Bayern: 5 Jahre Digital Streetwork für Jugendliche

Was 2021 als Modellprojekt im Bayerischen Aktionsplan Jugend begann, ist heute ein verstetigtes und fachlich etabliertes Angebot der Jugendarbeit in Bayern. Zum fünften Geburtstag ein Blick auf gewachsene Strukturen, ein starkes Netzwerk und eine weiterhin ungebrochene Nachfrage junger Menschen nach niedrigschwelliger Beratung und Unterstützung im digitalen Raum.

Neues Arbeitsfeld der Jugendarbeit aufgebaut

Mit Digital Streetwork (DSW) Bayern startete im Herbst 2021 nicht nur ein digitales Unterstützungsangebot für junge Menschen als Antwort auf die Covid-19-Pandemie, sondern zugleich der Aufbau eines ganz neuen Arbeitsfeldes der Jugendarbeit. Bereits wenige Monate später arbeiteten dann 14 Digital Streetworker:innen auf Plattformen wie Instagram, Discord, Reddit, Snapchat, Jodel, Twitch und verschiedenen Messenger-Diensten und boten jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein offenes Ohr.

Während damals schon mehr als 3.100 junge Menschen das niedrigschwellige Angebot für sich genutzt hatten, waren es ein Jahr später bereits über 10.000. Zum fünften Geburtstag von Digital Streetwork Bayern ist die Zahl der Ratsuchenden weiter stark angewachsen: Rund 30.000 Jugendliche und junge Erwachsene wandten sich bisher mit ihren Themen und Problemen an die Pädagog:innen des BJRs und der Bezirksjugendringe.

20.000 junge Menschen folgen auf Plattformen

Parallel zur Beratungstätigkeit entwickelte sich eine eigene DSW-Online-Community: Zum September 2026 zählt der DSW-Discord-Server mehr als 1.000 regelmäßig aktive Mitglieder. Das projektbezogene Reddit-Forum wurde über 420.000 Mal aufgerufen, und über 20.000 Menschen folgen den Digital Streetworker:innen über alle Social Media Plattformen hinweg. Obwohl die konkreten Belastungsthemen junger Menschen in den vergangenen fünf Jahren variierten, sind die Symptome stets ähnlich geblieben: psychische Belastungen wie Einsamkeit und emotionale Krisen, Konflikte im sozialen Umfeld wie der Familie und dem Freundeskreis, Stress in der schulischen oder beruflichen Ausbildung, sowie Zukunftsängste, hervorgerufen durch weltweite Konflikte und dem Gefühl der Machtlosigkeit.

Sommerferien: Einsamkeit, Isolation, Verlust von Struktur

Diese Themen bilden sich auch bei der statistischen Auswertung der diesjährigen Sommerferien ab. Während die große Auszeit bei manchen Jugendlichen für Entlastung und weniger Druckgefühlen sorgte, ging damit für andere junge Menschen die Zunahme ihrer Belastungen einher. Der Verlust einer festen Tagestruktur begünstigt Antriebs- und Orientierungslosigkeit, fehlende Ausweichmöglichkeiten im Familienurlaub können soziale Konflikte weiter verstärken und der zeitweise Verlust vertrauter Bezugspersonen kann zu Gefühlen von Einsamkeit und sozialer Isolation führen. Umso wichtiger war es, dass die Beratungs- und Unterstützungsstrukturen von Digital Streetwork auch über die Sommermonate hinweg verlässlich bestanden und junge Menschen mit nur wenigen Klicks auf niedrigschwellige Angebote und vertrauensvolle Ansprechpersonen zurückgreifen können.

Profil geschärft, Netzwerke aufgebaut – und eine Nominierung

Abseits der zahlreichen Beratungen wurde das Profil des Projekts immer weiter geschärft: durch Netzwerk- und Kooperationsarbeit in allen bayerischen Bezirken, Workshops und Beteiligungsformaten, einem barriereärmeren Webauftritt sowie mit der Präsenz bei diversen jugendrelevanten Veranstaltungen. Strukturell lieferten die Veröffentlichung eigener Qualitätsstandards und zweier wissenschaftlicher Berichte durch das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis wichtige Grundlagen und fachliche Erkenntnisse für das noch junge Arbeitsfeld.

Die Nominierung für den European Social Services Award 2023 in der Kategorie „Digitaler Wandel“, als einziges Projekt aus Deutschland, unterstrich diese Pionierarbeit eindrucksvoll und machte die Arbeit der Digital Streetworker:innen in ganz Europa sichtbar. Mit der Entwicklung des ersten Schutzkonzepts für Digital Streetwork und der Verstetigung des Projekts wurden 2025 weitere wichtige Meilensteine erreicht. Im Jubiläumsjahr 2026 richtet sich der Blick deshalb nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Mit der Entwicklung einer Qualifizierungsreihe für das Arbeitsfeld sollen künftig Fachkräfte aus ganz Deutschland für die Arbeit auf jugendrelevanten Onlineplattformen fit gemacht werden.

Ein Wort zum Projekt: Digital Streetwork (DSW) Bayern ist ein Modellprojekt im Bayerischen Aktionsplan Jugend des Bayerische Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales mit Umsetzung durch den Bayerischen Jugendring (BJR), finanziert durch den Freistaat Bayern. Die Umsetzung erfolgt dabei in Kooperation mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik und den Bezirksjugendringen Mittelfranken, Oberpfalz und Oberfranken. 

 


Quelle: Eine Pressemeldung des Bayerischen Jugendrings vom 16. September 2026.