Sozial.de - Das Nachrichtenportal
Ab dem 01.01.2019 tritt das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz in Kraft - Bildquelle. www.pixabay.com

Unterschiedliche Reaktionen auf Pflegepersonal-Stärkungsgesetz

Das beschlossene Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) soll zu Verbesserungen in der Kranken- und Altenpflege führen. Das Echo ist verhalten positiv, doch es gibt auch Verlierer. Sozial.de liefert einen Ausschnitt von Reaktionen aus der Branche.

DBfK kritisiert fehlende analytische Personalbemessung in Krankenhäusern

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sieht das Gesetz zwar als Schritt in die richtige Richtung, nicht nachvollziehbar sei jedoch, dass im Gegensatz zur Altenpflege keine analytische Personalbemessung für die Pflege in Krankenhäusern verankert wird. Wörtlich heißt es in einer Pressemitteilung des DBfK: "Es führt kein Weg vorbei an einem analytischen und pflegewissenschaftlich fundierten Personalbemessungsverfahren, das den tatsächlichen Pflegebedarf abbildet und verpflichtend zugrunde zu legen ist." Die fehlende Verbindlichkeit sei eine Ursache für den Personalmangel in der Krankenhauspflege.

Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) befürchtet "Luftnummer"

Der bpa sieht in den 13.000 versprochenen Stellen für die Pflege keinen wesentlichen Fortschritt. Aufgrund des Fachkräftemangels seien die Stellen ohnehin kaum zu besetzen. Auch der bpa sieht die Ungleichbehandlung von Alten- und Krankenpflege sehr kritisch, wenn auch aus anderen Gründen wie der DBfK. So wird kritisiert, dass die Finanzierung der Stellen in der Krankenhauspflege voll durch die Kassen übernommen würden, in der Altenpflege jedoch nicht unmittelbar.

Deutscher Caritasverband begrüßt Verbesserungen

Peter Neher, Präsdident des DCV, erklärt, das PpSG sei "ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Pflegesituation in Deutschland". Insbesondere die Berücksichtigung der ambulanten Dienste hebt Neher positiv hervor. Zu bedenken gibt der Chef des DCV jedoch, dass die vorgesehenen 13.000 neuen Stellen den schon lange bestehenden Mangel an Fachkräften nicht kompensieren können.

Paritätischer Gesamtverband bezeichnet Gesetz als "Stückwerk"

Der Pflegenotstand sei zur "Dauerkrise" geworden und die zusätzlichen Stellen seien bei weitem nicht ausreichend, heißt es in einer Mitteilung des Paritätischen Gesamtverbandes. Mittelfristig würden ca. 100.000 Pflegekräfte benötigt. Auch wenn die Maßnahmen nicht falsch seien, seien sie kaum dazu geeignet, eine spürbare Verbesserung für Pflegende und Pflegebedürftige zu erzielen. Wichtig sei auch, dass die Pflegebedürftigen nicht noch weiter zu den Kosten herangezogen werden. Prof. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands, sagt hierzu: "Die Eigenanteile für Pflegebedürftige müssen begrenzt werden, die Pflegekassen sollten 85 Prozent der pflegebedingten Kosten übernehmen“.

Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe beklagt fehlende Berücksichtigung

Prinzipiell seien stationäre Reha-Einrichtungen nicht von dem neuen Gesetz betroffen, bemängelt der Bundesverband für die stationäre Suchtkrankenhilfe "buss e.V.". Somit entstünden vor allem im Wettbewerb um Fachkräfte gravierende Nachteile gegenüber den Krankenhäusern. Zu befürchten sei eine Fachkräfteabwanderung in Richtung der attraktiver werdenden Krankenhäuser. 

Westerfellhaus sieht Gesetz als einen von mehreren Bausteinen

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, macht deutlich, dass das nun beschlossene Gesetz nicht alle Probleme in der Pflege lösen wird. Im Interview mit dem Magazin "Das Parlament" sagt Westerfellhaus, mehr Personal sei eine "Win-Win-Situation" für alle. Insbesondere weist er auf die Überlastung des Bestandspersonals hin, welches häufig Lücken stopfen müsse, die durch Erkrankungen und Arbeitszeitreduzierungen entstünden. Westerfellhaus sieht das nun beschlossene Gesetz als nur einen von vielen wichtigen Schritten an, die nur in ihrer Gesamtheit zu einer Entlastung führen können.

Die wesentlichen Elemente des PpSG sind:

Mit Blick auf die Versorgung in Krankenhäusern:

  • Zusätzliche Pflegestellen in Krankenhäusern werden durch die Krankenkassen voll finanziert
  • Ab 2020 soll bei der Abrechnung eine Kombination aus Fallpauschalen und "krankenhausindividuellen" Spezifika zu Grunde gelegt werden.
  • Erhöhte Kosten durch Tarifsteigerungen werden komplett von den Kostenträgern übernommen
  • Ausbildungsvergütungen für angehende Pflegekräfte in Krankenhäusern werden ebenfalls voll übernommen

Mit Blick auf die Versorgung in der Altenpflege:

  • Insgesamt sollen 13.000 neue Pflegekräfte eingestellt werden; je nach Größe zwischen 0,5 und 2 Stellen pro Einrichtung
  • Verbesserte Kooperation zwischen Pflegeeintrichtungen und Haus- bzw. Zahnärzten
  • Zielgenaue Digitalisierung soll Pflegekräfte bei der Dokumentation entlasten

Die Beschlussfassung des Gesetzes finden Sie hier: 

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/P/181109_Pflegepersonalstaerkungsgesetz_PpSG.pdf 

Ihre Meinung ist gefragt!

Diskutieren Sie über diesen Beitrag.

Kommentare (0)


Kommentar schreiben



Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Erlaubte Tags: <strong><em><br />Kommentar hinzufügen:


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.




Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.

Aktuelle Rezension

Buchcover

Oliver König, Karl Schattenhofer: Einführung in die Fallbesprechung und Fallsupervision. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. 128 Seiten. ISBN 978-3-8497-0182-6.
Rezension lesen   Buch bestellen

zu den socialnet Rezensionen

Stellenmarkt

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Facebook

socialnet ist auch bei Facebook vertreten und informiert dort regelmäßig über neue Angebote und Beiträge.
Werden Sie Fan von socialnet.