Spezialheft zur „Versorgung psychisch kranker Menschen“ in Baden-Württemberg

23.09.2010 | Gesundheitswesen | Nachrichten

Gesundheitsministerin Stolz: „Jeder kann selbst oder in seiner Umgebung von einer psychischen Erkrankung betroffen sein“

„Wir haben für das ganze Spektrum psychischer Störungen gute Versorgungsangebote“, sagte Gesundheitsministerin Dr. Monika Stolz MdL anlässlich der Herausgabe eines Spezialheftes zur „Versorgung psychisch kranker Menschen“. Das im Rahmen der AG Qualitätssicherung des Gesundheitsforums Baden-Württemberg erstellte Heft aus der Reihe der Landes-Qualitäts-Berichte soll die Versorgung psychisch erkrankter Menschen aus der Perspektive der Qualitätssicherung darstellen. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Lebens wegen einer psychischen Störung ärztliche Behandlung zu benötigen, beträgt mehr als 40 Prozent. Fast jeder dritte Bundesbürger benötigt im Laufe eines Jahres Hilfe, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer. Angsterkrankungen und Depressionen stehen dabei im Vordergrund. „Diese Entwicklung zeigt auf, wie wichtig und notwendig gute Versorgungsstrukturen sind“, sagte Monika Stolz Jeder Mensch kann selbst oder in seiner Umgebung von einer psychischen Erkrankung betroffen sein. Das Spektrum reicht von Störungen, die ambulant gut behandelt werden können, über eine chronische Erkrankung und seelische Behinderung, bei der die Lebensführung unterstützt werden muss, bis zu schweren Krankheitsverläufen, die eine Versorgung in Klinik und Heim erforderlich machen. „Jede Person soll die Hilfe bekommen, die sie in ihrer Situation benötigt, auch wenn unterschiedliche Kostenträger und Leistungserbringer berührt sind. Die Hilfen müssen miteinander abgestimmt werden, schwellenlos aufeinander folgen und je nach Krankheitsphase auch angemessen gewechselt werden können“, so die Ministerin weiter. Ein Hilfenetz ist deshalb im Psychiatriebereich besonders wichtig. Den ersten Zugang zu Behandlungsleistungen, die ambulant, teilstationär oder stationär sein können, bekommt der Betroffene in der Regel über die Hausarztpraxis. In den Gemeindepsychiatrischen Verbünden verpflichten sich die Leistungserbringer unter der Federführung der Stadt- und Landkreise vertraglich, die Versorgung der psychisch kranken Menschen innerhalb der Region in guter Qualität zu gewährleisten. Über die Gemeindepsychiatrischen Zentren sind– meist unter einem Dach – verschiedene ambulante Einrichtungen und Dienste sowie ehrenamtliche und Selbsthilfeorganisationen erreichbar. „Dies zeigt, dass die psychiatrische, psychosomatische, psychotherapeutische und psychosoziale Versorgung in Baden-Württemberg in allen Regionen gut ausgebaut ist“, erklärte die Ministerin. Der Landesqualitätsbericht verdeutlicht die Abläufe und Verfahren in der Versorgung. Er veranschaulicht anhand einzelner Beispiele, wie für gute Qualität in der Behandlung und Betreuung psychisch erkrankter Menschen gesorgt wird. So muss zum Beispiel seit 2006 in allen Praxen ein internes Qualitätsmanagement eingeführt werden; bereits seit 2005 müssen die Krankenhäuser alle zwei Jahre einen Qualitätsbericht erstellen und im Internet veröffentlichen. Aus den Berichten der psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken im Land lässt sich damit ein detailliertes Bild gewinnen. Die meisten Kliniken verfügen demnach über Qualitätszirkel, führen Patienten- und Mitarbeiterbefragungen durch und pflegen die Kooperation mit den Praxen im niedergelassenen Bereich. Das Spezialheft gibt aber auch Tipps für eine gesundheitsbewusste Lebensführung. „Ein gutes Versorgungssystem nützt dem einzelnen wenig, wenn er nicht selbst auf seine Gesundheit achtet“, so die Ministerin.

Hintergrund

Der Landesqualitätsbericht Gesundheit Baden-Württemberg – Spezialheft Versorgung psychisch kranker Menschen - kann unter www.gesundheitsforum-bw.de/Qualitaetsberichte/Landes-Qualitaets-Bericht-Gesundheit-Baden-Wuerttemberg herunter geladen werden. Es steht zusätzlich auch als Broschüre zur Verfügung und kann beim Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren (Broschürenstelle), Schellingstraße 15, 70174 Stuttgart angefordert werden. Das Gesundheitsforum Baden-Württemberg wurde von der Landesregierung im Jahr 2000 initiiert, um den Netzwerkgedanken im Gesundheitswesen zu befördern und damit die Effizienz und Qualität zu steigern. Ziel dieses Forums ist es, die Kommunikation, Vernetzung und Kooperation zwischen den Partnern des Gesundheitssystems zu unterstützen. Übergreifende Entwicklungen und Innovationen können so durch intensivere Zusammenarbeit und engere Abstimmung leichter realisiert werden. Im Rahmen des Gesundheitsforums Baden-Württemberg, das federführend vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren organisiert wird, kommen Vertreter der Gesundheitswirtschaft, Pharmazie und Medizintechnik, der Forschung , der Heilberufe (Ärzte-, Zahnärzte, Apotheker und Psychotherapeuten), der Krankenkassen, der Krankenhäuser und der Reha- und Kureinrichtungen sowie der fachlich berührten Ministerien zusammen. Eine thematische und personelle Erweiterung des Gesundheitsforums hat im Jahr 2009 mit der Umsetzung der Gesundheitsstrategie Baden-Württemberg und der Aufnahme neuer Mitglieder begonnen. Denn Gesundheit wird inzwischen auch als Standortfaktor für Baden-Württemberg gesehen, was neue Perspektiven eröffnet (weitere Informationen: www.gesundheitsforum-bw.de). In diesem Rahmen hat sich das Gesundheitsforum auch die Erarbeitung eines Landes-Qualitäts-Berichts Gesundheit Baden-Württemberg zum Ziel gesetzt. Damit soll den Bürgerinnen und Bürgern des Landes ein verständlicher und nachvollziehbarer Einblick in die Qualität der medizinischen und pflegerischen Versorgung gegeben werden. In einem Basisheft finden Interessierte Grundinformationen zum Thema Qualität im Gesundheitswesen und zum Landes-Qualitäts-Bericht. Darauf aufbauend geben Spezialhefte Einblick in die Qualitätsstrukturen bestimmter Versorgungsbereiche des Gesundheitswesens in Baden-Württemberg. Bisher sind Spezialhefte zur ambulanten Pflege, zur stationären Krankenhausversorgung, zur Rehabilitation und zur ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung erschienen. Sowohl das Basisheft als auch die Spezialhefte können unter www.gesundheitsforum-bw.de/Qualitaetsberichte/Landes-Qualitaets-Bericht-Gesundheit-Baden-Wuerttemberg herunter geladen werden.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg vom 23.09.2010
http://www.sm.baden-wuerttemberg.de