Diakonie Sachsen drängt auf verlässliche Finanzierung der Telefonseelsorge

04.01.2026 | Soziale Arbeit | Nachrichten

Einsamkeit ist längst kein Randphänomen mehr. Sie zieht sich durch alle Generationen und nimmt in besorgniserregendem Maß zu. Das zeigt sich auch in der Arbeit der Telefonseelsorge: Mit 23 Prozent ist Einsamkeit inzwischen der häufigste Gesprächsanlass – noch vor gesundheitlichen Problemen (18 Prozent), familiären Konflikten (17 Prozent) und depressiver Stimmung (16 Prozent).

2024 wurden rund 55.000 Anrufe in den sechs ökumenischen Telefonseelsorgestellen in Sachsen registriert. Auch die Beratungsmöglichkeit per E-Mail oder Chat wurde rege genutzt, vor allem von jüngeren Menschen zwischen 15 und 39 Jahren. Hier verzeichnete die Telefonseelsorge insgesamt rund 2.150 Mail- und Chatkontakte. An den Weihnachtstagen steigt der Bedarf an niedrigschwelligen Gesprächs- und Unterstützungsangeboten ehrfahrungsgemäß weiter an.

Die Diakonie Sachsen drängt daher auf eine verlässliche Finanzierung durch Freistaat und Kommunen, um die Telefonseelsorge dauerhaft und auskömmlich abzusichern. Bisher wird das Angebot zum Großteil aus Mitteln der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und des katholischen Bistums Dresden-Meißen finanziert. Private Spenden bilden eine weitere wichtige Einnahme, um die Telefonseelsorge angesichts wachsender Einsamkeit verlässlich erreichbar zu halten.

Telefonseelsorge: auch zu Weihnachten rund um die Uhr erreichbar

„Die steigende Zahl der Gespräche zu Einsamkeit ist ein ernstzunehmendes Warnsignal“, sagt Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen. „Einsamkeit ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Brüche. Sie braucht politische Antworten und verlässliche soziale Infrastruktur. Ein wichtiger Teil davon ist die Telefonseelsorge.“

Die ökumenischen Telefonseelsorgestellen sind auch während der Weihnachtstage rund um die Uhr per Telefon, Chat und E-Mail erreichbar. Getragen wird das Angebot von rund 400 qualifizierten ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die Menschen in akuten Krisen ebenso wie in belastenden Lebenssituationen begleiten.

„Gerade an den Feiertagen wird Einsamkeit für viele Menschen zur ganz akuten Belastung“, erklärt Tilmann Beyer, Referent für Telefonseelsorge der Diakonie Sachsen. „Wenn vertraute Kontakte fehlen oder schwelende Konflikte aufbrechen, ist es entscheidend, dass jemand erreichbar ist – anonym und ohne Voraussetzungen.“

 Finanzierung hält mit wachsendem Bedarf nicht Schritt

Die Telefonseelsorge löst gesellschaftliche Missstände nicht auf und ersetzt keine professionellen Beratungsangebote. Sie ist jedoch ein zentraler Baustein der Prävention und Krisenintervention. „Die ehrenamtlich Engagierten hören zu, stabilisieren und helfen, erste Perspektiven zu entwickeln“, so Beyer. „Doch die Förderung durch Freistaat und Kommunen reicht seit Jahren nicht aus, um den steigenden Bedarf dauerhaft abzusichern. Die Lage verschärft sich spürbar. Dieses wichtige Angebot darf nicht zur Disposition stehen.“

Die Telefonseelsorge ist kostenfrei, anonym und rund um die Uhr erreichbar:
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123


Quelle: Pressemitteilung der Diakonie Sachsen vom 19.12.2025