Soziale Landwirtschaft vernetzt sich – europaweit

14.09.2010 | Behindertenhilfe | Nachrichten

Teilnehmer aus 19 Ländern Europas trafen sich am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen zur internationalen COST-Tagung Green Care in Agriculture.

(Witzenhausen) - Teilnehmer aus 19 Ländern Europas trafen sich am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen zur internationalen COST-Tagung Green Care – das bedeutet die Integration von Menschen mit Hilfebedarf in Land- und Gartenbau. Für Menschen mit Behinderung, Suchtkranke und spezielle Altersgruppen (alte Menschen, Kinder) bietet Soziale Landwirtschaft eine Perspektive für Therapie, Beschäftigung, Integration und mehr Lebensqualität. Vor der dreitägigen COST-Tagung fand in Kooperation mit der DVS (Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume) eine eintägige Vorab-Tagung mit führenden Vertretern Sozialer Landwirtschaft aus Europa statt zum Thema „Soziale Landwirtschaft in Deutschland und Europa: Aktueller Stand und Chancen für die Zukunft“. Mehr als 100 Teilnehmer arbeiteten an der Frage: Was kann die Soziale Landwirtschaft in Deutschland von Europa lernen? Die Potenziale des Arbeitsfeldes wurden aus der Sicht des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz dargestellt. Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde ebenso wie Fragen der Ausbildung, Finanzierung und Wirtschaftlichkeit diskutiert. Referenten aus den Niederlanden, Italien, Irland, Polen, Griechenland und der Schweiz stellten die Entwicklungen Sozialer Landwirtschaft in ihren Ländern vor. Sie spielt dort zunehmend eine Rolle im Gesundheitssystem – bei der Prävention und in der Therapie. Und sie eröffnet neue Arbeitsfelder in der Landwirtschaft und in ländlichen Räumen. Auf der anschließenden Fachtagung standen die Ergebnisse der vierjährigen Zusammenarbeit des internationalen COST-Wissenschaftler-Netzwerks im Mittelpunkt. Wie lässt sich die Wirkung Sozialer Landwirtschaft auf die Gesundheit wissenschaftlich nachweisen – ein wichtiger Punkt bei der Finanzierung von Green Care durch die Krankenkassen. Wie lässt sich Soziale Landwirtschaft politisch unterstützen, welche Erfahrungen gibt es in den Ländern Europas? „Mit der im Oktober gegründeten ‚Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft’ möchten wir die Entwicklung in Deutschland unterstützen“, so Dr. Thomas van Elsen, der mit seinem Team die Tagung in Witzenhausen organisiert hatte. „In vieler Hinsicht ist die Entwicklung im Ausland weiter.“ So gibt es in Holland Vernetzungsstellen, in Skandinavien staatliche Förderprogramme, und in England hat Prinz Charles mit großem Medienecho eine Care Farm besucht. Für die Tagungsteilnehmer bot eine Ganztagsexkursion zum Hofgut Richerode (Jesberg), das Menschen mit geistiger Behinderung integriert, und zum Drogen-Selbsthilfe Fleckenbühl (bei Marburg) Gelegenheit, zwei besonders gelungene Beispiele Sozialer Landwirtschaft hautnah zu erleben. Die Teilnehmer zeigten sich begeistert von den beiden ökologisch wirtschaftenden Höfen, ihrer Tierhaltung und der Vielfalt an Arbeitsbereichen. Weitere Informationen: www.soziale-landwirtschaft.de

Quelle: Pressemitteilung von PETRARCA – Europäische Akademie für Landschaftskultur e.V., Dr. Thomas van Elsen, vom 31.08.2010