Glühbirne im Dunkeln
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Die Wunderfrage

Eine wirksame Methode zur Lösungsfindung in der Beratung und im Coaching

von Farina Eggert
05.09.2023 | Dossier

Die „Wunderfrage“ ist ein Klassiker unter den Systemischen Fragetechniken. Sie stammt von Steve de Shazer, einem der Begründer der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie, und wurde erstmals in den 1980er-Jahren vorgestellt. Die Wunderfrage geht davon aus, dass jedes Problem eine Lösung hat und dass es hilfreich ist, den Fokus auf diese Lösung zu richten.

Was ist die Wunderfrage?

Die Wunderfrage ist eine offene Frage, die sich auf eine hypothetische Zukunft bezieht. Sie lautet: „Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgen auf, und das Problem, das Sie haben, ist gelöst. Was hat sich verändert?“ Diese Frage zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit weg vom Problem und hin zur Lösung zu lenken. Sie ermöglicht es den Klient:innen, die eigenen Ressourcen und Stärken zu erkennen und Lösungen zu finden, die bisher vielleicht nicht in Betracht gezogen wurden.

Vorteile und Nachteile der Wunderfrage

Ein Vorteil der Wunderfrage ist, dass sie eine positive Stimmung erzeugt und den Gegenüber dazu ermutigt, die eigene Kraft und Kreativität zu entfalten. Sie hilft dabei, negative Gedankenmuster aufzulösen und den Blick auf mögliche Lösungen zu richten. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Wunderfrage dazu beitragen kann, dass eigene Ziele und Wünsche klarer definiert werden und die zu beratende Person sich motivierter und zuversichtlicher fühlt. Daher kann diese Fragetechnik auch jederzeit in den unterschiedlichen Kontexten von Sozialer Arbeit zum Tragen kommen – auch ohne Beratungsauftrag.

Ein Nachteil der Wunderfrage kann sein, dass sie manchmal zu oberflächlichen oder unrealistischen Antworten führt. Es kann schwierig sein, sich eine konkrete Lösung vorzustellen, wenn die zu beratende Person sich in einer schwierigen Situation befindet. Auch kann es sein, dass Klient:innen sich von der Frage überfordert fühlt und keine Antwort geben kann. In solchen Fällen ist es wichtig, Unterstützung anzubieten und dabei zu helfen, Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten

Die Wunderfrage wird in vielen Bereichen der Psychologie und Sozialen Arbeit eingesetzt, z. B. in der Psychotherapie, im Coaching, in der Beratung von Teams oder in der Konfliktmediation. Sie kann in Einzel- oder Gruppensitzungen verwendet werden und ist eine hilfreiche Methode, um den Klienten dabei zu unterstützen, seine eigenen Lösungen zu finden und seine Ziele zu erreichen.

Ziele und Methodik

Das Ziel der Wunderfrage ist es, die zu beratende Person dabei zu helfen, sich auf die Lösung zu konzentrieren und eigenen Ressourcen und Stärken zu erkennen. Sie soll dazu beitragen, dass der/die Klient:in sich motivierter und zuversichtlicher fühlt und dass er/sie selbst konkrete Schritte einleitet, um seine/ihre Ziele zu erreichen.

Beispiele und Vorgehenshinweise bei der Wunderfrage

Das konkrete Vorgehen bei der Anwendung einer Wunderfrage besteht darin, der zu beratenden Person die Frage zu stellen und Zeit zu geben, über eine mögliche Antwort nachzudenken. Coaches oder Berater:innen sollten darauf achten, dass die Frage offen formuliert ist und keine Einschränkungen enthält. Nachdem die Klient:innen eine Antwort gegeben haben, kann der Coach dabei helfen, konkrete Schritte zu entwickeln, um das Ziel zu erreichen. Dabei ist es wichtig, dass die Klient:innen die Lösung als realistisch und erreichbar empfindet.

Eine Beispielsituation für die Anwendung einer Wunderfrage in der Beratung könnte folgendermaßen aussehen: Eine Klientin klagt darüber, dass esie seit Monaten unter starken Stresssymptomen leidet, die sie belasten und ihr das Leben schwer machen. Die Beraterin könnte in diesem Fall die Wunderfrage stellen: „Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgen auf, und all Ihre Stresssymptome sind verschwunden. Was hat sich verändert?“

Durch diese Frage wird das Gegenüber ermutigt, sich eine Zukunft ohne Stress vorzustellen und sich auf eine Lösung zu fokussieren, anstatt sich weiter auf das Problem zu konzentrieren. Die Klientin wird dazu angehalten, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und nach möglichen Lösungen zu suchen. Die Antwort könnte beispielsweise lauten: „Ich habe mich dazu entschlossen, mich mehr auf meine Bedürfnisse zu konzentrieren und mir regelmäßig Pausen zu gönnen, um meine Energiereserven wieder aufzuladen.“

5 Beispiele für die Wunderfrage

  • Mal angenommen, in der heutigen Nacht würde ein Wunder geschehen und morgen früh, wenn Sie aufwachen, ist ihr Problem gelöst. Woran würden Sie morgens merken, dass ein Wunder geschehen ist? Wer außer Ihnen würde erkennen, dass das Problem gelöst wurde?
  • Mal angenommen, morgen früh wäre Problem X nicht mehr vorhanden, woran würden Sie es zuerst merken? Was würde sich ebenso verändern?
  • Wie stellen Sie sich den darauffolgenden Tag vor, ganz ohne das Problem?
  • Wie würde sich Ihr Verhältnis zu Ihrer Partnerin / Kollegin / Chefin ändern?
  • Was würde sich ändern, wenn Sie morgen früh aufwachen und Sie ihr Ziel erreicht haben?

Für den Einsatz bei Kindern hat es sich bewährt, statt einem Wunsch von einer Fee zu sprechen, die alle Wünsche erfüllt und über Nacht ihre Arbeit leistet.