Mehr Koordination: Neues Versorgungsprojekt für psychisch erkrankte Menschen
Paderborn (lwl). In Stadt und Kreis Paderborn ist ein neues Modellprojekt gestartet, das die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen spürbar verbessern soll. Ziel ist es, einen kontinuierlichen Informationsfluss ohne Medienbrüche zwischen allen Behandler:innen sowie den sozialen Akteuren zu ermöglichen. So soll ganz konkret die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen durch eine strukturierte und sektorenübergreifende Zusammenarbeit verbessert werden.
Bestehende Strukturen, erweitertes Netzwerk
Das neue Projekt "Digital unterstützte intersektorale Patientenversorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen" wird von der Klinik Paderborn des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit der Digitalen Gesundheitsplattform OWL (DGP OWL) und dem Praxisnetz Paderborn umgesetzt. Finanziell gefördert wird das Vorhaben durch die Sozialstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.
Das Projekt baut bewusst auf einer bestehenden Struktur auf: Die DGP OWL ist in der Region etabliert und vernetzt die Krankenhäuser im Stadtgebiet Paderborn (LWL-Klinik, St. Vincenz Kliniken, Christliches Klinikum Paderborn), die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte des Praxisnetzes Paderborn sowie den Rettungsdienst der Stadt und des Kreises Paderborn. Sie ermöglicht bereits jetzt den strukturierten Austausch medizinischer Informationen. Das neue Vorhaben erweitert diese Plattform gezielt um zusätzliche Akteure und Funktionen, insbesondere für den Bereich der psychiatrischen und sozialen Versorgung.
Komplexe Behandlungsfälle – differenziertes Rollenmodell
"So lassen sich nun komplexe psychiatrische Behandlungsfälle und auch die dadurch möglicherweise entstehenden Herausforderungen im sozialen Umfeld der Patient:innen besser abbilden", erklärt Thomas Gundlach aus der Geschäftsführung der Digitalen Gesundheitsplattform OWL GmbH. Die Übermittlung der Daten an die DGP OWL erfolgt ausschließlich auf Grundlage der Einwilligung der Patient:innen. "Sie bleiben immer Herr ihrer Daten und können diese jederzeit über das Patientenportal einsehen", betont Brinkmeyer.
Nach Einwilligung können mit einem sehr differenzierten Rollenmodell beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Therapeut:innen, Sozialarbeitende oder Kolleg:innen aus der Eingliederungshilfe auf die entsprechenden Daten wie Arztbriefe oder einen Medikamentenplan zugreifen. "So können wir vor allem Übergängen direkt nach einem Klinikaufenthalt zu den niedergelassenen Kolleg:innen besser gestalten", freut sich die Ärztliche Direktorin der LWL-Klinik Paderborn, Privatdozentin Dr. Christine Norra.
Lotsen für Patient:innen
Eine zentrale Rolle in der Erweiterung der DGP OWL übernehmen dabei die Sozialarbeiter:innen der Paderborner LWL-Klinik als Patient:innenlotsen. Sie begleiten Betroffene aktiv durch das Versorgungssystem, koordinieren Termine und sorgen dafür, dass medizinische und soziale Leistungen ineinandergreifen und entsprechende Daten auf der Plattform zur Verfügung stehen.
"Wir sehen jeden Tag, dass gute medizinische Behandlung allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, wie gut soziale Unterstützung in der digitalen Vernetzung für psychisch Erkrankte eingebunden ist. Dieses bisher nicht ausgeschöpfte Potenzial der DGP nutzen wir ab sofort", führt Norra aus.
Neben der besseren Versorgung geht es auch um Entlastung. "Aktuell binden Abstimmungen, Rückfragen und doppelte Prozesse viel Zeit. Durch klarere Abläufe und eine bessere Koordination sollen Ressourcen gezielter eingesetzt werden", weiß Nils Brinkmeyer aus den Gesprächen mit denen in der DGP OWL vernetzten Akteur:innen.
Entlastet Praxen und Patient:innen
"Gerade in der täglichen Versorgung sehen wir, wie viel Zeit durch Abstimmungsaufwand verloren geht. Wenn Informationen schneller verfügbar sind und Prozesse besser ineinandergreifen, entlastet das sowohl die Praxen als auch die Patient:innen spürbar und schafft wieder mehr Raum für die eigentliche Behandlung", erklärt der Vorstand des Praxisnetzes Paderborn, Dr. Thomas Bandorski.
"Mit dem Projekt verzahnen wir medizinische und soziale Angebote enger und entwickeln dadurch die bestehende Infrastruktur konsequent weiter. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für eine strukturierte und verlässliche Zusammenarbeit", erklärt der Kaufmännische Direktor der LWL-Kliniken Paderborn und Gütersloh, Jan Hendrik Unger. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird kontinuierlich ausgewertet. "Ziel ist es, die entwickelten Strukturen langfristig zu etablieren und auf andere Regionen zu übertragen", erklärt Brinkmeyer.
Ein Wort zum LWL: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist einer von zwei Landschaftsverbänden in NRW. Er arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur.
Quelle: Pressemeldung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) vom 18. Juni 2026.
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