Väter in neuer Verantwortung

Deutsche Liga für das Kind fordert mehr Verantwortungsübernahme durch Väter

Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 21. Juli können ledige Väter ab sofort mehr Rechte bei der Erlangung der gemeinsamen Sorge für ihr Kind erhalten. Die Deutsche Liga für das Kind begrüßt diese Entscheidung, weil sie die Verantwortung der Väter stärken und dem Kindeswohl dienlich sein kann. Anlässlich ihrer wissenschaftlichen Tagung „Väter in neuer Verantwortung“ am 15./16. Oktober in München fordert die Liga die betroffenen Väter zugleich dazu auf, vor allem in tatsächlicher Hinsicht für ihr Kind mehr Verantwortung zu übernehmen. „Die Möglichkeit, notfalls auch gegen den Willen der Mutter am Sorgerecht teilzuhaben, wenn dies dem Kindeswohl dient, ist wichtig für nicht verheiratete Väter. Aus Sicht der betroffenen Kinder reicht dies allein aber nicht aus“, sagt Prof. Franz Resch, Kinder- und Jugendpsychiater und Präsident der Deutschen Liga für das Kind. „Vor allem kommt es darauf an, dass Väter im Alltag von Anfang an mehr Verantwortung als bisher für ihre Kinder übernehmen. Dies gilt ganz unabhängig davon, ob sie mit der Mutter des Kindes verheiratet sind oder nicht.“ Bereits heute nehmen viele Väter an Geburtsvorbereitungskursen teil und unterstützen ihre Partnerin bei der Entbindung. Derzeit rund jeder fünfte Vater geht zumindest einige Monate in Elternzeit und nimmt das Elterngeld in Anspruch. Die große Mehrheit sieht sich nicht mehr allein in der Rolle des Ernährers und übernimmt pflegerische und erzieherische Aufgaben im Alltag. Immerhin drei von zehn Vätern halten den Begriff „Rabenvater“ für angemessen, wenn ein Vater die Kinderbetreuung allein der Mutter überlässt. Aber noch lange nicht alle Väter haben die „neue Väterlichkeit“ für sich entdeckt. Ein weiterhin beträchtlicher Anteil bleibt alten Rollenmustern verhaftet oder fällt – wenn die Kinder erst einmal da sind – trotz zuvor gegenteiliger Absichten in sie zurück. Die Deutsche Liga für das Kind sieht auch für die Politik Handlungsbedarf. Elemente einer vätersensiblen Familienpolitik sollten sein: Ausbau der Vätermonate in der Elternzeit, Einführung von Optionszeiten und Arbeitszeitkonten, Orientierung betrieblicher und öffentlicher Zeiten an Familienzeiten, Erleichterung des Wechsels zwischen Voll- und Teilzeit sowie Wiedereinstiegshilfen nach Familienzeiten. Nicht zuletzt sollte die Politik dem Trend der immer älteren Väter entgegentreten. Der Altersdurchschnitt derjenigen Männer, die zum ersten Mal Vater werden, liegt inzwischen deutlich über dreißig Jahre. Hier gilt es, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass nicht nur Beruf und Familie, sondern auch Ausbildung bzw. Studium und Vaterschaft simultan möglich werden. Im Rahmen der bundesweiten Tagung in München verleiht die Liga den Präventionspreis Frühe Kindheit 2010 zu dem Thema „Für die Jüngsten das Beste. Pädagogische Qualität in Krippe und Kindertagespflege“. Den 1. Preis (3.000,- Euro) erhält die Landeshauptstadt Wiesbaden mit dem Projekt „kinderbrücke“ (Kooperation von Kindertagespflege und städtischen Kindertagesstätten). Der 2. Preis (2.000,- Euro) geht an die Praxisausbildungsstätte der Fachschule für Sozialpädagogik 1 – Fröbelseminar – in Hamburg mit dem Projekt „mamamia“ (Kinderkrippe mit angegliedertem Elterncafé sowie Angebot des Frühinterventionsprogramms SteepTM für überwiegend minderjährige Eltern). Die „Deutsche Liga für das Kind“ wurde 1977 gegründet. Sie zählt zu den führenden Netzwerken in Deutschland, wenn es um das Wohl und die Rechte der Kinder geht. Zu den heute mehr als 250 Mitgliedsorganisationen gehören wissenschaftliche Gesellschaften, kinderärztliche und -psychologische Vereinigungen, Familien- und Jugendverbände und zahlreiche Service Clubs.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Liga für das Kind vom 15.10.2010
http://www.liga-kind.de/