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Drogenkonferenz 2014: Soziale Ungleichheit als Ursache und Folge von Suchterkrankungen

17.06.2014 | Gesundheitswesen | Nachrichten

Eine Suchterkrankung beeinträchtigt Menschen wesentlich in einer befriedigenden und erfolgreichen Lebensführung. Sie engt Handlungsspielräume und gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten ein und kann zu  Armut, Krankheit und Kriminalität führen. Bestehende soziale Benachteiligungen können durch eine Suchterkrankung weiter verstärkt werden. Welche Möglichkeiten es gibt, die negativen Folgen von Suchterkrankungen zu überwinden und soziale Ungleichheiten zu verringern, war das Thema der diesjährigen rheinland-pfälzischen Drogenkonferenz. Zum 36. Mal trafen sich die Vertreterinnen und Vertreter der rheinland-pfälzischen Suchtkrankenhilfe zu ihrer jährlichen Zusammenkunft, um neue Forschungserkenntnisse kennenzulernen und ihre Umsetzung in die Praxis von Prävention, Behandlung und Selbsthilfe zu diskutieren. „Soziale Ungleichheit – Lebenswirklichkeit(en) suchtkranker Menschen” war der Titel der Veranstaltung, zu der die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie eingeladen hatte. „Suchtkranke Menschen brauchen Beratungs- und Behandlungsangebote, die ihnen Wege aus der Abhängigkeit zeigen, ihre Ressourcen fördern und ihnen Möglichkeiten der sozialen Teilhabe eröffnen”, stellte David Langner, Staatssekretär für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie fest. “Es ist uns wichtig, dass die Unterstützung suchtgefährdeter und suchtkranker Menschen frühzeitig ansetzt, damit soziale Benachteiligungen sich nicht verfestigen. Das rheinland-pfälzische Suchthilfesystem hält dazu verlässliche und bedarfsgerechte Strukturen bereit. Die Angebote erstrecken sich von der Suchtprävention und Früherkennung über ambulante und stationäre Behandlungsangebote bis hin zur Selbsthilfe”, betonte der Staatssekretär. Zu den weitreichenden Folgen einer Suchterkrankung gehört zum Beispiel eine gesteigerte Bereitschaft zu Gewalthandlungen. “Suchtmittelgebrauch senkt die Schwelle für Gewalt und kann bei denjenigen, die dieser Gewalt ausgesetzt sind, die Tendenz zum eigenen Konsum erhöhen”, sagte Dr. Matthias Krell, Geschäftsführer der LZG. Die Frage nach dem Zusammenwirken von Suchterkrankung und Gewalt, nach Ursache und Auslöser, Täter und Opfer müsse fachlich diskutiert und sinnvoll in das Suchtkrankenhilfesystem integriert werden. Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KFN) und Prof. Dr. Dieter Henkel von der Fachhochschule Frankfurt betrachteten in ihren Vorträgen die Zusammenhänge von Sucht, Gewalt und sozialer Ungleichheit insbesondere im Hinblick auf Jugendliche. Forschungsergebnisse zeigen, so Prof. Dr. Christian Pfeiffer, dass vor allem die Erfahrung von innerfamiliärer Gewalt bei Jugendlichen zu Suchtmittelkonsum führt. Jugendliche, die in ihrer Kindheit häufiger schwere Formen elterlicher Gewalt erlebt haben, tragen gegenüber den nie elterlicher Gewalt ausgesetzten Jugendlichen ein mindestens 1,4fach erhöhtes Risiko zu riskantem Suchtmittelkonsum, berichtete Pfeiffer in seinem Vortrag. Verschiedene Fachforen am Nachmittag widmeten sich praktischen Aspekten der Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe. Themen waren etwa kommunale Strategien der Suchtprävention, Suchtproblematik bei Menschen ohne Wohnung, niedrigschwellige Hilfen bei sozialer Ungleichheit oder Angebote der Selbsthilfe.

Quelle: Pressemitteilung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) vom 10.06.2014

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