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Kolpingwerk: Mit Bildung gegen Armut und soziokulturelle Spaltung

Der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland sieht eine ganzheitliche Bildung als Schlüssel zur Bekämpfung von Armut in der Gesellschaft. Obwohl es in Deutschland immer mehr arme Menschen gibt, ist Armut nach wie vor ein Tabuthema. Die Betroffenen werden dadurch an den Rand der Gesellschaft gedrängt, was erhebliche Risiken für unser gemeinschaftliches Zusammenleben birgt. Dies betont der Bundesvorstand des katholischen Sozialverbandes in einer Erklärung.

Arme Menschen ziehen sich aus der Gesellschaft und sehen sich mit mangelnder Teilhabe konfrontiert, heißt es weiter. Das führe zu einer soziokulturellen Spaltung, die sich auch im politischen Sektor nachteilig auswirke. Es liege demnach im Eigeninteresse der Gesellschaft als Ganzes, armen Menschen eine Lobby zu verschaffen. Dies sei vor allem Aufgabe der Sozialverbände. Bildung – verstanden als ganzheitliche Bildung inklusive der Vermittlung persönlichkeitsbildender Kompetenzen – sei hierbei eine wesentliche Voraussetzung für eine Gesellschaft ohne Armut.

Keine einheitliche Definition von Armut

Es herrsche Uneinigkeit sowohl über deren Ursachen als auch über die gesellschaftlichen Folgen. Armut werde dabei entweder als die Folge individuellen Versagens oder als das Ergebnis ungerechter gesellschaftlicher Strukturen gesehen. Das Kolpingwerk lehnt diese Extrempositionen ab und geht stattdessen von einem Bedeutungsgleichgewicht beider Aspekte aus. Armut beginne demnach dort, wo Menschen nicht (mehr) an den allgemeinen gesellschaftlichen Lebensprozessen und kulturellen Alltagserfahrungen teilnehmen können und wenn es Menschen verwehrt bleibt, ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

Die offensichtlichste Form von Armut sei finanzieller Natur und könne vielfältige Gründe haben: Langzeitarbeitslosigkeit, niedrige Erwerbseinkommen, unterbrochene Erwerbsbiografien oder atypische Beschäftigungsverhältnisse seien nur einige Beispiele. Auch die „vererbte Armut" sei in diesem Kontext ein wichtiges Thema. So werde sich das Leben von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit unterschiedlichen Ressourcenvermögen trotz vergleichbarer intellektueller Fähigkeit in der Regel entgegengesetzt entwickeln. Das bedeute: Wer in eine arme Familie hineingeboren wird, kommt aus der mit Armut einhergehenden gesellschaftlichen Ausgrenzung so schnell nicht mehr heraus. Dadurch werde das individuelle Leistungsprinzip als bisheriger kultureller Konsens ad absurdum geführt.

Der vollständige Wortlaut der Erklärung finden Sie unter www.kolping.de/presse-medien/presse/erklaerungen/


Quelle: Pressemeldung des Kolpingwerks Deutschland vom 3. Juli 2017

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