Programm zur Gesunderhaltung von pflegenden Angehörigen

15.08.2011 | Altenhilfe | Nachrichten

In den Modellstädten Dortmund und Solingen ist ein engmaschiges Netz aus verschiedenen Hilfs- und Informationsmöglichkeiten entstanden.

Pflegende Angehörige sind oft kränker als die von ihnen gepflegten Menschen. Oft geben sie ihr eigenes Leben fast gänzlich auf, sind durch die hohe Belastung ausgebrannt und erfahren wenig Unterstützung. Prof. Dr. Angelika Zegelin vom Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke hat nun im Auftrag der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen ein umfassendes Programm konzipiert und wissenschaftlich begleitet, dass sich der Gesunderhaltung von pflegenden Angehörigen widmet. In den Modellstädten Dortmund und Solingen ist in Zusammenarbeit mit Pflegediensten, Beratungsstellen, Arztpraxen, Apotheken, den Städten und Kirchen und anderen an der Pflege beteiligten Ansprechpartnern ein Angebot entstanden, dass pflegende Angehörige in verschiedener Hinsicht unterstützen und Wertschätzung für ihre Tätigkeit vermitteln soll. „Viele Menschen rutschen in so eine Pflege ja mehr oder weniger unvermittelt rein und wissen nichts über mögliche Unterstützungsmöglichkeiten“, sagt Prof. Zegelin. „Die Dunkelziffer bei den pflegenden Angehörigen ist extrem hoch. Viele sind überfordert und selbst krank, zudem gibt es meist keine passgenauen Hilfsangebote. Die Leute sind überall nur Bittsteller und erfahren oft Ablehnung statt Anerkennung für ihre Tätigkeit.“ Neben dem Ausbau der Informationsmöglichkeiten war es also zunächst Zielsetzung der Arbeitsgruppe, bei sämtlichen Anbietern, die mit pflegenden Angehörigen in Kontakt kommen können, mehr Sensibilität für die Problemlage zu schaffen. So wurden verschiedene Anbieter von Hilfsleistungen darin geschult, den Hilfesuchenden neben den benötigten Angeboten und Informationen auch Wertschätzung entgegenzubringen. Zudem werden in den beteiligten Städten mittlerweile Gesprächskreise angeboten, bei denen gleichzeitig für eine Betreuung der zu pflegenden Angehörigen gesorgt ist. „Das Problem ist ja häufig, dass die Pflegenden nicht in der Lage sind, Auszeiten zu nehmen und an sich selbst zu denken. Sie geben ihre Hobbys und oft ihr eigenes Leben auf, um einen Angehörigen zu pflegen. Das Angebot eines Gesprächskreises – und auch alle anderen Angebote – müssen das berücksichtigen und für eine angemessene Versorgung der Angehörigen in der Zeit sorgen“, erläutert Prof. Zegelin. Zudem ist ein engmaschiges Netz aus verschiedenen Hilfs- und Informationsmöglichkeiten entstanden, wie zum Beispiel die Organisation von Fahrdiensten, Gottesdiensten, die sich speziell an pflegende Angehörige richten, Informationsveranstaltungen zur Pflegeversicherung oder Kursen zum „Pflegen lernen“. „Außerdem haben wir dafür gesorgt, dass die notwendigen Informationen da ankommen, wo oft der erste Kontakt zu den pflegenden Angehörigen stattfindet, nämlich in den Arztpraxen und Apotheken“, so die Wittener Pflegewissenschaftlerin. Eine weitere Errungenschaft ist die Entwicklung einer so genannten „Notfallkarte“, die dafür sorgt, dass Pflegende beispielsweise beim Arzt schneller behandelt werden, und durch die im Fall eines Unfalls sicher gestellt ist, dass der Angehörige zu Hause nicht vergessen wird. „Bundesweit einmalig ist unser Konzept, Pflegende zu ‚Familienmoderatoren’ für ein Konfliktmanagement auszubilden“, sagt Prof. Zegelin. „Dabei geht es nicht um einen psychologischen Ansatz, sondern um die Schulung in systemischen Beratungsgesprächen, die eine möglichst sachliche Klärung von Familienangelegenheiten ermöglichen sollen.“ Entwickelt wurde auch ein Konzept für Kuren bzw. Reha-Maßnahmen für die Gesunderhaltung von pflegenden Angehörigen. Dieses konnte aber bisher noch nicht umgesetzt werden, da die Finanzierung der Maßnahmen bisher noch nicht geklärt ist.

Quelle: Pressemitteilung der  Universität Witten/Herdecke vom 12.08.2011
http://www.uni-wh.de