Psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen stärken statt schwächen
Der Bayerische Jugendring warnt vor einer dramatischen Verschlechterung der Versorgung für Kinder und Jugendliche und fordert ein Umdenken.
Die Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings schlägt angesichts der beschlossenen Honorarkürzungen für Psychotherapeut:innen Alarm: Besonders für Kinder und Jugendlichen könnte das aus Sicht des BJR fatale Folgen haben. In einem eingebrachten Dringlichkeitsantrag positionierte sich das oberste beschlussfassende Gremium der bayerischen Jugendarbeit am Sonntag in Herrsching am Ammersee und kritisiert die Entscheidung des Bewertungsausschusses scharf.
Gerade Kinder und Jugendliche seien von den Folgen besonders betroffen: Schon heute warten viele von ihnen monatelang auf einen Therapieplatz – bei gleichzeitig steigenden Belastungen und wachsendem Unterstützungsbedarf. BJR-Präsident Philipp Seitz erklärte bei der Vollversammlung in Herrsching: „Wer jetzt kürzt, verschärft eine ohnehin angespannte Versorgungslage. Das geht direkt zulasten von betroffenen Kindern und Jugendlichen. Wir fordern eine Rücknahme."
BJR: Kurzfristige Einsparungen schaden den jungen Menschen
Unter anderem in München und Nürnberg hatten am Wochenende Psychotherapeut:innen gegen die Entscheidung des Bewertungsausschusses vom 11.03.2026 protestiert. Der BJR warnt vor sinkenden Kapazitäten und einer weiteren Verlängerung der Wartezeiten. „Die Versorgung steht unter Druck", erklärt Seitz. Der BJR fordert deshalb die Rücknahme beziehungsweise Aussetzung der Honorarkürzungen, eine Ausweitung der Kassensitze für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuth:innen sowie bessere strukturelle Rahmenbedingungen für die Versorgung. Besonders problematisch sei, dass Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen ohnehin unter schwierigen Bedingungen arbeiten – etwa durch hohen Koordinationsaufwand mit Eltern, Schulen und Jugendhilfe.
Der BJR warnt davor, kurzfristige Einsparungen über die Bedürfnisse junger Menschen zu stellen. Die möglichen Folgen – längere Wartezeiten, weniger Therapieangebote oder sogar Praxisschließungen – träfen Kinder und Jugendliche unmittelbar. „Psychische Gesundheit ist kein Randthema. Wer hier spart, gefährdet die Gesundheit junger Menschen und produziert weitaus höhere gesellschaftliche Folgekosten in der Zukunft", betont Seitz. Die Vollversammlung fordert die Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene auf, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen gezielt zu stärken und die Bedarfe junger Menschen konsequent in den Mittelpunkt gesundheitspolitischer Entscheidungen zu stellen.
Die BJR-Vollversammlung ist das höchste beschlussfassende Gremium der bayerischen Jugendarbeit. Die Delegierten der bayerischen Jugendverbände, Jugendringe und Arbeitsfelder treffen sich hierbei, um die landesweiten Leitlinien, Ziele und Aufgaben der Tätigkeiten des Bayerischen Jugendrings sowie Schwerpunkte der Tätigkeiten auf Landesebene zu bestimmen. Sie entscheidet über alle den Bayerischen Jugendring als Gesamtorganisation betreffenden grundlegenden Fragen und Belange als oberstes Organ.
Quelle: Pressemitteilung des BJR vom 22.03.2026




