GEW: „Mehr Geld für Schulen – keine Gelddruckmaschine für private Nachhilfeinstitute“

12.10.2010 | Sozialpolitik | Nachrichten

Gewerkschaft zum geplanten „Bildungspaket“ aus dem von der Leyen-Ministerium

Frankfurt a.M. – Mehr Geld und Personal für die Schulen, damit alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich gefördert werden können, hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Blick auf das von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geplante „Bildungspaket“ angemahnt. „Die Förderung leistungsschwächerer Schüler gehört in die Schule, nicht in private Nachhilfeinstitute. Für individuelle Förderung brauchen Lehrkräfte Zeit, zu große Klassen sind Gift. Das ‚Bildungspaket’, mit dem Kinder aus Hartz IV-Empfängerfamilien Anspruch auf außerschulische Nachhilfe erhalten sollen, weist in die falsche Richtung. Es ist eine Gelddruckmaschine für private Nachhilfeinstitute“, sagte Marianne Demmer, Schulexpertin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am 06.10.2010 in Frankfurt a.M. „Das Konzept birgt zudem unkalkulierbare organisatorische und juristische Probleme in sich“, betonte Demmer. Lehrkräfte sollten mit zusätzlichen Aufgaben belastetet werden und entscheiden, wer Nachhilfe bekommt. „Ich sehe einen Wust an Bürokratie, Auseinandersetzungen mit Eltern und vor allem mit den lokalen Entscheidern der Arbeitsagentur auf die Lehrkräfte zukommen. Willkür und Beliebigkeit werden sich bei der Vergabe von Nachhilfe nicht vermeiden lassen, Auseinandersetzungen vor Gericht die Folge sein. Lehrkräfte werden in den Mühlen der Bürokratie zerrieben. Besonders betroffen werden Lehrkräfte und Schulen in sozialen Brennpunkten sein, die sowieso nicht mehr wissen, wie sie ihrem pädagogischen Auftrag gerecht werden sollen.“ Außerdem liege dem Entwurf ein sehr traditionelles Bild zusätzlicher Lernförderung zugrunde: Diese soll sich nach dem Willen des Ministeriums auf kurzfristige, vorübergehende Maßnahmen beschränken. „Manche Schüler müssen jedoch langfristig gefördert werden, beispielsweise bei Schreib- und Rechenschwächen“, sagte die GEW-Schulexpertin. Gänzlich unerträglich sei, dass von den Lehrkräften erwartet wird, notwendige zusätzliche Lernförderung abzulehnen, wenn sie erwarteten, dass die Schüler das Klassenziel nicht erreichen. Solche „prognostischen Einschätzungen seien extrem unpädagogisch und zynisch“. „Die pädagogische Hoffnung stirbt zuletzt. Das gehört zum professionellen pädagogischen Selbstverständnis der Lehrkräfte. Lehrerinnen und Lehrer wollen keine Selektierer sein, die ein Scheitern ihrer Schülerinnen und Schüler bereits zu Beginn des Schuljahres vorhersehen.“ Demmer unterstrich, dass „die Arbeitsministerin gut beraten gewesen wäre, den Sachverstand von Pädagogen und Gewerkschaften bei der Planung ihres ‚Bildungspakets’ von Anfang an mit einzubeziehen und nicht am Grünen Tisch völlig praxis- und fachfremde Modelle entwickeln zu lassen“.

Quelle: Pressemitteilung der GEW vom 06.10.2010
http://www.gew.de