Keine Reformen auf Kosten von Frauen
Der Deutsche Frauenrat begrüßt Korrekturen bei den angekündigten Kürzungen der Rentenansprüche pflegender Angehöriger. Zugleich kritisiert der Dachverband die geplanten Verschärfungen bei der Einstufung von Pflegegraden scharf.
„Zwei Drittel der pflegenden Angehörigen sind Frauen"
Dazu sagt die Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Dr. Beate von Miquel: „Zwei Drittel der pflegenden Angehörigen sind Frauen. Sie halten unser Pflegesystem Tag für Tag am Laufen – und dürfen dafür im Alter nicht die Rechnung zahlen. Dass die geplante Kürzung ihrer Rentenansprüche nun zurückgenommen werden soll, ist richtig, denn bereits heute ist jede vierte pflegende Angehörige armutsbedroht. Deshalb ist es besonders zynisch, zeitgleich den Zugang zu Pflegegraden zu erschweren. Denn nur weil Pflegegrade nicht mehr erteilt werden, verschwindet der Bedarf nach Unterstützung nicht. Im Gegenteil: Die Verantwortung wird den Angehörigen zugeschoben und belastet hier vor allem Ehefrauen, Töchter, Mütter und Freundinnen. Statt Gleichstellung zu fördern, verstärkt die geplante Maßnahme die strukturelle Benachteiligung von Frauen.“
Der Deutsche Frauenrat fordert, die Pflegeversicherung zu einer Pflegevollversicherung weiterzuentwickeln. Pflegende Angehörige müssen auf bedarfsgerechte und öffentlich bereitgestellte Hilfen und Infrastrukturen zugreifen können. Dazu zählt auch eine verlässliche Lohnersatzleistung, die pflegende Angehörige finanziell absichert und dafür sorgt, dass Pflege nicht länger vor allem auf den Schultern von Frauen lastet.
Kampagne: Der Bedarf verschwindet nicht
Darüberhinaus kritisiert der Deutsche Frauenrat in seiner aktuellen Kampagne: "Die Bundesregierung treibt im Rahmen ihrer Reformpolitik Sparvorhaben voran, die Frauen besonders hart treffen. Kürzungen beim Elterngeld, Einschnitte bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger oder weniger Unterstützung von Alleinerziehenden.Nur weil der Staat Leistungen kürzt, verschwindet der Bedarf nicht. Vielmehr werden Kosten, soziale Risiken und zusätzliche Sorgearbeit in die Familien verlagert und dort vor allem von Frauen aufgefangen. Das gefährdet die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen und wirft die Gleichstellung zurück. Und dagegen haben wir was!"
Ein Wort zum Deutschen Frauenrat: Der Deutsche Frauenrat, gegründet 1951, ist der Dachverband von rund 60 bundesweit aktiven Frauenorganisationen und damit die größte frauen- und gleichstellungspolitische Interessenvertretung Deutschlands.
Quelle: Eine Pressemeldung des Deutschen Frauenrats vom 01. Oktober 2026.




