheit zu einer empathischen Gemeinschaft bringen kann [22].

Zivilcourage ist bedachter Mut

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, so steht es zuoberst in der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, als globale Ethik und der Überzeugung, dass „die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“. Die Verwirklichung dieser allgemein ethischen Prämisse kann nicht allein durch eine tolerante Haltung – „Ich habe ja nichts dagegen, dass du anders bist als ich…“ – gelingen, sondern bedarf des aktiven Handelns, wenn das Recht auf Menschenwürde von anderen Menschen missachtet und einem anderen Menschen oder einer Menschengruppe abgesprochen wird, in Gedanken, Worten und Werken. Diese Haltung, für das Menschenrecht und die Menschenwürde eines anderen Menschen einzutreten, wird als Zivilcourage oder sozialer Mut bezeichnet [23] . Das Eintreten für die eigene Freiheit und die der anderen Menschen, aktiv und konsequent, ist eine Voraussetzung für ein friedliches, gemeinsames Zusammenleben in unserer (Einen?) Welt. Denn „die Freiheit ist keine Torte, die genossen, sondern ein Muskel, der trainiert werden will“. Mit dem Gedicht, das Dietrich Bonhoeffer angesichts seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten 1945 schrieb, verdeutlicht Ulrich Beer seine Auffassungen von Zivilcourage, die er mit einigen Regeln für die Praxis versieht: Nicht das Beliebige, / sondern das Rechte tun und wagen / nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen, / nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit. / Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens, / nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen, / und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.! [24]

Tun und Unterlassen als moralische, juristische und gesellschaftliche Herausforderungen

Max Weber hat mit dem Begriff „Verantwortungsethik“ eine „sittliche Position (verdeutlicht), die im Gegensatz zur Gesinnungsethik nicht von den Maximen einer Handlung, sondern ihren Folgen in der Welt ausgeht“. In der Spannweite, die sich bei der Betrachtung des kontroversen Paares „Tun und Unterlassen“ für den menschlichen Diskurs ergibt, zeigen sich Sackgassen, Wegegabelungen, aber auch zielführende Richtungen an, die sich in Sprichwörtern darstellen, wie: „Achte nicht bloß auf das, was andere tun, sondern auch auf das, was sie unterlassen!“ – „Alles Tun zu seiner Zeit!“ – „Jedermann recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!“. Der Philosoph und Ethiker von der Universität Düsseldorf, Dieter Birnbacher, hat 1995 im Reclam-Verlag ein Buch veröffentlicht, in dem er in drei Schritten die moralischen, gesellschaftlichen und juristischen Zugänge zu den Tugenden des Tuns und Unterlassens thematisiert hat. Da das Buch seit einiger Zeit vergriffen ist und vom Reclam-Verlag auch keine Neuauflage vorgesehen war, hat nun der zum Zusammenschluss „Assoziation Linker Verlage“ (AliVe) gehörende Aschaffenburger Alibri-Verlag eine durchgesehene Neuauflage gedruckt. Obwohl sich beim Nachdenken über den Unterlassensbegriff sowohl in der angelsächsischen, als auch der deutschen Diskussion einige Akzentverschiebungen ergeben haben, rekurriert der Autor bei der Neuauflage auf den drei Kernthemen des Buches: Der Analyse des Unterlassungsbegriffs, der Auseinandersetzungen mit der Kausalität von Unterlassungen und der Beurteilung von Unterlassungen im Vergleich mit (positiven) Handlungen. Unter Bezugnahme auf diese (kontroversen) Auseinandersetzungen kommt der Autor zu einer ersten Definition: „Eine Unterlassung setzt … voraus, dass eine Norm gilt, die ein bestimmtes Handeln fordert und der Unterlassene diese Handlung nicht ausführt“. Mit den philosophischen, juristischen und ethischen Überlegungen über „Tun und Unterlassen“, die der Autor vor rund 20 Jahren in den gesellschaftlichen Diskurs gebracht hat und jetzt die Gesellschaft erneut mit einer Neuauflage konfrontiert, erinnert er daran, „dass der Grund für die moralische Differenzierung zwischen ansonsten vergleichbaren Handlungen und Unterlassungen nicht in dem bloßen Umstand liegen kann, dass in dem einen Fall ein Handeln, im anderen ein Unterlassen vorliegt“; es kommt vielmehr darauf an, die „durchgängige( ) Gültigkeit der normativen Handlungs-Unterlassungs-Differenzierung“ [25].

In der Ruhe liegt die Kraft

Ruhe und Unruhe sind Gegensätze. Sie stellen sich im menschlichen Dasein als Bewegungslosigkeit und Bewegung dar, physisch und psychisch. Bereits in der antiken griechischen Philosophie kommt der stasis, der Ruhe, als akinêsia, Bewegungslosigkeit, erêmia“, als solitude, Einsamkeit, Sammlung, Meditation, im Gegenteil zu akinêsia, Bewegung, metabolê, Veränderung, eine existentielle Bedeutung zu. Im aktuellen philosophischen Diskurs wird der Eigenschaft, Ruhe zu bewahren, in sich gehen, Gleichmut, Ausgeglichenheit, Gefasstheit, Selbstkontrolle, Zurückhaltung, Gelassenheit… eine besondere Form der Lebensführung und Lebenskraft zugeschrieben: „Wenn Wissen und Gelassenheit sich ergänzen, bilden sich Harmonie und Ordnung“ (Thomas Strässle) Freilich stehen der Wunschvorstellung, gelassen zu sein und zu leben, oft genug Wirklichkeiten und Zwänge entgegen, die Unruhe, Hektik, Stress, Getriebensein und Überforderung bewirken. Der Rat – „Du musst dein Leben ändern“ (Peter Sloterdijk) – kommt dann meist als Aufforderung daher, die im alltäglichen Dasein kaum einzulösen ist. Diesen anthropologischen und scheinbar logischen Bewertungskriterien stehen allerdings, beim näheren Nachdenken, Eigenschaften gegenüber, die „Unruhe (als) ein Daseinsgefühl, eine Welt voller Phantasien, voller Verheißungen und Pläne(n)“ identifizieren. Damit wird auf eine menschliche Fähigkeit verwiesen, die eben nicht Stillstand und Beharren auf Bestehendem meint, sondern die Wandlungs- und Veränderungskompetenz des Menschen in den Vordergrund rückt: Der Kieler Philosoph Ralf Konersmann richtet seinen Blick auf eben diesen „blinden Fleck“, der „Unruhe“ als eine zu überwindende, dem menschlichen Dasein schädliche (Un-)Tugend zum Ausdruck bringt. Mit seinem Essay will er nicht vor der blinden Wut des Machens warnen und in die anthropologischen Klagen vom „Haben oder Sein“ (Erich Fromm) einstimmen; vielmehr geht es ihm erst einmal darum, den Begriffen und Handhabbarkeiten des (scheinbaren) Gegensatzes von Ruhe und Unruhe im Sinne einer Selbstaufklärung auf die Spur zu kommen: „Der Anspruch einer solchen Vergewisserung zielt weniger auf die Richtigstellung des vermeintlich Abwegigen oder Falschen als auf die Ermittlung dessen, wer wir… selber sind, die wir durch unsere besondere, unsere eigene Art des Sprechens, des Denkens und Verhaltens für uns selbst und für andere sichtbar werden“. Dabei richtet er seine Aufmerksamkeit zum einen auf die historischen, kulturellen Entwicklungen darüber, wie sich die Eigenschaften Ruhe und Unruhe darstellen; zum anderen setzt er sich mit den vermeintlichen, gedachten und gemachten Phänomenen der Unruhe, Unbestimmtheit und Entgrenztheit in der sich immer interdependenter und globaler entwickelnden (Einen?) Welt auseinander [26].

Die jeweils eigene Geschichte hat uns unterschiedlich gemacht

Ich bin anders, weil ich Ich bin! Die von den Vereinten Nationen im Rahmen der Weltdekade für kulturelle Entwicklung (1988 – 1997) etablierte Weltkommission für Kultur und Entwicklung hat in ihrem Bericht „Unsere kreative Vielfalt“ (1995) eine globale Ethik für eine humane Weiterexistenz und –entwicklung der Menschheit gefordert und dafür als Grundlage „das Ethos der universalen Menschenrechte“ benannt: „Alle Menschen werden mit gleichen Rechten geboren und haben Anspruch auf diese Rechte, unabhängig von Klasse, Geschlecht, Rasse, Gemeinschaft oder Generation“. In den in der Menschheitsgeschichte immer wieder aufflammenden Konflikten über Anderssein, Dominanz, Höherwertigkeitsvorstellungen und Unterdrückung, wird genau diese Ethik missachtet und außer Kraft gesetzt. Die Ursachen und Schwierigkeiten von Ausgrenzung und der Definition, wer zu einer Gesellschaft gehören soll und darf und wer nicht, gründen ja immer wieder in den irrigen Vorstellungen, wie sie Ethnozentrismus und Rassismus hervorbringen. Der britische Soziologe Stuart Hall, Mitbegründer der Cultural Studies, hat dies in einem einleuchtenden Satz so formuliert: „Ich kann nicht so tun, als sei ich du. Ich weiß nicht, welche Erfahrungen du gemacht hast. Ich kann mir nicht deinen Kopf zerbrechen…“. In einem Gedicht heißt das: „Lass mich Ich sein, damit du Du sein kannst“. Würden du und ich, Politiker, Ideologen und „Gesellschaftswisser“ dies stärker bedenken, wären die Positionen zu Integration, Assimilation, Anpassung … erträglicher, als sie sich – auch Hier und Heute – darstellen. Es würde auch die Erkenntnis wachsen können, dass menschliches Zusammenleben, kulturell und interkulturell, immer von Konflikten umgeben ist und damit der „Konflikt“ als ein ganz natürlicher und elementarer Zustand und Prozess eines friedlichen menschlichen Zusammenlebens darstellt, ja „Konflikt als paedagogicum“ (Heinz Dedering) angesehen werden muss, um Konfliktkompetenz zu erwerben. Kulturbegriff und Kulturpraxis in einer Gesellschaft dürfen nicht als statisch, als einmal von wem auch immer formulierten Grundsätzen verstanden werden; Kulturen agieren miteinander, sie verändern und entwickeln sich weiter [27].

Bildung =  Sich und  die Welt begreifen

Dass Bildung zu den unabdingbaren Voraussetzungen für ein humanes Menschsein gehört, dürfte mittlerweile in das Bewusstsein der Menschheit gelangt sein. Die 1999 gegründete, monatlich erscheinende Wirtschaftszeitschrift „brand eins“ wird im allgemeinen von Managern und Führungskräften aus der Wirtschaft, den Medien und der Werbung gelesen. Sie beschäftigt sich jeweils mit einem Schwerpunktthema, wie etwa Kapital, Arbeit, Geld, Qualität, aber auch mit kulturpolitischen und ästhetischen Aspekten. Mit dem Buch „Lernen lassen. Abenteuer Bildung“ greifen die Autorinnen und Autoren insgesamt 24 Themenbereiche auf, die im Alltags- und beruflichen Leben der Menschen bedeutsam sind und sich in der Formel zusammenfassen lassen: Bildung erwerben = Leben lernen, z. B.: „Leben heißt lernen“ (Peter Lau), „Die Vermessung der Welt“ (Frank Burger), „Die Stunde der Idioten“ (Wolf Lotter), „Denkende Hände „ (Andreas Molitor), „Der große Graben“ (Jens Tönnesmann), „Qualität kommt von Qual“ (Wolf Schneider“), „Qualifikation ist ein anderes Wort für Lebenschancen“ (Peter Laudenbach), „Wir denken, um die Wahrheit zu beweisen“ (Christiane Sommer mit Edward de Bono), u. a. In der Beschreibung von Lebensschicksalen wird deutlich, dass es darauf ankommt, das Leben denkend und human handelnd zu leben  Die Textsammlung ist kein wissenschaftliches Kompendium, mit ausgewiesenen Forschungsmethoden und Quellenverweisen, sondern ein Sammelwerk zum Nachdenken, Diskutieren und Argumentieren; vor allem gegen die ewiggestrigen Einwände: Das haben wir noch nie so gemacht – Da könnt` ja jeder kommen – Das haben wir noch nie so gemacht! Es sind Aufforderungen zum Denken und zum Ausprobieren von Lebenschancen, die der Querdenker Hans A. Pestalozzi als „positive Subversion“ bezeichnet hat. Dabei wird weder zur Revolution aufgerufen, sondern schlicht und einfach zum Umdenken in allen Bereichen des menschlichen Lebens, so wie dies die von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ in ihrem Abschlussbericht von 1995 formuliert hat: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“ [28].

Fragend und mutig gehen wir voran...

Am Anfang ist nicht das Wort, sondern der Schrei! Schreien, als menschliche Äußerung, kann vielerlei bedeuten: Der erste Schrei des Neugeborenen ist so etwas wie der Willkommensgruß des Angekommenen in der Welt. Es gibt andere Schreie – solche der Freude, des Schmerzes, des Zorns, der Wut, manchmal auch des Übermuts und nicht selten des Ausdrucks der Selbstvergewisserung. „Der Schrei“ (Skrik) des norwegischen, expressionistischen Malers Edvard Munch gilt, als bild- und symbolhafte Darstellung von Verlorenheit, Ausweglosigkeit, aber auch Aufbegehrens eines unzulänglichen menschlichen Daseins. Nach dem Schrei müsste eigentlich eine Erwiderung folgen, kein Echo der eigenen Verzweiflung, sondern eine Lösung, ein Versprechen, oder wenigstens eine Utopie. Der gesellschaftliche Aufschrei, der sich sowohl als Protest gegen die lokale und globale Entwicklung richtet, dass in unserer Welt die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, als auch gegen die zunehmende Unfriedlichkeit und Egoismen der Menschen, wird immerhin hörbarer; und die Wohlhabenden und Mächtigen beginnen langsam darüber nachzudenken, dass ihre Besitznahmen brüchig sind. Die Habenichtse und Ohnmächtigen hingegen resignieren; von den proletarischen und revolutionären Schreien – „Völker hört die Signale...“ – keine Spur. Der an der Universidad Autónoma de Puebla in Mexiko lehrende Politikwissenschaftler John Holloway, ist einer, der sich mit dem scheinbar unaufhebbaren Zustand und den immer wieder herbeigeredeten naturgegebenen Verhältnissen nicht zufrieden gibt. „Eine andere Welt ist möglich“, diese hoffnungsvolle Parole aus den Diskussionen beim Weltsozialforum in Porto Alegre in Brasilien 2002 ist für ihn mehr als eine Illusion und auch mehr als eine ferne Utopie in der Welt des Nirgendwo. Dabei orientiert er sich eben nicht an den Reflexen, wie sie immer wieder in den Auseinandersetzungen um Hegemonie und Einfluss entwickelt werden: Nur wer die politische und ökonomische Macht hat, kann seine Interessen durchsetzen! Vielmehr setzt er in durchaus sympathischer Weise und mit Kampfeswillen ein groß geschriebenes NEIN gegen Unterdrückung und Ausbeutung, gegen kapitalistisches Denken und Handeln und anstelle dessen ein revolutionäres WIR, als eine utopische und gleichzeitig reale Herausforderung, „das Hoffen zu lernen“. Als Instrument und Denkhilfe bietet er dazu das „negative Denken“ an, wie es sich im marxistischen und im psychologischen Denken etabliert hat. Es geht darum, „eine Form des Denkens zu entwickeln, die kritisch auf dem ursprünglichen, negativen Standpunkt aufbaut, ein Verständnis, das die Unwahrheit der Welt negiert“. Holloways Reflexionen sind im doppelten Sinne negativ, also kritisch: Zum einen will er die Negativität stärken durch Denken, zum anderen die Sensibilität für die mächtigen Wirklichkeiten in der Welt erhöhen und damit zu erkennen: Macht macht Kapitalismus! John Holloway schreibt kein „marxistisches“ Buch, etwa in dem Sinne, dass er neomarxistische oder postmarxistische Argumente für die Ideologie benennt und diskutiert, sondern er benutzt die marxistische Kritik am Kapitalismus, um unsere vermeintlichen Sicherheiten und Gewohnheiten im politischen Denken in Frage zu stellen und ein mächtiges  DENNOCH gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt hinaus zu schreien [29].

Mut zum Dialog

Die philosophische Erkenntnis, dass der Mensch ein zôon politikon, ein politisch denkendes, sprach- und vernunftbegabtes Lebewesen ist, das nach eu zên, einem guten Leben strebt und dazu fähig ist, wie dies Aristoteles postuliert hat, lässt sich als die eine (gute) Seite menschlichen Daseins auf der Erde denken. Auf der anderen Seite ist die Aggression, als Zwang und Zerstörungsneigung, ein „typisches Artmerkmal des Menschen“ (Alexander Mitscherlich); aber auch: „Das Gewaltsame ist widernatürlich“, wie dies Aristoteles in De Caelo (Über den Himmel) feststellt. In diesem Zwiespalt befinden wir uns, wenn wir über Gewaltprävention reden, also über die moralische, erziehliche, didaktische und methodische Absicht, gewaltsames Denken und Tun aus den Köpfen und Fäusten der Mitmenschen, insbesondere der jungen, zu bringen. Die beiden Sozialwissenschaftlerinnen von der Fachhochschule Bielefeld, Cornelia Muth und Annette Nauerth, sind überzeugt, dass dort, wo Vertrauen als authentischer Dialog stattfindet, sich  negative Gewalt nicht entwickeln kann. Mit den in den Gestaltpsychologien entwickelten Auffassungen, dass „Aggression als konstruktive Kraft zu verstehen (ist), die Menschen für Veränderungen existentiell brauchen“, aber negative Aggression zerstörerisch wirkt, wird der Dialog als vertrauensbildende Maßnahme benutzt, um „das Wahrnehmungsvermögen von MultiplikatorInnen in der Sozialen Arbeit für Gewaltprävention zu vertiefen“. Als „Spurensuche“ werden die verschiedenen individuellen, subjektiven und gruppenspezifischen Wahrnehmungen und Erfahrungen vorgestellt, die für Gewaltprävention angewandt werden können; etwa die „Denkhilfe“ des persischen Mystikers Dschalal ad-Din Muhammad Rumi (1207 – 1273):

Vor der Vorstellung
von
recht machen
und falsch
machen
ist ein Feld.
Da will ich mich mit Dir treffen [30].

Der (zwangsläufige oder illusionäre) anarchistische Seitenblick

Wenn heute von „Autonomen“ die Rede ist, haben wir meist das (chaotische) Bild von vermummten, schwarzgekleideten jungen Menschen vor uns, die sich bei eher friedlich geplanten Veranstaltungen, wie etwa öffentlichen Protesten, Demonstrationen oder in Fußballstadien, scheinbar ungeplant und provokativ einmischen, Fensterscheiben einschmeißen, mit Pflastersteinen werfen und gewaltsam die jeweilige Situation nutzen, um Krawall zu machen. Dabei ist der Autonomiegedanke älter und gilt als Grundbestandteil des freien Willens von freien Bürgern, wie dies mit der Frage „Was ist Autonomie?“ bei Immanuel Kant 1784 als der Urformel der Aufklärung, nämlich als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ beantwortet wurde. Folgt man dieser Diktion, so ergeben sich dabei eine Reihe von Aspekten, die in der gesellschaftlichen und politischen, demokratischen Kultur zu beachten wären; wie etwa: individuelle und kollektive Verantwortung, Freiheit, Pflicht, Selbst- und Mitbestimmung, die Negation als Kritikfähigkeit gegen jede Form von Machtmissbrauch aufweist. So hat sich der Begriff „Anarchismus“ vom Engagement und dem Einsatz für eine Utopie gewandelt zu einer egoistischen Einstellung „gegen Alles“ gewandelt. „Anarchie“, in der historisch-politischen Bedeutung  heißt ja, wie dies der französische Soziologe Pierre-Joseph Proudhon (1809 – 1865) als „solidarischen Anarchismus“ bezeichnete und „Zusammenarbeit ohne Hierarchie oder staatliche Herrschaft“ verstand. Es geht also um die anspruchsvolle und verantwortungsbewusste Herausforderung, eine staatskritische Haltung gegen Hierarchien und undemokratische Strukturen zu entwickeln. Der  US-amerikanische Politikwissenschaftler und Anthropologe James C. Scott plädiert in seinem Buch „Applaus dem Anarchismus“ für „konstruktive Anarchie“ im gesellschaftlichen und politischen, individuellen und kollektiven, lokalen und globalen Dasein der Menschen. Er schreibt auf, was er bei seinem Jahrzehnte langen Nachdenken, Lehren, Diskutieren, Hoffen und Desillusionieren über die politischen Entwicklungen überall in der Welt verspürte. Es sind die Enttäuschungen darüber, „dass praktisch jede größere erfolgreiche Revolution mit der Gründung eines Staates endete, der über mehr Macht verfügte als der vor ihm beseitigte...“. Er entwickelt daraus so etwas wie einen „Anarchismus als Praxis“, mit der er aufzeigt, dass die Auseinandersetzung mit Formen von Renitenz und Widerstand, wie sie sich in anarchistischen Konzepten ausdrücken, als Paradoxien darstellen: „Massive Störungen der öffentlichen Ordnung und Wiederstandshandlungen können ... direkt in einem autoritären System oder im Faschismus münden“. Es ist keine Schmalkost, aber auch kein Zähstoff, den James C. Scott mit seinem „Applaus dem Anarchismus“ präsentiert, sondern eine gut lesbare, anregende Lektüre, die dem Leser und der Leserin eine Reihe von Aha-Erlebnissen beschert und aus dem anarchischen Seitenblick einen wissenden, erlebnis- und erfahrungssicheren Blick werden lässt. Anarchismus als kritische, autonome und freiheitliche Haltung hat nichts zu tun mit nihilistischem und egoistischem Aufrührertum [31]

Leben ist eines der schwierigsten,

weil beim Leben immer auch das Risiko mitspielt! Oder ist Leben eines der natürlichsten Dinge der Welt? Mit solchen Fragen scheinen wir Menschen uns immer wieder schwer zu tun! Denn einerseits bringen alltäglich zum Bewusstsein, dass Ungewissheiten, Unsicherheiten und Krisen unser Leben beeinflussen, stören und bestimmen, andererseits, weil Risiko überall ist und jeweils unterschiedlich wahr genommen und erlebt wird. Beim Versuch, Risiken zu erkennen, einschätzen und mit ihnen umgehen zu lernen, bietet sich sowohl die wissenschaftliche Analyse an, mit der etwas festgestellt und bewertet wird, um die Diagnose in einem Gutachten, einem Regelwerk, einem Gesetz oder einer Handlungsanweisung umzusetzen; als auch das Wagnis an, sich bei einem gemeinsamen Entdeckungsprozess und Dialog auf die Suche nach der individuell und gesellschaftlich passenden und adäquaten Risikokompetenz zu begeben. Der Psychologe, Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Harding-Zentrums für Risikokompetenz, Gerd Gigerenzer, zeigt auf, dass     jeder den Umgang mit Risiko und Ungewissheit lernen kann (weil er in verständlicher Sprache deutlich und Mut macht, sich des eigenen Verstandes zu bedienen),     Experten(meinungen) eher ein Teil des Problems als die Lösung sind (weil er verständlich macht, dass die Fähigkeit, Risiken zu verstehen, meist nicht mit Expertisen zu vermitteln ist),     weniger mehr ist (weil er zu erklären vermag, dass Problemlösungen nur selten komplex und allumfassend möglich sind). Es sind nämlich die Ungewissheiten, Imponderabilien und Paradoxien, die eine Verwechslung von Logik und Leben provozieren [32]. Mit den Beispielen „Regenwahrscheinlichkeit“, „Pillenangst“ und „Terrorgefahren“ zeigt der Autor auf, dass die „Illusion der Gewissheit“ eine Falle im menschlichen Dasein darstellt. Nicht nur die eigentlich leicht vorfindbare Allerweltsweisheit, dass es ein Leben der Menschen ohne Risiko nicht gibt, sondern auch und vor allem die einleuchtende Argumentation, dass Irren menschlich ist und Fehler machen die Menschen (im allgemeinen) nicht dümmer, sondern klüger werden lässt. Furcht als emotionales und soziales Regulativ ist Schutz und Gefahr zugleich: „Fürchte, was deine soziale Gruppe fürchtet“, ist deshalb ein verständlicher, nachvollziehbarer und praktizierbarer Ratschlag, wenn es gelingt, die eigenen und kollektiven Bedürfnisse, Werte und Normen nicht in die Ideologieflasche zu füllen [33]

Die Ereignisse des Leben auf neue Weise verstehen

Der australische Therapeut Michael White gilt als der Mitbegründer der Narrativen Therapie, ein Konzept, das im Rahmen der Familientherapie die Fähigkeiten, Überzeugungen, Wertvorstellungen und Fertigkeiten des Menschen zum Maßstab nimmt, um Probleme und Schwierigkeiten bei der Daseinsbewältigung zu erkennen und zu heilen. Dabei wird die Lebensgeschichte des Klienten betrachtet und in einzelne Erinnerungs- und Belastungsfragmente aufgeschlüsselt und bearbeitet; immer in der dialogischen Form zwischen Therapeuten und Patienten. Dabei werden verloren geglaubte oder verschüttete Aspekte des eigenen  Lebens erinnert, vernachlässigte Bereiche der eigenen Identität entdeckt und weiße Flecken, Defizite, aber auch Stärken und Kreativität wahrgenommen. Michael Whites „Landkarten der narrativen Therapie“ sind keine Rezepte; auch keine Handlungsanweisungen für therapeutisches Handeln, sondern didaktische Skizzen, die Richtungen andeuten, Wege und Methoden aufzeigen und Anregungen zur eigenen Erstellung von Landkarten für Gesprächslinien bieten [34].

Homo faber: Der Mensch erschafft sich durch denkendes Tun

Der US-amerikanische Soziologe und Kulturphilosoph Richard Sennett denkt darüber nach, was wir Menschen mit den materiellen Dingen tun, die uns umgeben, die wir haben wollen, meinen, haben zu müssen, benutzen: „Ich habe das Gefühl, dass wir angesichts der mit physischen Gegenständen vollgestopften Welt nicht recht wissen, wie wir von materiellen Objekten und Maschinen guten Gebrauch machen können“. In diesem Unbehagen steckt auch etwas, was wir mittlerweile als Gesellschafts-, Kultur- und Lebenskritik formulieren: Soll der Mensch alles machen (dürfen), was er kann (oder zu können glaubt)? Dieses Nachdenken subsummiert er in einem Denk- und Schreibvorhaben, den er das „Homo-Faber-Projekt“ bezeichnet; es „kreist um die ethische Frage, in welchem Maße wir Herren unserer selbst werden können“, und darum zu begreifen, dass „der Mensch sein Leben und sich selbst durch konkretes praktisches Handeln erschafft“. Um dieses Dilemma geht es – und um die Hoffnung, dass humane Kooperation und Empathie es schaffen könnten, die Menschheit zu einen. Er weist nach, dass „Kooperation die Qualität des sozialen Lebens verbessert“. Direkt erfahrbar werden solche Erfahrungen in lokalen Gemeinschaften, die als Grundlage für größere dienen können. Darin steckt der einfache Gedanke: Global denken, lokal handeln. „Kooperation ist Austausch, von dem alle Beteiligten profitieren“. Auf der Grundlage dieser positiven und optimistischen Überzeugung begründet Richard Sennet seine Reflexionen zur „Zusammenarbeit“. Indem er den Werkzeugkasten bereit stellt und die Werkstatt ausgestattet hat, um mit den intellektuellen und profanen Denk- und Handlungswerkzeugen selbst zu denken, bietet er für den homo faber, also für dich und mich die Chance, Kooperationen anzustreben und die win-win-Erfahrungen zu erleben [35].

Zukunft gestalten

Wir brauchen eine neue Erinnerungskultur, angesichts des aktuellen, lähmenden und lärmenden Momentanismus. Die Erkenntnis, dass Kultur Erinnerung braucht, wie auch Erinnerung Kultur benötigt, hat sowohl die zivilgesellschaftliche Kritik an den traditionellen und traditionalistischen Entwicklungen entfacht, als auch den Ruf nach einem zeitgemäßem, lokalem und globalem Gedächtnis- und Erinnerungsbewusstsein verstärkt. Darüber, ob zwischen dem, „was in Zukunft unter allen Umständen der Fall sein wird, und dem, was in Zukunft zwar der Fall sein wird, aber auch nicht der Fall sein könnte“, und Fragen, ob Ereignisse, „die in der Gegenwart noch nicht wahr oder falsch sind, sondern sich erst in der Zukunft bewahrheiten oder als falsch erweisen werden“, haben Philosophen immer wieder nachgedacht. Es ist der Mix aus Euphorie, Optimismus und Pessimismus, der unser privates und öffentliches Bewusstsein kennzeichnet und sich in Stimmungen ausdrückt, die von der „Leichtigkeit des Seins“ bis hin zur „Bürde der Alltagslast“ reichen. Es ist die Last und die Lust, die uns Menschen hin- und her reißt, die uns, wie Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik zum Ausdruck gebracht hat, „sich freut, woran man soll, und hasst, was man soll“.Über Zukunft voraus- und nachdenken können wir zum einen spekulativ, wenn wir das seriös und mit dem wissenschaftlichen Anspruch der Zukunftsforschung tun. Da kommt das Spielerische in den Blick, z. B. mit der Frage, wie die Welt, wie wir sie Hier und Heute erleben, wie sie uns befähigt und bedrängt, in einhundert oder eintausend Jahren aussehen könnte, zum anderen in einer interdisziplinären Auseinandersetzung, der die Annahme zugrunde liegt, dass Erinnerungen aus Wahrscheinlichkeiten Gewissheiten ableiten, während sich aus Prognosen Wahrscheinlichkeiten ergeben können: „Die Zukunft ist ein Chamäleon, das den wichtigsten Besitz des Menschen, das Gedächtnis chargiert. Befragen wir die Theorien und Konzepte, wie sie sich in der Zukunftsforschung darstellen, so können wir zwischen dem individuellen, dem kommunikativen und dem kulturellen Gedächtnis unterscheiden: Wir sind in die Ereignishaftigkeit des Seins hineingeboren, und nur dank dieses dynamischen Prinzips ist es möglich und sinnvoll, über die Zeitmodi Zukunft und Vergangenheit nachzudenken“. Die Frage, wie die Menschheit (in der Gegenwart und Zukunft) leben will, lässt sich nicht mit Illusionen und Spekulationen beantworten, sondern mit Visionen denken. Das Dilemma (oder auch das Glück?), dass Zukunft nicht wirklich vorhersehbar ist, weil der Mensch ein „welthaftes“ Lebewesen ist (Wolfgang Welsch), gilt es zu begreifen und anzuerkennen. Gerade deshalb ist der Mensch aufgefordert, über die kulturelle, intellektuelle und anthropologische Logik der Zukunft nachzudenken; nicht um Zukunft zukünftig verlässlich und treffsicher managen zu können, sondern kraft seiner Vernunft erkennen lernt, welche Chancen und Notwendigkeiten bestehen, das Verhältnis des Menschen zur Zukunft zu kennen und bei der Suche nach einem guten, gelingenden Leben für alle Menschen auf der Erde einsetzen zu können [36]

Anstelle eines Nachworts zu der annotierten Literaturbetrachtung:

Ermutigung (Wolf Biermann, 1968)

Du, lass ich nicht verhärten
In dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.

Du, lass sich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
- sitzt du erst hinter Gittern -
doch nicht vor deinem Leid.

Du, lass dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Das wolln sie doch bezwecken
dass wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.

Du, lass dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen
grad deine Heiterkeit.

Wir wolln es nicht verschweigen
in dieser Schweigezeit.
Das Grün bricht aus den Zweigen,
wir wolln das allen zeigen,
dann wissen sie Bescheid.

Autor
Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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[1] Terry Eagleton, Der Sinn des Lebens, 2008, zur Rezension; sowie: Antonio Damasio, Selbst ist der Mensch. Körper, Geist und die Entstehung des menschlichen Bewusstseins, 2011, zur Rezension

[2] Volker Gerhardt, Der Sinn des Sinns. Versuch über das Göttliche, 2014, zur Rezension

[3] Wolfgang Welsch, Homo mundanus. Jenseits der anthropischen Denkform der Moderne, 2012, zur Rezension

[4] Bruno Latour, Existenzweisen. Eine Anthropologie der Modernen, 2014, zur Rezension; sowie: Franz Josef Wetz, Rebellion der Selbstachtung. Gegen Demütigung, 2014, zur Rezension

[5] Oskar Negt,  Der politische Mensch. Demokratie als Lebensform, 2010, zur Rezension

[6] Manfred Geier, Geistesblitze. Eine andere Geschichte der Philosophie, 2013, zur Rezension

[7] Abraham H. Maslow, Jeder Mensch ist ein Mystiker. Impulse für die seelische Ganzwerdung, 2014, zur Rezension

[8] Steffen Martus, Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert - ein Epochenbild, 2015, zur Rezension

[9] Alcira Mariam Alizade, Weibliche Sinnlichkeit, 2014, zur Rezension

[10] Günter Gödde, Takt und Taktlosigkeit. Über Ordnungen und Unordnungen in Kunst, Kultur und Therapie, 2011, zur Rezension

[11] Martin Hartmann, Die Praxis des Vertrauens, 2011, zur Rezension

[12] Arno Gruen, Wider den Gehorsam, 2014, zur Rezension

[13] Frank Ettrich / Wolf Wagner, Hrsg., KRISE und ihre Bewältigung. In Wirtschaft, Finanzen, Gesellschaft, Medizin, Klima, Geschichte, Moral, Bildung und Politik, 2010, zur Rezension; sowie: Andreas Heinemann-Grüder / Isabella Bauer, Hrsg.,Zivile Konfliktbearbeitung. Vom Anspruch zur Wirklichkeit, 2013, zur Rezension

[14] Werner Berschneider, Wenn Macht krank macht. Narzissmus in der Arbeitswelt, 2011, zur Rezension

[15] Heinz Bude, Gesellschaft der Angst, 2014, zur Rezension; sowie: Matthias Wolter, Gewalt vermeiden. Vom Wissen zum Können! Wie soziale Kompetenztrainings effektiv wirken, 2014, zur Rezension

[16] Andreas Zick / Beate Küpper / Dietmar Molthagen / Ralf Melzer, Hrsg., Wut, Verachtung, Abwertung. Rechtspopulismus in Deutschland, 2015, zur Rezension

[17] Frank Henning, Oblomowerei - eine Vorstufe der Sucht? Oder: Die Metamorphose des Stolz, 2013, zur Rezension; siehe auch: Rainer Lehmann, Aufforderung zum Ungehorsam. Ein Pamphlet, 2013, zur Rezension; sowie: Manfred Lütz, Bluff! Die Fälschung der Welt, 2012, zur Rezension

[18] Wolfgang Frindte / Nicole Haußecker, Hrsg., Inszenierter Terrorismus. Mediale Konstruktionen und individuelle Interpretationen, 2010, zur Rezension; sowie: Byung-Chul Han, Topologie der Gewalt, 2011, zur Rezension

[19] Jacob Arie Goedhart, Über-Leben, 2006, zur Rezension; sowie: Ben Sherwood, Wer überlebt? Warum manche Menschen in Grenzsituationen überleben, andere nicht, 2009, zur Rezension

[20] Kurt Bayertz, Der aufrechte Gang. Eine Geschichte des anthropologischen Denkens, 2013, zur Rezension

[21] Asfa-Wossen Asserate, Deutsche Tugenden. Von Anmut bis Weltschmerz, 2012, zur Rezension

[22] August Nitschke / Justin Stagl / Dieter R. Bauer (Hg.), Überraschendes Lachen, gefordertes Weinen. Gefühle und Prozesse. Kulturen und Epochen im Vergleich, 2009, zur Rezension

[23] vgl. dazu auch: Gerd Meyer, Lebendige Demokratie. Zivilcourage und Mut im Alltag, 2004, zur Rezension  sowie: Dieter Lünse, Jörg Kowalczyk, u.a., Zivilcourage können alle! Ein Trainingshandbuch für Schule und Jugendarbeit, 2011, zur Rezension

[24] Ulrich Beer, Zivilcourage., 2011, zur Rezension

[25] Dieter Birnbacher, Tun und Unterlassen, 2014, zur Rezension; sowie: Silke Helfrich / Heinrich-Böll-Stiftung, Hrsg., Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, 2012, zur Rezension

[26] Ralf Konersmann, Die Unruhe der Welt, 2015, zur Rezension; sowie:
Ulrich Menzel, Die Ordnung der Welt. Imperium oder Hegemonie in der Hierarchie der Staatenwelt,2015, zur Rezension

[27] Wilhelm Berger / Brigitte Hipf / Kirstin Mertlitsch / Viktoria Ratkovic, Hrsg., Kulturelle Dimensionen von  Konflikten, 2010, zur Rezension

[28] brand eins, Lernen lassen. Abenteuer Bildung, 2009, zur Rezension

[29] John Holloway, Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen, 2010, zur Rezension; sowie: Ingo Elbe / Sven Ellmers / Jan Eufinger , Hrsg., Anonyme Herrschaft. Zur Struktur moderner Machtverhältnisse, 2012, zur Rezension

[30] Cornelia Muth / Annette Nauerth, Hrsg., Vertrauen gegen Aggression. Das dialogische Prinzip als Mittel der Gewaltprävention, 2010, zur Rezension; siehe auch: Richard Heinzmann, u.a., Hrsg., Lexikon des Dialogs. Grundbegriffe aus Christentum und Islam, 2013, zur Rezension

[31] James  C. Scott, Applaus dem Anarchismus. Über Autonomie, Würde, gute Arbeit und Spiel, 2014, zur Rezension

[32] Fritz B. Simon, Wenn rechts links ist und links rechts. Paradoxiemanagement in Familie, Wirtschaft und Politik, 2013, zur Rezension

[33] Gerd Gigerenzer, Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft, 2013, zur Rezension

[34] Michael White, Landkarten der narrativen Therapie, 2010, zur Rezension; sowie: Wolfgang Benz, Hrsg., Ressentiment und Konflikt. Vorurteile und Feindbilder im Wandel, 2014, zur Rezension

[35] Richard Sennet, Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält, 2012, zur Rezension

[36] Andreas Hartmann / Oliwia Murawska, Hrsg., Representing the future. Zur kulturellen Logik der Zukunft, 2015, zur Rezension

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Regina-Maria Dackweiler, Alexandra Rau, Reinhild Schäfer (Hrsg.): Frauen und Armut - feministische Perspektiven. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. 474 Seiten. ISBN 978-3-8474-2203-7.
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