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Ethische Konflikte in der Pflege - FH-Absolventin entwickelt Unterrichtssequenzen

Die Fachhochschule Münster zeichnete die Masterarbeit ihrer Absolventin Karina Sensen „Ethische Inhalte in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung vermitteln. Didaktische und methodische Aufbereitung für Lehrende an Gesundheits- und Krankenpflegeschulen" mit dem Hochschulpreis aus.

Beweggrund der Arbeit sind Schwierigkeiten von Pflegefachkräften, wenn sich Patienten weigern, zum Beispiel bestimmte Medikamente zu nehmen, obwohl sie aus medizinischer Sicht für sie das Beste wären. Sie geraten dann schnell in ethische Konflikte. Die examinierte examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Karina Sensen kann sich nicht daran erinnern, dass solche Situationen in ihrer Ausbildung intensiv behandelt wurden. „Dabei sind sie bei unserer Tätigkeit von immenser Bedeutung und fast allgegenwärtig", sagt sie. Nach ein paar Jahren im Beruf entschied sich Sensen, mit einem Studium eine neue Herausforderung anzunehmen. An der FH Münster machte sie zunächst ihren Bachelor in Berufspädagogik im Gesundheitswesen – Fachrichtung Pflege, bevor sie sich im Master Bildung im Gesundheitswesen in ihrer Abschlussarbeit mit der Frage beschäftigte, wie sich ethische Inhalte in der Ausbildung vermitteln lassen.

Das eigene Handeln im Alltag hinterfragen 

Die von ihr entwickelten Unterrichtssequenzen zielen darauf ab, Schülern den abstrakten Begriff der Ethik systematisch und praxisnah zu vermitteln. „Es geht nicht immer um die großen Konflikte, wie die, ob man die Maschinen bei einem Wachkomapatienten abstellt oder nicht. Vielmehr geht es darum, das eigene Handeln in alltäglichen Arbeitssituationen zu hinterfragen", erklärt Sensen. Gerade junge Berufseinsteiger seien sich manchmal unsicher, ob sie Wünsche, Forderungen oder das Verhalten von Patienten, wie die Verweigerung der Nahrungsaufnahme, richtig erfassen, weiß die Lehrerin.

Aus diesem Grund sei es wichtig, dass das Thema Ethik in der Pflegeausbildung noch mehr etabliert wird. Fallbeispiele eignen sich dafür besonders gut: Eine Krankenpflegerin muss eine schlafende Patientin nach einer Operation neu positionieren. Sie führt diese pflegerische Maßnahme durch, ohne die Patientin vorher zu informieren oder den Zeitpunkt mit ihr abzusprechen. Der Postitionswechsel ist aus pflegerischer Sicht aber nötig, um Druckstellen zu vermeiden. Doch wie erlebt die Patientin die Maßnahme, und ist sie gerechtfertigt? „Dies ist eine Situation, die die Auszubildenden aus ihrer Tätigkeit kennen und kritisch hinterfragen sollten", so Sensen. „Schüler können sich dann in den Situationen wiederfinden, das gemeinsame Reflektieren sensibilisiert ungemein."

Nach dem Master startete die 34-Jährige direkt in den Arbeitsalltag – an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege des Universitätsklinikums Münster setzt sie ihre theoretischen Erkenntnisse praktisch um. Ethik unterrichtet sie derzeit zwar noch nicht, aber der Pädagogin ist es wichtig, dass die angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger merken: Dieses Thema zieht sich durch alle Bereiche des Berufs. „Ich versuche immer wieder, Verknüpfungen hierzu in meinen Unterricht einfließen zu lassen. So lernen sie auch, Konflikte zu analysieren und Entscheidungen zu treffen", sagt Sensen.


Quelle: Pressemeldung der Fachhochschule Münster vom 10. August 2018

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Stephan Straßmaier, Hans Werbik: Aggression und Gewalt. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2018. 457 Seiten. ISBN 978-3-11-051930-3.
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