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Mehr Ausbildung ist nicht genug

28.01.2013 | Altenhilfe | Nachrichten

bpa in NRW fordert unbürokratische Anwerbung ausländischer Pflegefachkräfte

„Auf den Fachkräftemangel in der Pflege gibt es nicht nur eine Antwort“, mit diesen Worten weist der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) Christof Beckmann auf das mangelnde Engagement der Landesregierung bei der Zuwanderung von Fachkräften aus dem europäischen Ausland hin. „Wenn sich Landes-Pflegeministerin Barbara Steffens über die vielen zusätzlichen Auszubildenden in der Pflege freut, dann kann ich das verstehen und teile diese Freude auch. Hierfür hat der bpa zusammen mit dem Land viel getan. Diese neuen Fachkräfte stehen den Diensten und Einrichtungen im Land allerdings erst in drei Jahren zur Verfügung und sie werden den Bedarf der heute bereits fehlenden Fachkräfte nicht decken. Die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt zudem weiter zu, in wenigen Jahren müsste jeder dritte Schulabgänger in die Pflege gehen, um den Bedarf an Fachkräften zu befriedigen. Als Lösung für den schon heute drängenden Fachkräftemangel ist das zu wenig“, so Beckmann, der zusätzlich Erleichterungen bei der qualifizierten Zuwanderung von Fachkräften fordert. „Hessen macht es vor. Hier haben Verbände und Politik zusammen mit der Arbeitsagentur gemeinsam einen praktikablen Weg entwickelt und innerhalb kürzester Zeit Fachkräfte aus Spanien angeworben.“ Es sei nicht verständlich, dass gut ausgebildete junge Menschen aus europäischen Staaten diese Perspektiven nicht auch bei uns in NRW bekämen, so Beckmann: „Auch die Pflegefachkräfte in NRW wären für jede Entlastung dankbar. Stattdessen wird in Düsseldorf darüber nachgedacht, die umfassenden Deutschkenntnisse zu erweitern und jeden Ansatz von Zuzug im Entstehen zu verhindern.“ Der bpa halte hingegen ein besonders auf den Pflegealltag abgestimmtes Sprachniveau, wie es jetzt mit der Niedersächsischen Landesregierung entwickelt wurde, für angemessen und völlig ausreichend. Vorbehalte gegenüber ausländischen Fachkräften basierten bei näherer Betrachtung oftmals auf Vorurteilen oder Einzelfällen. Jede zusätzliche Fachkraft, auch die aus dem Ausland, sei eine Verbesserung der Situation, so Beckmann mit Blick auf die vielen aktuell unbesetzten Stellen in Pflegediensten und Einrichtungen: „Fehlende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können keine Zuwendung geben und keine Pflege leisten. Junge Spanier zum Beispiel, die einen ,Pflegebachelor‘ in der Tasche haben und aus einem uns nahe stehenden Kulturkreis kommen, können dies sehr wohl! Und sie tun es gerne, weil sie in ihrer Heimat derzeit keine Chance auf eine berufliche Zukunft haben.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den nordrhein-westfälischen Pflegediensten und Einrichtungen müssten derzeit teils über Monate hinweg fehlende Kolleginnen und Kollegen ersetzen. „Sie verdienen eine gemeinsame Anstrengung der Landesregierung und aller Beteiligten für jede erdenkliche kurzfristige Entlastung“, mahnt der bpa-Landesvorsitzende an. Es müsse schnell der Ausbildungs- und Qualifizierungspakt umgesetzt werden sowie ein umfassendes und unbürokratisches Konzept zur Anwerbung, Schulung und sprachlichen Ausbildung von interessierten Fachkräften aus dem Ausland geben.

Hintergrund

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) bildet mit 7.500 aktiven Mitgliedseinrichtungen, davon über 1.000 in Nordrhein-Westfalen, die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-) stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 230.000 Arbeitsplätze und ca. 17.700 Ausbildungsplätze. Das investierte Kapital liegt bei etwa 18,2 Milliarden Euro.

Quelle: Pressemitteilung des bpa - Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. vom 21.01.2013

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