Bundesverband bad e.V. sieht durch RWI-Studie „Boom ohne Arbeitskräfte?“ Sorge um Zukunft professioneller Pflege bestätigt

10.08.2011 | Altenhilfe | Nachrichten

bad e. V. fordert im „Jahr der Pflege“ konkrete bundesweite Schritte zur Fachkräftegewinnung und präsentiert Agenda

Essen. Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad e. V.) fordert im „Jahr der Pflege“ endlich konkrete bundesweite Schritte, um den signifikanten Fachkräftemangel in der Altenpflege zu beheben. Dazu legte der Verband Vorschläge für eine Agenda vor. „Es ist an der Zeit, die Probleme konkret bundesweit anzugehen. Einzelinitiativen in den Ländern sind zwar hilfreich. Aber nun ist der Bund in der Pflicht, Entscheidendes zu verändern,“ begründete Bundesgeschäftsführerin Andrea Kapp die bad-Initiative. Der Verband sieht sich durch den „Pflegeheim Rating Report 2011 - „Boom ohne Arbeitskräfte?“ des Rheinisch Westfälischen Wirtschaftsinstituts (RWI) etc. bestätigt, der den Fachkräftemangel als größte Hürde für die pflegerische Versorgung der Bevölkerung und wirtschaftliche Entwicklung der Pflegebranche identifiziert. Schon derzeit fehlen 30.000 Fachkräfte in der ambulanten und stationären Pflege. Bis 2030 würden bis 2030 bis zu 175.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, denn die Zahl der Pflegebedürftigen steige von 2,1 Millionen auf voraussichtlich 2,9 Millionen 2020 und 3,4 Millionen 2030.
Kapp: „Um dem Fachkräftemängel zu begegnen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen von Politik in Bund und Ländern, von Pflegeeinrichtungen, Schulen und der Agentur für Arbeit.” Hier die Vorschläge des bad e. V.:
  1. Besserer Finanzrahmen: Im Interesse besserer finanzieller Rahmenbedingungen für die ambulante und stationäre Altenpflege sollten die Mittel der Pflegeversicherung erhöht werden. Kapp: „Endlich muss die Politik in Berlin ein deutliches Signal setzen, was ihr  eine professionelle und zukunftssichere pflegerische Versorgung der Bevölkerung wert ist.” Sowohl vielen Versicherten wie Demenzkranken als auch Beschäftigten und Pflegeeinrichtungen käme dies zugute.
  2. Beruf attraktiver machen: Die vom Bund angestrebte generalistische Pflegeausbildung trägt dazu bei, den Beruf europatauglich und für junge Leute interessanter zu machen.
  3. Neue Fach- und Führungskräfte: Es gilt, Berufsaussteiger zurückzugewinnen, Umschüler zu motivieren, auch Abiturienten anzusprechen. Als krisensichere Branche mit stetig steigendem Bedarf bietet die Altenpflege älteren berufs- und lebenserfahrenen Arbeitnehmern, Arbeitslosen mit familienpflegerischen Erfahrungen sowie jungen Leuten einschließlich Abiturienten sehr gute Perspektiven. Durch den doppelten Abiturjahrgang in einigen Ländern stehen jetzt mehr Abiturienten vor der Berufs- oder Studienwahl. Kapp: „Für Aufstiegsmög-lichkeiten stehen ihnen alle Wege offen. Älteren bieten sich viele verlässliche Dauerarbeitsplätze.”
  4. Bund sollte drittes Umschulungsjahr wieder finanzieren: Im Interesse von Umschülern bekräftigte der bad seine Forderung, dass der Bund wieder das dritte Umschulungsjahr finanzieren sollte. Es reiche nicht aus, dass nur einige wenige Bundesländer wie Niedersachsen, Hessen und NRW in die Bresche springen. 
  5. Imagekampagnen in Schulen, Medien und Fortbildungseinrichtungen verstärken:  In vielen Bundesländern starteten bereits zielführende Kampagnen, die aber nicht flächendeckend greifen. 
  6. Raschere Anerkennung der pflegerischen Qualifikationen von Zuwanderern aus EU- und Nicht-EU-Staaten. Kapp: „Dabei bleibt die Beherrschung der deutschen Sprache zwar Grundvoraussetzung. Doch Pflegekräfte, die auch Polnisch, Russisch oder Türkisch sprechen und die kulturellen Besonderheiten ihrer Herkunftsländer gewöhnt sind, sind für die Pflege von Migranten eine echte Bereicherung.“Kritik des bad e. V.: Das geplante „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz“, das im Herbst ein zweites Mal vom Bundesrat behandelt wird, birgt derzeit noch einige unnötige bürokratische Hürden zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Andrea Kapp: „So werden auch in der EU ausgebildete Pflegekräfte einer Gleichwertigkeitsprüfung unterzogen, was wir in dieser Form nicht für erforderlich halten.“Im Übrigen müsse die Vorrangprüfung für hochqualifizierte ausländische Zuwanderer in Pflegeberufen entgegen dem Kabinettsbeschluss vom 22. Juni 2011 abgeschafft werden.

Quelle: Pressemmitteilung des Bundesverbandes Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad e. V.) vom 04.08.2011
http://www.bad-ev.de