Erste internationale Ernährungspyramide: Empfehlungen aus sieben Ländern vereint

Ein internationales Forscher:innenteam, zu dem auf deutscher Seite Prof. Dr. Anette Buyken von der Universität Paderborn gehört, hat eine neue Ernährungspyramide entwickelt, die erstmals internationale Empfehlungen zusammenführt.

Einigkeit über gesunde Ernährung: größer als der öffentliche Diskurs

Die Expert:innen vom „International Carbohydrate Quality Consortium“ haben unter der Leitung von Prof. Dr. Karen Della Corte von der Brigham Young University in den USA Ernährungsempfehlungen aus Kanada, Deutschland, Australien, China, den Niederlanden, den USA und den nordischen Ländern miteinander verglichen, mehr als 250 Fachpublikationen ausgewertet und daraus drei übergreifende Grundprinzipien abgeleitet. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Advances in Nutrition“ veröffentlicht. Dabei wird klar: Die wissenschaftliche Einigkeit über gesunde Ernährung ist weit größer, als der öffentliche Diskurs vermuten lässt. Die neue Pyramide berücksichtigt außerdem Gesundheits- und Klimaziele.

Pflanzliche Lebensmittel zur Grundlage gesunder Ernährung machen

Die Wissenschaftler:innen haben jetzt gezeigt, dass international weitgehende Einigkeit über die Grundlagen einer gesunden Ernährung besteht. Drei Prinzipien bleiben dabei unabhängig von Kultur oder Kontinent gültig: Pflanzliche Lebensmittel bilden die Grundlage einer gesunden Ernährung. Bei Fetten und Proteinen kommt es vor allem auf hochwertige Quellen wie Nüsse oder Hülsenfrüchte an. Bei Kohlenhydraten sollte ebenfalls auf eine gute Qualität geachtet werden. „Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn und Nüsse bilden die Basis des Tellers. Tierische Produkte rücken in eine Nebenrolle, auch im Fall von Proteinen. Die Pyramide lässt sich problemlos auf die vegetarische und vegane Küche übertragen“, erklärt Prof. Buyken.

Hochwertige Kohlenhydrate zur Diabetesprävention

Kohlenhydratreiche Lebensmittel liefern einen erheblichen Teil unserer Energie. Deshalb ist ihre Qualität besonders wichtig. „Neben dem Zucker- und Ballaststoffgehalt sollten wir berücksichtigen, wie sich diese Lebensmittel auf den Blutzuckerspiegel auswirken, was sich in ihrem glykämischen Index widerspiegelt“, sagt Prof. Buyken. Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil weltweit viele Menschen insulinresistent sind und dadurch ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes haben.

Brot ist für viele Menschen in Deutschland nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Anders als vielfach angenommen, haben aber viele deutsche Brotsorten einen relativ hohen glykämischen Index. Günstig sind nur Brotsorten mit ganzen Körnern. Die Pyramide berücksichtigt diesen Aspekt der Kohlenhydratqualität ausdrücklich und lässt zugleich Raum für unterschiedliche nationale Ernährungsgewohnheiten. Ihr Schwerpunkt auf pflanzlichen Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen stimmt zudem gut mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung überein.

"Wir brauchen Umgebungen, die es leicht machen, die Pyramide umzusetzen"

„Laut EAT-Lancet-Kommission, einem internationalen Zusammenschluss von Wissenschaftler:innen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Umwelt, Klimawandel und Soziales, ließen sich rund 15 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr durch eine konsequente Umsetzung der pflanzenbetonten Ernährung, wie wir sie in Form der Pyramide vorschlagen, vermeiden“, so Prof. Della Corte.

„Wir brauchen aber auch Ernährungsumgebungen, die es leicht machen, die Empfehlungen der Pyramide im Alltag umzusetzen“, ergänzt Prof. Buyken. „Zu wissen, was gesund und nachhaltig ist, und sich gesund ernähren zu wollen, reicht nicht aus, wenn diese Entscheidungen schwierig oder teuer sind. Ernährungspolitische Maßnahmen, die bei Lebensmittelwerbung, Zugang und Preisen ansetzen, müssen eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Lebensmittelauswahl unterstützen.“


Quelle: Eine Pressemeldung der Universität Paderborn vom 5. November 2026.