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Schritt in die Selbstständigkeit - Was junge Ärzte bei der Praxisgründung berücksichtigen sollten

Die Anforderungen an werdende Ärzte sind in Deutschland hoch: Nach langwierigem Studium und bestandenem Staatsexamen erfolgt noch die sogenannte Approbation, womit gewissermaßen die Arbeitserlaubnis für Ärzte gemeint ist. Sind diese Hürden genommen, folgt eine etwa fünf- bis sechsjährige Arbeit als Assistenzarzt, um sich in der gewünschten Fachrichtung weiterzubilden. Spätestens dann stellt sich aber die Frage, ob nicht eine eigene Praxis gegründet oder übernommen werden soll. Was müssen junge Ärzte berücksichtigen?

Praxisgründung vs. Angestelltenverhältnis in der Klinik

Die Frage, ob ein Angestelltenverhältnis in einem Krankenhaus oder die Selbstähnlichkeit als niedergelassener Arzt zu bevorzugen ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Wer sich als Arzt niederlassen möchte, wird zum Unternehmer - mit allen Vorteilen, aber auch Risiken. Nach der Approbation ist zwar die Eröffnung einer Praxis grundsätzlich erlaubt, prinzipiell dürfen aber nur Privatpatienten und Selbstzahler behandelt werden. Um die Mehrzahl der Deutschen behandeln zu dürfen, muss eine Zulassung als Vertragsarzt der gesetzlichen Krankenversicherungen erfolgen. Zudem dürfen sich Allgemeinmediziner nur dort niederlassen, wo auch tatsächlich ein Ärztemangel herrscht. Dies ist vor allem in strukturschwachen Regionen im ländlichen Raum der Fall. Ein nicht unerheblicher Unterschied dürfte allerdings auch in der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit liegen. Aktuelle Erhebungen gehen davon aus, dass niedergelassene Fachärzte im Durchschnitt etwa 53 Stunden arbeiten und täglich 38 Patienten behandeln. Demgegenüber dürften Ärzte in Kliniken durchaus stärker belastet werden: Im Jahr 2015 offenbarte eine Studie, die vom Marburger Bund erstellt und veröffentlicht wurde, dass 46 % aller Ärzte zwischen 49 und 59 Stunden wöchentlich arbeiten; bei 21 % sind es gar 60 bis 79 Stunden pro Woche. Die vermeintliche Sicherheit des Angestelltenverhältnisses wird also nicht selten mit einer hohen Arbeitsbelastung erkauft.

Praxisneugründung: Mediziner wird zum Unternehmer

Gleichzeitig wird von vielen jungen Ärzten unterschätzt, was bei der Übernahme oder Neugründung einer Praxis alles beachtet werden muss - unternehmerische Grundlagen werden im Studium üblicherweise nicht vermittelt. Zu einer erfolgreichen Neugründung gehört beispielsweise eine Marktanalyse und eine Einschätzung des Investitionsbedarfs, damit die Finanzplanung auch tatsächlich aufgeht. Bei einer Praxisübernahme besteht der Vorteil darin, dass bereits ein Patientenstamm vorhanden ist, der direkt von Beginn an für entsprechende Umsätze sorgen dürfte. Untersuchungen haben zwar gezeigt, dass zwischen zehn und 20 % der bisherigen Patienten nach einer Praxisübernahme wechseln, insgesamt handelt es sich aber um eine überschaubare Zahl, die an stabilen Einnahmen nichts ändern dürfte - was allerdings ebenso seinen Preis hat: Rund 100.000 Euro dürften für eine Praxisübernahme durchaus veranschlagt werden, je nach Standort muss gar die doppelte Summe gezahlt werden. Dafür entfallen in der Regel die Kosten für neue Investitionen in medizinische Geräte - was insbesondere für Zahnarztpraxen gilt. Die durchschnittliche Übernahme schlägt bei Zahnärzten mit 300.000 Euro zu Buche, eine Neugründung verschlingt im Durchschnitt mehr als 400.000 Euro. Weiterhin muss berücksichtigt werden, dass bei einer Neugründung zunächst Kosten für Angestellte entstehen, denen zunächst keine stabilen Einnahmen gegenüberstehen. Auf lange Sicht lohnt sich die Selbstähnlichkeit hingegen durchaus, die Einnahmen übersteigen die Vergütung von angestellten Ärzten bei weitem - Letztere können ein Jahresgehalt von etwa 50.000 Euro einkalkulieren. Demgegenüber erwirtschaften niedergelassene Zahnärzte durchschnittlich einen Überschuss von etwa 120.000 Euro.

Heilberufe Portal der Deutschen Bank widmet sich niedergelassenen Ärzten

Um diese hohen Investitionssummen zu stemmen, werden je nach Bundesland und Regionen Forderungen gewährt, die beispielsweise in Zuschüssen oder zinsgünstigen Krediten bestehen. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt entsprechende Gründerdarlehen. Viele junge Ärzte wissen allerdings nicht, welche Forderungen konkreten Anspruch genommen werden können und wo sich eine Gründung auch wirtschaftlich lohnt. Das Heilberufe Portal der Deutschen Bank widmet sich genau diesen Anliegen. Der PraxisCheck erlaubt beispielsweise eine einfache Prüfung der wichtigsten wirtschaftlichen Kenndaten. Durch die Praxisbörse lässt sich möglicherweise eine Praxisübernahme in der gewünschten Region arrangieren, was insbesondere dann interessant ist, wenn am gewünschten Standort kein Ärztemangel besteht. Hier ist eine Neugründung nämlich nicht ohne weiteres möglich. Der Bereich medVeranstaltung informiert in kostenlosen Seminaren über Chancen und Risiken bei einer Selbstständigkeit als Arzt - und vermittelt damit genau jenes Wissen, welches im Studium häufig zu kurz kommt. Besonders interessant für konkrete Detailfragen: Mit einer einfachen Suche lassen sich auch Experten vor Ort finden, mit denen sich die Hürden der Praxisgründung gemeinsam meistern lassen.


Quelle: Deutsche Bank

Schlagworte des aktuellen Beitrags

Praxisgründung, Heilberufe

Aktuelle Rezension

Buchcover

Eric Mührel, Christian Niemeyer, Sven Werner (Hrsg.): Capability Approach und Sozialpädagogik. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 256 Seiten. ISBN 978-3-7799-3370-0.
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