Wer pflegt Thüringen?

18.10.2012 | Altenhilfe | Nachrichten

bpa: Jetzt gegen den Fachkräftemangel handeln

Der Fachkräftemangel in der Pflege in Thüringen droht nicht nur, er ist bereits Realität. Knapp 300 offene Stellen für Fachkräfte stehen nur 85 potenzielle geeignete Bewerber gegenüber. Der 4. bpa-Pflegekongress in Erfurt hat aufgezeigt, was zu tun ist: Die Kassen müssen endlich die Pflegevergütungen anpassen, Ausbildung und Umschulung müssen gesteigert, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessert und eine qualifizierte Zuwanderung ermöglicht werden. Wenn Politik und Pflegekassen jetzt nicht gemeinsam mit den ambulanten und stationären Einrichtungen handeln, sieht der bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. - die Versorgung und die Qualität der Pflege in Thüringen in Gefahr. Der Verband setzt dabei auf die Unterstützung von Wirtschaftsminister Machnig. "Jeder Mensch hat ein Recht auf gute Pflege. Das aber ist nur leistbar mit hoch qualifizierten Fachkräften und dafür brauchen wir sowohl angemessene Pflegesätze als auch Strategien, um geeignetes Personal zu gewinnen und zu halten," so Rosemarie Wolf, bpa-Vorstandsvorsitzende der Landesgruppe Thüringen und selbst Pflegeheimbetreiberin. Experten aus Politik und Gesundheitswirtschaft haben sich beim 4. bpa-Pflegekongress in Erfurt einen Tag lang mit dem Thema Fachkräftegewinnung und Fachkräftehaltung auseinandergesetzt. Für Rosemarie Wolf ist die Aufgabenstellung klar: "Thüringen bildet nach wir vor das Schlusslicht bei den von den Kassen gezahlten Vergütungen. Wie sollen wir junge Mitarbeiter mit diesen Vergütungen motivieren, in Thürinegn zu bleiben und wie soll unsere alternde Bevölkerung versorgt werden? Die Pflege- und Krankenkassen müssen sich an dem orientieren, was in benachbarten Bundesländern wie Hessen und Bayern gezahlt wird. Andernfalls bleiben die Zahlen abwandernder Fachkräfte hoch, die der Bewerber niedrig und die Versorgung gefährdet." Bundesweit bilden die Mitglieder des bpa über 17.700 Auszubildende in der Altenpflege aus. In Thüringen stellten die Mitgliedseinrichtungen des bpa in diesem Jahr zwar einen neuen Rekord mit über 100 neuen Altenpflegeschülern auf, jedoch könnten weitaus mehr ausgebildet werden - allein die Auszubildenden und vor allem auch Umschüler fehlen. "Die Anzahl der Umschüler ist rapide gesunken, weil das dritte Umschulungsjahr nicht finanziert wird. Wir fordern deshalb, die Finanhzierung der Umschulung endlich wieder, wie bis vor Kurzem, komplett zu übernehmen. Warum finanziert die Arbeitsagentur Arbeitslosigkeit anstatt die Umschulung?", so der bpa-Landesbeauftragte in Thüringen, Thomas Engemann. Der bpa appelliert an Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig, sich explizit für bessere Bedingungen in der Pflege Thüringens starkzumachen: "Jede Fachkraft hilft, die Versorgung unserer Alten und Kranken langfristig zu sichern. Damit uns die Fachkräfte in Thüringen erhalten bleiben, müssen wir vor allen Dingen konkurrenzfähige, faire Vergütungen und attraktive Arbeitsplätze bieten", so Engemann weiter. Um diese Ziele zeitnah umsetzen zu können, hat sich die Arbeitsgemeinschaft "Thüringer Pflegepakt" gegründet. Das Gremium besteht aus Vertretern des Landes, der Kassen und den Leistungserbringerverbänden, unter Beteiligung des bpa. Im Fokus der Arbeit stehen die Verbesserungen der Bedingungen in der Pflege: "Keiner kann den Fachkräftemangel in Thüringen im Alleingang lösen. Deshalb setzen wir große Hoffnungen in die Zusammenarbeit der relevanten Akteure und Entscheider, um schnellstmöglich effektive Strategien gegen den Fachkräftemangel zu erarbeiten. Höchste Priorität hat die Anpassung der Vergütungen, denn nur mit einer fairen Vergütung werden Pflegeunternehmer in Thüringen zu attraktiven Arbeitgebern für Pflegefachkräfte, Auszubildende und Umschüler. Wir hoffen auf die klare Unterstützung der Landesregierung, denn es ist bereits fünf nach zwölf", so Engemann abschließend.

Quelle: Pressemitteilung des bpa - Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. vom 18.10.2012
www.bpa.de