Mindeslohn in der Pflegebranche?!

15.02.2011 | Altenhilfe | Nachrichten

Arbeitgeberverband Pflege: Minister Rösler kennt die Einkommenswirklichkeit nicht

Zur Forderung von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler (FDP), die Unternehmen der Pflegewirtschaft müssten in den Pflegeberufen Gehälter über dem Mindestlohn zahlen, äußerte sich der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Pflege, Thomas Greiner, am 14.02.2011 in Berlin.
„Der Bundesgesundheitsminister sollte eigentlich wissen, dass der Mindestlohn in der Pflege als Einkommensuntergrenze ausschließlich ungelernte Pflegehilfskräfte betrifft. Die Mehrzahl der Unternehmen zahlt in Wirklichkeit auch für diese Beschäftigten bereits oberhalb der Lohnuntergrenze. Examinierte Fachkräfte in der Altenpflege, die der Minister vermutlich meint, verdienen dagegen erheblich mehr. Da gut ausgebildete Pflegefachkräfte heute zunehmend zur Mangelware werden und viele Stellen kaum noch besetzt werden können, sind die Arbeitgeber ohnehin bereit, gute Löhne zu zahlen und auch kräftig in Aus- und Weiterbildung zu investieren.
Ein Nachfragemarkt nach Arbeitskräften reguliert das Gehaltsgefüge von selbst.
Dazu bedarf es keiner Aufforderung des Ministers“,
so Greiner. Auch der Aussage Röslers, dass ab dem 1. Mai 2011 Fachkräfte aus Europa in Deutschland uneingeschränkt arbeiten könnten, das Problem des Fachkräftemangels aber nicht lösen würden, widersprach Thomas Greiner.
„Ohne fachliche Anerkennung ausländischer Abschlüsse, können dringend benötigte Pflegefachkräfte, auch aus EU-Staaten, in Deutschland nicht arbeiten.
Diese Anerkennung ist durch die Bundesregierung noch immer nicht auf den Weg gebracht worden. Herr Rösler sollte uns nicht ständig sagen, was alles nicht geht. In dem von ihm proklamierten Jahr der Pflege erwarten wir Lösungsansätze“,
so der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes.

Der Arbeitgeberverband Pflege habe vor längerer Zeit bereits einen Katalog von Vorschlägen auf den Tisch gelegt.
„Es fehlen uns zehntausende von Fachkräften in der Pflege. Außergewöhnliche Zeiten verlangen nach außergewöhnlichen, pragmatischen Lösungen. Lassen Sie uns, Herr Minister, zwei konkrete Punkte schnellstmöglich umsetzen; die sofortige Anerkennung aller in EU-Staaten erworbenen Fachkraftabschlüssen in der Pflege und die unbürokratische Weiterbildung von langjährig tätigen Pflegehilfskräften zu Fachkräften, innerhalb von wenigen Monaten“,
fordert Greiner.

Hintergrund

Die größten privaten Pflegeunternehmen in Deutschland und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) haben sich zum Arbeitgeberverband Pflege zusammengeschlossen. Der Verband vertritt die sozialen, wirtschaftlichen und tariflichen Interessen von mittlerweile fast vierzig der größten Unternehmen der Pflegewirtschaft. Gemeinsam mit den Unternehmen im bpa repräsentiert er rund 200.000 Mitarbeiter. Der Verband setzt sich für eine zukunftsfähige Gestaltung der Pflege ein.  Weitere Informationen unter www.arbeitgeberverband-pflege.de

Quelle: Pressemitteilung des Arbeitgeberverbandes Pflege e.V., Herr Steffen Ritter, vom 14.02.2011