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Internationaler Tag der Sozalen Arbeit am 19.03.2013

Anlässlich des Internationalen Tages der Sozialen Arbeit am 19.03.2013 hat das Unabhängige Forum kritische Soziale Arbeit zur Demonstration in Berlin aufgerufen. Aus dem Ausruf:
Wir nehmen den Internationalen Tag der Sozialen Arbeit zum Anlass um öffentlich auf die Arbeitssituation in der Sozialen Arbeit und auf die Lage, der von Sparpolitik und Sozialabbau Betroffenen aufmerksam zu machen. Es wird Zeit, dass wir uns über Organisationen, Städte und Länder hinweg zusammen zu schließen und uns einmischen. Lasst uns am Internationalen Tag der Sozialen Arbeit mit verschiedenen Aktionen in Deutschland auf die Straße gehen! Wir fordern
… im Angesicht einer Politik, in der soziale Gerechtigkeit und die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Wohlstand nicht mehr vorkommt, den sofortigen Stopp des Sozialabbaus (und selbstverständlich auch den Stopp des Abbaus von Kultur und Bildung)!
… die Rücknahme der geplanten Stellenreduzierungen im Öffentlichen Dienst. Denn für Bürger be-deutet das: lange Wartezeiten, fehlender Service, verkürzte Beratungen und verschlechterte Dienstleis-tungen. Die Folge dieser Politik ist die faktische Einschränkung von verfassungsmäßig verbrieften Rechtsansprüchen.
… die Rücknahme der gängigen Praxis der Finanzierung der Sozialen Arbeit, die „freie“ Träger dazu drängt, am Markt nur unternehmerisch mit „Dumpingangeboten und Mogelpackungen“ bestehen zu können! Für alle Beteiligten wird immer deutlicher, der Weg der Privatisierung des Sozialen ist ein asozialer Irrweg!
Kontinuität für die Soziale Arbeit. Das heißt, hinreichend Zeit und die notwendigen Mittel, die es ermöglichen, fachlich gute und für die Betroffenen wirklich hilfreiche Arbeit leisten zu können! Dies ist nur unter entsprechenden Arbeitsbedingungen möglich. Deshalb fordern wir angemessene Bezahlung und Abschaffung prekärer Arbeitsverhältnisse!
Wir dulden keine Einsparungen am gesellschaftlichen Gemeinwohl! Steuergelder sind das Eigentum der Gesellschaft und nicht der Politiker und Banken! Solange diese ihre Nebeneinkünfte und Extraprofite nicht sozialisieren, sagen wir: „Sparen am Sozialen? NiX da!“ Wir mischen uns ein!

Die Soziale Arbeit geht auf die Straße!  – Warum?

Die Zahl der Menschen, die mit Sozialer Arbeit in Berührung kommen, weil sie Unterstützung brau-chen, steigt stetig an. Anstatt dieser Entwicklung entgegenzutreten, werden ökonomisch und politisch verursachte Krisen nüchtern als sogenannte „steigende Fallzahlen“ addiert, und dazu noch der Sozialen Arbeit die zur Verfügung gestellten Mittel rigoros gekürzt oder gestrichen. Immer mehr Menschen in schwierigen Lebenslagen werden, so als trügen sie für ihre Lage alleine die Verantwortung, mit ihren Problemen allein gelassen. Und die Politik? Spätestens seit der Agenda 2010 setzen alle maßgebenden Parteien auf „Fordern, Kontrollieren, Sanktionieren“ … auch die Parteien, die einst dagegen wetterten, vergessen, kaum dass sie an der Macht beteiligt werden, ihre guten Absichten.

Wie kann es sein, …

… dass in einem so reichen Land wie Deutschland, immer mehr Bürger völlig alleine gelassen werden und sie, an den Rand gedrängt, ihren Wert in der Gesellschaft einbüßen. Geht es wirklich nur noch um „Verwertbarkeit“ und Profit? … dass riskante und nichtsnutzige Finanzspekulationen mit öffentlichen Mitteln gesichert, Millionenausgaben für Prestigeprojekte ausgegeben werden, aber die Soziale Arbeit, in der deutschlandweit über 1,6 Mio. Menschen beschäftigt sind, durch Dumpinglöhne und das Einstellen von unausgebildetem, fachfremdem Personal de-professionalisiert wird? … dass die Soziale Arbeit medial nur als Sündenbock wahrgenommen wird, z.B. wenn ein Kind stirbt, Senioren misshandelt werden oder Wohnungslose auf der Straße erfrieren, aber nicht als Sachverständige befragt wird, wenn es um Ursachen von Gewalt oder um sogenanntes Koma-Saufen bei Jugendlichen geht? … dass Politiker und Unternehmer, Lobbyisten und kirchliche Würdenträger, Talkmaster und Betriebswirte in Fragen des Sozialen den Ton angeben, während die Expertise der Sozialen Arbeit permanent ignoriert wird? … dass Studierende der Sozialen Arbeit sich um ihre berufliche Zukunft sorgen müssen und den Sinn ihres Faches in Zweifel ziehen, obwohl man sie im Anbetracht der Lage in ihrem Entschluss bestärken und fördern müsste? … dass die Soziale Arbeit unabhängig von ihrer akademischen Ausbildung und praxisbezogenen Fachlichkeit, jenseits ihrer langjährigen Berufserfahrungen und inhaltlichen Fort- und Weiterbildung, gleich einer „sozialen Feuerwehr“ nur noch gerufen wird, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“ und obendrein auch noch die Verantwortung für die vermeintlichen „Unfälle“ untergeschoben bekommt? Der allgemeine soziale Niedergang hat Ursachen. Diese hat die herrschende Politik zu verantworten, – und nicht die Soziale Arbeit. Die herrschende Politik setzt unvermindert das neoliberale finanz- und sozialpolitische Kürzungsprogramm fort und behindert die Soziale Arbeit massiv.

Nix da! Wir mischen uns ein!

Die Öffentlichkeit, die Wissenschaft, die Medien und nicht zuletzt die Politik mögen endlich zur Kenntnis nehmen: Die Aufgabe der Sozialer Arbeit ist es weder für ein Funktionieren der Menschen noch für ihre Nützlichkeit im System zu sorgen! Solche Zielsetzungen lassen wir uns auch künftig nicht aufzwingen! Die Soziale Arbeit ist vielmehr ein Partner der Bürger im Kampf um Soziale Gerechtigkeit und Teilhabe! Mehr denn je wird es zur Aufgabe der Sozialen Arbeit, sich für eine gerechtere und humanere Gesellschaft, für gute Lebensbedingungen aller Menschen und für eine besondere Unterstützung sozial benachteiligter Menschen einzusetzen.
Weitere Infos finden Sie unter www.einmischen.com

Aktuelle Rezension

Buchcover

Olaf Dörner, Peter Loos, Burkhard Schäffer u.a. (Hrsg.): Dokumentarische Methode. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. 154 Seiten. ISBN 978-3-8474-2074-3.
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