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Wege aus der Tabuzone: Blasen- und Darminkontinenz ist kein Schicksal

Coverbild des BuchtitelsHormonmangel im Alter, Probleme mit der Prostata, Überdehnung des Beckenbodens bei jungen Müttern oder neurologische Störungen nach einem Unfall: Die Ursachen und Formen von Inkontinenz sind vielfältig. Rund sieben Millionen Menschen sind im deutschsprachigen Raum mit dieser Situation konfrontiert.
„Es ist ein großer Irrtum auch in der medizinischen Allgemeinbildung, dass Inkontinenz ein Schicksal ist, mit dem man im Alter unweigerlich konfrontiert ist und gegen das es keine seriöse, wirksame Therapie gibt", sagt Gisele Schön, Inkontinenzberaterin und Autorin des Ratgebers Wenn Blase und Darm nicht mehr halten, was sie versprechen. „Deshalb wollen wir nicht nur Betroffenen, sondern auch Pflegenden, Betreuungspersonen und Medizinern Perspektiven aufzeigen."

Blasenschwäche hat viele Gesichter

Missverständnisse lassen sich durch Wissen oft am besten lösen. Deshalb gehen Schön und Grafikerkollege Marco Seltenreich gut verständlich, aber genau auf die einzelnen Formen von Harninkontinenz ein – ob Belastungs-, Drang-, Misch- oder Reflexinkontinenz oder auch kindliches Bettnässen, jede Form wird erklärt, die Ursachen werden beschrieben und die verschiedenen jeweils geeigneten Behandlungsformen vorgestellt. So ist in manchen Fällen eine Operation angezeigt, oft lässt sich Inkontinenz aber auch nicht-operativ sehr gut behandeln. Beckenbodentraining etwa kräftigt den Schließmuskel und fördert die Selbstwahrnehmung, sollte aber unter professioneller Anleitung erlernt werden. Und Beckenboden ist nicht gleich Beckenboden: Daher funktioniert das Training bei Männern anders als bei Frauen.

Geschlechterunterschiede

Anatomische Unterschiede bedingen auch, dass manche Inkontinenzformen bei Männern anders verlaufen und zutage treten als bei Frauen. Das betrifft insbesondere die Belastungsinkontinenz. Entsprechend unterschiedlich muss behandelt werden. Der Ratgeber geht deshalb auch auf beide Geschlechter getrennt ein.

Auch ein Thema: Darminkontinenz

Wer den Begriff „Inkontinenz" hört, denkt oft nur an die Blase. Doch auch Stuhlinkontinenz ist nicht selten. Hier gibt es im Unterschied zur Harninkontinenz keine verschiedenen Verlaufsformen, sondern Ursachen und daraus resultierende Störungen, die jeweils völlig unterschiedliche Therapieansätze erfordern. Darmbedingte Störungen oder eine Schädigung des Schließmuskels kommen ebenso vor wie neuromuskuläre Störungen, medikamentöse oder hormonelle Ursachen oder psychische Auslöser. Aber auch Unverträglichkeiten, die zu Durchfällen führen, können derartige Symptome auslösen. Auch hier wird zunächst versucht, mit Stuhltraining, passender Diät oder Beckenbodentraining gegen das Problem anzugehen. Erst wenn alle konservativen Therapiemaßnahmen ausgeschöpft sind oder nicht zielführend waren, sollte operiert werden.

Nicht zu unterschätzen: Praxiswissen

Ein ausführliches Kapitel widmet sich dem Praxiswissen, von der Arztwahl über die Fragen, die abgeklärt werden müssen, bis hin zu den verschiedenen Inkontinenzhilfsmitteln, ihrer Auswahl und Anwendung, inklusive Vorlagengewichtstest und Harnentleerungsprotokoll. Nicht zu unterschätzen ist die Anleitung zur richtigen Intimpflege – hier zeigt sich, wie groß das Tabu Intimbereich immer noch ist.
„Die jahrelangen Erfahrungen in den Beratungsstellen zeigen, dass hier quer durch alle Bevölkerungsschichten große Wissensdefizite vorliegen", sagt Gisele Schön. „Wie man den eigenen Körper und den eigenen Intimbereich zu pflegen hat, findet man noch immer üblicherweise im Selbstversuch heraus – und liegt damit sehr oft und lange ziemlich falsch."

Die Scham überwinden

A propos Tabu: Die größte Hürde zur Behandlung ist häufig die Scham. Deshalb vermittelt Wenn Blase und Darm nicht mehr halten, was sie versprechen nicht nur Wissen, sondern ergänzt die Informationen mit zahlreichen Praxisgeschichten, Tipps, Beratungsadressen und Links. Denn Inkontinenz ist behandelbar – und oft auch vollständig heilbar.

Gisele Schön, Marco Seltenreich
Wenn Blase und Darm nicht mehr halten, was sie versprechen
Inkontinenz und was man dagegen tun kann
maudrich, 2. Auflage 2017, 232 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-85175-967-9
EUR (A) 19,90 / EUR (D) 19,40 / sFr 24,90 UVP

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Buchcover

Eric Mührel, Christian Niemeyer, Sven Werner (Hrsg.): Capability Approach und Sozialpädagogik. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 256 Seiten. ISBN 978-3-7799-3370-0.
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