Peer Counseling für behinderte Menschen mit Migrationshintergrund

28.02.2011 | Behindertenhilfe | Nachrichten

Unter dem Titel „Vielfalt in der Beratung!“ hat die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) einen Lehrplan zu einer Peer Counseling-Weiterbildung für behinderte Menschen mit Migrationshintergrund vorgelegt. „Dieser Schritt war notwendig, da behinderte oder chronisch kranke Menschen mit Migrationshintergrund in der deutschen Selbsthilfeszene kaum vorkommen und nicht die Peer-Unterstützung erhalten, die sie brauchen“ erklärt H.- Günter Heiden, der den Lehrplan für die ISL erstellt hat. „Sie verstehen die verschlungenen Strukturen des deutschen Gesundheits- und Rehabilitationswesen oft nicht und können kulturell bedingt ein anderes Verständnis von Krankheit oder Behinderung haben.“ Auch gebe es kaum nicht-deutschsprachige Beratungsangebote. Diese Punkte seien in den bisherigen Peer Counseling - Weiterbildungen der ISL zu wenig beachtet worden, sagt Heiden. So sollten BeraterInnen zum Beispiel neben der Kenntnis des Behindertengleichstellungsrechts auch über das Ausländer- und Asylrecht Bescheid wissen. Zur Erstellung des Lehrplans, der mit Förderung durch den AOK Bundesverband entstand, hatte die ISL unter anderem zehn ExpertInnen aus der Beratungspraxis befragt, die alle selber mit einer Behinderung und/oder Migrationshintergrund leben. „Wenn es auf Grund des Lehrplans demnächst BeraterInnen mit Behinderung und Migrationshintergrund in Verbänden und Einrichtungen gibt, so erhalten ratsuchende behinderte Menschen mit Migrationshintergrund  zum einen mehr Wahlmöglichkeiten, um ihre erforderlich Unterstützung zu erhalten“, meint Heiden. „Zum anderen werden  qualifizierte Arbeitsmöglichkeiten für behinderte MigrantInnen geschaffen und die erforderliche interkulturelle Öffnung in der Behindertenarbeit wird vorangetrieben.“

Über die ISL

Die "Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. - ISL" ist die Dachorganisation der Zentren für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen und wurde 1990 von behinderten Frauen und Männern gegründet.  „Behinderung“ wird nicht nicht als Defizit aus einer medizinischen Perspektive definiert. Vielmehr wird Behinderung als Menschenrechtsthema verstanden.

Die Leitideen sind „Selbstbestimmung – Selbstvertretung – Inklusion – Empowerment“!

Die ISL e.V. ist der deutsche Zweig der 1980 gegründeten internationalen Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen "Disabled Peoples´ International - DPI".

Quelle: Pressemitteilung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) e.V. vom 25.02.2011
http://www.isl-ev.de