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Gesundes Essen für alle?!

Das Netzwerk Regionaler Knoten Rheinland-Pfalz: „Kindergesundheit in sozial benachteiligten Lebenslagen“ widmete sich auf seiner Fachtagung dem wichtigen Aspekt „Gesundes Essen für alle?! Gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche in sozial benachteiligten Lebenslagen“.

Kinder aus Familien in prekären Lebenssituationen leben häufig ungesünder als Kinder aus gut situierten Familien. Die Gesundheitsberichterstattung legt dar, dass sie überproportional mit Übergewicht und gesundheitlichen Folgeerscheinungen zu kämpfen haben. Oft fehlt den Familien das Wissen darüber, was gesunde Ernährung ist, mehr noch wie sie praktisch umgesetzt werden kann. Ein Mangel an gesundheitsförderlichen Essgewohnheiten, wie regelmäßige Essenszeiten und gemeinsame Mahlzeiten am Tisch und zu wenig Bewegungsmöglichkeiten und -praxis tragen in diesen Familien zu einem ungünstigen Lebensstil bei. Welche Wege es geben kann, gesunde Ernährung für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Praxis zu ermöglichen, beleuchtete unter dem Titel „Gesunde Ernährung für alle?!“ ein Fachtag des Regionalen Knotens Rheinland-Pfalz im Bürgerhaus Mainz-Lerchenberg. „Unser Aussagepunkt liegt in den Lebenswelten der jungen Menschen. Wir wollen möglichst früh ansetzen, um die Ernährungssituation in sozial benachteiligten Familien zu verbessern“, so Christine Morgenstern von Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen (MASGFF) bei der Begrüßung. „Da die Ernährung in der Kindheit die Grundsteine für spätere Gesundheit, aber auch für Krankheiten wie etwa Diabetes legt, ist es  wichtig, schon Kinder an einen gesunden Lebensstil heranzuführen und ihre Eltern als Unterstützer zu gewinnen“. Sissi Westrich vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (MBWJK) betonte in ihrem Grußwort die wichtige Rolle,  die Kindertagesstätten und andere Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Schulen für die Entwicklung gesunder Ernährungsweisen und den Erwerb von Ernährungswissen spielten. „Insbesondere  vor dem Hintergrund der steigenden Zahl an Ganztagsschulen mit Mittagsverpflegung und dem Kita-Ausbau bieten sich viele Chancen, Kinder an eine sinnvolle Ernährung heranzuführen. Hier können wir erfahrbar machen,, dass gesundes Essen lecker schmeckt und Lust auf Nachahmung wecken.“ In ihrem Vortrag zum Ess- und Einkaufsverhalten von Familien in sozial benachteiligter Lebenslage ging Frau Prof. Dr. Ingrid-Ute Leonhäuser vom Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen darauf ein, dass Ernährungsverhalten oft geprägt ist durch unzureichende finanzielle Ressourcen und fehlende Ernährungskompetenzen. Sie betonte, dass es unbedingt notwendig sei, Gesundheitsförderung an die soziale Lebenslage der Zielgruppe anzupassen und die Menschen insbesondere bei der Entwicklung von Angeboten mit einzubeziehen. Gesundheitsförderung und Ernährungsbildung seien sowohl in der Familie als auch in Kindergarten, Schule und Betrieb unverzichtbar. Alexandra von Garmissen von der Leibniz Universität Hannover berichtete über ein Forschungsprojekt zur Verbesserung der Wirksamkeit der Adipositasprävention für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Unter der Überschrift „Dicke Freunde?!“ trafen sich im Rahmen dieser Studie Betroffene zu Gruppendiskussionen, in denen ihre eigene Sichtweise in den Vordergrund gestellt wurde. Die Jugendlichen selber konnten berichten, was ihnen beim Abnehmen helfen würde und wie Angebote gestaltet sein müssten. Der Vortrag machte deutlich, dass zur Adipositasprävention oder -minderung immer die gesamte Familie einzubeziehen ist, da Kinder und Jugendliche sich sonst alleine gelassen fühlen und gegenüber Gewohnheiten im Elternhaus machtlos sind. Dass Grund- und Förderschüler mehr Obst und Gemüse essen, dafür will das kürzlich gestartete  landesweite Schulobstprogramm in Rheinland-Pfalz  sorgen. Wie Ute Schmazinski-Damp vom MBWJK erklärte, werden alle 1100 Grund- und Förderschulen im Land einmal pro Woche kostenlos mit Obst und Gemüse beliefert. 160 000 Schülerinnen und Schüler kommen so in den Genuss einer regelmäßigen Obst- bzw. Gemüsemahlzeit und sollen damit an eine gesunde, frische und vitaminreiche Kost herangeführt werden. Die Hoffnung ist, dass das Projekt positive Gewohnheiten ausbildet und Lust macht auf regelmäßigen Obst- und Gemüseverzehr auch im Jugend- und Erwachsenenalter. Die Workshops am Nachmittag befassten sich mit praktischen Themen, wie etwa der Finanzierung von Projekten gesunder Ernährung (Stichwort: Fundraising) oder der Frage, wie man „Haushalt lehren“ und betroffenen Familien vermitteln kann, dass gutes Essen auch mit geringem Budget möglich ist. In weiteren Workshops wurde diskutiert, wie man Eltern als Partner für gute Ernährung gewinnt und welche Zugänge im Quartier zu Kindern mit Migrationshintergrund geschaffen werden können. Den Abschluss bildete die Vorstellung  des Projekts „Gesundes Netzwerk Spiel- und Lernstube“. Der „Regionale Knoten Rheinland-Pfalz“ ist Teil eines bundesweiten Kooperationsverbundes mit der Aufgabe, durch Wissenstransfer und Vernetzung die Gesundheitschancen für Kinder und Jugendliche in sozial benachteiligten Lebenslagen zu stärken. Die Koordination des Regionalen Knotens und die Organisation seiner Fachveranstaltungen liegt bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG). „Dieser Fachtag hat den Blick auf den Zusammenhang von sozialer Lebenslage und Gesundheitsverhalten geschärft“, sagte LZG-Geschäftsführer Jupp Arldt zusammenfassend. „Veranstaltungen wie diese sind eine Plattform für den fachlichen Austausch und dienen dem Ziel der LZG,  allen Menschen gleiche Möglichkeiten für ein gesundheitsförderndes Aufwachsen und Leben zu schaffen“, so Arldt.

Quelle: Pressemitteilung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) vom 04.11.2010

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