Loslassen hilft
Wenn mein Jahr 2025 eine Überschrift hätte, wäre es: „Viel Abschied und zum Ende etwas Neues“.
Es zeichnete sich ja bereits in den ersten Monaten ab, dass es mit Arian und mir nicht weitergeht. Mit meiner Kündigung bei seinem neuem Jugendhilfeträger verabschiedete ich mich auch von der Idee, dass meine IseF-Ausbildung mir ein neues Arbeitsfeld als Kinderschutzbeauftragte eröffnen würde.
Für zwei Träger zu arbeiten, wäre mit der Zeit auch ziemlich anstrengend geworden. Zwei Diensthandys, zwei Dienstlaptops, zwei Schlüssel und zweimal unregelmäßige Arbeitszeiten – irgendwann wäre sowieso eine Entscheidung fällig gewesen. Da sich die Stimmung bei dem großen Träger, dem ich hier immer noch keinen Namen gegeben habe, beständig verbesserte, konnte ich gut bleiben. Und als ich mich schon fast damit abgefunden hatte, dass ich in diesem Unternehmen keine Niesche finde, in der ich neben der SPFH noch eine andere Arbeit machen kann, kam für mich ganz unerwartet, das Angebot, die Urlaubsvertretung für die Leitung zu übernehmen. Weil alles gut lief, wurde ich nun sogar gefragt, ob ich Co-Koordinatorin werden möchte. Und, ja, ich will und notiere: Loslassen hilft!
Was ich auch losgelassen habe ist die Mitgliedschaft in einem Verein, mit dem ich mich schon lange nicht mehr verbunden fühle.
Dann kam ein Todesfall, der mich ziemlich mitgenommen hat, ich vermisse eine liebe Freundin, und wenn das Telefon klingelt, denke ich manchmal: das ist sie, jetzt ruft sie an und fragt ob ich mitkomme, zum Karaoke in der Kulturkantine.
Richtig stolz dagegen bin ich auf einen anderen Abschied. Als es hieß, mein Laptop sei zu alt für die Fortführung der Sicherheitsupdates, und ich solle mir ein neues Gerät kaufen, war ich richtig wütend. Ich schmeiß doch nichts auf den Müll, das noch funktioniert! Und als ich dann bei einer Veranstaltung zum Thema digitale Mündigkeit saß, fühlte ich mich plötzlich in guter Gesellschaft, ich holte mir Rat und Unterstützung bei der Umstellung auf ein anderes Betriebssystem. Mein Laptop liebt es, und ich komme wunderbar klar. Nun las ich in meiner Tageszeitung und in einem Handelsmagazin, dass einige Unternehmen ihre digitalen Büros ebenfalls umstellen weil es kostengünstigere und qualitativ hochwertige Alternativen gibt. Ich kenne mich da nicht so gut aus, aber es hat auch etwas mit Unabhängigkeit zu tun und mit europäischen Datenschutzrichtlinien. Verträge sind kündbar, und vielleicht wäre es ja auch etwas für unseren Träger. Immer wenn ich bei meinem IT- Kollegen über unser digitales Büro meckere, wird er sauer und schimpft, es sei ein Erbe des alten Geschäftsführers, er, der IT-Kollege, hätte auch lieber etwas anderes gehabt.
Unser Team bereitet sich auf die anstehenden Weihnachtsaktionen vor, und mit Anna war ich im Jugendtheater. In der Beschreibung des Stückes hieß es, das Thema sei menthale Gesundheit, und wir dachten, es werden lebendige Beispiele für das psychische Wohlbefinden im Familienleben auf die Bühne gebracht. Doch dann ging es um eine ganz konkrete Situation, an der die Geschichte von zwei Mädchen und ihrer Mutter im psychischen Ausnahmezustand aufgerollt wurde, die ständige Sorge um die eigene Mutter, das viele Alleinsein und die Ambivalenz. Anna meinte, sie kennt das. Vieles von dem, was da auf der Bühne gezeigt wurde, sei auch ihr Leben, mit dem Unterschied, dass ihre Eltern inzwischen die Schieflage erkannt haben und sich etwas verändert.
Ich gehe also erleichtert in den Dezember und kann das Jahr 2025 ganz gemütlich und mit guten Aussichten auf etwas Neues loslassen.
Ihre Katja Änderlich*
*Pseudonym der Autorin




