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Auf dem Campus-Berg: „Berg der gefallenen Schreibpinsel“

China-Tagebuch Teil 11 - Erlebnisse als Gastprofessor am Sanya College auf der Insel Hainan

Prof. Dr. Horst Helle

01.02.2011 | Soziale Arbeit | Schwerpunkte Kommentare (0)

Der Soziologe Prof. Dr. Horst Helle befindet sich, vermittelt von der Stiftungsinitive Johann Gottfried Herder im Deutschen Akademischen Austauschdienst, seit Ende August 2010 als Gastprofessor in China. Für Sozial.de berichtet er exklusiv von seinen Erfahrungen in der Lehre, aber auch aus seinem Alltag.

Hintergrund

Der Soziologe Horst Jürgen Helle wurde von der Stiftungsinitive Johann Gottfried Herder im Deutschen Akademischen Austauschdienst aus dem Ruhestand zurückgeholt und als Gastprofessor an das südlichste Kollege der Volksrepublik China nach Sanya auf der Insel Hainan vermittelt. Er ist seit 2002 mit einer Deutschen chinesischer Abstammung verheiratet, so dass er immer einer Übersetzerin bei sich hat. Helle und seine Frau Lilly haben drei Töchter: Lisa (8), Rita (5) und Emmy (3).

Woche 21: Sonntag, 9. Januar – Samstag, 15. Januar 2011

Sonntag, 9. Januar 2011 Wir hatten es ja schon erlebt, dass hier auf Befehl der Leitung des College der Sonntag im Werktagmodus verbracht werden muss. So findet sich denn an diesem zweiten Sonntag das Jahres 2011 niemand, der mich zu einem Gottesdienst begleiten könnte. Das liegt daran, dass alle Studenten Klausuren schreiben und das gesamte Lehrpersonal (mit Ausnahme von mir, zum Glück) eingeteilt ist, Aufsicht zu führen. Darum ist allerdings auch der Campus in sonntäglich Stille gehüllt, und man begegnet kaum jemandem auf den Straßen und Wegen. Im Internet und in den Fernsehnachrichten erhält man Informationen über die rechtsradikalen Morde in Arizona vom Samstag, die sich gegen Anhänger von Präsident Obama richteten. Da fragt man sich, welches Land die größeren Probleme hat, China oder die U.S.A. Montag, 10. Januar 2011 Wir sehen die Klausuren der Studenten nach. Lilly muss die 141 Kurzaufsätze über Durkheim lesen und mit Punkten bewerten. Die Studentin Su Shan kommt und spielt mit Lisa. Dienstag, 11. Januar 2011 Lilly fährt in die Stadt, um sich um 11 Uhr mit einer Polizistin zu treffen. Eine enge Freundin von Lilly, mit der zusammen sie Militärdienst und Studium durchlebt hat, ist mit dieser jungen Frau zusammen aufgewachsen. Sie ist daher für die Polizistin eine „große Schwester“. Da diese Chinesinnen in intensivem Internetkontakt miteinander stehen, hat Lillys Studienfreundin das Treffen angebahnt. Entsprechend wird auch Lilly von der Polizistin als „große Schwester“ begrüßt. Sie stammt aus der Nähe von Peking und hat in der Hauptstadt dann die Polizeiakademie besucht. Als Akademikerin macht sie hier freilich keinen Polizeidienst auf der Straße, sondern sitzt (analog einer Polizeirätin) in ihrem Büro. Sie arbeitet hier seit 2006 und gehört inzwischen einem spannenden Netzwerk von Beziehungen an, das im einzelnen aufzuführen hier aus verschiedenen Gründen zu weit gehen würde. Sie verabredet sich mit Lilly zum Essen an einem anderen Wochentag, doch das muss sie dann kurzfristig absagen, weil sie das Abreißen von illegal gebauten Häusern überwachen muss. Lilly fragt mich, ob ich Lust hätte, diese neue Freundin bei ihrer Arbeit zu begleiten und beim Abreißen der Häuser zuzuschauen. Ich lehne das aus schierer Angst mit Entschiedenheit ab, und bitte auch Lilly sich da herauszuhalten, weil ich es für nicht auszuschließen halte, dass es dabei zu gefährlichen Auseinandersetzungen kommen könnte. Wir müssen uns ja nicht selbst davon überzeugen, wie fähig hier die Polizei ist, sich durchzusetzen. Lisa geht zu ihren kleinen Schwestern in den Kindergarten. Ich sehe weiter Klausuren nach. Mittwoch, 12. Januar 2011 Ich sehe immer noch Klausuren nach. In dem (wegen der Schriftzeichen) nur von Chinesen (und Sinologen) genutzten Teil des Internets entdecken wir einen nachgemachter Geldschein, auf dem aber nicht, wie auf allen legal im Umlauf befindlichen Sorten, der Große Vorsitzende Mao selbst, sondern sein Enkel abgebildet ist. Von Mao ebenso wie von diesem Enkel ist in der Bevölkerung bekannt, dass sie im Umgang mit Frauen nicht kleinlich waren, und man kann das ruhig mit dem Gründer der Church of England, Heinrich VIII vergleichen. Das macht diese Herren bei Frauen in China vielleicht weniger beliebt als bei Männern. Jedenfalls ist bemerkenswert, dass der Enkel Maos den Rang eines Generals der Volksarmee innehat, obschon er allgemein als dumm gilt. Über diese Zusammenhänge macht sich offenbar der Geldschein lustig. Ich kann ruhig darüber in aller Offenheit berichten, weil ich natürlich auch nicht weiß woher dieser fabelhaft echt aussehende Geldschein kommt. Donnerstag. 13. Januar 2011 Lilly und ich sehen immer noch Klausuren nach. Der Leiter des Subcollege for Social Develpment, Herr Li Li hat heute Geburtstag: Er wird 32 Jahre alt. Wir alle gehen abends in größere Runde zum Essen in ein Restaurant, dass sich Versailles nennt. Die Helles sind als Großfamilie alle sieben eingeladen, Gastgeber ist Li Li mit Frau, Mutter und Baby-Tochter, weitere Gäste sind Frau Ding mit Mutter und Tochter. Um unseren großen runden Tisch in einem separaten Zimmer sitzen also 14 Personen, drei erwachsene Männer (Li Li, mein Schwiegervater und ich), und die anderen 11 Personen sind Großmütter, Mütter und Mädchen. In einer kleinen Rede, die Lilly übersetzt, feiere ich zunächst den Geburtstag unseres Chefs, doch dann lasse ich mich zu einer Damenrede auf die Mütter Chinas hinreißen, die seit Generationen unter schwierigsten Umständen und oft mit nur minimaler Unterstützung ihrer Männer für ihren Nachwuchs sorgen. Das kommt gut an. Freitag, 14. Januar 2011 Bibel-Gruppe kann sich heute nicht treffen, weil alle unter Zeitdruck Hunderte von Klausuren bewerten müssen. Die Studenten fangen an, abzureisen. In kleinen Gruppen ziehen sie zum Campustor und verstauen ihre rollenden Koffer im Bus oder in einer Taxe. Während sich das Abenteuer als Gastdozent auf dieser Insel seinem Ende zuneigt, gehen mir die Menschen durch den Kopf, die ich hier näher kennenlernen durfte. Da ist der Soziologe, Sohn eines Bauern, der als erstes Mitglied seiner Familie studiert hat. Er kündigt hier, weil sein Vater sich einen bleibenden Schaden am Fuß zugezogen hat und sein jüngerer Bruder die Arbeit auf dem Hof allein nicht schaffen kann. Dann ist da die hübsche junge Dozentin, die zum Frühlingsfest in ihr Dorf zurückfährt, um dort zu heiraten. Sie mag ihren Zukünftigen nicht besonders, doch seine und ihre Eltern haben die Ehe verabredet, und da muss sie sich eben fügen, sonst bekommt sie vielleicht gar niemanden. Da ist die etwas ältere Frau, deren Vater sich in der Kulturrevolution besonders charakterfest und prinzipientreu verhalten hat, und der als Folge davon Jahrelang in Haft bleiben musste, bis seine Ehefrau ihm nicht mehr ganz treu war. Daraufhin hat er sich umgebracht. Nun lebt die Tochter mit der Trauer über den Verlust des Vaters und dem Groll auf die Mutter. Und ähnliche Schicksale außer diesen hat man mir hier noch anvertraut, doch alle diese Leute sind diszipliniert, freundlich und arbeiten hart und erfolgreich. Es ist schwer, an diese Menschen zu denken und die Fassung zu bewahren. Samstag, 15. Januar 2011 Das Gleichgewicht unserer Familie ist ein Stück weit verloren, weil Lilly tage- und stundenlang zuerst mit Besinnungsaufsätzen zu Durkheim und nun mit College-Bürokratie beschäftigt ist: Nach bestimmten kleinlichen Vorschriften müssen die Noten aller Studenten online in den Großcomputer des College eingegeben werden. Ich gehe allein mit Rita ein Stück spazieren und treffe so Frau und Baby von Li Li. Ich kann nicht direkt mit ihnen reden, doch Rita funktioniert recht gut als Dolmetscherin. Aber zurück zu der ehrenamtlichen bürokratischen Tätigkeit von Lilly! Bürokratisierung ist schon von Max Weber als Menschheitsproblem erkannt worden. Als Gegenbewegung gegen den Verlust einer einenden Idee stellt sie sich häufig ein, um durch das Kommandieren von Formalismen organisatorische Konformität dort zu erzwingen, wo sie von gemeinsamer Kreativität her nicht geleistet werden kann, vielleicht nur darum, weil den Betroffenen keine Kreativität zugetraut wird. Jedenfalls erledigt Lilly bis zum Nachmittag alle geforderten Aktionen, und da nun alle Klausuren bewertet und die Ergebnisse im Großrechner gespeichert sind, endet eigentlich meine Tätigkeit als Gastdozent an diesem Tage. Abends essen Lilly und ich wieder im Versailles: Es gibt ein großes Abschiedsessen aller Lehrenden von Social Development, und das schließt Lilly ein; denn in den Rang einer unbezahlten Dozentin ist sie informell inzwischen aufgerückt. Wir sitzen bei dem Chef Prof. Shen, dem College-Gründer. Er und ich „verbrüdern“ uns, er gibt Lilly seine Handy-Nummer. Er ist der Doktorvater von Li Li. Selbst hat Shen bei dem großen Soziologen Chinas Fei promoviert, der wiederum in London an der London School of Economics bei Malinowski promoviert hat. Wir haben also so etwas wie eine geistige Genealogie vor uns, die von Li Li über Shen und Fei bis zu dem berühmten Polen reicht, und obschon der Schamanismus in China ausgerottet wurde, steht heimlich der Geist Malinowskis im Raum (im Versailles von Sanya).

Woche 22: Sonntag, 16. Januar – Samstag, 22. Januar 2011

Sonntag, 16. Januar 2011 Da mit dem Ausklingen des Semesters die Dienstpflichten lockerer ausgeübt werden, geht Lilly mit Kindern zum Spielen in Frau Dings Büro, wo sie die Tochter und die Nichte von Frau Ding treffen, die normalerweise von der Großmutter betreut werden. Nachmittags will ich mit den Kindern zu Cafe Waiting gehen, finde es aber zu unserer Enttäuschung geschlossen. Dem allgemeinen Abreisen der Studenten entspricht das schrittweise Schließen der Restaurants und Geschäfte, und so wird der Campus langsam leer. Der Versuch, den am Freitag ausgefallenen Bibelkreis heute nachzuholen, scheitert, weil sich verschiedene Abteilungen des College zu Abschiedsessen treffen. Montag, 17. Januar 2011 Acht Personen, fünf Frauen, drei Männer, unternehmen vormittags eine Bergwanderung: Ziel der Aktion ist der Gipfel des höchsten Berges hier auf dem Campus. Lilly und ich sind Teilnehmer. Der Berg heißt übersetzt „Berg der gefallenen Schreibpinsel“. Er zeichnet sich weniger durch besondere Höhe als durch senkrecht abfallende Wände und durch eine Steinzeithöhle am Fuße aus. Der Berg ist bekannt, weil eine Gruppe von Studierenden bei einer Besteigung von Einheimischen überfallen und ausgeraubt wurden. Wir lassen Geldbörsen und Wertsachen in der Wohnung, für alle Fälle. Die Stimmung ist heiter bis ausgelassen, ich bin wieder der Senior, dann nimmt ein Rentnerehepaar Mitte Sechzig teil, alle anderen sind (aus meiner Sicht) junge Leute. Nach einer etwa halbstündigen ebenerdigen Wanderung sind wir an der Höhle. In deren Inneren ragen zwei schlanke Felsformationen senkrecht aus der Decke herab, die von den Einheimischen als das Schreibwerkzeug eines Gottes gedeutet werden, daher die „gefallenen Pinsel“. Er hat vom Himmel herab gesehen, welch schlimme Dinge Menschen hier unten anrichten, und da er gerade beim Schreiben war, sind ihm vor Schreck seine Pinsel aus der Hand gefallen. Ich entdecke am Eingang der Höhle und auch weiter innen Opferstellen, an denen die von buddhistischen Tempeln vertrauten Räucherstäbchen angezündet werden. Einheimische beten hier zu dem Gott, der die Griffel hat fallen lassen, damit ihre Kinder in der Schule gute Leistungen erzielen. Der Überfall auf die Studentengruppe muss vielleicht neu gedeutet werden: Womöglich ging es nicht nur um das profane Ausrauben von privilegierten Youngstern, sondern auch um das Fortjagen von Eindringlingen, die entweihende Handlungen in der Nähe von Opferstellen begingen. Wie auch immer, die Höhle gilt außerdem als Fundort wichtiger Hinweise auf eine Steinzeitkultur dieser Insel. Anstatt bescheiden mit der Höhlenbesichtigung zufrieden zu sein, mussten wir dann ein Kletterabenteuer anschließen, das weder meinem Kollegen Ruheständler noch mir eigentlich zuträglich war. Wir hatten alle Fehler gemacht, die im Buche stehen, keine Bergschuhe, kein kompetenter Bergführer. Wir drei Männer haben uns dann im Laufe des Abstiegs disqualifiziert, sei es durch körperliche Leistungsmängel der Alten, sei es durch bergführerisches Unvermögen des Jungen, doch die fünf chinesischen Frauen hatten großen Spaß, krochen auf allen Vieren hinauf und wieder herab und erinnerten mich in der Sicherheit ihrer Bewegungen an Ameisen (was selbstverständlich als Kompliment gemeint ist). Als ob der Tag damit nicht schon aufregend genug gewesen wäre, findet dann abends auch noch der nachgeholte Bibelkreis zum letzten Mal statt. Wir sind wieder bei Lucy zu Gast. Sie hat ein Ehepaar mit einem kleinen Jungen hinzu geladen. Der Ehemann und Vater, Paul, vertritt ebenso wie Lucy einen total relativistischen Standpunkt. Lucy verteilt einen Andachtstext aus der Bahá’i Gemeinde, in dem von der Hinwendung zu „Gottes heiligem Buch“ die Rede ist. Ich frage, welches Buch da gemeint sei. Sie antwortet, Bibel, Koran, alte Sanskrit-Texte, all dies komme ja von Gott. Ich meine aber, dass es doch Widersprüche zwischen diesen Texten gebe, und wie man denn damit umgehen solle. Jesus erscheine bald als Prophet, bald als häretischer Rabbiner, dann wieder als Gott selbst, das sei doch nicht einerlei? Lucy schließt den Abend früh, weil alle von der Arbeit der letzten Zeit erschöpft sind. Ich mache mir Gedanken, ob Lucy und Paul womöglich einen von der Partei gebilligten Umgang mit Religionen vertreten. Dienstag 18. Januar 2011 Einerseits reisen immer mehr Studenten und Dozenten vom Sanya College ab, um das Frühlingsfest bei ihrem Familien zu verbringen, andererseits kommen immer mehr Touristen nach Sanya, um es hier in diesem tropischen Klima zu feiern. So werden Straßen, Strände, Busse, Restaurants und Hotels immer voller, während sich der Campus in eine – wie Jeremy sagt – ghost town verwandelt. Jeremy und Tracy sind für drei Wochen in die U.S.A. geflogen, wir werden sie aber vor unserer Abreise am 27. Januar noch für einige Tage wiedersehen. Abends beobachte ich am Strand, wie auf einer Plattform Dutzende von Rentnerehepaaren im Freien tanzen. Mittwoch, 19. Januar 2011 Ich gehe mit Lilly und Lisa zum Ausländerbüro des College wegen der notwendigen Verlängerung unserer Visa. Es gibt Ärger mit dem nur noch in stark reduzierter Besetzung vorhandenen Verwaltungspersonal, weil man sich überraschend für unzuständig erklärt (ein aus Deutschland gut vertrauter Trick): Wir seien ja nicht vom College, sondern vom Sub-College eingestellt worden, also müssten sich Li Li und Frau Ding um unsere Visa kümmern. Ein Telefonat mit dem schon in den Urlaub abgereisten Dr. Hu ändert nichts an der Situation. Erschwerend stellt sich nun erst heraus, dass wir uns gleich nach unserer Ankunft hier bei der örtlichen Polizei hätten melden müssen, ein Umstand der uns bekannt gewesen wäre, hätten wir das Chinabuch von Weidemann und Tan gelesen. http://www.socialnet.de/rezensionen/10443.php In gedrückter Stimmung fahren Lilly, Lisa und ich im Bus vom College in die Stadt zum Mittagessen. Der Bus hält an einer Haltestelle, der Fahrer versucht immer wieder vergeblich den ersten Gang einzulegen, doch die Bewegungen der langen Stockschaltung sind wirkungslos: Der Bus bleibt wegen Ausfall der Gangschaltung fahrunfähig. Wir verlassen den Bus und finden ein Taxi, das in unserer Nähe Fahrgäste aussteigen lässt. Zwei junge Männer, einer vom Beifahrersitz aus, einer als Deckung hinter ihm, springen heraus, der vordere hält etwas in der Hand und tritt zweimal mit dem Fuß ins Innere des Taxis in Richtung Fahrer, dann rennen beide davon. Gleichwohl steigen wir drei hinten in dieses Taxi ein. Der völlig entnervte Fahrer sagt, er sei gerade beraubt worden. Er versucht mit seinem Handy, die Polizei anzurufen. Dann fährt er langsam weiter in die Richtung, in die die Gangster gelaufen sind, hält wieder an und steigt aus. Da verlassen wir drei fluchtartig sein Taxi. Nach dem Mittagessen fahren Lisa und ich ruhebedürftig ins College und Lilly geht allein zur Polizei, um sich nach den Modalitäten der verspäteten polizeilichen Anmeldung zu erkundigen. Sie kann dort ganz gelassen auftreten, weil ja im Innendienst eine „kleine Schwester“ von ihr arbeitet. – Unsere Nachbarn, Daisy und ihr boyfriend Kino (die natürlich ganz andere chinesische Namen haben) kommen, sich zu verabschieden. Sie reisen zu Daisy’s Familie zum Frühlingsfest. Donnerstag, 20. Januar 2011 Auf der Festplatte des Laptop muss ich die alte Einladung nach Sanya finden, die Shen vor knapp einem Jahr an uns gerichtet hat. Sie wird fünf Mal gedruckt, dann bei Frau Ding im Büro gestempelt. Damit, mit den Pässen und mit Fotokopien der Pässe macht sich Lilly allein auf den Weg, wieder zur Polizei. Dort zieht man keine Nummer, bildet keine Schlange, sondern drängt sich in chaotischem Knäuel im die Tische der Beamtinnen. Als Lilly an der Reihe ist, stellt sich heraus, dass der Polizeicomputer ausgefallen ist. Lilly ruft vom Handy aus ihre „kleine Schwester“ im Innendienst an, die das leider nur bestätigen kann: Es betreffe die ganze Insel und sei in einigen Stunden sicher wieder behoben, sagt sie beruhigend. Also kommt Lilly zum Mittagessen ins College und geht nachmittags zum dritten Mal zur Polizei. Sie erreicht die polizeiliche Meldung für uns alle fünf. Und in Washington D.C. trifft Chinas Präsident mit Präsident Obama zusammen. Freitag, 21. Januar 2011 Vormittags versucht Lilly bei ihrem vierten Polizeibesuch, die Visa zu verlängern. Das dauert aber sechs Werktage und kann also von Sanya aus vor unserer Abreise nach Schanghai nicht rechtzeitig erledigt werden, also müssen wir das in Schanghai machen lassen. Ich gehe nur mit Rita zu zweit spazieren. Der Campus ist zum Teil abgesprerrt: Zu Ritas Kindergarten kommt man nicht mehr auf direktem Weg. Nachmittags beginnen Vorbereitungen für die Abreise: Aussortieren von Sachen und packen eines Kartons, der morgen direkt nach München geschickt werden soll. -  Der Präsident Chinas besucht Chicago. Samstag, 22. Januar 2011 Tracy und Jeremy sind gestern nach Dauerflug Washington D.C. – Tokio – Peking – Sanya mit ihrem kleinen Sohn Hunter wieder hier eingetroffen. Tracy muss sofort arbeiten. Wir treffen uns mit Jeremy und Hunter bei Casa Mia und erzählen Stefano, dass wir am Donnerstag nach Schanghai fliegen.

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