Spendenrekord: Mehr als 13 Millionen Euro für Albert-Schweitzer-Kinderdörfer
Berlin, 15. Oktober 2026. Die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke haben 2025 so viel Unterstützung durch Spenden und Nachlässe erfahren wie nie zuvor. Mit rund 13,15 Millionen Euro erreichten die Zuwendungen einen neuen Höchststand. Das waren rund 1,22 Millionen Euro beziehungsweise gut zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Dankbarkeit und Vertrauensvorschuss
Der jetzt veröffentlichte Geschäftsbericht 2025/26 macht nachvollziehbar, wie die Mittel eingesetzt werden und was sie für Kinder, Jugendliche und Familien konkret ermöglichen. „Dass uns Menschen gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten in diesem Umfang unterstützen, erfüllt uns mit großer Dankbarkeit“, sagt Dr. Albrecht Matthaei, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke. „Diese Unterstützung ist für uns ein großer Vertrauensbeweis. Umso wichtiger ist es, transparent zu machen, was die uns anvertrauten Mittel bewirken und welche konkreten Chancen sie Kindern und Jugendlichen eröffnen.“
Wenn aus Spenden sichere Orte werden
Was hinter den Zahlen steht, zeigt der Geschäftsbericht anhand zahlreicher Projekte der regionalen Mitgliedsvereine. Besonders sichtbar wird die Wirkung dort, wo Spendengelder helfen, neue Betreuungsangebote und langfristige Strukturen zu schaffen.
Im baden-württembergischen Waldenburg wurde Ende 2025 ein neues, barrierefreies Kinderdorfhaus eröffnet. Es bietet sechs Kindern mit und ohne körperliche Beeinträchtigung ein gemeinsames Zuhause. Den Grundstein für das Projekt legte eine private Großspende. Gemeinsam mit weiteren Zuwendungen und Fördermitteln konnte so die Finanzierung bis zur Fertigstellung gesichert werden. Auch die kinderfreundliche und inklusive Gestaltung der Außenanlagen wird mit Unterstützung von Förderern realisiert.
In Bayern wurde ebenfalls ein neues Haus fertiggestellt: Im Kinderhaus Pegnitztal leben acht Kinder, fünf mit heilpädagogischem und drei mit therapeutischem Förderbedarf. Viele von ihnen haben zuvor Gewalt, Vernachlässigung oder andere schwere Belastungen erlebt. Der barrierefreie Neubau bietet einen Lebensort, an dem die Kinder eng pädagogisch begleitet werden und bei Bedarf psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung erhalten. Spenderinnen und Spender haben wesentlich dazu beigetragen, dass das neue Haus entstehen konnte.
In Mecklenburg-Vorpommern entsteht mithilfe von Spenden ein eigener traumapädagogischer Therapieraum in einem Kinderdorfhaus. Er soll Kindern mit schweren Belastungserfahrungen vor Ort einen geschützten Raum bieten, in dem zusätzliche therapeutische Unterstützung möglich wird. Zwei Psychologinnen verstärken inzwischen das Team des Familienwerks.
„Die hier genannten Projekte sind nur einige Beispiele dafür, was Spenden konkret ermöglichen“, sagt Matthaei. „Sie helfen nicht nur dabei, neue Plätze und Räume zu schaffen. Sie ermöglichen auch therapeutische und pädagogische Angebote, besondere Förderung und individuelle Unterstützung, die sich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientiert.“
Mehr als 22.700 Kinder und Jugendliche erreicht
Hinter diesen Beispielen steht ein bundesweites Netz sozialer Hilfen. Der Bundesverband vertritt und fördert zehn eigenständige Mitgliedsvereine mit insgesamt 475 Einrichtungen. Im Berichtszeitraum erreichten die Kinderdörfer und Familienwerke mit ihren Angeboten 22.739 Kinder und Jugendliche. Weitere 19.283 Menschen wurden durch andere soziale Angebote erreicht. 2.573 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit stellen die Arbeit der Einrichtungen sicher.
Das Spektrum reicht von stationären und ambulanten Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe über Kindertagesstätten, Schulsozialarbeit und Familienzentren bis hin zu Angeboten für Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen. Einen Schwerpunkt bilden weiterhin Hilfen für Kinder und Jugendliche, die zeitweise oder dauerhaft nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können.
Rekord trifft auf weiterhin hohen Hilfebedarf
Der neue Höchststand bei den Zuwendungen trifft auf einen erweiterten Bedarf in der Kinder- und Jugendhilfe. 2025 stellten die Jugendämter bundesweit rund 79.800 Kindeswohlgefährdungen fest. Damit wurde zum vierten Mal in Folge ein neuer Höchststand verzeichnet. Die Mitgliedsvereine der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke erreichen zunehmend Anfragen der Jugendämter nach Betreuungsplätzen. Besonders dringend werden Plätze für jüngere Kinder und Geschwister gesucht.
„Wir sind unseren Spenderinnen und Spendern außerordentlich dankbar. Ihre Unterstützung zeigt, wie viel gesellschaftliche Verantwortung Menschen bereit sind zu übernehmen“, sagt Matthaei. „Gleichzeitig erleben wir täglich, dass Kinder und Familien verstärkt verlässliche Hilfe brauchen. Die Rekordsumme gibt uns die Möglichkeit, gemeinsam mit unseren Mitgliedsvereinen dringend benötigte sichere Orte zu schaffen, Angebote weiterzuentwickeln und Kindern neue Zukunftsperspektiven zu eröffnen.“
Spendenaufkommen bundesweit insgesamt rückläufig
Der neue Höchststand steht einer bundesweit rückläufigen Spendenentwicklung gegenüber. Nach der aktuellen „Bilanz des Helfens“ des Deutschen Spendenrats sank das dort erfasste private Spendenvolumen 2025 bundesweit um neun Prozent auf rund 4,65 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Spendenden ging zurück. Gleichzeitig stammen weiterhin 58 Prozent des Spendenaufkommens von Menschen ab 60 Jahren. Besonders spendenstark ist traditionell die Generation ab 74 Jahren, die demografisch jedoch kleiner wird.
„Der demografische Wandel bereitet uns mit Blick auf die langfristige Unterstützung unserer Arbeit durchaus Sorge. Gerade ältere Menschen gehören seit vielen Jahren zu unseren verlässlichsten Förderern. Ihre Treue und Verbundenheit sind für uns von unschätzbarem Wert“, sagt Matthaei. „Die regelmäßige Unterstützung schafft Planungssicherheit und hilft uns, Angebote für Kinder und Familien verlässlich weiterzuentwickeln. Mit Blick auf das rückläufige Spendenaufkommen und den gleichzeitig steigenden Hilfebedarf wird es künftig aber ebenso wichtig sein, auch jüngere Generationen für ein langfristiges Engagement zu gewinnen.“
Nachlässe gewinnen an Bedeutung
Der Geschäftsbericht macht zugleich eine Veränderung innerhalb der Zuwendungen sichtbar. Von den insgesamt rund 13,15 Millionen Euro entfielen 2025 knapp 11,97 Millionen Euro auf Spendeneinnahmen und rund 1,18 Millionen Euro auf Nachlässe. Nachlässe machten damit rund 8,8 Prozent der Gesamteinnahmen des Bundesverbandes aus. Im Vorjahr waren es 6,8 Prozent, im Jahr davor weniger als fünf Prozent.
Für den Bundesverband gewinnen Nachlässe damit insbesondere für die langfristige finanzielle Absicherung und größere Investitionen an Bedeutung. Der Verband hat deshalb sein Informationsangebot zum gemeinnützigen Vererben weiter ausgebaut. Mit dem Ratgeber „Mit Herz und Verstand vererben“ bietet er Menschen, die die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke in ihrem Testament berücksichtigen möchten, eine erste Orientierung zu Möglichkeiten einer Erbeinsetzung oder eines Vermächtnisses.
Ein Wort zu den Albert-Schweitzer-Kinderdörfern und Familienwerken: Seit 69 Jahren unterstützen die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke hilfsbedürftige Familien in Deutschland. Der Bundesverband koordiniert zehn Mitgliedsvereine, die bundesweit rund 500 Einrichtungen betreiben.
Quelle: Eine Pressemeldung von Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke e.V. Bundesverband vom 15. Oktober 2026.
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