GEW warnt vor Billig-Pädagogik in Kindertagesstätten

Bildungsgewerkschaft zum aktuellen Stand des KiTa-Ausbaus

Frankfurt a. M. - Die GEW warnt davor, angesichts der knappen Haushaltslage vieler Kommunen und des Fachkräftemangels beim Ausbau der Krippenplätze auf Billig-Pädagogik zu setzen.
„Weder die Eltern“, so das für Jugendhilfe zuständige GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke, „und erst recht nicht die Kinder haben etwas davon, wenn man jetzt hektisch Plätze mit schlecht ausgebildetem Personal schafft und das Kind beim Übergang in die Schule den Sprachtest nicht besteht.“ Im schlimmsten Fall könne es dann passieren, dass ein Kind ein Jahr später eingeschult würde. „Schlecht ausgebildetes Personal“, so Hocke, „ist nur vordergründig billig, gute Pädagogik lässt sich damit aber nicht machen. Die Finanznot der Kommunen ist ein Problem - aber keines, das vom Himmel gefallen ist. Schließlich waren es die Vertreter der Regierungsparteien, die Steuergeschenke für Unternehmen den dringend nötigen Bildungsinvestitionen vorgezogen haben.“ Dass die Politik und die Träger die Türen für alle, die an dem Beruf der Erzieherin interessiert sind, weit öffnet, sei durchaus zu begrüßen. Keinesfalls dürfe aber man den Standard der Ausbildung senken. Das neue Programm des Familien- und Frauenministeriums, mit dem in den nächsten zwei Jahren mehr Männer für den Erzieherberuf gewonnen werden sollen, sei allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Zwar sei es zu begrüßen, dass die Bundesministerin sich daran macht, den Männerteil von derzeit 2,4 Prozent auf den europäischen Wert von 20 Prozent zu erhöhen. Dies könne man aber nichtkurzfristig erreichen. Die Wahl eines pädagogischen Berufes setze eine gereifte Entscheidung voraus. Ein arbeitsloser KfZ-Mechaniker wird sich nicht so ohne weiteres für den traditionellen Frauenberuf der Erzieherin anwerben lassen, sagte Kita-Experte Hocke. Mehrere Studien in den letzten Jahren hätten bewiesen, dass nur eine gute Kindertagesstätte mit qualifiziertem Personal für Kinder ein Gewinn ist. Bildungserfolg und ein gelingender Übergang in die Grundschule hingen ganz entscheidend von der Qualität der Erzieherinnen ab, erläuterte Hocke. Die beste Werbung für den Beruf sei, ihn als pädagogische Profession attraktiv zu machen. Dazu gehöre vor allem auch die Ausbildung an Hochschulen. An den neu eingerichteten Studiengängen für frühkindliche Pädagogik gäbe es Hunderte von Bewerberinnen und Bewerbern. Das Studienangebot müsse weiter ausgebaut werden.

Quelle: Pressemitteilung der GEW vom 21.07.2010
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