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Genossenschaft und Solidarität

Dr. Jos Schnurer

08.05.2019

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In den Zeiten von Verunsicherungen, lokalen und globalen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen reagieren die Menschen nicht selten entweder dadurch, dass sie sich egoistisch und materialistisch zurückziehen, „Ego-first“-Einstellungen entwickeln, Vereinfachern und Demagogen nachlaufen, oder nach Gemeinwohl-Konzepten Ausschau halten. Setzen wir uns an dieser Stelle nicht mit den ego-, ethnozentristischen und populistischen Kakophonien auseinander[i], sondern schauen wir auf die gesellschaftlichen Diskurse, wie sie beim Bauhaus-Revival, bei den Fragen zum Klimawandel, zum Menschenrecht auf menschenwürdiges und gerechtes Wohnen geführt werden, wird deutlich, dass die Menschheit vor der Herausforderung steht, umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, also neue, individuelle und kollektive Lebensformen zu finden[ii]. Ein Modell ist die GENOSSENSCHAFT, die als traditionelle, gemeinschaftliche Lebensform verstanden und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gedacht, gelebt und verworfen wird. Bereits im antiken, griechischen, aristotelischen Denken wird „koinôia“, Gemeinschaft, Gemeinsamkeit, Teilnahme und Gemeinwohl als die entscheidende Grundlage des menschlichen Zusammenlebens bezeichnet und der anthrôpos als zôon koinôikon ausgewiesen[iii]. Ich will mich der Frage in zwei Schritten nähern. Ob es sich um Schlurf- oder Schlenz-Bewegungen handelt, will ich offen lassen.  

„Eine Genossenschaft ist ein demokratisches Gebilde“

Über Entstehung, Begründung und Wirkung von genossenschaftlichem Denken und Handeln gibt es vielfältige und umfangreiche Literatur. Das Ziel des Aufsatzes kann also nicht sein, eine Geschichte der Genossenschaften zu formulieren; schon gar nicht, eine Bestandsaufnahme des Genossenschaftswesens in den Zeiten der Globalisierung vorzunehmen; auch nicht, eine Ausschau darüber vorzunehmen, welche Chancen eine Genossenschaft als demokratisches Gebilde in prekären Lebenssituationen in den neoliberalen Entwicklungen Hier und Heute hat. Es geht vielmehr darum, anhand von zwei längst vergessenen und in nur wenigen Bibliotheken und Archiven vorfindbaren Büchern an Aufbruchstimmungen zu erinnern, die es lohnen, aufbewahrt zu werden: Da ist zum einen der 1958 vom Polydruck Condor-Verlag Hugo Langethal, Berlin-Schöneberg herausgegebene Band von Dr. Walther Preuss „Das Genossenschaftswesen in der Welt und in Israel“[iv], und zum anderen das von Steinbock-Verlag, Hannover, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Raiffeisenverband e. V., Bonn, 1962 erschienene, dokumentarische Bildwerk über die ländlichen Genossenschaften „Sie helfen sich selbst“[v]

Immerhin: Das am 1. Mai 1889 in Deutschland erlassene Genossenschaftsgesetz (GenG: Gesetz betreffend die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften), das die Rechtsgrundlagen für genossenschaftliche Zusammenschlüsse regelt, gilt bis heute. Es wurde zuletzt 2017 novelliert und an das europäische Recht angepasst. Damit stellt sich bereits die erste Frage: Ist das Genossenschaftswesen eine deutsche Erfindung, oder gibt es nicht auch in anderen Ländern und Kulturen der Erde genossenschaftliches Denken und Handeln?[vi].

Der 1895 in Berlin geborene und 1984 in Tel Aviv / Israel gestorbene Dr. Walter Preuss hat, nachdem er der nationalsozialistischen Judenverfolgung und dem Holocaust entkommen konnte, rund vierzig Jahre lang als Leiter der statistischen und ökonomischen Abteilung der israelischen Gewerkschaft Histadruth gearbeitet und war bis zu seinem Tod Professor für Geschichte der Arbeiterbewegung, Sozialpolitik und Genossenschaftswesen an der Hebrew University in Jerusalem. Er legte 1958 ein Buch vor, das „die Geschichte und die Probleme der internationalen Genossenschaftsbewegung unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in Israel schildert“. Es handelt sich dabei um die Bearbeitung einer Veröffentlichung, die ursprünglich in hebräischer Sprache erschien. Er gliedert das Buch in zwei Hauptteile: Im ersten Teil „Grundlagen der Genossenschaftsbewegung“ setzt er sich mit der „Genossenschaftsbewegung in der Entwicklungsgeschichte der Welt“ auseinander und formuliert die idealistischen und altruistischen Gedanken, wie sie sich als „genossenschaftlich – auf gegenseitiger Hilfe beruhend“ darstellen. Im Vergleich mit den unterschiedlichen Definitionen, wie sie in der Literatur bis dahin vorfindbar waren, kommt Preuss zu folgender Begriffsbestimmung: 

„Eine echte Genossenschaft ist ein Verband, der auf der Grundlage der Freiwilligkeit in der Zugehörigkeit der Mitglieder beruht; diese Zugehörigkeit muss, im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeit jeder genossenschaftlichen Zelle, prinzipiell jedem ohne Unterschied freistehen. Der Verband kann ein Mitglied in einer Kette von miteinander juristisch und wirtschaftlich verflochtenen Gruppen sein, die im Dienste einer gemeinsamen gesellschaftlichen Idee stehen sowie durch gemeinsame Tätigkeit im Rahmen einer Wirtschaftsorganisation verbunden sind. Jede Genossenschaft sucht sowohl das Wohl ihrer Mitglieder wie auch die Interessen der Gesamtheit zu fördern; die Verteilung der Überschüsse erfolgt in der echten Gemeinschaft nicht entsprechend dem investierten Kapital, sondern entsprechend den Dienst- oder Arbeitsleistungen jeden Mitglieds“. 

Er zeigt die verschiedenen „Konzeptionen des Wesens der Genossenschaftsbewegung“ auf, indem er die Merkmale der religiösen Kollektivisten, des sozialistischen Genossenschaftsgedankens und der anarchistischen Ideen diskutiert und mit der Frage, ob das Genossenschaftswesen dazu bestimmt sei, das Privateigentum zu schützen oder abzuschaffen, die Hoffnung ausdrückt, dass genossenschaftliches Denken und Handeln dazu führen könne, „den ‚realen‘ Platz der Genossenschaftsbewegung in der modernen Wirtschaft zu bestimmen: die Bewegung ist aus den ‚Wolken der Illusion‘ herabgestiegen und hat ihren Standpunkt zwischen zwei extremen Zielsetzungen in der Entwicklung der neuen Zeit gefunden: einem übertriebenen Idealismus einerseits und einem gefährlichen Sich-Beugen vor den sogenannten ‚realen Tatsachen‘ andererseits“. In beinahe visionärer Weise drückt er seine Hoffnung aus, „einen Ausweg aus den tragischen Gegensätzen zu finden, die heute die ganze Welt in sich bekämpfende Lager teilen und sie dem Untergang entgegenführen können, wenn es nicht früher oder später gelingt, diese klaffenden Gegensätze zu überbrücken“. Die Genossenschaftsbewegung sei imstande, einen entscheidenden Beitrag zur Lösung dieser Probleme zu leisten. Im zweiten Teil seines Buches stellt Preuss die „Genossenschaftsbewegung in der Welt und in Israel in ihren wichtigsten Verzweigungen“ dar: Die genossenschaftliche Produktion in der Landwirtschaft, im Siedlungswesen, in der Industrie, im Handwerk und im Transportwesen. Seine 1958 zum Ausdruck gebrachte Hoffnung, dass sich so etwas wie eine „Genossenschafts-Internationale“ bilden möge, hat sich ja insofern erfüllt, als die International Co-operative Alliance in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen ab 1992 jeweils den ersten Samstag im Juli als den „United Nations International Day of Cooperatives“ festgelegt haben, um das globale Bewusstsein für internationale Solidarität, ökonomische Effizient, Gleichheit und Weltfrieden zu wecken. 

In den ersten Märztagen des Jahres 1859 verschickte in Delizsch bei Leipzig das Mitglied der Preußischen Nationalversammlung Hermann Schulze, der sich Schulze-Delitsch nannte, Einladungen zum ersten Vereinstag deutscher Spar- und Vorschussvereine vom 14. bis 16. Juni in Dresden an die Geschäftsführer der Vereine in Preußen, Hannover, Thüringen, Anhalt, Baden, Bayern, Hessen und Mecklenburg, mit dem Ziel, endlich eine rechtliche Regelung für das damals bereits aufstrebende Genossenschaftswesen zu erwirken. Es dauerte zwar noch einige Jahre, aber am 27. März 1867 verabschiedete die Preußische Nationalversammlung das „Gesetz, betreffend die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“, das im Laufe der folgenden Jahren von den anderen deutschen Ländern übernommen und am 1. Mai 1889 als Reichsgesetz erlassen wurde. Der größte Zusammenschluss der deutschen Genossenschaftseinrichtungen, der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. (DGRV), orientiert sich an den Leitfiguren Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888) und Hermann Schulze-Delitzsch (1808 – 1883), die als Sozialreformer den Missständen in den Lebensbereichen der Menschen mit dem Genossenschaftsgedanken entgegen wirken wollten. 1972 haben sich die genossenschaftlichen Spitzenverbände „Deutscher Raiffeisenverband“ und „Deutscher Genossenschaftsverband“ (DGRV) zusammengeschlossen, mit dem heutigen Sitz in Berlin. Der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen – vertritt rund 2.800 Mitgliedsgenossenschaften aus den Bereichen: Kreditwirtschaft, Landwirtschaft, Handel, ­Gewerbe und Dienstleistungen. „Die Arbeit des Genossenschaftsverbands orientiert sich an den genossenschaftlichen Werten. In unserer Unternehmenskultur haben Vertrauen, Tradition und Verantwortung neben betriebswirtschaftlichen Zielen eine lange Historie und einen hohen Stellenwert“. Mit mehr als 20 Millionen Mitgliedern hat der genossenschaftliche Verbund eine im Wirtschafts- und gesellschaftlichen Leben der Menschen in Deutschland eine große Bedeutung. Wie in der Zeit der großen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Umbrüche des 19. Jahrhunderts, als die Genossenschaften als „Kinder der Not“ Abhilfe leisten wollten, war das 20. Jahrhundert, mit der beginnenden europäischen Einigung, wie der Einrichtung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) am 27. März 1957 und den Diskussionen um Freihandelszonen, Zöllen, Subventionen, wirtschaftlichen Konzentrationen und Integrationen, ein weiterer Schritt hin zu einem Perspektivenwechsel. Die Öffnung der Märkte für landwirtschaftliche Produkte, Dienstleistungen, handwerkliche und industrielle Erzeugnisse war dabei eine wichtige Herausforderung für das Genossenschaftswesen in Deutschland. Der damalige Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, Dr. Theodor Sonnemann (1900 – 1987) formulierte die Ziele der Organisation wie folgt: „Die Landwirtschaft und die ländlichen Genossenschaften auf die gesteigerten Anforderungen des modernen Marktes auszurichten, erscheint uns als besonders vordringlich. Das bedeutet, dass wir die traditionelle Aufgabe der ländlichen Warengenossenschaften, das Angebot ihrer Mitgliedsbetriebe zusammenzufassen und gewissermaßen gebündelt auf den Markt zu bringen, in ganz anderen, größeren Dimensionen sehen müssen. Es geht darum, der konzentrierten Nachfrage der großen Abnehmer ein entsprechend konzentriertes Angebot gegenüber zu stellen“. 

„Was mehr wird, wenn wir teilen“

 Im zweiten Schritt sollen einige aktuelle Aspekte thematisiert und die Frage gestellt werden: Kann genossenschaftliches Gemeinwohldenken und –handeln einen humanen Ausweg aus den Dilemmata des Momentanismus, der kapitalistischen und neoliberalen „Alles- und Sofort“- Einstellungen und den Entwicklungen hin zum „Raubtier-Kapitalismus“[vii] aufzeigen? Der Ruf nach revolutionären Veränderungen und für ein kooperatives Mensch-Natur-Verhältnis[viii] wird lauter und dringlicher. Wir stehen an der Schwelle einer anderen industriellen Revolution[ix]; und Konzepte für eine humanitäre[x] und empathische Zivilisation[xi] werden nicht (mehr) abgetan als Phantasiegebilde, sondern ernst genommen als Wegweiser für eine gerechtere Welt. Eine der Säulen, auf denen genossenschaftliches Bewusstsein ruht, die Pflege der Allmende und die Sorge für die Allgemeingüter, hat die US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Elinor Ostrom mit ihren Forschungen über den gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter – für die sie 2009 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt - aufgezeigt. Mit ihrer „Theorie der Gemeingüter“[xii] richtet sie den Blick darauf, dass der homo oeconomicus einen Perspektivenwechsel vollziehen müsse, damit die kosmische Existenz allen Lebens erhalten werden könne[xiii]

In vielen Ländern der Erde sind mittlerweile Genossenschaften unverzichtbare und aktive Motoren der gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung. Rund 700 Millionen Genossenschaftsmitglieder gibt es weltweit, die in der 1895 gegründeten International Co-operative Alliance (ICA) organisiert sind. Aktuell sind es 222 Mitgliedsorganisationen aus 88 Ländern, die in der ICA zusammengeschlossen sind. Mit den Wertvorstellungen - Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Demokratie, Gleichheit, Billigkeit und Solidarität – vermitteln Genossenschaften ein Gegenbild zum egoistischen, ausbeuterischen (und auch kriminellen[xiv]) Wirtschaften. Die ICA begeht weltweit am ersten Samstag im Juli den „Internationalen Genossenschaftstag“. Die Vereinten Nationen haben jährlich den ersten Samstag im Juli zum „United Nations International Day of Cooperatives“ bestimmt. 2012 haben die Vereinten Nationen als „Jahr der Genossenschaften“ ausgerufen, um weltweit für die Idee eines solidarischen Wirtschaftens und Engagements zu werben. In den Ländern der Europäischen Union gibt es rund 300.000 Genossenschaften mit mehr als 140 Millionen Mitgliedern. 

Wie wird man Genossenschaftler?

Gemeinwohlorientiertes Denken und Handeln kann nur in einer demokratischen, offenen Gesellschaft entstehen[xv]. Die Kompetenz muss erlernt und erfahren werden, in der Familie, im Gemeindeleben, und nicht zuletzt in der Schule.Es gibt keine genauen Zahlen, an wie viel allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen Schülerfirmen existieren. In Niedersachsen sind es rund 640 Schulen, die am Förderprogramm „Nachhaltige Schülerfirmen (NaSch)“ des Kultusministeriums teilnehmen;  will mit dem allgemeinbildende und berufsbildende Schulen anregen, Unterrichtsprojekte für selbstbestimmtes, selbstverantwortetes und ökonomisch und ökologisch nachhaltiges Lernen durchzuführen; 70 davon haben sich als „Nachhaltige Schülergenossenschaften“ organisiert. Es handelt sich um Lernaktivitäten, die im Rahmen des schulischen Lehrplans organisiert sind und von FachkoordinatorInnen betreut werden. Sie orientieren sich dabei entweder an den gesetzlichen Bestimmungen des Wirtschafts- und Vereinsrechts, oder des Genossenschaftsrechts. Als wesentliches didaktisches und pädagogisches Merkmal gilt: Es sind die Schülerinnen und Schüler, die selbständig und auf der Grundlage von genossenschaftlichen Regelungen agieren und von Lehrkräften (zurückhaltend) beraten werden. Die Initiativen sind vielfältig. Sie reichen von der Einrichtung und Führung von Schulkiosken, Eine-Welt-Läden, der Produktion und Verkauf von  Schulkleidung, Metall- und Holzprodukten, dem Aufbau und dem Betrieb von Imkereien, dem Anbieten von PC-Dienstleistungen, usw. Hilfreich ist es, wenn Schülerfirmen mit Handwerks-, Industriebetrieben, Genossenschaften und gemeinnützigen Einrichtungen zusammenarbeiten und so nicht nur den Kontakt zu realen Wirtschaftsunternehmen bekommen, sondern auch Einblicke und Informationen über berufsvorbereitende Maßnahmen erhalten. Ein Vorzeigebeispiel für schülergenossenschaftliche Initiativen ist das von der Frankfurt University of Applied Sciences (FRAU-UAS) gegründete Transferprojekt Geno@school (Genossenschaft an der Schule). In Zusammenarbeit mit den Genossenschaftsverbänden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg und dem Marburger Institut für Genossenschaftswesen (ifG)[xvi] werden Theorie- und Praxiskonzepte für genossenschaftliches Arbeiten und Lernen in allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen entwickelt, Pilotprojekte initiiert, beraten und betreut. Nicole Göler von Ravensburg stellt in dem Buch „Schülergenossenschaft“ das Konzept vor und zeigt pädagogische, didaktische und organisatorische Wege auf,  wie Schülerfirmen aufgebaut werden und funktionieren können. Die Erfahrungen, die Schülerinnen und Schüler als Mitglieder, Miteigentümer und gleichzeitig Arbeitnehmer in Nachhaltigen Schülergenossenschaften machen können, bieten Schulen eine neue Form von Demokratiebewusstsein, nachhaltiger Entwicklung, ökonomischem und ökologischem Denken und Handeln und Berufsorientierung. „Das  sind wertvolle Einblicke in die Praxis, die die Schülerinnen und Schüler ansonsten so nicht erhalten würden. Für die Partnergenossenschaften ist es vor allem wichtig, Wissen über das Genossenschaftswesen als nicht kapitalwirtschaftlich organisierte Wirtschaftsform zu vermitteln. Sie agieren hier ausschließlich mit pädagogischer Zielsetzung“[xvii].

Statt eines Fazits

Der Schweizer Manager und bekehrte Umweltschützer und Menschenrechtler Hans A. Pestalozzi (7.2.1929 – 14.7.2004) hat ein theoretisches und praktisches Konzept entwickelt, das er „positive Subversion“ bezeichnet und mit der entwaffnenden wie einfachen Aufforderung ausweist: 

Wo kämen wir hin

wenn alle sagten

wo kämen wir hin

und niemand ginge

um einmal zu schauen

wohin man käme

wenn man ginge [xviii].



[i] Jos Schnurer, Freiheit und Ordnung, 2. 4. 2019, www.sozial.de/freiheit-und-ordnung.phps

[ii] Deutsche UNESCO-Kommission, Unsere kreative Vielfalt. Bericht der Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ (1995), 2., erweit Ausgabe, Bonn 1997, S. 18

[iii] R. Geiger, in: Otfried Höffe, Hrsg., Aristoteles-Lexikon, Stuttgart 2005,S. 321ff

[iv] Dr. Walter Preuss, Das Genossenschaftswesen in der Welt und in Israel, Berlin (West), 1958, S. 20

[v] Ausgabe des Raiffeisenverbandes Hannover e.V., 1962, 255 S.

[vi] Ludwig Gruber, Genossenschaft – eine europäische Erfindung? In: E+Z 6/7/71

[vii] Peter Jüngst, „Raubtierkapitalismus?“ Globalisierung, psychosoziale Destabilisierung und territoriale Konflikte, Gießen 2004, 262 S.

[viii] Peter M. Senge, u.a., Die notwendige Revolution. Wie Individuen und Organisationen zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Welt zu schaffen, , Heidelberg 2011, 464 S.

[ix] Jeremy Rifkin, Die Dritte industrielle Revolution. Die Zukunft der Wirtschaft nach dem Atomzeitalter, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12414.php

[x] Jörn Rüsen / Henner Laass, Hrsg., Interkultureller Humanismus. Menschlichkeit in der Vielfalt der Kulturen, Schwalbach/Ts., 2009, 366 S.

[xi] Jeremy Rifkin, Die empathische Zivilisation. Wege zu einem globalen Bewusstsein, Frankfurt/M., 2010, 468 S.

[xii] Elinor Ostrom, Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter, München 2011, 126 S.; siehe dazu auch: Heinrich-Böll-Stiftung / Silke Helfrich, Hrsg., Wem gehört die Welt? Die Wiederentdeckung der Gemeingüter, München 2009, 288 S.

[xiii] Genossenschaftliche Allgemeine Zeitung, 9/2014 (Nov.), S. 5; sowie: Nicole Göler von Ravensburg, Hrsg., Perspektiven für Genossenschaften aus Sicht der Sozialen Arbeit, 2003, http://www.socialnet.de/rezensionen/1823.php

[xiv] Hans See, Wirtschaft zwischen Demokratie und Verbrechen. Grundzüge einer Kritik der kriminellen Ökonomie, Nomen-Verlag, Frankfurt/M., 2014, 480 S.

[xv] Stefan Brunnhuber, Die offene Gesellschaft. Ein Plädoyer für Freiheit und Ordnung im 21. Jahrhundert, 2019, www.socialnet.de/rezensionen/25426.php

[xvi] info@ifg-marburg.de

[xvii] Nicole Göler von Ravensburg, Schülergenossenschaft. Pädagogische Potenziale genossenschaftlich organisierter Schülerfirmen, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/17400.php

[xviii] Hans A. Pestalozzi, Nach uns die Zukunft. Von der positiven Subversion, 13. Auflage, Kösel-Verlag, München 1982, 220 S.Geno

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Enzo Traverso: Linke Melancholie. Unrast Verlag (Münster) 2019. 296 Seiten. ISBN 978-3-89771-265-2.
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